27.11.2024. Boualem Sansal, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels des Jahres 2011, droht wegen einer Meinungsäußerung zur algerischen Geschichte eine jahrelange Gefängnisstrafe. Sansal ist algerischer und französischer Staatsbürger, also Europäer. Wir, deutsche und internationale Schriftsteller und Journalisten und Repräsentanten von Kulturorganisationen, fordern Solidarität mit Boualem Sansal. Wir verlangen seine sofortige Freilassung! Wir unterstützen die Bemühungen von Außenministerin Annalena Baerbock, Aufklärung über die Lage Sansals zu erhalten. Aktualisierung am 6. Dezember: Salman Rushdie hat den Aufruf unterzeichnet - und viele weitere. Aktualisierung am 11. Dezember. Der Börsenverein intensiviert seine Kampagne, der Perlentaucher-Aufruf liegt in Buchhandlungen aus.
Aktualisierung vom 12. Dezember: Alle neuen Unterstützer und Unterstützerinnen können ab jetzt online hier auf den Seiten von Börsenverein und Friedenspreis signieren. Wir werden die Liste regelmäßig aktualisieren.
Aktualisierung vom 11. Dezember: Heute befindet ein Gericht über die Klage gegen Sansal. Sein französischer Anwalt durfte nicht nach Algerien einreisen (mehr in unserer Presseschau). Der Börsenverein, Sansals deutscher Verlag Merlin und Perlentaucher intensivieren die Kampagne. Der untenstehende Aufruf wird auch in Buchhandlungen ausgelegt (hier als pdf-Datei zum Ausdrucken). Auch online kann man ihn hier unterzeichnen. Diese Liste wird auf den Seiten des Börsenvereins publiziert.
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Boualem Sansal. Foto mit CC-Lizenz. Wikimedia.Tagelang war der algerische SchriftstellerBoualem Sansal verschwunden. Gestern nun wurde er in Algier einem Gericht vorgeführt. Noch ist nicht klar, ob er einen unabhängigen Rechtsbeistand hat. Belangt werden soll er wegen Äußerungen zur algerischen Geschichte - nach algerischen Paragrafen können ihm dafür drakonische Strafen drohen. Ein Schriftsteller soll für seine Meinung ins Gefängnis.
Boualem Sansal ist ein dezidierter Kritiker des algerischen Regimes und des Islamismus. Er scheut sich auch nicht, einen "offiziellen" Islam anzuprangern, der weder in den muslimischen noch in den westlichen Ländern eine Handhabe gegen den Islamismus zustande gebracht hat. Man muss nicht seiner Meinung sein. Aber wer diskutieren will, der darf sich sein Gegenüber nicht rauben lassen.
Sansals französischer Anwalt François Zimeray fürchtet laut RTL, dass Sansal nach Äußerungen, die den algerischen Nationalismus provozieren, der Spionage angeklagt werden könnte und nach einem Willkürprozess für lange Zeit ins Gefängnis gesteckt wird.
Sansal ist algerischer und französischer Staatsbürger, also Europäer. Wir, deutsche und internationale Schriftsteller und Journalisten und Repräsentanten von Kulturorganisationen, fordern Solidarität mit Boualem Sansal.
An die Adresse der algerischen Regierung lässt sich nur eines sagen: Wegen seiner Meinung darf kein Schriftsteller eingesperrt werden. Wir verlangen seine sofortige Freilassung!
Wir unterstützen Außenministerin Annalena Baerbock und ihren französischen Kollegen Jean-Noël Barrot in ihrem Bemühen, von der algerischen Regierung Aufklärung über den Verbleib Boualem Sansals zu erhalten und die deutsche und europäische Öffentlichkeit über die Antwort der algerischen Regierung informieren. Sansal braucht einen unabhängigen Rechtsbeistand und Zugang zu Familie, Freunden und Repräsentanten der französischen Botschaft.
Wer Boualem Sansal, wie sein Kollege und Freund Kamel Daoud es ausdrückte, "verschwinden macht", schädigt im Moment einer extremen Polarisierung die Möglichkeit von Debatte überhaupt. Eine solche Politik zielt darauf ab, Demokratie, auch in Europa, zu zerstören. Wenn die Demokratien nicht gegen eine solche Politik einstehen, sind sie verloren.
