9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.05.2020 - Religion

Corona und Religion. Folgende Geschichte aus Kamerun erzählt Hella Camargo heute bei hpd.de: "Statt mit Covid-19 diagnostizierte Personen zur Selbstquarantäne aufzurufen und die Gemeinde um Hilfen für die Erkrankten zu bitten, gab sich Pastor Franklin Ndifor als Prophet und Heiler aus, der Covid-19 mittels Handauflegen heilen könne. Nach dem Kontakt mit zahlreichen Infizierten erkrankte Ndifor schwer und verstarb letzte Woche 39-jährig in seinem Haus in Bonabéri bei Douala am Virus."
Stichwörter: Coronakrise, Kamerun, Corona, Covid-19

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.05.2020 - Religion

Der ehemalige Fernsehreporter und Autor mehrerer Bücher über Islam in Deutschland Joachim Wagner plädiert in der Welt für das Prinzip "Gesprächskontakte ja, Kooperation nein" im Blick auf Islamverbände, die von ausländischen Staaten oder islamistischen Organisationen gesteuert werden: "Zumindest theoretisch besteht ein Konsens darüber, dass keine Verbände Kooperationspartner des Staates sein dürfen, deren Positionen nicht mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vereinbar sind. Was diese Position für die Praxis bedeutet, ist indes umstritten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.05.2020 - Religion

Vanessa Gaigg erzählt im Standard die Geschichte der jungen Frau Anna, die aus einer christlich-fundamentalistischen Sekte ausgestiegen ist und von der psychischen Gewalt in der Sekte berichtet ("am Tage des Weltgerichts würde sie ohne ihre Eltern auf der Erde zurückbleiben und alleine die Apokalypse erleben müssen - sollte ihr Glaube nicht ausreichen", wurde ihr etwa angedroht). Ercan Nik Nafs, der Jugendanwalt der Stadt Wien, leitet daraus Forderungen an die Politik ab: "Erziehung sei nicht nur Sache der Eltern. Ein Problem sei, dass 'Wohlerzogenheit' oft als Hinweis gewertet werde, dass das Kindeswohl gegeben sei. Kinder aus streng religiösen Gruppen seien aber eben meist brav. 'Die Idee der Wohlerzogenheit steht in einem Spannungsverhältnis zu Autonomiefähigkeit', sagt der Experte. Und fordert: 'Predigten, in denen mit Schuld und Angst gearbeitet wird, sollten in Anwesenheit von Kindern untersagt sein.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.04.2020 - Religion

Christine Kensche redet in der Welt mit Deborah Feldman, deren Geschichte der Flucht aus einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde in New York gerade in der Netflix-Serie "Unorthodox" erzählt wurde. Es geht auch um die Corona-Krise - die Hälfte aller Kranken in Israel sind Ultraorthodoxe, die sich nicht an die Regeln halten. Feldmann sagt dazu: "Von außen kann man sie nicht überzeugen. Die jüdische Glaubensgemeinschaft muss Verantwortung dafür übernehmen, dass die Ultraorthodoxen sich und andere schützen. Das wäre die einzige Lösung. Die Gemäßigten müssen mit den Strenggläubigen reden und versuchen, neue Kompromisse zu finden. Bisher war es so, dass die jüdische Welt mit ihren extremen Gruppierungen nichts zu tun haben wollte, weil sie ihr peinlich waren. Damit konfrontiert zu werden, was im Namen des Judentums alles passiert, ist für gemäßigte Orthodoxe sehr unangenehm."

Religiöse Gemeinschaften in der ganzen Welt - ob Schiiten im Iran oder Evangelikale in Südkorea oder Frankreich - haben sich als "Superspreader" erwiesen. Welt-Autor Alan Posener plädiert trotzdem dafür, dass Juden, Christen und Muslime ihre anstehenden Feiertage in ihren Gotteshäusern feiern sollen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.04.2020 - Religion

Aktualisierung um 16 Uhr: Hier ist der Perlentaucher auf eine April-Fakenews hineingefallen! Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit fand am Montag eine Razzia in sämtlichen Diözesen Deutschlands statt, um Akten für die Klärung von Missbrauchsfällen sicherzustellen, berichtet hpd.de. Ziemlich heftig klingt ein von hpd.de zitiertes Statement des Sprechers des Generalbundesanwalts: "Nachdem aufgrund der freiwilligen Herausgabe von Akten durch die Bistümer keine einzige Anklage erhoben werden konnte, müssen wir leider davon ausgehen, dass die Bistumsverantwortlichen den Ermittlungsbehörden bewusst nur jenes Material zur Verfügung gestellt haben, das nicht genügend Hinweise für ein Strafverfahren liefert oder bei denen die Taten verjährt beziehungsweise die mutmaßlichen Täter bereits verstorben sind. Daher mussten wir nun selbst aktiv werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.03.2020 - Religion

