9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

835 Presseschau-Absätze - Seite 73 von 84

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.04.2015 - Religion

Die Römische Kurie hüllt sich in peinliches Schweigen über die Benennung des neuen französischen Botschafters, Laurent Stefanini, im Vatikan, den man offenbar wegen seiner Homosexualität nicht akkreditieren will, berichtet Bernadette Sauvaget in Libération: "Dabei ist der Diplomat, der sein Privatleben diskret handhabt, "in römischen Milieus sehr beliebt", versichert der französische "Vatikanist" Antoine-Marie Izoard, der die auf den Vatikan spezialisierte Presseagentur I-Media leitet. Laurent Stefanini kennt die Arkana der katholischen Kirche sehr gut. Von 2001 bis 2005, war er die Nummer 2 der französischen Botschaft am Heiligen Stuhl. Seine Nominierung in Rom war übrigens von wichtigen französischen Prälaten unterstützt worden."

Außerdem: Die SZ setzt ihre Afrika-Serie mit einem Artikel über die katholische Kirche und die grassierenden evangelikalen Sekten in Afrika fort.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.04.2015 - Religion

Emel Zeynelabidin, Tochter eines deutschen Milli Görüs-Repräsentanten erregte vor ein paar Jahren Aufsehen, weil sie auf das Kopftuch, das sie bisher immer getragen hatte, verzichtete. Im Interview mit Ursula Scheer in der FAZ sagt sie, was das für sie veränderte: "Als ich mein Kopftuch abgenommen habe, wurde ich nicht mehr zuerst als "die Muslimin" gesehen und habe mein Gegenüber nicht mehr zuerst als den "Nichtmuslim" betrachtet. Die Verhüllung verändert die Wahrnehmung des anderen - und die Selbstwahrnehmung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.04.2015 - Religion

Besprochen wird die Ausstellung "Ein Gott - Abrahams Erben am Nil" im Bode-Museum in Berlin (Tagesspiegel, FAZ).
Stichwörter: Bode Museum

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.04.2015 - Religion

Besprochen werden die Ausstellung "Ein Gott - Abrahams Erben am Nil. Juden, Christen und Muslime in Ägypten von der Antike bis zum Mittelalter" im Bode-Museum in Berlin (FAZ, mehr hier und hier) und Petra E. Dorsch-Jungsbergers Buch "Papstkirche und Volkskirche im Konflikt" (FAZ).
Stichwörter: Mittelalter, Bode Museum

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.04.2015 - Religion

Im Standard erzählen Anne Katrin Feßler, Roman Gerold und Colette M. Schmidt, dass die traditionelle Verhüllung der Kreuze durch - teilweise schon sehr fragile - Fastentücher heute oft durch Kunstinterventionen ersetzt wird: "Es ist besonders kunstaffinen Geistlichen zu verdanken, dass seit einigen Jahren zeitgenössische Variationen auf klassische und eher konventionelle Fastentücher in den Kirchen Einzug halten: Dompfarrer Toni Faber startete 2013 im Stephansdom mit einer in grobe Pixel aufgelösten Kreuzigungsszene (Peter Baldinger), 2014 verwandelte das Sonnenlicht abertausende Seidenfäden in eine Art Vorhang (Elke Maier). Nun hat Stefan W. Knor eine interaktive Fastentuchskulptur geschaffen: In ein Kubengerüst sind Leinenbänder geflochten, in die wiederum Gebete der Gläubigen geknotet wurden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.03.2015 - Religion

In amerikanischen Bundesstaaten werden immer mehr Gesetze erlassen, die aus religiösen Gründen Diskriminierung - etwa sexueller Minderheiten - wieder möglich machen wollen. In der Washington Post protestiert Tim Cook gegen diese Gesetze (die im übrigen auch der amerikanischen Geschäftsmoral schaden, wie er nebenbei anmerkt): "In Texas wird über ein Gesetz diskutiert, das Angestellten des Staates, die gleichgeschlechtlichen Paaren Heiratsurkunden ausfertigen, Löhne und Gehälter streichen würde - selbst wenn der Supreme Court das Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen in Texas für ungültig erklären würde. Insgesamt gibt es nahezu hundert Gesetze, die Diskriminierung in die Gesetze der Staaten einführen. Solche Gesetze rechtfertigen Ungerechtigkeit, indem sie vorgeben, etwas zu verteidigen, das vielen von uns am Herzen liegt. Sie brechen Prinzipien, um deretwillen unsere Nation gegründet wurde, und sie drohen Jahrzehnte des Fortschritts in Richtung auf mehr Gleichheit zunichte zu machen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.03.2015 - Religion

