Magazinrundschau - Archiv

3 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 11.08.2020 - Republik

Die Medien stecken nicht nur in einer ökonomischen Krise. Weltweit ist auch die Pressefreiheit immer mehr in Gefahr, stellt Simon Schmid fest, nachdem er zwei über mehrere Jahrzehnte geführte Untersuchungsreihen der "Reporter ohne Grenzen" und des "Freedom House" studiert hat, die trotz völlig unterschiedlicher Methoden zu fast parallelen Ergebnissen und Entwicklungslinien kommen. Die übelsten Länder sind China, die Türkei, Ägypten und Saudi Arabien (man wundert sich über das Fehlen des Irans, aber vielleicht ließ sich die Situation da in den letzten dreißig Jahren nicht mehr verschlechtern). Aber auch jenseits davon verdüstert sich die Lage auch in Ländern, wo man es nicht immer gleich vermutet, zum Beispiel "in Indien (minus 4 Punkte), wo die Angriffe auf Journalisten unter Premierminister Narendra Modi spürbar zugenommen haben und Journalistinnen, die nicht der hindu-nationalistischen Linie folgen, der 'Aufwiegelung' bezichtigt werden; - oder in Polen (minus 16 Punkte), wo die Partei PiS, die seit 2015 regiert, die öffentlichen TV- und Radiosender zu Propagandamaschinen umfunktioniert hat und unabhängige Zeitungen juristisch drangsaliert; - und selbst in Österreich (minus 6 Punkte), wo die rechtspopulistische FPÖ Attacken gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen ritt und versuchte, kritische Medien vom Informationsfluss ihrer Ministerien abzuschneiden."

Magazinrundschau vom 04.09.2018 - Republik

"Borderland" - In einem sehr lesenswerten Text resümiert Michi Strausfeld gleich sieben neue Publikationen zum Thema amerikanisch-mexikanische Grenzregion: "Das Grenzgebiet zwischen dem armen Süden und dem reichen Norden ist schon lang eine lebensgefährliche Konfliktzone. Doch die 'Null-Toleranz-Politik' des amerikanischen Präsidenten Donald Trump hat die Lage noch einmal verschärft. Wir erinnern uns: Ein Aufschrei ging durch die Welt, als im Frühjahr 2018 mehr als 2500 Kinder illegaler Immigranten aus Mexiko und Mittelamerika gewaltsam von ihren Eltern getrennt und in Auffanglagern und anderen Einrichtungen untergebracht wurden. Ende Juli, nach Ablauf der Frist, die ein Bundesrichter aus San Diego der Regierung gesetzt hatte, um alle Familien wieder zu vereinen, warteten noch immer 711 Kinder zwischen fünf und siebzehn darauf, ihre Eltern zu finden. Doch viele von ihnen sind längst abgeschoben worden und unauffindbar, manche harren vermutlich irgendwo in Grenznähe aus und hoffen auf mehr Glück bei einer erneuten illegalen Einwanderung. Alle werden sie es noch einmal oder noch mehrere Male versuchen, denn der Weg zurück in die Heimat bedeutet Elend, Verfolgung oder Tod. Jedes einzelne Schicksal ist eine Tragödie."

Magazinrundschau vom 19.06.2018 - Republik

Putinismus sei "Gefolgschaft plus Korruption", hatte der 2015 ermordete Oppositionspolitiker Boris Nemzow einst erklärt und für die Olympischen Winterspielen von Sotschi ausgerechnet, dass sie mit 51 Milliarden Dollar die teuersten aller Zeiten waren. Für die WM gibt es keine zuverlässigen Zahlen, der Kreml spricht von 11,8 Milliarden Dollar, aber weder Transparency International noch russische NGOs trauen dieser Zahl. Grit Hartmann hat in einem tollen, hervorragend recherchierten Report festgehalten, wer von der Weltmeisterschaft am meisten profitiert: "Der FC Kreml. Bestehend aus zehn Oligarchen und einem Minister. Auf der Ersatzbank: etliche weitere Spieler. Aber das hier sind die wichtigsten. 1. Linker Verteidiger: Gennadi Timtschenko. Er ist ein alter Freund aus St. Petersburger Tagen, spielt mit Putin Eishockey und steht der nationalen Eishockey-Liga KHL vor. Auf knapp 17 Milliarden Dollar wird sein Vermögen aktuell taxiert, damit ist er der fünftreichste Mensch in Russland. Sein Aufstieg begann mit einer Lizenz zum Ölexport, von Putin erteilt. Und einem damit verbundenen Betrug, der aufflog, aber nie geahndet wurde. 2014 verkaufte Timtschenko seine Anteile an Gunvor, den damals zweitgrößten Ölhändler der Welt, mit Zentrale in Genf. Einen Tag später stand Timtschenko auf der Sanktionsliste, mit der der Westen auf die Krim-Annexion reagierte. Glück gehabt! Putin halte verdeckt Anteile an Gunvor, lautete damals die Begründung des US-Finanzministeriums - die Männerfreunde bestritten, selbstverständlich. Jetzt durfte Timtschenko zwei Fußballstadien bauen, in Wolgograd, dem ehemaligen Stalingrad, und Nischni Nowgorod, 400 Kilometer östlich von Moskau. Die tatsächlichen Kosten für die Stadien, der Aufschlag unter Freunden? Unbekannt."