9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

1451 Presseschau-Absätze - Seite 53 von 146

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.01.2022 - Kulturpolitik

Andreas Platthaus unterhält sich für die FAZ ausführlich mit Martin Hoernes und Dirk Syndram von der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung, die ihr segensreiches Wirken für die deutschen Museen erklären. Unter anderem sprechen sie über das Projekt "Digital Benin", das alle Beninbronzen weltweit katalogieren soll: "Alle vor der 1897 erfolgten Plünderung entstandenen Bronzen und Kunstwerke werden nun erfasst und dokumentiert, auch der große Bestand, der sich in Nigeria befindet, immerhin einer der großen der Welt - der viel zu wenig bekannt ist. 120 Museen aus aller Welt haben dazu schon Material eingebracht, und was das Projektteam von 'Digital Benin' nun leistet, ist die Zusammenführung der bestehenden Museumsdatenbanken mittels eines eigens entwickelten Interfaces zu einem Gesamtbestand, der dann sowohl die Recherchen erleichtern als auch alle künftigen Änderungen einzelner Einträge berücksichtigen wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.12.2021 - Kulturpolitik

Sabine Seifert unterhält sich für die taz mit Nanette Snoep, Direktorin des Kölner Rautenstrauch-Joest-Museums, die sich seit 25 Jahren für die Rückgabe von Kolonialkunst einsetzt. In ihrem Museum findet jetzt die Ausstellung "Resist" statt, die 500 Jahre Widerstand gegen Kolonialismus thematisiert. Hier hat Snoep auch mit der nigerianischen Künstlerin und Kuratorin Peju Layiwola zusammengearbeitet, einer Nachfahrin der Könige von Benin. Sie durfte die Bronzen sogar anfassen: "Ja, ohne Museumshandschuhe. Der Moment wurde in der ARD-Sendung 'Titel, Thesen, Temperamente' gezeigt. Wir haben das als symbolische Geste zugelassen, als Akt der Empathie. Museumsarbeit ist auch Care-Arbeit. Wir wollten, dass Layiwola sich gut fühlt an einem Ort, der durchdrungen ist von der kolonialen Vergangenheit, und wo sie mit unseren Museumskolleg:innen drei Wochen lang an der Sammlung arbeiten konnte, nach ihren Wünschen und ohne Einschränkungen." Ob das ein magischer Moment war, fragt die Interviewerin. "Der direkte Kontakt hat sie emotional sehr berührt. Aber es kamen sofort ablehnende Reaktionen nach der Sendung, weil Layiwola die Bronzen ohne Handschuhe berührt hat. Warum sind wir nicht in der Lage zu sehen, dass es hier um etwas ganz Essenzielles geht? Es geht um koloniale Traumata, Versöhnung, Heilung. Es geht um Empathie, Solidarität und Care."

Öffentliche Prestigeprojekte wie das Humboldt Forum sollten vor "privaten Spenden aus dubiosen Quellen" besser geschützt werden, fordert Hartmut Dorgerloh im dpa-Gespräch, meldet die Berliner Zeitung. Es sei eine grundsätzliche Frage, "'inwieweit man das von privaten Spenden abhängig machen will oder ob Steuerzahlerinnen und Steuerzahler auch das gesamte Projekt bezahlen sollen. Die andere Frage ist, ob es hierzulande auch eine andere Art von Spendenpraxis braucht, bei der - wie in anderen europäischen Ländern oder bei Parteispenden - schon ab einer relativ niedrigen Höhe die Zustimmung zur Namensnennung gegeben werden muss.' Gleichzeitig warnte Dorgerloh: 'Was man dann aber auch diskutieren muss ist, ob man damit dann bereit ist in Kauf zu nehmen, dass es möglicherweise weniger Spenden geben wird. Weil Menschen dann sagen: Nein, wenn mein Name veröffentlicht wird, dann spende ich auch nicht.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.12.2021 - Kulturpolitik

In Belgien hat der Kulturbetrieb gegen Coronamaßnahmen protestiert und verordnete Schließungen einfach verweigert. Die Politik knickte ein. Eine gute Sache, meint Eric Bonse in der taz: "Mit ihrem erfolgreichen Widerstand setzen die Kulturschaffenden ein Zeichen, das weit über die Grenzen Belgiens hinaus Wirkung zeigen dürfte. Auch in Deutschland, Frankreich und anderen EU-Ländern wird die Kultur immer wieder unsinnigen oder unverhältnismäßigen Coronamaßnahmen geopfert. Damit muss Schluss sein. Viele Kultureinrichtungen haben mit kostspieligen und wirksamen Hygienekonzepten Vorsorge getroffen." Hier Bonses Bericht zum belgischen Protest.

