Magazinrundschau - Archiv

Elsevier

6 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 07.08.2007 - Elsevier

"Woher kommen diese Straßenterroristen?!", empört sich der Publizist und Rechtsgelehrte Afshin Ellian im Elsevier-Blog. Seine Wut gilt drei Unbekannten, die den 22-jährigen Ehsan Jami, PvdA-Mitglied und Mitbegründer des niederländischen "Zentralrats der Ex-Muslime" (mehr hier), am Wochenende brutal zusammengeschlagen haben: "Das ist jetzt schon das dritte Mal, dass Jami von jungen Moslems misshandelt wurde. Warum ist er so eine leichte Beute für muslimische Schläger? Weil er keinen Geleitschutz bekommt. Und: Es ist bereits seit zwei Wochen bekannt, dass seine private Adresse und Telefonnummer auf einer islamistischen Webseite zirkulierten. Das hat mir Jami selbst gesagt. Meine Güte, was sind wir vergesslich: Wurde Theo van Gogh nicht auch hier in Holland ermordet?... Was sagst Du in so einem Moment? Wie erkläre ich das einem Zweiundzwanzigjährigen, der in einem europäischen Land aufgewachsen ist? Soll ich ihm sagen, herzlich Willkommen in Gaza, Teheran, Kairo - wo am helllichten Tag Andersdenkende ermordet werden und der Staat nichts tut?!"

Magazinrundschau vom 08.05.2007 - Elsevier

"Unverbindliches Geplapper" schimpft Leon de Winter beim Lesen von Jan Pronks Rede "Freiheit ohne Grenzen" zum Nationalfeiertag am 5. Mai, dem niederländischen "Bevrijdingsdag". Der prominente Politiker und UN-Sonderbeauftragter schütte über den ganzen Text "eine Busladung Selbstkritik und Schuldbewusstsein. Er möchte, dass wir nicht einfach so frei sind, sondern frei um zu geben, oder so ähnlich. Klischees umranken diese Rede, dass es eine liebe Lust ist und wer sie aufmerksam liest, wird feststellen, dass dort eigentlich nichts steht."

Ähnlich viele "Worte statt Taten" entdeckt Elsevier-Kommentator Gertjan van Schoonhoven beim Rückblick auf die fünf Jahre, die seit dem Mord an Rechtspopulist Pim Fortuyn vergangen sind. "Erst gab es die Debatte, warum es in den Jahren vor Fortuyn keine Debatte gegeben hatte, dann wurde darüber debattiert, ob die Debatte denn noch sinnvoll sei, und zum Schluss wurden die Grenzen der Debatte debattiert. Die Hauptenergie der letzten Jahre versickerte in verbalen Aktivitäten: Probleme benennen, Probleme 'diskutieren' und dann natürlich auch Probleme überhaupt erst 'diskutierbar machen'. Das mag jetzt kein 'Ausverkauf' Fortuynscher Ideen sein, aber als 'Erbe' ist es doch ziemlich einseitig."

Magazinrundschau vom 24.04.2007 - Elsevier

"Wir leben in seltsamen Zeiten. Der depressive Mörder kopiert den politisch motivierten Selbstmörder", bloggt der Juraprofessor Afshin Ellian in Elsevier über den Amoklauf des Studenten Cho Seung-Hui in Blacksburg. Doch sieht er darin ein Beispiel für den gewalttätigen Charakter der amerikanischen Gesellschaft? "Nein, so etwas kann überall passieren, auch in Holland. Der moderne Mensch ahmt andere gerne nach. Hat so eine Tat etwas mit dem Waffenbesitz in den Vereinigten Staaten zu tun? Auch nicht. In Amsterdam wäre Cho, trotz Waffenverbot, problemlos an die beiden Handfeuerwaffen gekommen. Das alles sagt etwas Schreckliches über uns aus, über unsere Erziehung und unsere Moral. Wir sind beinahe machtlos gegenüber dem modernen Egoismus, der außerhalb des eigenen 'Ich' nichts mehr kennt."
Anzeige

Magazinrundschau vom 27.03.2007 - Elsevier

"Reine Fiktion" ist die Europäische Union inzwischen für die meisten Holländer, schimpft Rechtsexperte Afshin Ellian, seit kurzem Mit-Kolumnist von Leon de Winter. Dieser Überdruss komme daher, dass "die Bürger nicht mehr glauben, auf irgendetwas in der Union Einfluss nehmen zu können. Und dann kommen die Politiker mit ihrer sogenannten Selbstkritik, dass sie Europa den Europäern nur richtig erklären müssten. 'Europa muss besser vermittelt werden', sagte kürzlich der PvdA-Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten Frans Timmermans. Wir sind doch nicht dumm! Wir sind keine Schafherde, die stumpf ihren Hirten hinterherläuft. Unsere Bürger wollen ganz genau wissen, worüber in Europa gesprochen, und was beschlossen wird. Und das funktioniert nur in einem nationalen Parlament."

