9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

1456 Presseschau-Absätze - Seite 126 von 146

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.08.2015 - Kulturpolitik

Auf eine vertrackte Dialektik des Begriffs "Shared Heritage", mit dem man den Kolonialismusvorwurf im kommenden Humboldtforum entkräften will, macht Mark Siemons in der FAZ aufmerksam: Er markiert nämlich gerade auch "einen fortdauernden Anspruch auf die Kulturen, die man im selben Atemzug in ihrem Eigenwert respektieren zu wollen vorgibt. Auf der Website des Britischen Museums, dessen Direktor Neil MacGregor bisher war, dient der Begriff als Begründung dafür, weshalb die in London ausgestellten Teile des Parthenon-Tempels nicht, wie von Athen gefordert, an Griechenland zurückgegeben werden: "Sie sind ein Teil des "shared heritage" der Welt, und sie überschreiten politische Grenzen.""

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.08.2015 - Kulturpolitik

Fast muss man den Archäologen des 19. Jahrhunderts dankbar sein, dass sie Kunstschätze im Nahen Osten raubten und nach Europa brachten. So sind sie heute dem Zugriff der Islamisten entzogen, schreibt Michael Wolffsohn in der Welt: "Ist es mehr als Ironie der Geschichte, dass die unbestreitbare Unmoral von damals heute, unter veränderten Umständen, plötzlich fast zum Segen wird?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.08.2015 - Kulturpolitik

Der Streit um das Gurlitt-Erbe könnte unwillkommene Weiterungen in Schweizer Museen und im Schweizer Kunsthandel haben, schreibt Stefan Koldehoff in der FAZ, weil nun eine Menge Werke ins Gerede kommen könnten, die die Schweizer bisher nicht zurückgeben wollten, denn "Deutschland definiert, anders als die Schweiz, auch sogenanntes Fluchtgut als zu restituierendes - jenen Besitz also, den zumeist jüdische Besitzer zwar ins sichere Ausland, etwa die Schweiz, bringen konnten, den sie dort aber verkaufen mussten, um ihre weitere Flucht oder den eigenen Lebensunterhalt finanzieren zu können." Das Berner Museum hat diese Regelung anerkannt, als es das Gurlitt-Erbe annahm.

Im Tagesspiegel hält Christiane Peitz die Aufregung der Sammler über die geplante Novelierung des Kulturgutschutzes für heuchlerisch: "Erstens: Schon nach geltendem Recht - gegen das die Sammler nicht protestierten - kann national wertvolles Kulturgut nicht ohne Genehmigung in Länder außerhalb der EU zum Zweck des Verkaufs ausgeführt werden. Zweitens: Auch künftig soll die Ausfuhr nicht verboten werden, neu wäre bloß die Genehmigungspflicht für den Verkauf in EU-Länder." Und überhaupt: "Kunst ist beides, Kulturgut und Geldanlage. Deshalb bringt der Besitz eines Nolde oder eines Goldpokals mehr Verantwortung mit sich als der einer Luxusyacht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.07.2015 - Kulturpolitik

Das geplante Humboldt-Forum in der Stadtschlossattrappe ist noch keineswegs davor gefeit, "genau die falsche Art von Globalisierung zu exemplifizieren", meint der Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger in der FAZ, "nämlich eine, die die Welt aus westlicher Sicht vorstellt. Lauter wunderbare Dinge im Geiste der frühneuzeitlichen "Wunderkammer" zusammenzuwürfeln - seinerseits eine radikale Dekontextualisierung und Verleugnung der ursprünglichen kulturellen Komplexität der Objekte - kann kaum die Antwort sein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.07.2015 - Kulturpolitik