Die SPD hat wieder nach "Gutsherrenart" entschieden, ärgert sich der Architekt Matthias Sauerbruch im Welt-Gespräch mit Marcus Woeller über die Ernennung von Petra Kahlfeldt zur Berliner Senatsbaudirektorin, die er bereits in einem offenen Brief kritisiert hatte. (Unsere Resümees) Kahlfeldt habe keinerlei städteplanerische Erfahrung, sie denke "nicht im großen städtischen Maßstab, sondern eher im Maßstab einzelner Häuser. Die schwierigen Themen, die Berlin in den nächsten Dekaden beschäftigen, also der Massenwohnungsbau, die intensive Nachverdichtung, die Fragen des Klimawandels oder der Verkehrswende tauchen in ihrem Portfolio nicht auf."  Zudem sei Kahlfeldts Position von der ihres Vorvorgängers Hans Stimmann praktisch nicht zu unterscheiden. "Diese Diskussionen, ob man historische Stile zum Einsatz bringt oder modern baut, sind in den zwanziger Jahren des 21. Jahrhunderts völlig deplatziert. Daran haben wir uns alle lange abgearbeitet. Das hat furchtbar viel Energie beansprucht, aber nicht zu wahnsinnig viel geführt."

Vor das Bibelspruchband am Humboldt Forum soll mit Hilfe der Initiative Leuchtturm Berlin ein Netz von Leuchtdioden angebracht werden, das bei Einbruch der Dunkelheit Auszüge aus Grundgesetz und Menschenrechtserklärung erscheinen lässt. In der Welt hat der evangelische Theologe Richard Schröder dafür kein Verständnis: "Der interkulturelle Dialog werde durch das Kreuz und die Bibelzitate behindert, da sie christliche Herrschaftsansprüche ausdrücken. Das lässt sich zwar bestreiten, aber nehmen wir einmal an, es sei so. Wie wollen wir, die Gastgeber solcher Dialoge, denn auftreten? So wie wir sind, mitsamt unserer auch belastenden Geschichte - oder als Unschuldsengel und unbeschriebene Blätter, die sich von ihrer Geschichte losgesagt haben? Auch der Waschzwang ist zwanghaft. Alle, die zu uns kommen, wissen, dass sie in eine postchristliche und zum Beispiel nicht in eine postmuslimische Gesellschaft kommen."

"Der christlich verbrämte imperiale Herrschaftsanspruch in der Inschrift der Kuppel ('dass im Namen Jesu sich beugen soll all derer Knie…') wäre unter Roth (…) nicht durchgegangen, meint indes Kia Vahland in der SZ und hofft, dass die neue Kulturstaatsministerin es insgesamt nicht nur bei "Symbolpolitik" belässt: "In der Pandemie gelten Gastronomie, Einzelhandel, Friseurläden der Politik allemal mehr als Konzertsäle, Opern- und Ausstellungshäuser, die man scheinbar nach Belieben öffnen und schließen kann. Kultureinrichtungen in Deutschland sind, auch wenn sie staatlich und kommunal betrieben sind, ernsthaft gefährdet auszubluten, die freie Szene ist es sowieso. Claudia Roth wird daran gemessen werden, ob sie diese auch monetäre Missachtung stoppen und Künstlerinnen und Künstlern und ihren Institutionen zu ihrem Recht und ihrem Rang verhelfen kann. Es geht nicht um Sektempfänge für eine kleine Elite."

Das Festjahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" geht zu Ende. FAZ-Redakteur Thomas Jansen zieht entgegen mancher Kritik an der Veranstaltung ein positives Resümee, denn es sei "nur selten versucht worden, ein positives Bild des jüdischen Lebens im heutigen Deutschland zu vermitteln. Dabei geht es nicht allein um Bildung, es geht um Prävention. Es ist eine Binse, dass sich Antisemitismus nur dann wirksam einhegen lässt, wenn Juden nicht als fremd wahrgenommen werden und keine abstrakte Größe bleiben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.12.2021 - Kulturpolitik

