9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.03.2015 - Religion

Der Filmregisseur Peter Greenaway und die Bühnenkünstlerin Saskia Boddeke werden im Jüdischen Museum Berlin eine Schau zur Geschichte Abrahams kuratieren, meldet Birgit Rieger im Tagesspiegel.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.03.2015 - Religion

Nicht Religion, nur der säkulare Staat kann Frieden garantieren, und die Luft, die er atmet und die allein die Koexistenz von Religionen ermöglicht, ist Meinungsfreiheit, meint Ian McEwan in einem Artikel für Eurozine: "Von ihren Tempeln aus werden Religionen jeden Tag gegenüber den anderen blasphemisch. Ist Jesus Gottes Sohn? Nicht, wenn du Muslim bist. Ist Mohammed Gottes letzter Gesandter? Nicht wenn du Christ bist. Sollte das Universum in den Begriffen einer physikalisch begründeten Kosmologie erforscht werden? Nicht wenn du Muslim oder Christ bist. Wer garantiert den Frieden? Nicht Religion."

Lale Akgün gehört zu den wenigen SPD-Politikern, die das Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Kopftuch nicht begrüßen. Auf Carta beschreibt sie das Kopftuch als Instrumnent politisch-religiöser Zurichtung und der Sexualisierung der Frauen: "Die so hergestellte Verbindung von Moral, Religiosität und Sexualität wird schon den jüngsten beigebracht. Und somit auch die Aufteilung der Frauen in "Madonnen" und "Huren". Die "Madonnen" sind die gehorsamen Frauen, diejenigen, die bereit sind, die Normen des Patriarchats anzuerkennen. Alle anderen sind "Huren". Und woran erkennt man die "Madonnen"? Richtig! Natürlich am Kopftuch."

Im taz-Interview mit Juliane Metzker spricht die libanesische Autorin Joumana Haddad über die fehlende Gleichberechtigung und sexuelle Unfreiheit in der arabischen Welt: "Das Hauptproblem bleibt und ist die Religion. Und ich meine damit alle drei monotheistischen Religionen: Islam, Christentum und Judentum. Bis auf ein paar Ausnahmen sehen sie die Frau als Accessoire. Natürlich wird gegenseitiger Respekt gepredigt, aber das ist doch noch keine Gleichberechtigung. Solange wir nicht in einem säkularen Land leben, in dem Religion Privatsache ist, fühle ich mich nicht als vollwertige Bürgerin. Selbst im Libanon, der eigentlich eine Demokratie sein sollte, werden Familienangelegenheiten vor einem religiösen Gericht entschieden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2015 - Religion

Der Theologe Halis Albayrak aus Ankara schreibt in der FAZ an die Adresse all jener Dschihadisten, die seine Botschaft hören mögen, dass man den Koran besser nicht wörtlich nimmt: "Wenn wir jeden Vers so, das heißt: in seinem eigenen Kontext und in seinem existentiellen Bezugsrahmen lesen, können wir auch das Ziel des Wortes nachvollziehen. Lesen wir den Koran aber mit der Unmethode der Buchstabentreue, dann beginnen wir, dem Text unsere eigenen Absichten aufzuzwingen."

Daniela Segenreich-Horsky beschreibt in der NZZ, wie die israelische Werbung das ultrareligiöse Spektrum als Markt erschließt: Nur wer einen Abschnitt der Thora richtig auswendig gelernt hat, bekommt einen Schokoriegel!

