Während Trump im Garten des Weißen Hauses Gladiatorenspiele abhielt, hatte er noch Zeit für einen "
Deal"
mit dem Iran, der in den Zeitungen mit Entsetzen kommentiert wird: "Das Öl wird fließen und alles ist gut? Mitnichten",
ruft Judith Poppe in der
taz. "Das Abkommen ist
eine Katastrophe. Milliarden von Dollar, die wohl schon in der ersten Phase des Abkommens in Richtung Iran fließen werden, werden die Stellung des iranischen Regimes in der Welt stärken. Nach innen steht zu befürchten, dass das Regime mit dem neu gewonnenen Selbstbewusstsein noch härter gegen die eigene Bevölkerung und Regimekritiker*innen vorgeht."
Immerhin hat Netanjahu Fakten geschaffen, und
auch der Iran ist deutlich gerupft,
meint der Publizist Wolf Reuter auf
Twitter: "Die gesamte Militärkampagne - einschließlich der im Juni 2025 - ist in einer hollywoodartigen,
beinahe unwirklichen Perfektion abgelaufen. Der Iran hatte den Luftangriffen der IDF nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen. Die haben schlicht gemacht, was sie wollten, und hätten auch noch größere Schäden angerichtet, wenn die Amerikaner ihnen nicht den einen oder anderen Einsatz, insbesondere gegen die Energieinfrastruktur, verboten hätten. ... Der schlimmste Gegner ist ermattet. Er kann sich erholen -
eine Verschnaufpause. Wieder einmal."
Als Sieger steht das
iranische Regime auch für Mahtab Qolizadeh, der für die
taz schreibt, nicht da: "Hinter der Propaganda zeigt sich eine
zerrüttete Machtstruktur: Nach dem Tod von Ali Khamenei haben die Revolutionsgarden und der Nationale Sicherheitsrat an Einfluss gewonnen, während der neue Führer eher symbolisch agiert. Das bedeutet, dass die Islamische Republik zwar noch besteht, aber innerlich nicht kohärenter geworden ist. Im Gegenteil: Das Abkommen mit Amerika trifft sie genau dort, wo jahrelang eine ihrer wichtigsten Identitätssäulen stand: die permanente Feindseligkeit gegenüber Washington."
Vor allem hat sich
Trump mal wieder als schwach erwiesen, schreibt Jörg Lau in
Zeit online: "Für die europäischen wie für die
asiatischen Verbündeten der USA ist klar: Sie müssen ihre Verteidigung ohne diese irrlichternden USA planen. Im Gegenzug gilt: China kann sich im Wettbewerb mit den USA ermutigt sehen. Die Schmerztoleranz der Vereinigten Staaten ist erkennbar gering. Warum sollte die U.S. Navy in der Lage sein, zum Beispiel die Straße von Taiwan freizukämpfen, wenn sie schon den Persischen Golf nicht dominieren kann (wo sie zahlreiche Basen unterhält)."
Unter dem Deal wird
auch Europa leiden, warnt
Ahmad Mansour in der
FAZ: "Dem Westen fehlen in der Auseinandersetzung mit autoritären Herrschern eine gemeinsame Sprache und ein
moralischer Kompass. Die freie Welt wirkt zugleich müde, ungeduldig, unentschlossen, gespalten von innen, getrieben von außen. Der
billige Spritpreis, so steht es unter dem Strich, zählt mehr als der Kampf gegen Diktaturen und gegen den Islamismus und mehr als die Freiheit. Wer so rechnet, gibt seine vermeintliche Führungsrolle nicht nur ab, er verschenkt sie."
Im übrigen sind die Unklarheiten keineswegs bereinigt, mahnt Nikolas Busse in der
FAZ: "Die Details der Vereinbarung, die Washington und Teheran erzielen konnten, erscheinen
provisorisch; über zentrale Fragen soll erst noch verhandelt werden. Gehen die Kämpfe in Libanon weiter, könnte die Sache auch dort noch scheitern. Dazu kommt Trumps Wankelmütigkeit."
Tina Brown, einst Condé Nast und Gründerin von
The Daily Beast in grauer Vorzeit,
blickt in ihrem Blog auf Donald
Trumps Gladiatorenkämpfe aber auch das pharaonische "
Obama Presidential Center", mit dem sich die einstige Lichtgestalt eine Art Mausoleum der begrabenen Hoffnungen gebaut hat, und stellt sich eine melancholische Frage: Ist es vielleicht ein
Gesetz der Geschichte? "Wenn Imperien aufgrund von schlechter Politik zu zerfallen beginnen, errichten
ihre Herrscher Monumente - in der frommen Hoffnung, zukünftige Historiker zu täuschen. All
diese Prahlerei entspringt der Angst, die Macht zu verlieren, in Vergessenheit zu geraten und im Sog der Geschichte unterzugehen."