Mitte Dezember hatten Architekten in einem Offenen Brief gefordert, den Posten der Berliner Senatsbaudirektion von einem Gremium besetzen zu lassen. In einem weiteren Offenen Brief wurde jetzt die Ernennung von Petra Kahlfeldt - "ohne ein Auswahlverfahren und ohne eine öffentliche Diskussion" - zur neuen Baudirektorin von neun Architekten, darunter Philipp Oswalt und Matthias Sauerbruch, kritisiert: "Petra Kahlfeldt steht für die Wiederkehr der Baupolitik der 1990er Jahre. Mit ihr droht der Rückfall in die ideologischen Grabenkämpfe einer Ära, in der zentrale Zukunftsthemen lange vernachlässigt wurden. Mit ihr ist zu befürchten, dass anstelle integrativer Bemühungen für eine 'Stadt für Alle' eine erneute Polarisierung und vordergründige Ästhetisierung baukultureller Fragen tritt. Als Vertraute des ehemaligen Senatsbaudirektor Stimmann steht sie konservativen Kreisen nahe, die sich für die Rekonstruktion der Stadt nach historischem Muster eingesetzt haben. Sie trat mehrfach für eine Privatisierung öffentlicher Flächen ein."

In der Welt ist Gerwin Zohlen vom Verlag Wasmuth & Zohlen empört. Er findet den Brief "hetzerisch" und erhebt vor allem gegen Oswalt schwere, bis ins Persönliche reichende Vorwürfe: "Philipp Oswalt ist als notorischer Querdenker bekannt geworden. Er stammt aus der Frankfurter Bauunternehmer-Dynastie Holzmann und ist seit mehr als 30 Jahren publizistisch tätig, zumeist mit hohem Aufmerksamkeitswert. Er ist Apologet der Formlosigkeit (Berlin - Stadt ohne Form, 2000) ... Oswalt hasst alle Rekonstruktionen, sofern sie nicht die Bauhaus-Moderne betreffen (etwa den Barcelona-Pavillon und die Dessauer Trinkhalle von Mies van der Rohe). Als wortgewandter Rhetoriker trägt er Züge der besessenen Tugendhaftigkeit eines Robespierre."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.12.2021 - Kulturpolitik

Vor einem Jahr diskutierte die Kultur- und Medienwelt, sofern sie sich traute, noch über das "Weltoffen"-Papier der Indentanten großer Kulturinstitutionen, von denen die meisten durch den Bund finanziert sind. Die Intendanten kritisierten die BDS-Resolution des Bundestags. Das nachgereichte Künstlerpapier ging noch weiter als die Intendanten und forderte den Bundestag auf, die Resolution - eine mehrheitliche Meinungsäußerung der RepäsentantInnen des deutschen Volkes - zurückzunehmen. Nun können all diese BDS-Ermöglicherinnen sich freuen, schreibt Stefan Laurin bei den Ruhrbaronen, denn die Ampelkoalition hat Schlüsselpositionen der Bundeskulturpolitik nun allesamt mit AnhängerInnen dieser BDS-freundlichen Position besetzt. Sowohl Claudia Roth, als auch die neu bestallte, für Kulturpolitik zuständige Staatsministerin im Außenministerium Katja Keul (Grüne) hatten sich der BDS-Resolution ausdrücklich nicht angeschlossen. Und nach allem, was man hört, wird Andreas Görgen (SPD) Claudia Roths Amtsleiter. Görgen war Leiter der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes und hat die "Initiative GG 5.3 Weltoffenheit" maßgeblich beraten. "Die Besetzung der Schlüsselpositionen im Kulturbereich durch Personen mit einem großen Verständnis für antiisraelische Haltungen sind ein Grund, für die BDS-Unterstützer im subventionierten Kulturbetrieb der Bundesrepublik die Sektkorken knallen zu lassen: Was im Bundestag noch eine Minderheitenposition war, ist nun in der von SPD; Grünen und FDP getragenen Bundesregierung Mainstream."

Transparenz in den Kunstsammlungen ist gut, im Prinzip, aber nicht immer, erklärt im Interview mit der taz Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: "Besonders bei unseren reichhaltigen ethnologischen Sammlungen, die oft einen kolonialen Hintergrund haben. Wir haben diskutiert, was wir nach einer digitalen Erfassung online stellen. Und ob es da Grenzen gibt. Gilbert Lupfer, der jetzt Leiter des Zentrums für deutsche Kulturgutverluste ist, leitete bis Sommer 2021 unsere Forschungsabteilung. Da gibt es beispielsweise viele Aktdarstellungen. Und die betreffenden Menschen sind damals nicht gefragt worden, ob man sie nackt fotografieren darf. Wir erwähnen in diesen Fällen nur den Titel, zeigen aber das Bild nicht. Die Schwelle der Online-Freischaltung ist eine entscheidende, da verlassen wir Sachsen und sind weltweit präsent."

