Intervention
Preis für einen Unerschrockenen
Von Claus Leggewie
14.05.2025. Algerien hat Boualem Sansal als Geisel genommen, die französischen "Links"-Nationalisten sahen sich außerstande, im Parlament einem parteiübergreifenden Appell zur Freilassung des Autors zuzustimmen, da sie ihre islamistische und islamophile Wählerschaft nicht verprellen wollte. Da ist es um so wichtiger, dass Sansal morgen den renommierten Jiří-Theiner-Preis des tschechischen Buchhänderverbands bekommt. Entgegennehmen wird ihn sein Schriftstellerkollege Kamel Bencheikh.Radio Prag und das Pariser Unterstützungskomitee haben bekannt gegeben, soll der seit nunmehr fast einem halben Jahr in Algerien inhaftierte Schriftsteller Boualem Sansal bei der am 15. Mai beginnenden Prager Buchmesse den renommierten Jiří-Theiner-Preis zur Unterstützung der Meinungsfreiheit verliehen bekommen. Übergeben wird er stellvertretend an den algerischen Schriftstellerkollegen Kamel Bencheikh, der im vergangenen Jahr einen kritischen Roman über die misslungene algerische Agrarrevolution der 1970er Jahre vorgelegt hat - Titel, "Un si grand brasier" ("Eine derartiges Inferno"), erschienen im algerischen Frantz-Fanon-Verlag, der inzwischen auch geschlossen ist, unser Resümee). Die Preisverleihung mag als schwacher Trost für die weiterhin aussichtslose Lage des schwerkranken Sansal wirken, um dessen Freilassung sich die französische Regierung bemüht hatte, bis eine diplomatische Krise die Beziehungen der beiden Staaten auf einen neuen Tiefpunkt brachte und Sansal zu einem Spielball der algerischen Außenpolitik wie der französischen Innenpolitik wurde. Algerien hat ihn als Geisel genommen, die französischen "Links"-Nationalisten sahen sich außerstande, im Parlament einem parteiübergreifenden Appell zur Freilassung des islamkritischen Autors zuzustimmen, da sie ihre islamistische und islamophile Wählerschaft nicht verprellen wollte.
In dieser Situation setzt die Preisverleihung ein internationales Zeichen und unterstreicht Sansals "unerschrockene Auseinandersetzung mit kontroversen und kritischen Themen in der Literatur. Sansal setzt sich in seinen Werken konsequent für die Werte der freien Meinungsäußerung, der intellektuellen Integrität und der Kritik an allen Formen des Autoritarismus ein. Er setzt sich mutig mit Themen wie politischer Korruption, religiösem Extremismus und gesellschaftlicher Unterdrückung auseinander, oft unter großem persönlichem Risiko." (Hier die Website des Preises und die Begründung für den Preis.) Der Jiri-Theiner-Preis ist benannt nach dem langjährigen Chefredakteur von Index on Censorship und wird vom Verband der tschechischen Buchhändler und Verleger verliehen. Seit 2022 wurde der ursprünglich der Förderung der tschechischen Literatur im Ausland gewidmete Preis auf den Kampf um die Meinungsfreiheit zugeschnitten. Zu den Preisträgerinnen zählte die türkisch-britische Schriftstellerin, Essayistin und Aktivistin Elif Shafak, ukrainische und iranische Autorinnen.
Jiri Theiners Lebensgeschichte erklärt sein Engagement für den Index on Censorship, dessen stellvertretender Herausgeber er war. 1926 in Prag geboren, floh er, der sich nun George nannte, mit seiner Familie vor den Nazis nach England. 1945 kam er mit dem anderen Totalitarismus in Berührung: als er sich weigerte, der kommunistischen Partei beizutreten, wurde er zu Zwangsarbeit in schlesischen Kohlebergwerken verurteilt. Nach dem Einmarsch der Sowjets 1968 kehrte er nach England zurück und widmete sein Leben dem der Förderung der tschechischen Literatur unter anderem mit Übersetzungen von Miroslav Holub und Václav Havel. Index on Censorship ist seit den 1970er Jahren eine herausragende Institution für die Meinungsfreiheit weltweit. In der gleichnamigen Zeitschrift publizierten Autoren wie Alexander Solschenizyn, Salman Rushdie, Milan Kundera, Doris Lessing und viele weitere. Die Preisverleihung soll und kann zeigen, dass Sansal durch seine Werke in diese Reihe gehört.
Claus Leggewie
In dieser Situation setzt die Preisverleihung ein internationales Zeichen und unterstreicht Sansals "unerschrockene Auseinandersetzung mit kontroversen und kritischen Themen in der Literatur. Sansal setzt sich in seinen Werken konsequent für die Werte der freien Meinungsäußerung, der intellektuellen Integrität und der Kritik an allen Formen des Autoritarismus ein. Er setzt sich mutig mit Themen wie politischer Korruption, religiösem Extremismus und gesellschaftlicher Unterdrückung auseinander, oft unter großem persönlichem Risiko." (Hier die Website des Preises und die Begründung für den Preis.) Der Jiri-Theiner-Preis ist benannt nach dem langjährigen Chefredakteur von Index on Censorship und wird vom Verband der tschechischen Buchhändler und Verleger verliehen. Seit 2022 wurde der ursprünglich der Förderung der tschechischen Literatur im Ausland gewidmete Preis auf den Kampf um die Meinungsfreiheit zugeschnitten. Zu den Preisträgerinnen zählte die türkisch-britische Schriftstellerin, Essayistin und Aktivistin Elif Shafak, ukrainische und iranische Autorinnen.
Jiri Theiners Lebensgeschichte erklärt sein Engagement für den Index on Censorship, dessen stellvertretender Herausgeber er war. 1926 in Prag geboren, floh er, der sich nun George nannte, mit seiner Familie vor den Nazis nach England. 1945 kam er mit dem anderen Totalitarismus in Berührung: als er sich weigerte, der kommunistischen Partei beizutreten, wurde er zu Zwangsarbeit in schlesischen Kohlebergwerken verurteilt. Nach dem Einmarsch der Sowjets 1968 kehrte er nach England zurück und widmete sein Leben dem der Förderung der tschechischen Literatur unter anderem mit Übersetzungen von Miroslav Holub und Václav Havel. Index on Censorship ist seit den 1970er Jahren eine herausragende Institution für die Meinungsfreiheit weltweit. In der gleichnamigen Zeitschrift publizierten Autoren wie Alexander Solschenizyn, Salman Rushdie, Milan Kundera, Doris Lessing und viele weitere. Die Preisverleihung soll und kann zeigen, dass Sansal durch seine Werke in diese Reihe gehört.
Claus Leggewie
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