9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Digitalisierung

82 Presseschau-Absätze - Seite 6 von 9

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.07.2025 - Digitalisierung

De KI wird die Menschen demnächst übertreffen und abschaffen, falls sie sich nicht aufraffen, Maßnahmen dagegen zu treffen, warnt der 33-jährige ehemalige OpenAI-Mitarbeiter und Gründer des Thinktanks "AI Futures Project" Daniel Kokotajlo im Gespräch mit René Pfister vom Spiegel. Zum Beispiel wird sich Reichtum dort konzentrieren, wo die KI ist, prognostiziert er - aber Millionen von Menschen werden zugleich arbeitslos. "Ein staatlich garantiertes Grundeinkommen wäre vielleicht die Antwort auf dieses Problem. Wir können nur hoffen, dass zumindest in einigen Demokratien der Wille und die Kraft da sind, die KI zu kontrollieren und ihre Folgen zu managen. Aber auch hier werden wir vom 'Intelligenzfluch' verfolgt. Gibt es erst einmal eine künstliche Superintelligenz, leitet sich aus ihr alle Macht ab - und nicht mehr aus dem Volk." In dem vieldiskutierten Text "AI 2027" führt Kokotajlo seine Thesen ausführlicher aus.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.07.2025 - Digitalisierung

Schlechte Nachrichten für alle, die Bluetooth-Kopfhörer benutzen: Ein fehlerhafter Chip des taiwanesischen Unternehmens Airoha erlaubt es Angreifern von außen, Nutzer durch ihre eigenen Kopfhörer abzuhören - und KI-Assistenten wie Siri oder Gemini zu steuern. "Aktuell sind wohl Millionen Kopfhörer abhörbar", berichtet auf Zeit online Eva Wolfangel. "In einer Demonstration, von der der Zeit eine Aufzeichnung vorliegt, konnte einer der IT-Sicherheitsforscher gar das Smartphone seines Kollegen fernsteuern und über Siri eine Kündigung an dessen Chef schicken. ... Möglich ist das, weil Sprachassistenten wie Siri schon heute Zugriff auf recht viele Funktionen haben. Angreifer können durch die Schwachstelle - je nach Einstellung auf dem iPhone - unter anderem das Telefonbuch sowie Notizen aus der Notiz-App auslesen und Textnachrichten abfangen. Die zunehmende Präsenz von KI-Assistenten macht solche Angriffe noch effizienter, weil die Systeme auf immer mehr Programme zugreifen können. In vielen Fällen ist auch das Mikrofon des Kopfhörers zugänglich und kann zur Wanze umfunktioniert werden. Ein Angreifer könnte also direkt mithören, was in der Umgebung gesprochen wird - beispielsweise wenn eine Nutzerin einen Kopfhörer lediglich bei sich trägt, aber gerade nicht benutzt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.07.2025 - Digitalisierung

Dass ein Staat souverän sein muss, ist eine Binse - dass das auch für die digitale Infrastruktur eines Staates gilt, scheint in Deutschland aber noch nicht angekommen zu sein, konstatiert der Wirtschaftsethiker Nils Ole Oermann in der FAZ. "Digitale Souveränität ist für die westlichen Demokratien kein nettes Extra, sondern lebenswichtig. Was digitale Souveränität bedeutet und erfordert, sollte darum gründlicher als bisher durchdacht werden." Deutschland hinke bei vielem hinterher und sei zu abhängig von anderen Ländern. Der Föderalismus stellt aber auch ein Problem dar: "Eine wesentliche Herausforderung bei der Ausübung digitaler Staatskunst ist in unserem föderalen Staatswesen allerdings das Durchsteuern auf digitale Infrastrukturen, die bisher in 16 Bundesministerien und 16 Ländern separat entwickelt werden. (...) Innerhalb der Bundesregierung werden klare Durchgriffsrechte des Digitalministeriums in die digitalen Infrastrukturen und Planungen der anderen Ressorts nötig sein." Ohne die Privatwirtschaft werde es auch nicht gehen, betont Oermann.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.06.2025 - Digitalisierung

Lange Zeit hieß es: Die USA schafft die Digitalindustrie, die EU reguliert. In dieser Regulation lag auch ein Machtfaktor der EU im Zollstreit mit Trump. Nun heißt es, dass die EU auf Regulierung verzichtet, damit Amerika auf Zölle verzichtet und dass Ursula von der Leyen einknickt, meldet das Handelsblatt. "Um eine Verschärfung des Handelskonflikts zu verhindern, sollen US-Tech-Konzerne künftig ein Mitspracherecht bei der Anwendung des Digital Markets Acts (DMA) erhalten. Das erfuhr das Handelsblatt aus EU-Verhandlungskreisen und aus der Tech-Industrie. Ein solcher Schritt würde eine deutliche Abschwächung der Regulierung der Tech-Konzerne aus den USA bedeuten. Manche Kritiker befürchten sogar, dass damit faktisch das Ende der Regulierung eingeläutet würde, was wiederum die deutlich kleinere EU-Digitalwirtschaft im Keim ersticken würde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.06.2025 - Digitalisierung

