Magazinrundschau - Archiv

Český rozhlas

2 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 05.01.2021 - Cesky rozhlas

Im Tschechischen Rundfunk versucht der Ökonom Tomášek Sedláček im Gespräch mit Václav Pešička eine vorsichtige Einschätzung der Pandemiefolgen. Immerhin sei es der Gesellschaft völlig selbstverständlich erschienen, den wirtschaftlich Bedrohten unter die Arme zu greifen, anders als beim Versagen in der Flüchtlingskrise, "wegen der uns unsere Kinder noch fragen werden, wie es sein kann, dass wir als christliches Europa den Flüchtlingen unsere Hilfe verweigerten." In der Covidkrise zeige sich die tschechische Gesellschaft hingegen so solidarisch, dass nicht einmal die Neoliberalen Einwände bekundeten. Was die staatlich verordneten Schutzmaßnahmen betrifft, "denke ich, selbst wenn es diesen Staat nicht gäbe, der allerlei Aktivitäten verbietet, würde ganz Ähnliches passieren: Das Gesundheitswesen würde kollabieren und die sich unter den Menschen ausbreitende Panik letztlich einen spontanen Lockdown bewirken. Sobald die Menschen die vielen Särge und überfüllten Krankenhäuser sähen, würden sie von sich aus nicht mehr in Restaurants gehen und den öffentlichen Verkehr benutzen, sondern sich womöglich zu Hause verkriechen." Und Sedláček erkennt auch die positiven Impulse. "Paradoxerweise bremst dieses Virus Dinge nicht aus, die wir schon lange vorhatten. Wir wollten stärker auf die Umwelt achten - das ist ganz automatisch und unwillkürlich passiert. Wir wollten uns stärker digitalisieren. Lesen Sie den Jahresbericht jeder beliebigen Firma, politischen Partei oder Regierungsinstitution - überall ist da Digitalisierung. Und so furchtbar viel kostet es auch wieder nicht. (…) Es könnte also tatsächlich die Entwicklung bei uns beschleunigen."

Magazinrundschau vom 15.09.2015 - Cesky rozhlas

"Den Stacheldraht haben wir im Kopf", glaubt der Politikexperte Jiří Pehe in der Onlineausgabe des tschechischen Rundfunks Český rozhlas angesichts von Umfragen, nach denen drei Viertel der tschechischen Bevölkerung wegen der Flüchtlingskrise für eine Aufhebung der Grenzfreiheit des Schengen-Raums wären, und stellt fest: "Jede größere Krise, die wir zusammen mit der westlichen Welt angehen müssen, zu der wir seit 1989 ja formal wieder gehören, bewirkt in uns eine fast krampfartige Reaktion dahingehend, dass viele Menschen die Rückkehr in den sicheren Nationalstaat herbeisehnen. Ein Grundzug des tschechischen Postkommunismus scheint zu sein, dass viele Menschen, die einen Großteil ihres Lebens in einem kommunistischen Regime mit seinen Ritualen, Gewissheiten und kulturellen Codes verbracht haben, sich nach der Wende von 1989 de facto in einem Niemandsland wiederfanden. Sie haben zwar die Rituale der Demokratie übernommen, aber sobald sich das Leben in Freiheit als zu kompliziert und anspruchsvoll erweist, flüchten sie sich in das mentale Stereotyp des vom Stacheldraht umsäumten Landes als einem Symbol der Sicherheit."