Joachim Hentschel porträtiert in der SZPeaches, die nach zehn Jahren wieder ein Album aufgenommen hat. Mit ihren sexpositiven Body Politics setzte sie schon immer auf grelle Schauwerte, "dabei geht es auf dem neuen Album nicht mal um Konfrontation. Im Gegenteil. Peaches singt vom Flutschen, GlibbernundGlitschen, also von Kulturtechniken, bei denen man zwar zuerst an Sex denkt. Die sich aber noch auf viele andere Formen des gesellschaftlichen Austauschs anwenden lassen. ... Die Hanns-Joachim-Friedrichs-hafte Redewendung vom sozialen Schmiermittel bekommt so endlich noch ihr popkulturelles Denkmal, wohlverdient. Und wer schon länger kein Peaches-Album mehr gehört hat, weil er (oder sie) denkt, dort höchstens ein paar stumpfe Beats, Bratgitarren und rhythmisch skandierte Schweinereien zu finden, sollte es mal wieder probieren. Auf 'No Lube So Rude' kommen eine Menge Melodien dazu, ein ganzer, splitternackter Eurovision Song Contest an abenteuerlichen Sounds sowie ein wunderbares Liebeslied." Hier das Titelstück:
Weiteres: Martina Meister porträtiert für die WamS den Hiphop-Pianisten SofianePamart. In der FAZ gratuliert Jan Wiele dem Musiker Stoppok zum 70. Geburtstag. Besprochen werden ein neues Album von JanaHorn (FR) sowie Konzerte von The Last Dinner Party (Standard) und HerbertGrönemeyer (Standard).
Jürgen Kaube hat für die FAZ eine Handreichung des Bayerischen Rundfunks gelesen, die erzählt, wie sich der Sender die Hörer von BR-Klassik vorstellt, nämlich als eine "Stefanie", 52 und Grafikdesignerin, die BR-Klassik nebenbei dudeln lässt, um damit "Mood-Management" zu betreiben: "Für Orlando di Lasso, den späten Beethoven, Brahms' 'Vier ernste Gesänge' und Schönbergs 'Überlebenden aus Warschau' könnten unter dem Aspekt des Stimmungsmanagements von Stefanie und ihres Bedarfs an 'positiven Emotionen' schwere Zeiten anbrechen." Die Handreichnung des Senders wendet sich an die freien Kritiker: "Den Begriff der Kritik löscht es aus dem Berufsbild. Es behandelt sie als Animateure."
Dazu passt Axel Brüggemanns Kommentar in backstageclassical.com zum süßlichen Kitsch von "Hochglanz"-Klassik-Shows im ZDF. Hier herrschen für ihn "Einfallslosigkeit und die Hörigkeit eines kriselnden Senders gegenüber einer noch kriselnderen Phonoindustrie... Statt endlich umzudenken, baut der verantwortliche Redakteur, Tobias Feilen, diesen Quatsch noch weiter aus und versenkt seine Gelder in irgendwelche Neuschwanstein-Konzerte, die nach dem gleichen Phono-Industrie-Bankrott-Mechanismus funktionieren: Vermeintlich große Stars im abgehalfterten Märchenambiente."
Weiteres: Lili Braun stellt in der taz das österreichische Indie-Trio Lovehead vor. Besprochen werden ein Konzert von MachineGunKelly in Wien (Standard), ein Auftritt der isländisch-chinesischen Popsängerin Laufey in Zürich (NZZ), ein Jazzabend mit ShakeStew in Wien (Standard), eine neue EP von U2, mit der die Band unter anderem auf die Erschießung von RenéeGood reagiert, (SZ) und Jill ScottsAlbum "To Whom This May Concern" (taz).
Hier ihr Auftritt vor kurzem bei der tollen "Tiny Desk Concert"-Reihe des NPR:
Wolfgang Sandner (FAZ) und Michael Stallknecht (SZ) gratulieren GyörgyKurtág zum hundertsten Geburtstag. Ulf Lippitz plaudert für den Tagesspiegel mit Peaches. Joachim Hentschel porträtiert in der SZMumford & Sons. Daniel Haas blickt sich für die NZZ in der Welt des "Fotzenrap" um. Besprochen werden Morrisseys Auftritt in Frankfurt (FR) und ein Konzert der Death-Metal-Band Sylosis (FR).
