Magazinrundschau - Archiv

11 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 2

Magazinrundschau vom 07.10.2025 - Republik

Zumindest via Social Media und in den US-Talkshows schwingt sich der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom derzeit zum großen Hoffnungsträger der Demokraten im Kampf gegen Trump auf - und das nicht nur für die wichtige Wahl zum US-Repräsentantenhaus im nächsten Jahr, sondern auch schon im Blick für die Präsidentschaftswahl 2028. Die Mittel, die er dafür verwendet, hat er sich von seinem Widersacher abgeschaut: hyperbolischen Exzess, Bombast-PR in eigener Sache, Trolling und eine große Klappe. Aber Social Media zu erobern ist das eine, das Weiße Haus das andere - und für letzteres muss er weite Teile des Landes hinter sich bringen. Katherine Ellison ist durchaus skeptisch, ob Newsom dafür geeignet ist. "Konservative verachten ihn als elitären Küstenbewohner, als einen realitätsfernen Linken, den Trump immer wieder erfolgreich karikiert. Viele Progressive verachten ihn als opportunistischen Wendehals." Dennoch hat er viele Anhänger unter den Demokraten, weil er es mit Trump aufnimmt: "In einer Zeit, in der die Popularität der Demokratischen Partei auf einem Rekordtief ist und viele Führungsfiguren sich ducken, ist Newsom mit seinem Auftritt als happy warrior ein Hit. 'Ich habe viele Leute sagen hören, wie glücklich sie sind, dass ein Demokrat zurückschlägt', sagte Jim Demers, ein ehemaliger Abgeordneter aus New Hampshire, zum Online-Magazin Politico. 'Er zeigt den Kampfgeist, den die Menschen suchen.'" Sein größtes Problem ist aber der Bundesstaat, den er regiert: "Kalifornien ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt" und einer der teuersten Bundesstaaten, "in denen man leben kann - was bei denen, die es sich nicht leisten können, dort zu wohnen, viel bitteren Neid hervorruft. Dieser mächtige Bundesstaat ist darüber hinaus überwiegend demokratisch und in einigen Gegenden extrem progressiv - im Gegensatz zu den Teilen des Landes, die Trump ins Weiße Haus gewählt haben. In Zeiten, in denen die Demokratische Partei dringend die Wählerinnen in den ländlichen swing states zurückgewinnen muss, bezweifeln viele, dass Gavin Newsom der geeignete Kandidat ist. 'Er ist ein sehr gut aussehender Mann', sagt der ehemalige Vorsitzende der Demokratischen Partei von South Carolina, Richard Harpootlian. Aber die Demokraten suchten nach einem Kandidaten, 'der die Hoffnungen und Wünsche der Arbeiterklasse artikulieren kann', sagt Harpootlian und fügt hinzu: 'Ich bin mir nicht sicher, ob er das kann.'"

Bei Stephen Colbert äußert Newsom erhebliche Zweifel daran, dass es 2028 überhaupt freie Wahlen geben wird: 

Magazinrundschau vom 19.08.2025 - Republik

Wer es diesen Sommer nach Sizilien geschafft hat, hat die brütende Hitze erlebt, von der Wasserknappheit, von der die Journalistin Franziska Grillmeier, die letztes Jahr ein lesenswertes Buch über die Flüchtlingslager an den Rändern Europas geschrieben hat, berichtet, war zumindest in den Touristengebieten nichts zu spüren. Dabei erlebte Sizilien schon letztes Jahr die schlimmste Dürre der vergangenen zwanzig Jahre: "Ganze Dörfer mussten mit mobilen Wassertanks versorgt werden. Immer mehr Landwirte entschieden sich, ihre Kühe oder Ziegen zu schlachten, weil ihre künstlich angelegten Tränken ausgetrocknet waren und sie es schlicht nicht mehr schafften, genügend Wasser heranzubringen, um Tiere und Felder zu versorgen. Die Rechnungen der Wasserbetriebe aber, die kamen weiterhin. Zwei der knapp fünf Millionen Einwohnerinnen Siziliens hatten nur noch Zugang zu einer rationierten Menge Wasser, viele über Monate. ... Auch jetzt ist es wieder glühend heiß: Im Juli 2025 kamen die Temperaturen nahe an den Rekord vom Sommer 2021 heran: Damals war auf Sizilien mit 48,8 Grad die bislang höchste Temperatur in Kontinentaleuropa gemessen worden. Diesen Juli mussten die Feuerwehren auf der Insel an manchen Tagen zu über 80 Bränden ausrücken. Die Feuer tragen zur fortschreitenden Verwüstung der Insel bei - wie der ausbleibende Regen, wie die mangelhafte Wasserwirtschaft, wie der zunehmend versiegelte Boden, wie die gesunkenen Baumbestände aufgrund früherer Rodungen. Bis 2030, sagen Experten, könnte die Insel zu einem Drittel aus Wüste bestehen."
Stichwörter: Sizilien, Wasserknappheit

