"Anfang der Siebziger war ich so ein
kleiner Revisionist, der die Werke von
Kolakowski studierte, Koestler las, etwas zu begreifen versuchte und weiterhin glaubte, dass man das auch
von innen heraus reparieren könnte". Im Magazin der
Rzeczpospolita erzählt der
Schriftsteller Adam Zagajewski in einem Interview, wie der kommunistische
Geheimdienst Mitte der Siebziger ungestüm versuchte, ihn anzuwerben. "Wir waren alle auf eine nebulöse Art und Weise links und deshalb betrachtete man uns als
'verirrte Brüder', denen man helfen und die Augen öffnen sollte." Die klassische Anwerbetaktik: Locken - "Gut gemeinter Rat" - Erpressen brachte aber keinen Erfolg. "Wir, die nicht in der Partei waren, hatten den Ruf von Künstlern, dem wir eine
gewisse Immunität verdankten", berichtet Zagajewski.
Ryszard Terlecki vom
Institut für Nationales Gedenken (offizielle
Webseite) setzt sich kritisch mit dem
historischen Bewusstsein der Polen
auseinander und kommt zu der Feststellung, dass sich nach der Befreiung vom Kommunismus die
Ignoranz gegenüber der eigenen Vergangenheit noch verstärkt hat, derweil "die
Nachbarn Polens überlegt und konsequent am Image der eigenen Vergangenheit arbeiten". So werden die Deutschen "nicht nur als Verursacher des geschehenen Übels und nicht nur als seine Opfer dargestellt, sondern immer öfter auch als diejenigen, die am
Kampf gegen die Tyrannei teilgenommen und geholfen haben, die Folgen des Krieges zu überwinden". Diese im Grunde positiven Tendenzen bleiben in Polen unbemerkt, und gleichzeitig "rufen Pläne zur Errichtungen eines Zentrums gegen Vertreibungen
hysterische Reaktionen hervor". Aber "wo ist
unser Zentrum gegen Vertreibungen", fragt Terlecki, "das nicht irgendeiner Entschädigung wegen errichtet wird, sondern um der Menschen zu gedenken, die in dem Teil Polens lebten, der aufgrund des
Diktats von Jalta aufgegeben werden musste?"