Swetlana Alexijewitsch (Friedenspreisträgerin 2013, Literaturnobelpreis 2015) Anne Applebaum (Friedenspreisträgerin 2024) Aleida Assmann (Friedenspreisträgerin 2018) Margaret Atwood (Friedenspreisträgerin 2017) Seyla Benhabib (Adorno-Preisträgerin 2024 und Friedenspreis-Laudatorin von Carolin Emcke 2016) Klaus Brinkbäumer (Journalist, Mitglied im Friedenspreis-Stiftungsrat) Carolin Emcke (Friedenspreisträgerin 2016) Raphael Gross (Mitglied im Friedenspreis-Stiftungsrat) David Grossman (Friedenspreisträger 2010) Elfriede Jelinek (Literaturnobelpreis 2004) Daniel Kehlmann (Autor und Friedenspreis-Laudator von Salman Rushdie 2023) Navid Kermani (Friedenspreisträger 2015) Angelika Klammer (Lektorin) Claus Leggewie (Politikwissenschaftler) Jo Lendle (Verleger Carl Hanser Verlag und Mitglied im Friedenspreis-Stiftungsrat) Wolf Lepenies (Friedenspreisträger 2006) Liao Yiwu (Friedenspreisträger 2012) Norbert Miller (Friedenspreis-Laudator von Navid Kermani 2015) Herta Müller (Literaturnobelpreis 2009) Michael Naumann (Staatsminister a.D. und Friedenspreis-Laudator von Péter Esterházy 2004) Eva Neuhaus Orhan Pamuk (Friedenspreisträger 2005 und Nobelpreis für Literatur 2006) Salman Rushdie (Friedenspreisträger 2023) Joachim Sartorius (Autor und Übersetzer, Friedenspreis-Laudator von Orhan Pamuk 2005) Irina Scherbakowa (Nobelpreisträgerin 2022 mit Memorial, Friedenspreis-Laudatorin für Anne Applebaum 2024) Karl Schlögel (Friedenspreis-Laudator von Claudio Magris 2009 und Swetlana Alexijewitsch 2013) Karin Schmidt-Friderichs (Börsenvereinsvorsteherin und Mitglied im Friedenspreis-Stiftungsrat) Martin Schulz (ehem. EU-Parlamentspräsident, Friedenspreis-Laudator von Jaron Lanier 2014)
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Thierry Chervel (Perlentaucher) Eva Quistorp (Politikerin) Martin Schult (Börsenverein)
Unterschriften ab dem 28. November:
Ulrike Ackermann (Soziologin) Birgit Ahlers Claudia von Alemann (Filmregisseurin) Andrea Allerkamp (Literaturwissenschaftlerin) Lotte Arend Martine Benoit (Universitätsprofessorin) Karin Betz (Übersetzerin) René Böll (Künstler) Alida Bremer (Schriftstellerin) Pascal Bruckner (Schriftsteller) Marie Brunhes (Universitätsdozentin) Hans-Christoph Buch (Schriftsteller) Ulrike Büchel (Leserin) Hülya Çelik (Hochschullehrerin RUB) Naïla Chikhi (Autorin, Trägerin des Menschenrechtspreises der Ingrid zu Solms-Stiftung) Andrea Christ (Psychoanalytikerin) Jacqueline Csuss (Übersetzerin) Kathrin Dittmer (Literaturhaus Hannover) Thea Dorn (Schriftstellerin, Sprecherin von PEN Berlin) Tanja Dückers (Schriftstellerin) Birgit Erdmann (Übersetzerin) Jan Feddersen (Journalist) Bettina Fischer (Literaturhaus Köln) Natascha Freundel (Redakteurin und Moderatorin, rbb) Bettina Full (Philologin) Andreas Geis (Dramaturg) Dana Grigorcea (Schriftstellerin) Elvira M. Gross (Herausgeberin und Lektorin) Christian Grünnagel (Hochschullehrer) Hubert Heckmann (Universitätsdozent) Christine Heinrich (Ullstein Buchverlage) Joachim Helfer (Schriftsteller) Rudolf Helmstetter (Literaturwissenschaftler) Richard