Interessante Entwicklungen im Bericht der Cloud-Anwendungen beobachtet Andreas Donath bei golem.de. Die großen Plattformkonzerne der USA bereiten sich - wohl auch im Zeichen der europäischen Angst vor dem Trumpismus - auf eine stärkere Abkoopelung Europas von ihren System vor: Sie versuchen, sich anzupassen. Microsoft schafft eine "Private Cloud", in der die Server ausschließlich in Europa stehen und auch die Schlüssel zu den Daten nicht in der Hand des Konzerns liegen. Hier geht es vor allem darum Anwendungen wie Office vor Alternativen zu schützen. Sie werden oft von Behörden in Europa genutzt und bringen Microsoft einen stetigen Milliardenstrom. "Microsoft positioniert sich geschickt zwischen den Fronten. Einerseits verspricht man europäischen Kunden die gewünschte Datenkontrolle, andererseits bleibt das Unternehmen ein US-Konzern, der den dortigen Gesetzen unterliegt. Die Kooperationen mit deutschen und französischen Partnern wie der SAP-Tochter Delos Cloud sollen diese Bedenken zerstreuen. Die Erweiterung kommt nicht von ungefähr. Amazon und Google arbeiten ebenfalls an souveränen Cloudlösungen für Europa."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.06.2025 - Digitalisierung

Ziemlich unheimlich klingt, was die Ökonomin Monika Schnitzer und der KI-Experte Daniel Privitera auf den Wirtschaftsseiten der FAZ erzählen. Nach der KI kommt die "Artificial General Intelligence", "also eine Künstliche Intelligenz (KI), die dem Menschen kognitiv in praktisch jeder Hinsicht ebenbürtig oder überlegen ist". Die beiden betrachten das Thema vor allem unter dem Aspekt ökonomischer Potenziale: "Unter Entscheidern in Washington, London oder San Francisco ist auch das Thema AGI allgegenwärtig. Viele politische Strategien und Geschäftsmodelle dort basieren auf der Annahme, dass Intelligenz bald in einem kaum vorstellbaren Ausmaß verfügbar, kopierbar und skalierbar sein wird. Denn der Einfluss einer solchen Skalierung von Künstlicher Intelligenz auf die Wirtschaft, den wissenschaftlichen Fortschritt und die globalen Machtverhältnisse wird enorm sein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.06.2025 - Digitalisierung

Der PR-Berater Daniel Kapp hat auf Twitter ein Chat-GPT-Experiment gestartet, ob die KI bei Karikaturen auf bestimmte Empfindlichkeiten Rücksicht nimmt, auch wenn diese durch die Meinungsfreiheit gedeckt wären. Zunächst machte er das Experiment mit Trump:


Der englische Informatiker Tim Berners-Lee, der die Grundtechnik des world wide web begründete, wird am Sonntag siebzig. Dietmar Dath gratuliert in der FAZ schon mal: "Die Zwanglosigkeit und Experimentierwilligkeit der digitalen Pionierepoche in den Spätachtziger- und Frühneunzigerjahren, vor rund einem Menschenalter, steht, blickt man heute auf sie zurück, in schrillem Kontrast zu der so oft gleichermaßen öden wie gehetzten Metadaten-Fummelei, zu der uns der Datenverarbeitungszweck allseitiger Maschinenlesbarkeit sämtlicher Netzinhalte inzwischen treibt. 'Tim, dieses Hypertext-Ding, hast du das inzwischen zusammengeschrieben?', sei er kurz nach seiner ersten Eingabe in dieser Sache im europäischen Kernforschungszentrum CERN gefragt worden, berichtet Berners-Lee, und er habe kurzweg geantwortet: 'Okay, dann mache ich das jetzt eben!'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.06.2025 - Digitalisierung

Gestern erklärte Christian Drosten in der FAZ, wie wichtig es ist, Fakten zu verstehen, um ein Gefühl für die Realität zu bewahren (unser Resümee). Heute erklärt Sascha Lobo im Spiegel, wie viel schwieriger das in der Zukunft werden könnte: Er stellt Google Veo 3 vor, ein KI-Modell für Text-to-Video. "Veo3 ist der erste große Schritt der skalierbaren Hyperpersonalisierbarkeit von Videoinhalten." Damit soll zuerst Werbung entworfen werden, aber die KI lässt sich auch ganz anders nutzen: "Mithilfe von Daten über jede einzelne Person, gewonnen aus dem im Netz allgegenwärtigen Profiling, lässt sich schon bald auch für jede einzelne Person das anhand dieser Daten bestüberzeugende oder auch bestfunktionierende Video herstellen: Hyperpersonalisierung, von Putin-Propaganda über Firmen-Fortbildung bis Unterhaltung. Veo3 markiert wahrscheinlich den Beginn eines neuen Videozeitalters, in dem nur noch die Datenbasis einer Person und die Rendering-Geschwindigkeit der Inhalte Grenzen darstellen." Das lässt sich natürlich auch auf politische Inhalte anwenden. Was Fragen aufwirft: "Wie sieht zum Beispiel eine für die Demokratie essenzielle, öffentliche Debatte aus, wenn alle Teilnehmenden gar nicht mehr die gleichen Videos sehen, die man als 'viral' bezeichnet - sondern hyperpersonalisierte Inhalte, die es im Extremfall nur ein einziges Mal gibt?"

