Peter Richter spricht für die
SZ mit
Ofir Amir, dem Veranstalter des von der
Hamas schwer angegriffenen
Nova-
Festivals. Eine von ihm dazu initiierte Wanderausstellung ist ab 7. Oktober auf ihrer ersten Station in Europa
in Berlin zu sehen. Sehr bedrückend und detailliert schildert Amir den Ablauf des Hamas-Massakers, das er nur knapp und schwer verletzt überlebte. Die Beweggründe für die Ausstellung? "Wir wollten nicht, dass
die Zahl von 411 Opfern alles ist. Denn hinter dieser Zahl stehen Namen und jeweils eine Geschichte. Wir haben also das Festivalgelände noch mal nachgebaut. Wir haben
die verbrannten Autos, wir haben die mobilen Toilettenkabinen mit den
Einschusslöchern in den Türen. Wir haben die Bar und die Getränkekühltruhe, in der sich eine Mitarbeiterin versteckt und überlebt hat. Wir haben die Zelte.
Alles ist original. ... Wir sehen, dass es ein großes Problem mit Bildung gibt. Es ist ein Riesenproblem, weil so viele junge Leute heute ihre Informationen von
Tiktok und von
Instagram bekommen. Deshalb ist es uns wichtig, von Stadt zu Stadt zu ziehen und unsere Geschichte zu erzählen, um der Welt zu zeigen:
Das ist uns passiert,
aber wir hassen nicht."
In
Russland wird zwar viel
Neue Musik gespielt, doch "zu meinem großen Bedauern macht das meine Heimat nicht zu einer
Demokratie", seufzt Sergej Newski im
VAN-Kommentar. Dass die Staatsführung hier gewähren lässt, sei allerdings kein propagandistisches Feigenblättchen gegenüber dem Westen. Vielmehr "hält der Staat sie nicht für gefährlich und sieht darin keinen politischen Inhalt. Die Komplexität, die vor 70 Jahren als
bedrohlich galt, wird heute von außen als
hochgestylte Dekoration angesehen."
Themenwechsel:
Taylor Swifts neue Album "The Life of a Showgirl" beschäftigt alle Popkritiker. Längst sind ihre Alben mehr oder weniger kodifizierte Tagebücher und Momentaufnahmen aus ihrem Leben im Rampenlicht. "Es ist ein radikaler Bruch mit dem prosaischen und schmerzgesättigten Vorgänger",
schreibt Rahel Zingg in der
NZZ. "Wo 'The Tortured Poets Department' mit 31 Songs grau und ausgedehnt wirkte, ist 'Showgirl'
schillernd und knapp." Kein Wunder, bei "Tortured..." ging es noch um
gescheiterte Beziehungen, nun liegt der Fokus auf der erfolgreichen "Eras"-Tour, die die Musikerin die letzten zwei Jahre im Griff hatte, und auf ihren währenddessen glücklich eingegangen Liebesbeziehung zu dem Sportler
Travis Kelce, dessen
Qualitäten im Bett und die dafür notwendige körperliche Voraussetzung Swift im dazu naheliegend betitelten
"Wood" euphorisch besingt. Produziert hat der schwedische Hitschmied
Max Martin, über den Ueli Bernays in der
NZZ schreibt und der "für mehr Nummer-eins-Hits als jeder andere Produzent verantwortlich ist", wie wiederum Inga Barthels im
Tagesspiegel informiert.
Zu hören gibt es "eine gut durchgeschüttelte Tüte aus kurzweiligem, kaum in
nennenswerte Tauchtiefen gehenden Pop", urteilt Joachim Hentschel in der
SZ. "Immer wieder hört man Sixties-Anklänge heraus. Einen
relativ subtilen Klassizismus, wie er in Taylor Swifts Musik bislang die Ausnahme war." Für Max Dax
in der FR hingegen ist dies das "bisher beste Album" Swifts: "Das wahrhaft Faszinierende" daran ist, "dass es zu jeder Sekunde und in jedem Atemzug ihres Gesangs hält, was sie im Titel verspricht. Als wolle sie ihre Fans tatsächlich teilhaben lassen an ihrem Innenleben, am
Gedankenstrom des Showgirls, zu dem sie geworden ist, an ihrem unaufhörlichen und von niemandem kontrollierbaren inneren Monolog, was es bedeutet und wie es die Perspektiven der Wahrnehmung verändert." Dieses Album "ist
moderat literarisch,
moderat feministisch,
moderat kritisch. Das Werk eines abgewogenen Middleclass-Kids aus Pennsylvania",
hält Philipp Krohn derweil sehr bodenständig in der
FAZ fest. "Im Rahmen der häuslichen Zweisamkeit, die sie auf 'The Life of a Showgirl' besingt, wirken die biblischen Metaphern und literarischen Verweise herbeibehauptet, mitunter sogar
kitschig", notiert Daniel Gerhardt auf
Zeit Online.
Weitere Artikel: "Die Welthaltigkeit des
HKW hat durch all diese
Provinzialität erheblichen Schaden genommen",
kommentiert Julian Weber in der
taz den Eklat um den geplanten Auftritt des Rappers
Chefket im Rahmen von
Jan Böhmermanns Berliner Ausstellungsprojekt. Michael Stallknecht
berichtet in der
NZZ von
Haydn-Aufführungen in Fertöd.
Dresden verhängt eine
Haushaltssperre für 2026, das bereits eingeplante Programm zahlreicher Kultureinrichtungen steht damit auf der Kippe, meldet Merle Krefeld in
VAN. Marianne Zelger-Vogt
porträtiert in der
NZZ die Klarinettistin
Sabine Meyer, die ihr Karriere-Ende angekündigt hat. Holger Noltze spricht für
VAN mit
Stephan Pauly, dem Intendanten des
Wiener Musikvereins. Felix Diergarten
durchleuchtet in der
NZZ das Werk von
Richard Strauss nach versteckten, intimen Selbstdarstellungen, denn wenn der Komponist "sich selbst so interessant fand wie Napoleon oder Alexander, ist das nur auf den ersten Blick befremdlich". Thomas Stillbauer
erinnert in der
FR an das
Police-Album "Reggatta de Blanc". Tilman Spreckelsen
gratuliert in der
FAZ dem US-Sänger
Don McLean zum 80. Geburtstag. Besprochen wird das neue Album von Nina Chuba (
NZZ).