Die Hong Kong University hat das als "Säule der Schande" bekannte Mahnmal für die Opfer auf dem Tiananmen-Platz des Künstlers Jens Galschiøt bei Nacht und Nebel entfernen lassen. "Schockiert dieser Schritt? Kaum", meint Cornelius Dieckmann im Tagesspiegel. "Jede Diktatur ist kunstfeindlich, die chinesische allemal. Aber er macht wütend. Wie soll man ein Pekinger Regime nennen, das selbst eine Skulptur nicht erträgt? Unreif, vor allem. Ungeduldig, bockig wie ein Kindkaiser. Eben noch war Hongkong Leuchtturm chinesischer Erinnerungskultur. Jährlich kamen am Abend des 4. Juni, des Jahrestages des Tiananmen-Blutbads, Zehntausende im Victoria Park zusammen und gedachten im Kerzenmeer der Toten. 2020 und 2021 wurde die Mahnwache untersagt, praktischerweise ließ sich als Grund Corona angeben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2021 - Kulturpolitik

Jenseits von Großprojekten wie Humboldt Forum oder Elbphilharmonie gibt es genug Kulturbetriebe in Europa, die zunächst erstmal geschützt werden müssten, schreibt Nils Minkmar in der SZ: "Die pragmatische, einfallsreiche Pflege von Institutionen in der Provinz, darin besteht heute die wesentliche kulturpolitische Agenda. Das ist immer öfter auch im Wortsinn nötig: Der Klimawandel macht auch vor Schlössern und Museen nicht halt… Steigende Temperaturen und zunehmende Feuchtigkeit durch heftigere Regenfälle greifen Denkmäler innen und außen an. Doch bislang macht sich kaum ein politisch Verantwortlicher die banale Frage reißender Mauern, schimmelnder Stoffe und brüchiger Ziegeln zu eigen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.12.2021 - Kulturpolitik

Im Pariser Institut der arabischen Welt (IMA) ist derzeit die Ausstellung "Juifs d'Orient, une histoire plurimillenaire", die sich mit jüdischem Leben im Orient auseinandersetzt, zu sehen. Arabische Intellektuelle "laufen Sturm", berichtet Martina Meister in der Welt. Jack Lang, ehemaliger französischer Kulturminister und Leiter des IMA, wird etwa vorgeworfen, die israelische Sängerin Neta Elkayam, die das arabisch-jüdische Erbe besingt, eingeladen und die "Abraham Accords" begrüßt zu haben: "Seit Anfang Dezember kursiert im Internet ein öffentlicher Brief des libanesischen Schriftstellers Elias Khoury, den inzwischen 200 Intellektuelle der arabischen Welt unterzeichnet haben, in dem sie die Pariser Ausstellung als 'explizites Zeichen einer Normalisierung" mit Israel werten. Sie fordern das IMA wortwörtlich auf, 'Positionen zu revidieren', andernfalls drohen sie mit Boykott. Kritisiert wird der angebliche Versuch, Israel als 'normalen Staat im Nahen Osten' darzustellen, ungeachtet der Tatsache, dass es sich um ein 'koloniales Siedlungs- und Apartheidsregime' handele, das alles andere als normal sei. ... Über diesen Streit gerät in Vergessenheit, was die Pariser Ausstellung leistet: Dass Exponate aus drei Jahrtausenden zusammengetragen wurden, die das religiöse und kulturelle Leben der Juden auf drei Kontinenten und die gegenseitige Beeinflussung von Juden und Moslems dokumentieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.12.2021 - Kulturpolitik

