Als gäbe es nicht ein paar wichtigere Probleme in der Welt - und auch auf dem Feld der Kulturpolitik - wird der Vorschlag der Autoren
Mithu Sanyal,
Dmitrij Kapitelman und
Simone Buchholz, das
Amt einer Parlamentspoetin zu schaffen (unser
Resümee), das aber allein nach nach von ihnen definierten
Diversitätskriterien besetzt werden soll, in den Zeitungen ernsthaft diskutiert.
FAZ-Redakteur Andreas Platthaus will beim Diversitätsgebot
nicht einfach so mitmachen: "Schon die Auswahlkommission, so heißt es im Plädoyer des Trios, habe 'so divers wie nur irgend möglich' zu sein. Dem Parlament selbst wird Diversität nicht zugetraut. Es repräsentiert aber seiner grundgesetzlichen Bestimmung nach
das Volk und nicht ein Diversitätsideal."
In der
NZZ kann Paul Jandl den Vorschlag der drei
nicht ganz ernst nehmen: "Liest man den Text in der
Süddeutschen, meint man, einem großen Missverständnis ausgesetzt zu sein. Dass Poesie nämlich die
Sprache des Guten ist, die endlich wieder auf deutsche Sofakissen gestickt werden müsste. Ein Gefühlszustand, der die Ernüchterungen, mit denen die Politik zu kämpfen hat, erträglich erscheinen lässt."
Die
Welt widmet dem Vorschlag eines Parlamentspoeten gleich ein pro und contra. Mladen Gladic kann sich das gut vorstellen, um den "
revolutionären Glanz des Parlaments" wieder aufzufrischen. "Warum diese wichtige Erinnerung also nicht ein
bisschen greifbarer machen, sie in ein 'Fühlen, Sehen, Schmecken, Metaphernfinden' überführen, im Gesang eines Poeten oder einer Poetin im Parlament." Marc Reichwein wird dagegen "spätestens an der Stelle, an der Buchholz, Kapitelman und Sanyal '
Heilung' und '
Versöhnung' fordern, endgültig misstrauisch. Es ist doch nicht Aufgabe der Literatur, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu besorgen!"