9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.04.2022 - Medien

Wütend schreibt schreibt Szczepan Twardoch in der FAZ über einen Text Marina Owsjannikowas in der Welt. Die ehemalige Journalistin des russischen Staatsfernsehens beklagt dort, dass sie nach Ihrem Auftritt mit einem "Nie Wieder Krieg"-Schild persönliche Schikanen aushalten muss. Twardoch fordert: Wenn "eine prominente Funktionärin der Putin'schen Propaganda (aus Respekt vor dem Metier nenne ich sie nicht 'Journalistin')... die Stimme in westlichen Medien erheben will, dann sollten ihre ersten Worte den russischen Kriegsverbrechen in der Ukraine gelten. Butscha, Irpin, den Massengräbern, den vergewaltigten Ukrainerinnen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.04.2022 - Medien

Der bekannte russische Journalist Wladimir Kara-Mursa, einst ein Mitarbeiter Boris Nemzows, ist kurz nach einem Interview, das er CNN gegeben hat, festgenommen worden, hier ein Tweet seiner Frau:

Kara-Mursa wurde festgenommen, kurz nachdem er im "CNN-Interview gesagt hatte, Putins Regierung sei 'nicht nur korrupt, nicht nur kleptokratisch, nicht nur autoritär, sondern ein Regime von Mördern'. Er fügte hinzu, er halte es für wichtig, dies laut auszusprechen", erläutert die Washington Post, in einem Editorial. Kara-Mursa ist Kolumnist der Washington Post.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.04.2022 - Medien

Bittere Ironie: In seiner Amtszeit hat Emmanuel Macron ganz auf den privaten Fernsehsender TF1 gesetzt, doch ausgerechnet dieser will am Sonntag nur eine Dreiviertelstunde Sendezeit für die Wahlen erübrigen, weil die Einschaltquoten mit Macron nicht mehr stimmen. Von den Öffentlich-Rechtlichen habe sich Macron distanziert, um nicht von ihrem linken Ruf infiziert zu werden, schreibt Altwegg: "Nach dem Verbot von RT und Sputnik forderte der Philosoph Michel Onfray ein Verbot auch der französischen öffentlich-rechtlichen Programme. In den vergangenen Wochen haben ihnen verschiedene Magazine - Causeur und die Wochenendbeilage des Figaro - äußerst kritische Titelgeschichten gewidmet. Die Sender sind die Zielscheibe eines Kulturkampfs, den nicht nur die Impfgegner und Putin-Freunde gegen die 'Mainstream-Medien' führen. 2017 nannte sie Macron eine 'Schande der Republik'. In diesem Wahlkampf verspricht er - wie die rechten Kandidaten auch - die Abschaffung der Gebühren. Doch im Gegensatz zu ihnen hat er nie von einer Privatisierung gesprochen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.04.2022 - Medien

Auch unzureichende Berichterstattung deutscher Medien führt zum verzerrten Blick der Deutschen auf ihre Partnerschaft mit Russland, schreibt der ehemalige SZ-Korrespondent Thomas Urban im Branchendienst journalist.de. Ein Beispiel für einen Aspekt, der in Deutschland fast unbekannt ist: "Schon vor vier Jahrzehnten erschienen im Samisdat, der sowjetischen Untergrundpresse, Berichte über die ökologischen Verwüstungen in den Fördergebieten von Erdgas und Erdöl. Das Echo in der Bundesrepublik war äußerst gering. In der aktuellen deutschen Debatte über Nord Stream wird ausgespart, dass die russischen Stromerzeuger vor allem auf Kohle setzen, weil das Erdgas Devisen für Putins Hochrüstung erbringen muss. Während in Deutschland über ein Betriebsverbot für das hochmoderne Steinkohlekraftwerk Datteln gestritten wurde, ging in Sibirien und in Russlands fernem Osten ein Dutzend neuer Kohlekraftwerke ans Netz, deren Abgase nahezu ungefiltert die Atmosphäre erreichen."

Im SZ-Gespräch mit Lars Langenau plädiert die Ethikerin Claudia Paganini dafür, Bilder wie solcher der Opfer von Butscha schon aus Gründen der Persönlichkeitsrechte nicht zu zeigen: "Natürlich kann sich ein Medienunternehmen durch die Bilder von Verletzten und Leichen einen ökonomischen Vorteil verschaffen, weil das die Klicks in die Höhe treibt. Andererseits können solche Bilder auch gegen den Krieg mobilisieren, die Menschen aus der Gleichgültigkeit treiben. Allerdings muss man da auch aufpassen, dass Journalismus nicht in Aktivismus abgeleitet." Der Fotograf James Nachtwey (siehe oben) sähe das sicher anders.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.04.2022 - Medien

Der Fotograf Maksim Levin ist bei einer Bombardierung in der Ukraine ums Leben gekommen, meldet unter anderem der Guardian: "Der 1981 geborene Levin war ein Dokumentarfilmer, der seit 2013 an der Berichterstattung von Reuters über das Land mitgewirkt hatte. Er hatte in dem Dorf Huta Mezhyhirska gearbeitet. In diesem Gebiet war es zu schwerem Beschuss gekommen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.03.2022 - Medien

Roger Köppel, einst Springer-Verlag, heute Weltwoche und populistischer Politiker in Zürich, gehört zu den Putin-Verstehern in der Schweiz, erzählt Jürg Altwegg in der FAZ. "Problematischer wird seine Doppelrolle als Politiker und Publizist jetzt im Krieg. In dieser Ausnahmesituation muss er sich die Frage stellen, ob er nicht an einer Relativierung des russischen Angriffskriegs in der Ukraine teilhat. Köppel sitzt in einer Falle, die er sich selbst gestellt hat."