Sebastian Franke erinnert in der Jungle World an den Komponisten MortonFeldman. Inspiriert vom Abstrakten Expressionismus und dessen Autonomie der Farbe, "erarbeitete er sich eine Ästhetik der Autonomie des Klangs, mit der er sich deutlich vom Systemdenken der europäischen Kunstmusiktradition absetzte. ... Dieses neue musikalische Denken führte zu etwas, das man als Verräumlichung der Musik beschrieben kann, die das Zeitempfinden irritiert und sich dezidiert dagegen sträubt, gezielt auf einen Höhepunkt zuzusteuern. ... Auch den Aspekt der Dauer betreffend erkundete Feldman das Extreme. So gilt sein 'String Quartet II' (1983) mit seinen etwa fünf Stunden als das längste in der Geschichte der Gattung. Es begegnen einem hier die für Feldman typischen Patterns, also minimale Variationen von Klangfiguren, die sich auf behutsame Weise miteinander verweben, und ein leiser Vortrag, der fast einfordert, mit vorgebeugtem Ohr gehört zu werden. Wie hingehaucht wirken die Klänge, sie scheinen zu schweben und entraten somit der Nachdrücklichkeit der Erdenschwere."
Außerdem: Ueli Bernays spricht für die NZZ mit HeleneFischer. Jakob Biazza schreibt für die SZ einen Nachruf auf den Songwriter BillySteinberg.
Besprochen werden Mobys Album "Future Quiet" mit Musik "zwischen Wohlfühlklassik, Ambient und Hotelbargeklimper", stöhnt Christian Schachinger im Standard, ein Konzert von MarthaArgerich in Wien (Standard, Presse) und ein Konzert von AdamGreen in Frankfurt (FR).
"Er war kein Antisemit" und auch "kein Gesinnungsnazi", sagt MichaelWolffsohn im SZ-Gespräch mit Helmut Mauró über HerbertvonKarajan, über den der Historiker gerade eine Biografie veröffentlicht hat (hier unser Resümee eines früheren Gesprächs). Reinhard J. Brembeck reist für die SZ nach Venedig und nach Codroipo, um das Werden der neuenOrgel für die Markuskirche nachzuvollziehen. Clemens Haustein resümiert in der FAZ den Auftakt des Festivals "Vom Anfangen" im Konzerthaus Berlin. Gregor Dotzauer gratuliert im Tagesspiegel dem Komponisten GyörgyKurtág zum hundertsten Geburtstag.
Dávid Gajdos spricht in der NZZ mit György Kurtág, der am 19. Februar hundert Jahre alt wird. Eleonore Büning sendet ebenfalls in der NZZ Geburtstagsgrüße. Michael Pilz erinnert in der Welt an den in Vergessenheit geratenen Protestsong "Cuba Sí, Nixon No" von Simon & Garfunkel. In der FAZ gratuliert Wolfgang Sandner dem Dirigenten EliahuInbal zum 90. Geburtstag.
Besprochen werden FrankSchäfers Band-Biografie über Motörhead (NZZ), ein Konzert von BiffyClyro in Offenbach (FR), ein Konzert der WienerPhilharmoniker unter AndrisNelsons (Standard), das neue Album der Leipziger Indieband KapaTult (taz), das neue Album des Jazztrompeters NilsWülker (SZ) und CharliXCX' neues Album "Wuthering Heights" (Standard).
Julian Weber plaudert in der taz mit Peaches, deren erstes Album seit zehn Jahren demnächst erscheint. Elmar Krekeler erinnert in der WamS an den Komponisten JanDismasZelenka. Für die SZ porträtiert Thore Rausch den Postpunk-Nostalgier NilsKeppel.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Der Dirigent Herbert von Karajan wurde 1935 Mitglied der NSDAP, weiß man. Aber wurde er Mitglied aus Karrieregründen oder weil er ein in der Wolle gefärbter Nazi war? Das hat Michael Wolfssohn in seinem Buch "Genie und Gewissen: Herbert von Karajan zwischen Musik und Nationalsozialismus" untersucht. Im Interview mit der FAZ gibt er eine klare Antwort: Nein, Karajan war kein glühender Nazi. "Ein Formalnazi ja. Aber entscheidend ist die Frage: War Karajan auch ein Gesinnungsnazi? Die Deutschen strömten ab März 1933 aus Opportunismus in die NSDAP. Karajan war Österreicher und hätte das nicht tun müssen. Aber er war seit 1929 berufstätig in Deutschland - und zwar als Kapellmeister in Ulm. Diese Stelle war gefährdet. Er suchte sich durch die Parteimitgliedschaft abzusichern. ... Vom Naziregime konnte er trotz seiner NSDAP-Mitgliedschaft kaum profitieren. Adolf Hitler mochte ihn als Dirigenten nach einer verunglückten Aufführung von Richard Wagners 'Meistersingern' am 2. Juni 1939 überhaupt nicht. Er war so erbost, dass er erklärte, nie wieder eine Vorstellung zu besuchen, in der Karajan dirigierte." Mehr zum Buch bei backstage classical.
