9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.11.2015 - Religion

Kinder von gläubigen Menschen sind keine besseren Menschen, hat laut Matthias Matting eine in Telepolis Studie in Current Biology herausgefunden: "Die religiösen Kinder setzten sich dabei auch für härtere Strafen ein als ihre Kameraden. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass es offenbar nicht schadet, die Religion aus dem öffentlichen moralischen Diskurs und der Erziehung herauszuhalten. 'Säkularisierung wird den freundlichen Umgang der Menschen miteinander nicht verringern', sagen sie - 'ganz im Gegenteil'."

Daniela Segenreich porträtiert in der NZZ Israel Meir Lau, der mit achtzig Jahren zum zweiten Mal Oberrabbiner von Tel Aviv wurde.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.11.2015 - Religion

In Rom hat Navid Kermani mit Erzbischof Georg Gänswein über das Verhältnis von Religion und Kultur diskutiert, berichtet Joachim Frank in der Berliner Zeitung: "Wie es denn sein könne, dass die katholische Kirche einerseits Maria und damit 'das Weibliche' so hoch preise und in der Kunst verherrlichen lasse, andererseits aber die Sexualität tabuisiere, einenge, abwerte. Die Finger an Gänsweins linker Hand reiben aneinander, er schiebt die Unterlippe vor. 'Jetzt wird's heiß, langsam', sagt er. Das Publikum lacht, während Gänswein umständlich von dem 'Faktum' spricht, dass sich 'die Kirche, das Lehramt, etwas schwergetan hat' mit der Sexualität. Betonung auf der Vergangenheitsform."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.11.2015 - Religion

Die Kritik am Islam gehorcht ähnlichen Mechanismen wie der Islamismus (wenn auch mit weniger Toten, könnte man anmerken), behauptet Islamwissenschafter Stefan Weidner einer Kritik des Neuen Buchs von Hamed Abdel-Samad in der Wiener Zeitung: "Der Unterschied zwischen der Mohammed-Darstellung Abdel-Samads und der eines Salafisten besteht nicht im Inhalt, sondern in der Wertung: Abdel-Samad findet verwerflich, was die Salafisten nachahmenswert finden. Beide glauben, es gäbe den wahren Mohammed und sie wüssten, was dieser sei."

Daniela Segenreich besucht für die NZZ den Holocaust-Zeitzeugen und Oberrabbiner Israel Meir Lau in Tel Aviv.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.10.2015 - Religion

Wolfgang Huber, der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, fordert in der SZ eine klare Haltung der Gesellschaft in religiösen Dingen: "Wer einen Islam will, der zu Deutschland gehört, kann nicht alle Haltungen hinnehmen, für die der Islam in Anspruch genommen wird. Er muss mit Muslimen über das Verständnis der Freiheit und die Voraussetzungen der Freiheit sprechen. Weder das Faustrecht noch eine rechtliche Subkultur, die sich an der Scharia orientiert, verträgt sich mit dem Ziel der Integration."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.10.2015 - Religion

Der Staat unterhält mit Abermillionen von Euro (die nicht aus Kirchensteuern stammen) theologische Fakultäten an den Unis, wo sich eine ganze Menge Professoren tummeln, aber es mangelt an Nachwuchs in der katholischen Kirche, konstatiert Daniel Deckers in der FAZ: "Der Kollaps der vertrauten, um die Pfarrkirche zentrierten Volkskirche ist mittlerweile nicht mehr eine Frage von Jahrzehnten, sondern von Jahren. Nicht nur das: Inzwischen fehlt es überall an Geistlichen, die nur annähernd geeignet sind, die wenigen Führungspositionen in der Verwaltung oder Leitung eines Bistums auszufüllen, die Klerikern vorbehalten sind - Bischofsämter eingeschlossen. Eine Institution schafft sich ab." Dafür ist das Kirchensteueraufkommen der katholischen Kirche inzwischen auf prächtige 5,5 Millarden Euro gewachsen, wie Deckers vergisst zu erwähnen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.10.2015 - Religion

Die christliche Theologie erhält Verstärkung von unerwarteter Seite, konstatiert Matthias Kamann in der Welt mit Blick auf die zahlreich erscheinenden Bücher, die sich dem Christentum aus jüdischer, muslimischer, literaturwissenschaftlicher oder atheistischer Perspektive nähern: "Kaum kommt man noch hinterher mit dem Lesen von Büchern, in denen solche Leute ein staunendes, zuweilen beglücktes Interesse am Christentum zeigen. Ein Interesse, das diesen Glauben auch theologisch befruchtet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.10.2015 - Religion

Ein muslimischer Universitätsprofessor lädt fünf Inder, die gerne Schwein essen, zum Abendessen bei sich ein, obwohl er selbst kein Schweinefleisch ist, schreibt Adrija Bose in der indischen Huffpo: "Abdul Raschid hat dieses Dinner organisert, um eine Botschaft an die Anhänger des Verbots von Rindfleisch im Land zu senden. "Kein Gericht hat das Recht, den Leuten zu verbieten zu essen, was sie gerne essen", sagt er... Er sei auf die Idee gekommen, nach dem er von Rindfleischfestivals gehört hatte, die gefeirt wurden, nachdem ein muslimischer Mann von einem Hindumob gelyncht worden war, weil er ein Kalb geschlachtet hatte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.10.2015 - Religion

Evelyn Finger berichtet für die Zeit von der Familiensynode in Rom, wo konservative Kardinäle, die eine von Papst Franziskus unterstützte liberalere Sexualmoral ablehnen, einen herben Rückschlag erlitten, als sich der polnische Priester Krzysztof Charamsa als homosexuell outete (mehr dazu im Deutschlandfunk). Daneben versucht der schwule katholische Theologe David Berger Finger im Interview zu erklären, warum ausgerechnet so viele homosexuelle katholische Priester jede Änderung der Sexualmoral ablehnen: "Sie wollen, dass Homosexualität weiterhin Todsünde bleibt. Denn viele schwule Priester halten ihr Schwulsein für ganz anders, für besser, reiner, richtiger als die Allerweltshomosexualität. Sie lehnen die Homo-Ehe ab, aber treffen sich in Schwulen-Bars. Sie verachten andere, offen lebende Homosexuelle, um sich eine Illusion von der Exklusivität ihrer eigenen Sexualität zu erhalten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.10.2015 - Religion

Matthias Kamann beschreibt in der Welt die Politik des Papstes in Fragen der Sexualität und Ehe als eine Art milde Heuchelei in der Praxis: "Man hält fest an den alten Vorschriften, ist aber barmherzig, wenn sich die Leute nicht daran halten. Damit freilich gibt die katholische Sexualethik ihren Geltungsanspruch auf. Zudem bedeutet es Klerikalisierung: Ob etwas Sünde ist, entscheidet sich weniger anhand von Regeln als vielmehr anhand päpstlicher Barmherzigkeitsbereitschaft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.09.2015 - Religion

Susanne Lenz hat ordentlich schlucken müssen, als Hamed Abdel-Samad in Neukölln seine Abrechnung mit Mohammed vorstellte. Wie sie in der Berliner Zeitung schreibt, erklärt Abdel-Samad den Religionsgründer als Narzissten mit Kontrollzwang und mangelndem Selbstwertgefühl: "Was den Umgang mit Juden angeht, vergleicht Abdel-Samad Mohammed mit Hitler. Bei beiden sei die Vernichtung der Juden Teil ihres Heilsversprechens gewesen."