Magazinrundschau vom 05.08.2025 - Republik

Philine Bickhardt eröffnet eine interessante Perspektive auf die Studentenbewegung, die in Serbien seit Monaten gegen die Regierung von Aleksandar Vučić protestiert. Mit der Zeit hat sie sich zunehmend politisiert und ist zu einem ernstzunehmenden Gegner der Regierung geworden. Gleichzeitig jedoch beobachtet Bickhardt eine beunruhigende Entwicklung: Die Protestierenden orientieren sich zunehmend selbst stark nach rechts. Das konnte die Autorin am 28. Juni beobachten, an dem "traditionell der Kosovo-Schlacht auf dem Amselfeld im Jahr 1389 gedacht wird. Serbische Nationalisten leiten aus diesem Gründungsmythos Ansprüche auf Kosovo ab." Bei der großen Protestveranstaltung wurde "die Rhetorik vom Gründungsmythos immer wieder auf der Bühne bemüht, wie auch die Verteidigung des christlichen Europas gegen den 'islamischen Orient'", der sich aus der Besatzung Serbiens durch das Osmanische Reich herleitet, wie Bickhardt erklärt. Woher kommt der Rechtsdrall? "Die junge Generation um die zwanzig, sagen viele, sei in einem sehr nationalen und christlichen Umfeld aufgewachsen, in dem es keine Geschichtsaufarbeitung gegeben habe. Das erkläre zumindest teilweise die Rolle der Religion, aber auch des Kosovo bei dieser Generation. Es sei für sie - paradoxerweise - also kein Widerspruch, dass das Wort 'Kosovo' als Chiffre für einen imaginären Befreiungskampf funktioniere - obwohl Kosovo selber den meisten jungen Menschen gar nichts bedeute. Das befreit sie als politische Akteure nicht von Verantwortung, erklärt aber ein Stück weit, warum sie selbst dem Narrativ des 'Verrats' verhaftet bleiben."

Sebastian Backhaus berichtet vom Alltag nach dem Machtwechsel im gespaltenen Syrien, der geprägt ist von Unklarheit und steigender Unruhe. Ein herrlicher Tag, um im Mittelmeer baden zu gehen und sich zu entspannen, dachte sich Lubna Talib, Alawitin, Lehrerin und Stammgast des Ugarit-Strandes in Syrien. Früher ist Lubna dort regelmäßig mit ihren Freunden schwimmen gegangen, doch seit der Strand von sunnitischen Rebellen überwacht wird, welche nun einen Teil der Regierung darstellen, steht es schlechter um ihre Freiheit. Einen neuen Bikini braucht sie sich nicht zu kaufen, soviel ist klar, denn dank der neuen Verordnung sind nur noch Abayas, lange Gewänder, zum Schwimmen erlaubt: "'Bin ich in Afghanistan?', fragt sie sich.' Ich erkenne mein Latakia nicht mehr', sagt sie. Unter Assad war Latakia bekannt für seinen vergleichsweise modernen, säkularen Lifestyle. Das ist vorbei. Zwei Tage nach Lubna Talibs Strandbesuch, am 12. Juni, verkündet das Ministerium für Tourismus: Es werde erwartet, dass am öffentlichen Strand 'bedeckendere Badebekleidung getragen wird' - Kleidung, die einen Großteil des Körpers bedeckt. Auch für Männer gelten neue Regeln: 'Männer sollen ein Hemd tragen, wenn sie sich nicht im Wasser befinden.' Für Lubna Talib ist das Verbot, einen Bikini zu tragen, viel mehr als einfach eine neue Vorschrift. Sie fürchtet, dass dieser Eingriff in ihre Freiheit ein symbolischer und unheilbringender ist: der Beginn der Islamisierung Syriens, die sie als alawitische, aber säkulare Frau stigmatisieren und drangsalieren wird."