"Er war mitreißend, ohne Verführer zu sein", schreibt Regine Müller in der NZZ über den Dirigenten und Bach-Spezialisten Helmuth Rilling, der im Alter von 92 Jahren gestorben ist. "Seine spontanen Eingebungen waren berüchtigt: In den größten Momenten folgte Helmuth Rilling seinem untrüglichen Instinkt für die Spannung, die in der Luft lag", wie 1984 "bei einem Konzert mit Bachs h-Moll-Messe in Weimar im Rahmen einer DDR-Tournee, die von offizieller Seite argwöhnisch beäugt wurde. Die Stimmung im ausverkauften Saal knisterte. Im 'Crucifixus' ließ Rilling plötzlich die Arme sinken. Er dirigierte nicht mehr, sondern stand still. Nur mit den Augen kommunizierend, verkörperte er Schmerz und Leid in völliger Bewegungslosigkeit. Und Bachs Partitur spielte sich sozusagen von selbst. Über den bohrenden Vierteln des Ostinato-Basses versickerte das Geschehen schließlich im Pianissimo auf die Worte 'et sepultus est'. Das folgende 'Et resurrexit' - nun wieder unter explosiver Leitung Rillings - gelang triumphaler denn je."
Als interessiert, bodenständig und zielstrebig beschreibt Gerald Felber den Dirigenten in der FAZ. Und auch er erinnert sich an ein Konzert mit Bachs h-Moll-Messe, diesmal in Dresden: "ein langer Frühlingsabend, der gerade dadurch unvergesslich bleibt, weil hier die Geister lustvoller Lebenszugewandtheit und metaphysischer Entgrenzung in unvergesslicher Weise zueinander fanden und damit die DDR-typischen Verklemmungen gegenüber dem geistlichen Bach subtil unterliefen." In der SZ würdigt ihn Helmut Mauró.
Hier der erste Teil eines Gesprächskonzerts mit Rilling zur h-moll-Messe:
Weiteres: In der NZZsieht Marco Frei den kommenden Bayreuther Festspielen guter Dinge entgegen, denn dort wird NathalieStutzmann dirigieren, die ihn aktuell an der Bayerischen Staatsoper gerade mit Charles Gounods "Faust"-Oper sehr überzeugt hat. Josef Engels spricht in der Welt mit dem Jazzmusiker NilsLandgren. Joachim Hentschel macht sich in der SZ Gedanken darüber, wie KidRock zum Aushängeschild der MAGA-Bewegung wurde. Besprochen werden ein Auftritt von Raye in Zürich (NZZ) und ein Konzert der HR-Bigband mit RichardBona (FR).
Christian Wildhagen porträtiert in der NZZ die Geigerin JanineJansen. BadBunnysSuperbowl-Auftritt "war im Grunde purerCastorf", schreibt Peter Kümmel in der Zeit. Hans-Jürgen Linke schreibt in der FR zum Tod des Posaunisten und Komponisten UweDierksen.
Besprochen werden Michael Wolffsohns Buch "Genie und Gewissen", in dem der Historiker und AntisemitismusforscherHerbertvonKarajans Verhältnis zum Nationalsozialismus analysiert (Zeit), und Megadeaths neues und angeblich auch letztes, kurzerhand nach der Band selbst benanntes Album, auf dem sich der Gitarrist DaveMustaine final an seinen Konkurrenten Metallica abarbeitet, was aber "eitel, verzweifelt und ein bisschendämlich" klingt, so SZ-Kritiker Peter Richter.
Sascha Zoske erzählt in der FAZ von seinem Besuch in der Orgelbauwerkstatt Klaisin Bonn, wo gerade Teile der neuen Orgel für den Markusdomin Venedig angefertigt werden. Den Rest übernimmt in Italien die Werkstatt Zanin. Beide "wollen das wertvolle Material aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten und es behutsam um neue Register ergänzen. Diese werden neben respektive hinter die alten Pfeifen gestellt; einige der modernen Stimmen - darunter die tiefsten Basspfeifen - sollen Platz auf den Emporen des Querhauses finden." Allerdings "wird die Orgel für die Besucher des Doms kein Blickfang werden - und das soll sie auch nicht. Größere Eingriffe in die Architektur der goldenen Basilika mit ihren prachtvollen Mosaiken, etwa das Zustellen größerer Fenster, verbieten sich angesichts des Denkmalcharakters von selbst."
Weiteres: Michael Wurmitzer erklärt im Standard die Ostereier, die in BadBunnysSuperbowl-Auftritt zu entdecken sind (mehr dazu hier). Besprochen werden ein Wiener Konzert des TorontoSymphonyOrchestras mit der Geigerin PatriciaKopatchinskaja (Standard) und das Jazzalbum "Lines for Lions" von VincentCourtois, DanielErdmann und RobinFincker (FR).
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