9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.09.2015 - Religion

Über Hamed Abdel-Samad soll man am besten schweigen, fordert Daniel Bax auf Spiegel Online in performativem Widerspruch über Abdel-Samads neuestes Buch "Mohamed - Eine Abrechnung": "Die seriösen Medien, die Hamed Abdel-Samad für seine Thesen als Tabubrecher feiern, machen den gleichen Fehler, den sie schon bei Thilo Sarrazin gemacht haben. Selbst wenn sie sich vornehmen, seine Behauptungen kritisch zu diskutieren, bieten sie ihnen doch nur ein Forum." Einen Auszug aus Abdel-Samads Buch kann man bei Cicero lesen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.09.2015 - Religion

In der FR weist Arno Widmann daraufhin, dass weder Papst Franziskus, noch Johannes Paul II. die päpstliche Selbstkritik am weitesten geführt haben: "Das umfassendste Sündenbekenntnis eines Papstes stammt aus dem Jahre 1523. Hadrian VI. (1459-1523) überlebte sein Eingeständnis der Verantwortung seiner Kirche für viele Menschheitsverbrechen nur um wenige Monate. Es wurde am 3. Januar auf dem Reichstag zu Nürnberg verlesen. Am 14. September starb der in Utrecht geborene Papst. Ob am Sumpffieber oder an Gift - darüber streiten sich die Historiker."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.09.2015 - Religion

Im politischen Teil der Zeit fällt der von Mariam Lau zitierten Religionspädadogin Lamya Kaddor nur ein Mittel ein, damit die geflüchteten Muslime in Deutschland einen zivilisierten Islam annehmen: Religionspädagogik: "Der Satz "Der Islam gehört zu Deutschland", meint Kaddor, "wird erst wahr, wenn es der deutsche Staat ist, der für die Moscheen sorgt. Der die Jugend annimmt. Der dafür sorgt, dass da ein Islam gelehrt wird, der zu einer freien Gesellschaft passt.""

Aaron Sankin stellt in The Daily Dot einen "formellen Antrag, das Gerücht zu verbreiten, Donald Trump sei ein heimlicher Atheist". Dies Gerücht würde Trump beim republikanischen Publikum natürlich schaden. Als Grundlage für das Gerücht findet Sankin eine Antowrt Trumps in einem Interview. Er wird nach seinem Verhältnis zu Gott gefragt und antwortet mit dem Deal, den er gemacht hat, um einen schicken Golfplatz zu kaufen: "Klingt das nach jemand, der die Wahrhheit sagt? Bevor Sie auf diese Frage antworten, bedenken Sie, dass es sich hier um ein bösartiges Internetgerücht handelt. So gesehen sind Sie gesetzlich verpflichtet, Trumps Antwort so böswillig zu interpretieren, wie es nur geht."

Der junge Saudi Mohammed al-Nimer ist von den saudiarabischen Gerichten zum Tod duch Köpfung verurteilt werden. Anschließend soll sein Körper gekreuzigt worden. Er gehört der schiitischen Minderheit des Landes an und soll sich Alter von 17 Jahren schiitischen Terroristen angeschlossen haben. Aber letztlich lässt sich darüber nichts sagen, schreibt Jean-Pierre Perrin in Libération, denn die saudiarabische Gerichtsbarkeit tagt geheim und erzielt die erwünschten Ergebnisse durch Folterung der Inhaftierten. "Die Ausstellung des Körpers und seine Kreuzigung sind normalerweise Kapitalverbrechern zugedacht - zum letzten Mal soll das 2013 geschehen sein. Diesmal geht es darum, der schiitischen Minderheit, deren Forderungen in der Regel von Teheran unterstützt werden, zu zeigen, dass die leiseste Widerstandsregelung gnadenlos unterdrückt wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.09.2015 - Religion

Beim Internationalen Literaturfestival Berlin versuchte der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka verzweifelt das Phänomen der Islamisten zu erfassen, berichtet Sieglinde Geisel in der NZZ: "Im Phänomen des islamistischen Terrorismus sieht Soyinka kein lokales Problem, sondern "eine universale Heimsuchung". In der Tat fügt die Zerstörung der Altertümer im Nahen Osten der gesamten Menschheit Verluste zu, deren Tragweite wir noch kaum ermessen können. Aus Fremdenhass sei Menschenhass geworden, so Soyinka: Die Islamisten zerstörten alles, was es an menschlichem Fortschritt, Kreativität, Errungenschaften gebe. Die Muster dieses neuen Extremismus hätten sich von jeder Ideologie gelöst, so spiele auch die Frage der Religionszugehörigkeit längst keine Rolle mehr. Statt "Ich bin heiliger als du!" heißt es nun: "Ich bin heilig, du bist tot!""