Magazinrundschau vom 04.02.2025 - Republik

Was bedeutet es, ein Mann zu sein? Elia Bülle, im Schweizer Kanton Aargau aufgewachsen, versucht es immer noch herauszufinden, erzählt er in einem autobiografischen Text für das Magazin Republik. "Eigentlich wollte ich in diesem Text nüchtern ergründen, wieso junge Männer gerade nach rechts abdriften. Dann merkte ich, das geht nicht, ohne über mich selbst zu schreiben. Erstens, weil ich mittlerweile überzeugt bin, dass das Schweigen und die fehlende Aufrichtigkeit erst die Bühne bereiten, auf der Leute wie Donald Trump gerade laut aufspielen. Und zweitens, weil da, wo ich herkomme, viele junge Männer schon immer rechts waren" und außerdem sehr laut und oft auch gewalttätig. "Erzähle ich heute von dieser Gewalt, relativiere ich sie meist im selben Atemzug. Wer bin ich, über diese Erfahrungen zu sprechen? Andere erleben so viel schlimmeres Leid. Steht mir das überhaupt zu? Ich bin kein Opfer. Definitiv nicht. Gleichzeitig merke ich, wie peinlich mir diese Gewalt ist: Ich kann keine coolen Heldengeschichten erzählen, wie ich Fäuste eingefangen habe, weil ich auf der Straße jemanden beschützt oder mich gewehrt hätte. Würde ich auch nie tun: Seit ich weiß, was ein gut platzierter Schlag auf den Kopf anrichten kann, habe ich fürchterliche Angst davor. Diese Angst ist vielen Männern - mich eingeschlossen - peinlich. Fürchten darf sich ein Mann vor dem Tod. Aber sicher nicht vor Männern. Im Beruf, in Vereinen, in Familien werden Männer ständig von anderen Männern verletzt und erniedrigt. Fast alle schweigen - wie immer bei Gewalt - aus Angst. Aus Angst vor Entmannung. Aus Angst, dass sie sich mit ihrer Scham, mit ihren Verletzungen noch verwundbarer machen."

Magazinrundschau vom 19.07.2022 - Republik

Adrienne Fichter und Iwan Ruslyannikow recherchieren für das Schweizer Reportagemagazin die Geschichte der russischen Suchmaschine Yandex, die einst als russische Variante zu Google startete, hip, modern und agil sein wollte, aber dann doch als Sprachorohr der Kreml-Propaganda endete. Dabei ist Yandex nicht nur das Pendant zu Google, sondern ebenso zu Uber, Microsoft, Amazon, Youtube, Spotify. Yandex ist in Russland das Netz: "Die größte ironische Wendung ist allerdings, dass Yandex mit dem Angriff auf die Ukraine nun de facto ein Monopolist geworden ist auf dem russischen Markt. Die Userzahlen sind seit Kriegsbeginn explodiert. Fast die gesamte amerikanische IT-Konkurrenz ist von der Zensurbehörde ausgeschaltet worden. Es ist das eingetreten, was sich die Yandex-Führungsriege schon immer gewünscht hat: Sie beherrschen das Internet ganz allein. Und trotzdem steht die Firma nahe am Bankrott." Dabei betonen Fichter und Ruslyannikow, dass Yandex kein Stümperwerk ist: "Die russischen Yandex-Dienste bieten gegenüber der amerikanischen Konkurrenz Vorzüge: So verfügt das russische Unternehmen über präzisere Online-Karten als Google. Und es hilft damit aktuell bei der Aufklärung russischer Kriegsverbrechen: 'Yandex liefert für die Ukraine die besten Ergebnisse, sowohl bei den Bildern als auch bei den detaillierten Karten', sagte eine Forscherin jüngst im Amnesty-Magazin."