Die Ahmadiyya-Sekte präsentiert sich in der Öffentlichkeit gern als "Reformgemeinde". Aber sie ist strikt auf sich selbst bezogen und will vor allem den Islam des Ursprungs wiederherstellen - unter einem gewählten Khalifen, dem nach dem Tod des Gründers der Sekte große Macht zufällt, erzählt Naureen Ghaury, die in dieser Gemeinde aufgewachsen ist, bei hpd.de: "Der Khalif gibt als Oberhaupt der Gemeinde Anweisungen über alle Lebensbereiche der Gemeinde-Mitglieder, die von den Mitgliedern streng befolgt werden müssen. Ansonsten können Sanktionen drohen und im schlimmsten Fall eine Exkommunikation aus der Gemeinde erfolgen. Die Einhaltung dieser Gebote wird durch die enge Gemeinschaft in den lokalen Gemeinden sozial kontrolliert, zum Beispiel wird weitererzählt, wenn ein Mädchen ohne Kopftuch gesehen wird. Dies führt zu einem starken Konformitätsdruck und lässt keinen Raum für eine freie persönliche Entwicklung ohne Schuld und Angst."
Stichwörter: Ahmadiyya-Gemeinde, Sekten

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.03.2020 - Religion

Gute Nachrichten für die Katholische Kirche! Sie hat dicke genug Geld, um eine Milliardenentschädigung an die Opfer sexuellen Missbrauchs zu zahlen, hat bei hpd.de Matthias Krause herausgefunden. "Die Auswertung der Bistumsbilanzen zeigt: Die Bistümer könnten - zumindest gemeinsam, die meisten aber auch alleine - die Milliarden-Entschädigung für die Missbrauchsopfer völlig ohne Probleme schultern. Allein in den Jahren seit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals haben die Bistümer Milliardenüberschüsse erwirtschaftet - Geld, das eingenommen, aber nicht ausgegeben wurde, und daher sofort für die Entschädigungen verwendet werden könnte, ohne dass das Leben in den Bistümern dadurch beeinträchtigt würde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.02.2020 - Religion

A propos Religionsfreiheit. Was diese mittlerweile in den USA bedeutet, zeigt Katherine Stewart im Blog der NYRB. Dort wurde eine neue Richtlinie verabschiedet, die es selbst staatlich geförderten, gemeinnützigen NGOs erlaubt, unter Berufung auf die "religiöse Freiheit" gewisse Unterscheide zu machen: "So könnte etwa eine gemeinnützige religiöse Organisation, die staatliche Zuschüsse erhält, Schwule und Lesben von bestimmten Leistungen ausschließen. Beratungsorganisationen, die für ihre Hilfe vom Staat vergütet werden, können ihre Klienten erzählen, dass Gott ihre Probleme löse wird, wenn sie sich ihm nur unterwerfen. Suppenküchen, die Regierungsbeihilfen erhalten, könnten von ihren Kunden fordern, erst einmal in den Gottesdienst zu gehen, bevor sie was zu Essen bekommen. Allen wird es erlaubt sein, bei Einstellungen auf Grundlage des Glaubens zu diskriminieren. Niemand wird verpflichtet werden, die Menschen über säkulare Alternativen zu informieren, und auch die Regierung wird diese nicht anbieten müssen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.02.2020 - Religion

Was der Jürgen Kaube so zum Aufmacher seines FAZ-Feuilletons macht. Heute "Die Muslime und wir", einen ganzseitigen Text des ehemaligen CSU-Rechtsaußen Peter Gauweiler, der in der Rente zum Weihrauchschwenken neigt. Er plädiert "für eine versöhnte Verschiedenheit". "Die Muslime und wir. Ich frage dazu jemanden, der ganz unverstellt mit dem Evangelium lebt: 'Jesus ist gekommen, um bei denen zu sein, die ihn nicht kennen', sagte mir Schwester Veronika, die Oberin der Schwestern der heiligen Teresa von Ávila im Karmel Aufkirchen am Starnberger See. 'Die Moslems sind auch auf der Suche nach Gott, gerade auch die Frauen.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2020 - Religion

In der NZZ berichtet Judith Leister von einem Streit, der die orthodoxe Kirche zu zerreißen droht: Seit der Patriarch von Konstantinopel der Gründung einer orthodoxen ukrainischen Kirche (die bisher dem Moskauer Patriarchat unterstand) zustimmte, "befürchtet man ein Auseinanderfallen der Kirche in zwei Lager - pro Konstantinopel und pro Moskau. ... Die innerorthodoxen Gräben in der Ukraine verlaufen entlang der alten territorialen Bruchlinien des Landes. Am stärksten ist die neue Kirche (OKU) in der Westukraine, dem ursprünglich polnischen und später österreichisch-ungarischen Galizien. In der Zentral- und Ostukraine, dem urorthodoxen Gebiet der Kiewer Rus, dominiert hingegen die Kirche des Moskauer Patriarchats (UOK). Die Ost-West-Spaltung spiegelt sich auch auf geopolitischer Ebene wider: Während der Kreml essenzielles Interesse am Machterhalt des Moskauer Patriarchats in der Ukraine hat, haben die USA sich für die Verleihung der Eigenständigkeit an die Orthodoxe Kirche der Ukraine eingesetzt."