Magazinrundschau vom 13.06.2006 - Elsevier

In seinem Weblog ärgert sich Leon de Winter (mehr) über Königin Beatrix. Grund: Das niederländische Staatsoberhaupt hatte bei einem Moscheebesuch in Den Haag aus Respekt vor dem Islam gebilligt, dass ihr als potenziell unreiner Frau zur Begrüßung nicht die Hand gab. "Bizarr", nennt de Winter diese bei Moslems ebenso wie orthodoxen Juden übliche Regel und erzählt von Besuch eines jüdischen Freundes, "der aus Glaubensgründen keinen Fernseher hat, aber als Fußballverrückter gern Oranje spielen sehen wollte. Er brachte seine eigene Limonade und Kekse mit, weil bei mir nichts koscher ist. Auch meiner Frau gab er nicht die Hand. Ein netter, unschuldiger Mann, aber er folgt kruden Ideen. Ich glaube nicht, dass Gott von den Männern ein derartiges Verhalten einfordert. Und täte er es, - wer kann das sagen? - würde ich diese Anweisung nicht befolgen. Das weiß mein lieber orthodoxer Fußballfan. Er duldet mich, und ich dulde ihn. Ich würde mich ihm niemals in einem öffentlichen Ritual unterwerfen. Genau das aber hat unser Staatsoberhaupt letzte Woche getan."

Glaubensfragen erörtert auch Simon Rozendaal in seiner Wissenschaftskolumne: Er amüsiert sich über einen modernen Daniel in der Löwengrube, der in einem Kiewer Zoo ins Raubtiergehege kletterte um die Existenz Gottes zu beweisen. Als ungefährlicher empfiehlt Rozendaal die Beweismethode des Schriftstellers Maarten t?Hart: "Der säte in seinem Garten zwei gleich große Felder mit Schnitt- oder Prinzessbohnen ein und betete für eines der Felder, für das andere nicht. Nach einiger Zeit stellte er fest, dass sich die beiden Gemüsebeete in nichts von einander unterschieden. Ergo: Gott existiert nicht."

Magazinrundschau vom 02.05.2006 - Elsevier

"Schlagt Bin Laden - füllt Euren Tank mit Ethanol!", fordert Leon de Winter. In seinem neuen Weblog wettert der niederländische Schriftsteller gegen die Energiepolitik seines Landes und warnt: "In ihren Zukunftsvisionen vom Kampf gegen den Westen setzen sowohl radikale iranische Mullahs als auch al-qaida-Führer auf den Einsatz der Waffe Öl. Der Iran wird diese Waffe dank seines Atomprogramms schon bald einsetzen können. Beschützt vom Atompilz wird das Land dann die gesamte Golfregion, in der ebenfalls überwiegend Schiiten leben, beherrschen können und die Ölströme gen Westen kontrollieren. Die Gefahr, die der Iran jetzt darstellt, wird auch noch vom Westen selbst über seine Ölimporte bezahlt." Von Europa verlangt de Winter, dass es in viel stärkerem Maß als bisher die Erforschung alternativer Energiequellen fördert: "Wenn die Europäische Union eine Daseinsberechtigung haben will, dann soll sie diese im Energiesektor suchen."

In einem weiteren Artikel schaltet sich der Wissenschaftsjournalist und bekannte Greenpeace-Gegner Simon Rozendaal in die aktuelle Debatte um die Zahl der Tschernobyl-Opfer ein und wagt die ketzerische Frage "war Tschernobyl ernster als Bhopal?" Der Chemieunfall 1984 in Indien habe fast das Doppelte an Opfern gefordert, doch werde "um Tschernobyl ungleich mehr Aufhebens gemacht als um Bhopal und die zahllosen anderen Katastrophen", an die sich kaum noch einer erinnere. "Haben Sie jemals eine Spendenaktion im Fernsehen gesehen zugunsten der Kinder von Bhopal? Dagegen waren die so genannten Kinder von Tschernobyl (schwerbehinderte Kinder, schrecklich, doch es bleibt fraglich, ob ihre Behinderungen durch Strahlung verursacht wurden) jahrelang nicht von den niederländischen TV-Bildschirmen wegzudenken."