In einem Vorabdruck aus ihrem neuen Buch wünscht sich Ayaan Hirsi Ali in der Welt einen entschlossenen Kalten Krieg gegen den Islamismus: "Der Westen hat den Kalten Krieg nicht nur durch wirtschaftlichen Druck oder die Entwicklung neuer Waffensysteme gewonnen. Von Anfang an erkannten die Vereinigten Staaten, dass der Kampf auch ein ideologischer Wettstreit war. Anders als einige "nützliche Idioten" an linken Universitäten, behaupteten wir nicht, dass das Sowjetsystem unserem moralisch ebenbürtig gewesen sei. Und wir sahen den Sowjetkommunismus auch nicht als eine Ideologie des Friedens an. Vielmehr ermunterten die Vereinigten Staaten über zahlreiche kulturelle Initiativen, die direkt oder indirekt von der CIA finanziert wurden, antikommunistische Intellektuelle dazu, dem Einfluss der Marxisten oder anderer Fellow Travellers auf dem Zug der radikalen Linken etwas entgegenzusetzen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.03.2015 - Religion

Feridun Zaimoglu gibt im Freitext-Blog der Zeit seiner Verzweiflung eines gläubigen Muslims über die Finsterlinge von der IS-Miliz Ausdruck: "Ein Atheist, ein Gnostiker, ein Wellness-Esoteriker, sie können die Schergen als die benennen, die sie sind: Verbrecher. Das reicht mir nicht, ich bin Moslem, Aufruhr und Entsetzen, ich finde keine Ruhe."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.03.2015 - Religion

Sandrine Dionys porträtiert in Libération den Blogger und Buchautor Waleed Al-Husseini, der von den palästinensischen Behörden in Westjordanland zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er seinen Atheismus bekannte, und der es zum Glück ins franzöische Exil geschafft hat: "Als er an der Uni im Westjordanland seinen Freunden seinen Verzicht auf den Glauben mitteilte, wurde die Nachricht sehr schlecht aufgenommen. Sich als Araber, aber nicht mehr als Muslim zu bekennen, ist heute ein Tabu in Palästina, sehr viel schwieriger als noch in den sechziger oder siebziger Jahren."

Weiteres: Bei 3quarksdaily erzählt Mandy de Waal, dass die Schriftstellerin Zainub Priya Dala bei einem Literaturfestival in Durban von einigen Männern mit einem Messer bedroht und mit einem Ziegelstein geschlagen wurde, während man sie als "Rushdie"s Bitch" beschimpfte.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.03.2015 - Religion

Das Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichts sei ein Sieg der offenen Gesellschaft - auch wegen seiner Einschränkungen, meint Christian Geyer in der FAZ: "Gerade weil der Schulfriede Vorrang genießt, mutet das Gericht den Lehrerinnen zu, im Konfliktfall das Kopftuch abzulegen, obwohl es nach ihrer religiösen Auffassung für sie eigentlich unbedingt verpflichtend ist."

Dass gerade diese Passage die fragwürdigste in dem Urteil ist, lernt man aus Uwe Justus Wenzels Zusammenfassung in der NZZ: "Auf der anderen Seite wird davor gewarnt, dass sich das Konfliktpotenzial in den Schulen nun erhöhe und die Konfliktbewältigung ganz auf die Schulen abgewälzt werde; zudem hätten die Verfassungsrichter keinerlei Kriterien formuliert, nach denen entschieden werden könne, ob der "Schulfrieden" gestört sei, und wonach bemessen werden solle, wer ihn denn störe: die kopftuchtragende Lehrerin oder die Schüler oder Eltern, die sich gegen eine solche Lehrerin wenden. Zwei abweichende Meinungen aus dem Richterkollegium belegen, dass auch in Karlsruhe Pluralismus herrscht." Werden so nicht Fakten durch Rechtsunsicherheit geschaffen?

Anders sieht es auch Heinz Buschkowsky, scheidender Bürgermeister von Neukölln, im Gespräch mit Andrea Seibel in der Welt: "Das Kopftuch sei eben kein modischer Schnickschnack, sondern der Ausdruck einer rückwärtsgewandten und angeblich gottgewollten Unterordnung der Frau, "sozusagen der Eigentumsbeleg eines Mannes". Im Staatsdienst habe das Kopftuch einfach nichts zu suchen. Mädchen stünden nun noch unter einem größeren Anpassungsdruck, wenn auch die Lehrerin Kopftuch trüge."