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Chefin der Länderkulturstiftung, versucht im FAZ-Gespräch mit Andreas Kilb und Julia Voss zum Thema Kulturgutschutzgesetz abzuwiegeln: "Ein Kulturgutschutz existiert nicht erst seit 1955, sondern bereits seit 1919. Aber es muss eben auch immer klar sein, dass das nur die absolute Ausnahme ist. Nicht zuletzt die Kunsthändler waren mit der bisherigen Situation sehr unzufrieden. Es gibt Listen, die von den Bundesländern mit unterschiedlichem Engagement geführt werden. Wenn Sie dort hineinschauen, sehen Sie, dass in manchen Ländern nur ein Werk aufgeführt wird, in anderen sind es unglaublich viele. Das wurde schon lange als Ausdruck einer gewissen Willkür empfunden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.07.2015 - Kulturpolitik

Das Elend britischer Museen in der Provinz schildert Eva Ladipo in der Welt. Anders als die staatsfinanzierten Londoner Superstar-Museen haben sie keinen internationalen Ruf, aber die Preise haben auch sie auf null herabgesetzt: "Allerdings werden sie von den darbenden Kommunen finanziert und haben in den vergangenen vier Jahren Kürzungen um fast ein Drittel verwinden müssen. Außerdem mangelt es ihnen an dem Prestige und der Marketingkraft der nationalen Museen und damit an einer wichtigen zusätzlichen Einkommensquelle: kostenpflichtigen Sonderausstellungen."

Weiteres: Ebenfalls in der Welt wendet sich Cornelius Tittel ein weiteres Mal gegen das geplante Kulturgutschutzgesetz.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.07.2015 - Kulturpolitik

Im politischen Leitartikel der FAZ versucht Rose-Maria Gropp die Aufregung um das geplante Kulturgutschutzgesetz zu dämpfen und sie findet: "Unabdingbar ist in jedem Fall, dass für das geplante Gesetz der Begriff "national wertvoll" klar konturiert wird." Im Feuilleton resümiert Andreas Kilb neueste Diskussionen über das geplante Museum für moderne Kunst am Berliner Kulturforum, die im Berlin-üblichen Gestrüpp landen könnten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.07.2015 - Kulturpolitik

Uwe Rada besucht für die taz Breslau, das nächstes Jahr zusammen mit San Sebastián europäische Kulturhauptstadt wird. Pudelwohl fühlt er sich in der Bar Barbara, jener legendären Milchbar in der Świdnicka-Straße, die in den achtziger Jahren Zentrum der Kunstguerilla Orange Alternative war: "Joanna Męczyńska gehört zu jener jungen Generation von Breslauern, die ihre Stadt noch nicht aufgegeben hat. "Viele gehen weg, nach Warschau oder Berlin", sagt sie, "weil auch in Polen die Jugendarbeitslosigkeit steigt." Anders als für den Breslauer Stadtpräsidenten Dutkiewicz, der mit der Kulturhauptstadt 2016 die Zahl der Touristen verdoppeln will, ist das kommende Jahr für Męczyńska auch ein Test dafür, ob sich die Stadt verjüngt und die alten Eliten bereit sind, den Jungen Platz zu machen."

Im Standard meldet Stefan Weiss, dass nun auch britische Künstler eine Protestkampagne gegen TTIP gestartet haben, mit Vivienne Westwood als Galionsfigur.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.07.2015 - Kulturpolitik

In der NZZ schäumt Christian Herchenröder noch einmal gegen die von Monika Grütters geplante Verschärfung des Kulturgutschutzes und "deutsche Kontrollwut". Das alte Gesetz funktioniere doch wunderbar, meint er: "Der Kunsthandel konnte sich global entfalten, die Sammler konnten die Museen bereichern, und es formte sich ein Kulturverständnis, das auf dem Prinzip wechselseitigen Gebens und Nehmens aufgebaut war."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.07.2015 - Kulturpolitik

Hermann Parzinger von der Preußen-Stiftung wendet sich in der FAZ gegen den "Tonfall des Empörungsgeschreis" in der Debatte um das Kulturgutschutzgesetz und fordert Versachlichung: "Von zentraler Bedeutung ist, wie wir den Begriff "national wertvolles Kulturgut" definieren wollen und wie exklusiv eine solche Kategorisierung wirklich sein soll; jedenfalls sind dies Fragen, die sich breit zu diskutieren lohnen, weil es dabei auch um unser Selbstverständnis als Kulturnation geht."