Die amerikanische Demokratin
Alexandria Ocasio-Cortez ist das neue Gesicht von "Woke 2.0", wie Andrian Kreye in der
SZ beobachtet. Auch wenn noch nicht ganz klar ist, was das eigentlich heißt. Vielleicht gelingt ja eine Neudefinition? Von "Woke 1.0" hat sich AOC in Interviews distanziert, erinnert Kreye: "Es geht ihr aber auch darum,
ein paar Jugendsünden vergessen zu machen. So sprach sich AOC 2020 für die Definanzierung der Polizei, 2021 für die Abschaffung des Strafvollzuges aus, beides hehre, aber
unrealistische Unterfangen." Eine "grundsätzlich forschrittliche Haltung aber bewahrt sie sich. Das könnte in Zukunft mal Woke 2.0 sein. Der genialische Stratege der Demokraten, James Carville, kommentierte ihren Schritt jedenfalls: 'Sie kann sagen: 'Ich bin erwachsen', und die Leute verstehen das.' ... Perspektivisch will sie ja auch nur Dinge wie eine bezahlbare Gesundheitsversorgung, Klimaschutz und eine Abkehr vom Militarismus der Trumpisten. In Europa sind das vor allem Themen und Errungenschaften der Sozialdemokraten. Das zeigt, dass in den USA vieles noch als linksradikal gilt, was bei uns
längst bürgerlich ist."
Man kann sich fest auf die Regierung von
Benjamin Netanjahu verlassen, dass sie alles tut, um ihren Kritikern Recht zu geben. Der fundamentalistische (und wegen rassistischer Aufhetzung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorbestrafte) Sicherheitsminister
Itamar Ben-
Gvir hat am Sonntag in einem Podcast angeregt, "man solle im Gazastreifen gezielt '
30,
40 Palästinenser pro Nacht'
töten. Es gebe Menschen in Gaza, die es nicht verdienten zu leben, sagte er weiter. Dabei gehe es nicht nur um Militante, die eine unmittelbare Gefahr darstellten. Außerdem plädierte der Minister für eine israelische Übernahme des Gazastreifens",
berichtet in der
taz Serena Bilanceri. "Die Aussagen fielen
einen Tag vor dem Treffen zwischen Premierminister Benjamin Netanjahu und dem US-Gesandten Jared Kushner in Jerusalem. Dort sollten sie den von Trump unterstützten 15-Punkte-Friedensplan diskutieren, zusammen mit Vertretern des Board of Peace - dem von Trump gewollten Gremium für eine nachhaltige Lösung des Konflikts."
Das war von Ben-Gvir zu erwarten,
meint Ayala Goldmann in der
Jüdischen Allgemeinen, was die Äußerungen allerdings nicht weniger ekelhaft macht. Und er steht damit nicht allein in der Regierung, so Goldmann: "Die
Verrohung der hebräischen Sprache verantwortet in der israelischen Regierung nicht Itamar Ben-Gvir allein. Israels Regierungschef
Benjamin Netanjahu, der sich mit Extremisten wie Ben-Gvir verbündet hat und ihnen nie wirklich Einhalt gebietet, benutzte wiederholt den Begriff 'Hamas-Monster'. Selbstverständlich hat Israel jedes Recht, sich militärisch gegen den mörderischen Terrorismus der Hamas zu wehren. Doch wer anderen
die Menschlichkeit abspricht, verliert über kurz oder lang seine eigene." Auch Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hat die Äußerungen Ben-Gvirs scharf verurteilt, ebenso zahlreiche deutsche Politiker,
berichtet die
Jüdische Allgemeine in einem zweiten Artikel.
Es muss dringend
Sanktionen gegen Ben-Gvir geben, fordert Daniel Brössler im
SZ-Kommentar: "Es ist Israels Sicherheitsminister, der die Sicherheit Israels langfristig gefährdet, weil er mit seiner rechtsradikalen Ideologie des Hasses auch die letzten Partner und Freunde Israels noch verprellt.
Einreiseverbote werden zwar vermutlich weder Ben-Gvir noch seinen Gesinnungsgenossen, Finanzminister Bezalel Smotrich, beeindrucken. Als Botschaft wären sie dennoch wichtig."