Magazinrundschau vom 11.05.2021 - Republik

Die Mbembe-Debatte ist nicht zuende. Der Kunsthistoriker Jörg Heiser, ehemals Redakteur bei Frieze, positioniert sich in einem sehr ausführlichen Essay auf der postkolonialen Seite, beschönigt die Äußerungen Mbembes aber alles in allem weniger als seine üblichen Anhänger. Wie immer bei den postkolonialen Schulen muss man sich fragen, warum es so wichtig ist, auf der (von niemandem bestrittenen) Möglichkeit des Vergleichs zu bestehen, als sei da was zu holen. Aber Heisers eigentliche Lösung für die Denksportaufgabe, Kontinuität mit dem Kolonialismus und Singularität des Holocaust zugleich zu haben, findet er in der Idee der "Inversion", für die er sich auf die Kulturtheoretikerin Iris Därmann bezieht. Die Denker des Kolonialismus, darunter Aufklärer wie John Locke, hätten die Kolonisierten als das "Andere" schlechthin aufgefasst, als eine Barbarei, die zu unterwerfen sei. Die Denker des Nationalsozialimus hätten sich in totaler Umkehrung selbst zu Barbaren aufschwingen wollen, um die in den Juden verkörperte Zivilisation zu eliminieren. In diesem Bruch liege eine Kontinuität qua Negation. Das Problem ist damit für Heiser gelöst: "Wenn man der These einer nationalsozialistischen Inversion der Kolonialideologie vor diesem Hintergrund mal einen Moment folgt, führt sie geradewegs aus der Sackgasse einer falschen Wahl zwischen 'Kausalität, ergo Relativierung' und 'Singularität'. Denn sie zeigt auf, wie Kolonialismus und Nationalsozialismus untergründig verbunden sind- und der Holocaust dennoch ein singuläres Menschheitsverbrechen bleibt."

Magazinrundschau vom 15.12.2020 - Republik

Ach, solche Leute muss es doch auch geben, die Sätze sagen wie: "Wenn ich arbeite, habe ich das Gefühl, meine Zeit zu vergeuden." Es handelt sich dabei um Saskia Landshoff, eine Nichte der Ellermanns, die auch ein hübsches Haus auf Ibiza hat: "Beim Farbkonzept ließ sie sich von ihren Kindheitsaufenthalten auf dem väterlichen Anwesen in der Karibik inspirieren." Die Ellermanns gehören zum Clan der Coninx, eine der reicheren Familien in der Schweiz, weit verzweigt: sie besitzen den Medienkonzern Tamedia, zu denen der Tages-Anzeiger gehört (die linksliberale Alternative zu NZZ und Ringier), und sie alle kriegen Jahr für Jahr einen schönen Batzen aus den 39 Millionen Franken Dividende, die der Konzern ausschüttet. Marc Guéniat begibt sich auf die Spur des Clans: "Um die Zügel auf jeden Fall in der Hand zu behalten, sorgte die Familie mit einem zweckmäßigen Instrument dafür, dass die Inhaber des Aktienkapitals unter sich bleiben: mit einem sogenannten 'Aktionärsbindungsvertrag'. Dieser Bindungsvertrag, der ausnahmslos Familienmitgliedern vorbehalten bleibt, bildet heute das Herzstück der Corporate Governance des Konzerns, der eine Milliarde Franken Umsatz erwirtschaftet, über 3.700 Mitarbeiter beschäftigt und mehr als 50 Marken umfasst." Im zweiten Teil der Serie geht es weniger idyllisch zu: Dort wird erzählt, wie gnadenlos der Konzern in der Westschweiz die renommierte Zeitung Le Matin abwickelte. Und hier die Einleitung zur Serie, wo man erfährt, dass der Tages-Anzeiger mal die exorbitante Auflage von 250.000 hatte.

Magazinrundschau vom 08.12.2020 - Republik

Zwei interessante Reportagen bietet das Schweizer Magazin. Paul Hildebrandt, Birte Mensing und Kiki Mordi recherchieren zu jenem anderen religiösen Fundamentalismus, der viel zu selten thematisiert wird - der von Putin und der radikalen Rechten in den USA tatkräftig gestützten Internationale der Evangelikalen. In Nigeria haben ihre Interventionen zusammen mit Partnern wie dem "Verein katholischer Anwälte", der "Islamischen Plattform" und der nigerianische "Liga für das Leben" den Druck auf Frauen erhöht, die abtreiben wollen - und auf Organisationen wie "Marie Stopes International", die sich für die reproduktiven Rechte der Frauen einsetzen. Dabei ist die Lage für die Nigerianerinnen jetzt schon düster: "Obwohl es für nigerianische Frauen beinahe keinen legalen Weg gibt, um abzutreiben, tun das in Nigeria jährlich zwischen 1,8 und 2,7 Millionen Frauen. Mehr als die Hälfte dieser Abbrüche gelten als unsicher. Das schätzt eine Studie aus dem Jahr 2018. Tatsächlich verhindern die strengen Gesetze keine Abtreibungen. Sie treiben die Frauen stattdessen an unsichere Orte: in Apotheken ohne Lizenzen, wo sie für wenige Dollar Abtreibungsmedikamente bekommen, und in sogenannte Quack Clinics - private Kliniken, in denen oft Laien die illegalen Abtreibungen durchführen."