Sein Magazin hat Veo3 ausprobiert und einige "realistische Videos erstellt, darunter eine pakistanische Menschenmenge, die einen Hindu-Tempel in Brand setzt; chinesische Forscher, die in einem Nasslabor mit einer Fledermaus hantieren; ein Wahlhelfer, der Stimmzettel schreddert; und Palästinenser, die in Gaza dankbar US-Hilfe annehmen", berichtet Andrew R. Chow in Time. "Obwohl jedes dieser Videos einige auffällige Ungenauigkeiten enthielt, erklärten mehrere Experten gegenüber Time, dass diese Videos, wenn sie in der Hitze eines aktuellen Ereignisses mit einer irreführenden Bildunterschrift in den sozialen Medien verbreitet werden, möglicherweise soziale Unruhen oder Gewalt schüren könnten... Experten befürchten, dass Tools wie Veo 3 die Verbreitung von Fehlinformationen und Propaganda beschleunigen und es noch schwieriger machen werden, Fiktion von Realität zu unterscheiden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.05.2025 - Digitalisierung

Künstliche Intelligenz läutet keine Phase der Optimierung ein, sondern einen "Moment der grundsätzlichen Erneuerung". Die Hochschulen müssen sich darauf schnellstens einstellen und Kontrolle der Nutzung von KI durch Gestaltung ersetzen, meint der Volkswirt Markus Thomas Münter in der FAZ. "Studenten werden, ob erlaubt oder nicht, wann immer möglich KI einsetzen. So entstehen schließlich ihre Tiktok-Feeds, so lassen sie sich von Algorithmen ihre Playlist zusammenstellen, so wählen sie auf Datingplattformen potentielle Lebenspartner, und so werden sie es natürlich auch im Studium tun. Es wäre eine Illusion zu glauben, gerade an der Hochschule würden diese Möglichkeiten nicht genutzt werden. Studenten müssen deshalb lernen, mit Maschinen zu denken, ohne sich ihrer Autonomie zu berauben. Unternehmen benötigen Absolventen, die nicht nur Werkzeuge bedienen, sondern auch deren epistemische Voraussetzungen verstehen." Was natürlich bedeutet, dass man auf seinem Gebiet sehr sehr gut sein muss, um beurteilen - und gegebenenfalls korrigieren - zu können, was die KI tut, so Münter, dessen Text mit einem unerwarteten Denkanstoß endet.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.05.2025 - Digitalisierung

Mark Zuckerbergs Meta-Konzern will ab dem 27. Mai sämtliche Beiträge von Nutzern auf Facebook und Instagram zum Training seiner KI nutzen, bis zum 26. Mai kann man dem widersprechen, berichten Maximilian Sachse und Marcus Jung in der FAZ. Die Frage ist, ob dieses Data-Mining legal ist. "In Amerika berufen sich Betreiber von KI-Modellen beim Datentraining häufig auf 'Fair Use'. Mithilfe der Doktrin vermeiden sie es, Lizenzgebühren an Verlagshäuser, Autoren, Musiker oder Fotografen zu zahlen. Die Anwendung der Fair-Use-Doktrin ist in der EU nicht möglich. Hier sehen die EU-Richtlinie zum Urheberrecht und das nationale Gesetzeswerk in Deutschland bestimmte Ausnahmen ('Schranken') zur Datennutzung vor" auch ohne Zustimmung des Rechteinhabers, aber dies nur in Ausnahmefällen, die wiederum nur für Forschungseinrichtungen gelten. "Eine kommerzielle Nutzung, wie Meta sie plant, wäre damit hierzulande nicht möglich", meinen die FAZ-Reporter, aber das muss wohl erst noch gerichtlich entschieden werden.

Dass KI auch sehr nützlich sein kann, ist unbestreitbar. Aber warum sind wir in der Sache so abhängig von amerikanischen Firmen, fragt sich in der taz Hannes Koch und erfährt im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, dass es vor allem an Rechenkapazität in öffentlichen und privaten Einrichtungen fehlt. "Der Grund dafür? 'Hierzulande fehlt es oft an Kapital', sagt Andreas Schepers, Sprecher des DFKI in Berlin. ... Jörg Bienert, Vorstand des KI-Bundesverbands, teilt die Analyse. 'In den USA stehen KI-Unternehmen mehr Kapital und Rechnerleistung zur Verfügung.' Seiner Einschätzung nach 'hat das teilweise mit der mangelnden Risikobereitschaft europäischer Investoren zu tun'. In dieser Lesart sind US-Firmen und Geldgeber bereit, größere Summen lockerzumachen, selbst wenn das Risiko des Verlusts nicht von der Hand zu weisen ist. Gedeckt wird die Einschätzung durch eine Untersuchung der Unternehmensberatung EY von 2024, derzufolge die Forschungs- und Entwicklungsausgaben großer US-Aktiengesellschaften deutlich über denen entsprechender EU-Firmen liegen."