Herzinger (Publizist) Werner Heuler-Neuhaus Niko Hoffmann (Informatiker) Florian Höllerer (Literarisches Colloquium Berlin) Silvie Horch (Verlagslektorin Ullstein Buchverlage) Ingrid Isermann (Lyrikerin, Kulturjournalistin) Julika Jänicke (Verlagsleitung Ullstein Buchverlage) Petra Kammann (Feuilleton Frankfurt) Regina Keil-Sagawe (Übersetzerin) Necla Kelek (Soziologin und Publizistin) Marie-Luise Knott (Essayistin, Kritikerin, Herausgeberin) Gerd Koenen (Publizist und Historiker) Ursula Krechel (Schriftstellerin) Karsten Kredel (Verleger Ullstein Buchverlage) Arno Kundlatsch (Antiquar und Verleger) Isabel Kupski (Literatur-Scout Rowohlt) Konstantin Küspert (Dramatiker) Andrea Landfried (Schriftstellerin) Johannes Laverino (Lektor) Matthias Lorenz (Deutsches Seminar der Leibniz Universität Hannover) Monika Lustig (Verlegerin und Übersetzerin) Anja Malich (Geschäftsführerin IG Übersetzerinnen Übersetzer) Susanne Mayer (Journalistin) Monika Maron (Schriftstellerin) Marko Martin (Schriftsteller) Céline Masson (Universitätsprofessorin) Peter Mathews (Schriftsteller) Isabelle de Mecquenem (membre du Conseil des sages de la laïcité de l'Éducation nationale) Robert Menasse (Schriftsteller) Katharina E. Meyer (Verlegerin von Boualem Sansal, Merlin Verlag) Maud Meyzaud (Literaturwissenschaftlerin) Margret Millischer (Übersetzerin und Dolmetscherin) Perikles Monioudis (Schriftsteller) Sabine Müller (Übersetzerin) Ralf Nestmeyer (Schriftsteller) Harry Nutt (Journalist) Volkmar Ortmann (Theologe) Helene Otto (Übersetzerin) Karl-Josef Pazzini (Psychoanalytiker) Bruno Preisendörfer (Schriftsteller) Doron Rabinovici (Schriftsteller und Historiker) Peter Richter (Lehrer) Peter Ripken (Autor und Herausgeber) Jayrôme C. Robinet (Autor und Übersetzer) Helmuth Sagawe (Soziologe) Horst Samson (Schriftsteller, Musiker, Journalist) Katharina Schlott (Rowohlt Verlag) Christian Schloyer (Lyriker:in, Klangkünstler:in) Thomas Schmid (Publizist) Elke Schmitter (Journalistin und Schriftstellerin) Margret Schmitz (Übersetzerin und Lehrerin) Ulrich Schreiber (Kulturmanager) Ingo Schulze (Schriftsteller) Cornelia Schuster Nina Sillem (Literaturagentin) Bernd Steets (Verleger) Alain Claude Sulzer (Schriftsteller) Florian Suter (Hausarzt im Ruhestand) Sophie Sumburane (Schriftstellerin) Martin Vogel (Jurist) Luzia Vorspel (Philologin) Cornelia Walther Jürgen Wertheimer (Literaturwissenschaftler) Herbert Wiesner (Literaturwissenschaftler und Kritiker) Renate Wiggershaus (Autorin) Rolf Wiggershaus (Publizist, Autor) Insa Wilke (Literaturkritikerin) Sebastian Wogenstein (Universität Connecticut) Vincent von Wroblewsky (Übersetzer von Boualem Sansal ins Deutsche, Schriftsteller)
Alle neuen Unterstützer und Unterstützerinnen können ab jetzt online hier auf den Seiten von Böresnverein und Friedenspreis signieren. Wir werden die Liste regelmäßig aktualisieren.
Die Geschäftsstelle Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und der Perlentaucher haben diesen Aufruf zusammen lanciert.
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