Die rigide Zensur treibt Kulturschaffende und Journalisten aus dem Land, berichtet die
SZ: "Nach einer Erhebung des russischen Investigativmagazins
Agents haben
mehr als 150 Mitarbeiter von 17 Medienorganisationen das Land verlassen. Unter ihnen ist auch Marina Davydova, Chefredakteurin der Zeitschrift
teatr und künstlerische Leiterin des Moskauer Festivals 'NET'. Sie ist mit Hilfe des litauischen Botschafters aus Moskau geflohen. Nachdem sie eine
Petition gegen den Krieg gestartet hatte, sei sie in Anrufen und Mails
bedroht und
ihre Haustür schwarz markiert worden, 'das bedeutet, dass man jetzt alles mit mir machen kann, meine Wohnung anzünden, mich
in einer dunklen Gasse umbringen'. Sie hatte Todesangst. Jetzt sitzt sie in Vilnius und weiß nicht weiter. Nicht einmal auf ihr Konto hat sie Zugriff. Ihre russischen Karten funktionieren im Ausland nicht, von einer österreichischen Bank, bei der sie auch Kundin ist, habe sie die Nachricht erhalten, dass ihr Konto gesperrt sei."
Der Exodus führt aber auch dazu, dass immer weniger unabhängige Informationen die Menschen in Russland erreichen.
Eurozine bringt daher den Aufruf russischer Schriftsteller
an alle Russisch sprechenden Menschen: "Bitte, benutzen Sie alle zur Verfügung stehenden Mittel der Kommunikation. Telefone. Messenger-Dienste. E-Mails. Versuchen Sie, Bekannte zu erreichen. Versuchen Sie, Unbekannte zu erreichen.
Berichten Sie die Wahrheit. Wenn Putin blind und taub ist, werden die Russen vielleicht auf diejenigen hören, die ihre Sprache sprechen."
In der
FAZ spricht ein anonym bleibender
russischer Reporter über den Kampf gegen die russische Medienaufsicht
Roskomnadsor. Er selbst steckt im armenischen
Eriwan fest und wartet auf einen Weiterflug, der ihn ins georgische
Tiflis bringt, offenbar das populärste Ziel vieler Russen, die das Land verlassen wollen.
Auch ihre
eigenen Korrespondenten hat die
FAZ jetzt aus Moskau abgezogen, da sie mit Lagerhaft rechnen müssen, wenn sie nicht die Propaganda des Kremls nachbeten. Herausgeber Berthold Kohler schreibt dazu: "Bis zum Untergang der Sowjetunion konnten auch ausländische Berichterstatter sich nicht ungehindert im Land bewegen. Sie wurden beobachtet, abgehört, einbestellt. Mitunter mussten sie auf ihr Visum warten. Doch
selbst mitten im Kalten Krieg machten die Kommunisten im Kreml ausländischen Journalisten keine Vorgaben, was sie zu schreiben hätten."