Sehr im Trend ist Zement - allerdings mit negativen Schlagzeilen. 4 bis 7 Prozent des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen gehen auf das Konto von Zement, schreibt Norbert Raabe. Das ist weit mehr als etwa der viel häufiger gescholtene Luftverkehr, der bei knapp 3 Prozent verbucht wird. Raabe untersucht in einer angenehm unideologischen und informationsreichen Reportage, wie sich die Schweizer und internationale Zementindustrie auf dies ungeheure Problem einstellt. Man sucht nach Alternativen, die man vielleicht in dem Mineral Olivin findet: "Das Besondere an Olivin ist: Es bindet Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Normalerweise geht dieser Prozess sehr langsam vor sich. Doch er lässt sich beschleunigen, in einem luftdichten Metallbehälter unter Druck und großer Hitze. Aus dem Rohmaterial plus CO2 entsteht so eine Substanz, die später für den Zement gebrannt wird. Bei diesem Vorgang tritt dann zwar Kohlendioxid aus - aber weniger, als zuvor chemisch gebunden wurde. Ein CO2-negativer Zement!" Allerdings noch längst nicht so funktionsfähig wie der klassische Zement! Die andere immer wieder zitierte Aternative heißt Holz, so Raabe.
Stichwörter: Nigeria, Abtreibung, Bauindustrie

Magazinrundschau vom 11.08.2020 - Republik

Die Medien stecken nicht nur in einer ökonomischen Krise. Weltweit ist auch die Pressefreiheit immer mehr in Gefahr, stellt Simon Schmid fest, nachdem er zwei über mehrere Jahrzehnte geführte Untersuchungsreihen der "Reporter ohne Grenzen" und des "Freedom House" studiert hat, die trotz völlig unterschiedlicher Methoden zu fast parallelen Ergebnissen und Entwicklungslinien kommen. Die übelsten Länder sind China, die Türkei, Ägypten und Saudi Arabien (man wundert sich über das Fehlen des Irans, aber vielleicht ließ sich die Situation da in den letzten dreißig Jahren nicht mehr verschlechtern). Aber auch jenseits davon verdüstert sich die Lage auch in Ländern, wo man es nicht immer gleich vermutet, zum Beispiel "in Indien (minus 4 Punkte), wo die Angriffe auf Journalisten unter Premierminister Narendra Modi spürbar zugenommen haben und Journalistinnen, die nicht der hindu-nationalistischen Linie folgen, der 'Aufwiegelung' bezichtigt werden; - oder in Polen (minus 16 Punkte), wo die Partei PiS, die seit 2015 regiert, die öffentlichen TV- und Radiosender zu Propagandamaschinen umfunktioniert hat und unabhängige Zeitungen juristisch drangsaliert; - und selbst in Österreich (minus 6 Punkte), wo die rechtspopulistische FPÖ Attacken gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen ritt und versuchte, kritische Medien vom Informationsfluss ihrer Ministerien abzuschneiden."

Magazinrundschau vom 04.09.2018 - Republik

"Borderland" - In einem sehr lesenswerten Text resümiert Michi Strausfeld gleich sieben neue Publikationen zum Thema amerikanisch-mexikanische Grenzregion: "Das Grenzgebiet zwischen dem armen Süden und dem reichen Norden ist schon lang eine lebensgefährliche Konfliktzone. Doch die 'Null-Toleranz-Politik' des amerikanischen Präsidenten Donald Trump hat die Lage noch einmal verschärft. Wir erinnern uns: Ein Aufschrei ging durch die Welt, als im Frühjahr 2018 mehr als 2500 Kinder illegaler Immigranten aus Mexiko und Mittelamerika gewaltsam von ihren Eltern getrennt und in Auffanglagern und anderen Einrichtungen untergebracht wurden. Ende Juli, nach Ablauf der Frist, die ein Bundesrichter aus San Diego der Regierung gesetzt hatte, um alle Familien wieder zu vereinen, warteten noch immer 711 Kinder zwischen fünf und siebzehn darauf, ihre Eltern zu finden. Doch viele von ihnen sind längst abgeschoben worden und unauffindbar, manche harren vermutlich irgendwo in Grenznähe aus und hoffen auf mehr Glück bei einer erneuten illegalen Einwanderung. Alle werden sie es noch einmal oder noch mehrere Male versuchen, denn der Weg zurück in die Heimat bedeutet Elend, Verfolgung oder Tod. Jedes einzelne Schicksal ist eine Tragödie."