Jürg Altwegg besucht in Paris für die
FAZ den Historiker
Stéphane Courtois, Herausgeber des "Schwarzbuchs des Kommunismus" und jetzt des "Schwarzbuchs Putin", für eine Plauderei: "Courtois unterstreicht
Stalins Popularität und Prestige im
Nachkriegsfrankeich, als die Kommunisten die stärkste Partei waren. Die Geschichtsschreibung wurde von marxistischen Historikern beherrscht, sie zogen eine direkte Linie von der Französischen zur Russischen Revolution. Mit ihrem Katechismus brach erst
François Furet. Doch von der Organisation der Zweihundertjahrfeiern 1989 wurde er 'ausgeschlossen': 'Ich sage immer: Wir bleiben
das letzte kommunistische Land'", verrät ihm Courtois.
In der
NZZ zeichnet Herfried Münkler nochmal ausführlich nach, wie
Putin den "
Großen Vaterländischen Krieg" geschichtspolitisch verklärt und
instrumentalisiert, um den Krieg gegen die Ukraine zu legitimieren: "Was die jüngsten russischen Feiern zum 'Großen Vaterländischen Krieg' und zu der Schlacht von Stalingrad anbetrifft, so gibt es zwei
eklatante Auslassungen: den Umstand, dass es nicht nur Russen waren, von denen die Stadt an der Wolga verteidigt und der Gegenangriff zur Einkesselung der Angreifer vorgetragen wurde, sondern dass daran auch
Ukrainer beteiligt waren, die obendrein in diesem Krieg den höchsten Blutzoll entrichtet hatten. Und des Weiteren den Umstand, dass
Hitler und Stalin von 1939 bis 1941
Spießgesellen gewesen waren, die Polen unter sich aufgeteilt und das Baltikum der Sowjetunion zugesprochen hatten."