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.09.2015 - Religion

Der syrische Denker Sadiq al-Azm, seit 2012 im Exil in Deutschland, versucht im Interview mit der NZZ die islamistische Ideologie zu erklären und ihre Anziehungskraft auch auf junge Menschen aus dem Westen: "Es gab immer eine Kritik an der europäischen Moderne, die aus dem konservativen, rechten Spektrum kam - Spengler oder Heidegger. Sie alle sagen, dass es etwas Hohles an der europäischen Moderne gebe. Kein Heldentum. Es gibt nur noch Antihelden anstelle von Helden. T. S. Eliot hat die Moderne in seinem berühmten Gedicht ein "wüstes Land" genannt. An einer anderen Stelle nennt er moderne Menschen "the hollow men, the stuffed men". Vielleicht macht dies junge westliche Menschen empfänglich für fundamentalistische Ideologien."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.09.2015 - Religion

Ein Treffen der Giganten in der Literarischen Welt: Der Theologe Friedrich Wilhelm Graf bespricht Kurt Flaschs Geschichte des Dämonenglaubens "Der Teufel und seine Engel". "Flasch meint, dass der Teufel in Europa nun definitiv einen Schwächetod gestorben sei. Auch erklärt er mit einiger Überzeugungskraft, dass ein Christentum ohne Teufel nur blass und auf Dauer nicht überlebensfähig sei. Darüber mag man streiten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.09.2015 - Religion

Slate.fr bringt eine kleine Serie, die mit dem Missverständnis aufräumen will, dass es sich bei Religionen um an sich friedfertige Veranstaltungen handele. Vorgestern wurde der Rachegott des Judentums vorgestellt. Gestern betonte Henri Tincq: "Nichts wäre falscher als Jesus Christus, den Begründer des Christentums, als einen gewaltlosen Propheten zu porträtieren, eine Art Vorläufer Gandhis oder Martin Luther Kings." Heute schreibt Tincq über den Islam und rekurriert auf René Girards Begriff der "mimetischen Rivalität": "Nach dem 11. September erklärte Girard den islamischen Terrorismus durch den Willen, "die ganze Dritte Welt der Frustrierten und Opfer in eine mimetische Rivalität mit dem Westen zu bringen". Für ihn machen die "Feinde" des Westens aus den Vereinigten Staaten "das mimetische Modell ihrer Bestrebungen, zur Not, indem sie es töten". Eine "mimetische Rivalität" existiert schon zwischen den Religionen und bezieht sich auf ihr "symbolisches Kapital". Schon zur Zeit Mohammeds bringt sie Christen, Juden und Muslime in Konkurrenz um drei "Pfeiler", den Monotheismus, die prophetische Funktion und die Offenbarung."

Weiteres: Andreas Kilb besucht für die FAZ die Ausstellung "Caritas" im Diözesanmuseum Paderborn, die eine Geschichte der Fürsorge im Abendland erzählt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.09.2015 - Religion

Terri Murray kritisiert im New Humanist die in den angelsächsischen Ländern weit verbreitete Rücksichtnahme auf religiösen Glauben und kommt nochmal auf dem amerikanischen Streit über die Preiswürdigkeit von Charlie Hebdo zurück: "Die Zensur religiöser Beleidigungen wird nicht so sehr die Minderheitskultur vor der Gastgeberkultur schützen, sondern die freie Entscheidung und Meinungsvielfalt innerhalb der Minderheit beschädigen. Wenn wir ein allgemeines Verbot gegen "religiöse Beleidigung" erlassen, wird es schwierig für liberale Muslime, ihr Recht auf Kritik an muslimischen Autoritäten auszuüben, und es würde Muslime zwingen, fundamentalistische Gesetze zu befolgen und Tabus zu "respektieren" (das heißt Gehorsam zu üben). Freie Meinungsäußerung ist ein Gewinn für alle Muslime, Zensur nutzt nur den Extremisten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.09.2015 - Religion

Hannes Hintermeier durfte für die FAZ einer mondänen Kongregation von Kirchenleuten bei der ultrafrommen Gloria Thurn und Taxis beiwohnen, wo man sich gegen eventuelle Positionsänderungen der katholischen Kirche in Fragen der Familienpolitik in Stellung brachte. Georg Ratzinger (der Bruder!) war im elektrischen Rollstuhl angereist. Martin Mosebach redete. Und auch der als papabile geltende Kardinal Robert Sarah: "Das Sakrament der Ehe bleibe unauflöslich - alles oder nichts. Es folgen Dankesworte der Fürstin, die mehrmals erregt "Eminence!" hervorstößt. Dann heißt es, der Herr Domkapellmeister Ratzinger wolle heimgehen, aber die Gastgeberin hadert mit der Technik und ruft eine Ordensschwester herbei: "Schwester, ich finde den Rückwärtsgang nicht!""

Im Tagesspiegel berichtet Claudia Keller unterdessen: "Papst Franziskus hat verfügt, dass seine Priester Frauen vergeben dürfen, die abgetrieben haben. Diese Verfügung soll ein Jahr lang gelten, während des "Heiligen Jahres der Barmherzigkeit" 2016." Das heißt aber nicht, dass der Papst seine Position zum Thema geändert hat, betont Keller.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.09.2015 - Religion

Andreas Kilb kommentiert in der FAZ die Zerstörung des Baal-Tempels von Palmyra: "In den kulturellen Artefakten und Bauresten verbirgt sich die Einsicht, dass die religiöse Überlieferung nicht alles ist. Sie hat Vorgänger, einen Ursprung, eine Geschichte. Der klassische Islam ebenso wie das frühe Christentum haben diese Dimension des Religiösen respektiert. Deshalb wurden die Tempel, von Ausnahmen abgesehen, nicht zerstört, sondern weiter benutzt, zu Kirchen und Moscheen umgebaut. Der heutige Fundamentalismus aber kann Kulturgeschichte als Erkenntnisprinzip nicht zulassen, weil sie seinen Absolutheitsanspruch außer Kraft setzt."
Stichwörter: Christentum, Islamismus, Palmyra