In der SZ berichtet Cathrin Kahlweit darüber, wie tendenziös die gleichgeschalteten Staatsmedien in Ungarn, wo am Wochenende gewählt wird, über die Opposition berichten. Sie empfiehlt die Dokumentation "Ungarn - Propaganda gegen Pressefreiheit", die im ZDF lief und in der Mediathek des Senders noch zu sehen ist.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.03.2022 - Medien

Das neueste Mediengesicht des Trumpismus heißt Tucker Carlson, berichtet Hubert Wetzel in der SZ. Er hat bei Fox News die erfolgreichste Politik-Talkshows der USA, "Tucker Carlson Tonight" und bringt dem Sender Millionen an Werbegeldern. Er arbeitet gern mit rhetorischen Fragen und Halbwahrheiten und suggeriert, dass Putin im Ukrainekrieg der Angegriffene sei. Seine Agenda liest sich etwa so: "Die Demokraten haben eure Jobs ins Ausland geschickt. China hat das Virus auf euch losgelassen. Die Demokraten haben euch mit ihren Lockdowns arm gemacht und erzählen euren Kindern, dass sie Rassisten seien, weil sie weiß sind. Ah, und Mexiko schmuggelt tödliches Fentanyl über die Grenze im Süden, die Biden geöffnet hat. Und der fängt einen Krieg gegen Putin an, um davon abzulenken."

Und noch eine Nachricht an die SZ selbst:

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.03.2022 - Medien

Für ZeitOnline hat der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen mit dem ukrainischen Unternehmer Misha Katsurin gesprochen, der mit seiner Website papapover.com versucht, die russische Propaganda und Informationskontrolle zu durchbrechen. Ukrainer sollen vor allem russische Verwandte und Freunde erreichen. "Wir sind nur ein einzelnes, ganz kleines Element in diesem gigantischen Informationskrieg, unterstützt durch Spenden und Freiwillige. Aber natürlich sehe auch ich die Bilder derjenigen, die in Russland den Krieg bejubeln. Natürlich erfahre auch ich, dass russische Influencer, Musiker und Blogger persönlich von Kremlleuten angerufen werden, man ihnen und ihren Familien mit Gefängnis droht, sollten sie auch nur minimal von der offiziellen Linie abweichen. Und noch etwas: Das eigentliche Drama ist, dass derzeit viele liberal und nicht nationalistisch denkende, gut ausgebildete Menschen dabei sind, das Land zu verlassen. Weil sie schlicht keine Chance mehr sehen, weiter in Russland zu arbeiten. Putin braucht also keinen stalinistischen Gulag, er zwingt Andersdenkende einfach zur Emigration."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.03.2022 - Medien

In der SZ blickt Andrian Kreye auf den Ursprung russischer Fake News, nämlich die 1983 vom KGB lancierte Geschichte, "HIV sei ein afrikanisches Virus, das von amerikanischen Militärs untersucht worden sei, um es zur biologischen Waffe zu züchten." "Der offizielle russische Begriff für die psychologische Kriegsführung gegen die Gesellschaften des Westens war 'Aktive Maßnahmen'. In seinen Hochzeiten soll der KGB bis zu 85 Prozent seines Budgets dafür ausgegeben haben. In der Abteilung, die dafür zuständig war, arbeiteten der New York Times zufolge zeitweise um die 15 000 Leute. Die New York Times rekonstruierte schon vor fünf Jahren in einer aufwendigen Recherche eine Art Regelkatalog der 'Aktiven Maßnahmen'. Der erste Schritt ist dabei immer, Brüche in der Gesellschaft des Ziellandes zu identifizieren und diese zu verstärken. Die Kulturkämpfe der amerikanischen Gesellschaft und ihre Spaltung entlang der beiden Parteien sind dabei seit Jahren ein Ziel. Im nächsten Schritt wird eine Falschnachricht erfunden, die so ungeheuerlich ist, dass sie genug Empörung erzeugt, dass Zweifel untergehen. Wichtig ist es, in jeder der Falschnachrichten ein Körnchen Wahrheit einzubauen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.03.2022 - Medien

Putins Propagandasender RT betrieb in Großbritannien aktive Korruption. Lieblingspolitiker des Senders in Großbritannien war kein anderer als Nigel Farage, der unablässig bei RT auftrat und 2.000 Pfund Honorar pro Auftritt bekommen haben soll, erzählt die investigative Journalistin Carol Cadwalladr in einem Twitter-Thread:



Stichwörter: Farage, Nigel, Russia Today