Rund hundert rechtsextreme Übergriffe hat es nach Recherchen der SZ in den letzten fünf Jahren auf Kultureinrichtungen gegeben, "darunter mehrere Brand- und Sprengstoffanschläge, zahlreiche, zum Teil sehr konkrete Morddrohungen, versuchte Körperverletzung, Sachbeschädigungen und die Verletzung der Privatsphäre der attackierten Künstler", schreibt Peter Laudenbach in der SZ und empfiehlt für mehr Informationen Wilhelm Heitmeyers Studie "Rechte Bedrohungsallianzen", der darin die "Legitimationsbrücken" beschreibt, die AfD-Politiker kriminellen Akteuren bauen, auch wenn sie mit deren Anschlägen direkt dann nichts zu tun haben. "Seine Analyse der Übergriffe auf die Kunstfreiheit ist klar: 'Um rechte Bedrohungsallianzen zu verstehen, muss man die Bedeutung der Legitimationsbrücken ernst nehmen. Deshalb sehe ich zumindest indirekt eine Mitverantwortung der AfD an diesen Übergriffen.' In der Regel handelt es sich dabei um symbolische Akte, die Gegner einschüchtern und Feindbilder markieren sollen. Aber die Grenzen zum offenen Rechtsextremismus sind fließend."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.12.2021 - Kulturpolitik

Langsam, sehr langsam lösen sich auch einige der am stärksten mit der Sackler-Familie verbundenen Museen vom Namen der Familie, die ihre Milliarden von Dollar mit der legalen Droge Oxocontin gemacht hat - bis heute sind die Folgen dieser Drogenepidemie in den USA spürbar. Das Metropolitan Museum, berichtet Robin Pogrebin in der New York Times, wird sieben nach den Sacklers benannte Flügel umbenennen. Nicht alle Museen folgen dem Beispiel: "Unmittelbar nach der Ankündigung des Met erklärten mehrere andere Museen mit nach Sackler benannten Räumen, dass sie derzeit keine ähnlichen Pläne hätten, darunter die National Gallery in London - wo der Sackler-Saal einige der wertvollsten Werke des Museums enthält - und das Victoria & Albert Museum, dessen Eingang den Namen 'Sackler Courtyard' trägt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.12.2021 - Kulturpolitik

Die neue Bundeskulturministerin Claudia Roth möchte mehr Diversity in die Kultur einbringen, sagt sie im Gespräch mit Ijoma Mangold und Tobias Timm von der Zeit. Auf den Einwand, dass es doch im Moment gar nichts anderes mehr gebe als "Diversity", antwortet sie: "Sie können nicht ernsthaft sagen, dass in den kulturellen und gesellschaftlichen Institutionen Frauen, LGBTIQ*, Menschen mit Einwanderungsgeschichte, schwarze Menschen und People of Color, behinderte Menschen und Nichtakademiker*innen hinreichend vertreten sind, dass alle Menschen teilhaben können. Wenn mir meine schwulen Freunde erzählen, wie schwer es für sie ist, anständig gecastet zu werden, wenn ich mit einer Muslima spreche, die Feministin ist und wegen ihres Kopftuchs angegriffen wird, so wie es der Autorin Kübra Gümüşay passiert ist, und sie dann fragt: 'Wo ist denn eure Solidarität?'"

Nicht übermäßig konkret wird Roth in einem Gespräch mit Stefan Koldehoff vom Deutschlandfunk. Sie wolle "gerne die Kulturstaatsministerin der Demokratie sein und für die Demokratie, ausgestattet mit einem wunderbaren Werkzeugkoffer, dem Reichtum unserer großartigen bunten und vielfältigen Kultur und von Rostock bis Augsburg und Köln bis Frankfurt/Oder, Hamburg bis zur Ostalb".

In der SZ macht Jörg Häntzschel auf weitere braune Flecken auf der Spendenliste für das Berliner Schloss aufmerksam: Auch der 'Preußenabend München' hat für das Schloss gespendet, eine Organisation, bei der, so der Bayerische Rundfunk, 'rechtskonservative Akademiker, Vertriebenenfunktionäre, AfD-Politiker und Neonazis' auftreten. Einer von ihnen war der Bundeswehr-Oberleutnant Franco A., der inzwischen wegen Terrorverdacht vor Gericht steht. Ein weiterer Spender ist Claus Wolfschlag, ein Autor der Jungen Freiheit. Auch die Junge Freiheit selbst hat gespendet, für das Schmuckelement 'Sima mit Löwenköpfen'. Das war der Stiftung offenbar so unangenehm, dass sie kürzlich den Förderverein bat, die Spende zurückzuzahlen, was Fördervereinschef Wilhelm von Boddien aus rechtlichen Gründen aber ablehnte. Der Eintrag Junge Freiheit ist in der Spendenliste dennoch gelöscht worden."