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.02.2015 - Religion

Die drei Theologen und Religionshistoriker Gerd Althoff, Thomas Bauer und Perry Schmidt-Leukel machen in der FAZ auf folgenden Umstand aufmerksam: "Wenn also die Beschwichtigungsformel der jüngeren Vergangenheit, Terroranschläge von Muslimen hätten nichts mit ihrer Religion zu tun, durch die intensive Diskussion der jüngsten Ereignisse zumindest in die Defensive geraten ist, dann stellen sich Fragen auch für das Christentum. Die heiligen Texte aller drei monotheistischen Religionen enthalten Passagen, die wörtlich genommen die unnachgiebige Vernichtung von Gottesfeinden, Gottesfrevlern und -lästerern fordern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.02.2015 - Religion

In einem sehr lesenswerten Text zur Blasphemie unterscheidet der Philosoph Christoph Türcke in der NZZ strikt, ob Hohn und Spott sich gegen Autoritäten richten oder gegen Schwache und Unterlegene. Blasphemiegesetze hält er daher für grundfalsch, zu mal es mit den religiösen Gefühlen so eine Sache sei: "Die fallen ja nicht klar und rein vom Himmel. Sie haben begonnen, als altsteinzeitliche Hominiden die kostbarsten Lebewesen hinschlachteten, um dafür den Schutz höherer Mächte zu erlangen. Opferschauder bildet den Bodensatz des religiösen Gefühls. Ehrfurcht und Respekt sind schon seine hochkulturellen Verfeinerungen. Zudem sind "religiöse Gefühle" ein Missverständnis. Gefühle als solche können peinlich oder angenehm, erhebend oder bedrückend, stark oder schwach sein, aber nicht religiös oder profan."

Die Historikerin Francisca Loetz rekapituliert ebenfalls in der NZZ die lange Geschichte der Blasphemie: "Jesus Christus wurde bekanntlich als Gotteslästerer an das Kreuz geschlagen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.02.2015 - Religion

In einem sehr scharfen Text für die französische Huffpo hält Boualem Sansal fest: "Vor dem Terrorismus und vor dem Islamismus, die radikal bekämpft und ausgemerzt werden müssen, ist da der Islam, den man den Händen der verrückten Doktrinäre entreißen muss und das theologische Denken des Islams, das man im Licht der Aufklärung und des Säkularismus neu begründen muss. Es ist nicht an der Demokratie, sich dem Islam anzupassen, sondern es ist der Islam, der lernen muss in Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu leben."

Im Schatten islamistischer Entfesselung trauen sich auch deutsche Würdenträger wieder was, beobachtet Christian Geyer in der FAZ mit Blick auf den Bremer Pastor Olaf Latzel, der eine recht kräftige Rhetorik bevorzugt: "als da sind der Ausdruck "Dreck" für den katholischen Reliquienkult, der Ausdruck "Blödsinn" fürs islamische Zuckerfest sowie der Ausdruck "alter, fetter Mann", zu dem er, der Pastor, gegriffen hatte, um die Buddha-Figürchen, welche zum Verdruss des einen Gottes gemeinhin auf deutschen Kommoden stehen, einer näheren ästhetischen Bewertung zu unterziehen."

Über Islam und Islamismus in Algerien spricht Kamel Daoud, Autor des Romans "Meursault, contre-enquête", gegen den in Algerien eine religiöse Morddrohung (Fatwa) ausgesprochen wurde, im Interview mit Lena Bopp von der FAZ: "Was ich interessant finde, ist, dass das Regime das Öl und also den Reichtum kontrollieren will und die Gesellschaft deswegen den Islamisten überlässt. Das ist wie in Pakistan: Es gibt eine dominierende Kaste und den Rest der Gesellschaft, der von den Islamisten regiert wird."

Weiteres: Wenn Sterbehilfe erst erlaubt ist, wird der Selbstmord in absehbarer Zeit zur Pflicht, schreibt der Philosoph Robert Spaemann in einem Beitrag zur Euthanasiedebatte in der Zeit. Ebenfalls in der Zeit hält Bruno Latour den Säkularimus für eine Religion und eine "intolerante Form von Toleranz, da sie alle Religionen als gleich absurd erachtet". In der SZ unterhält sich Sonja Zekri mit Naif al-Mutawa, Erfinder des ersten islamischen Superhelden-Comics "The 99", der keine Verbindung zwischen Islam und Islamismus sieht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.02.2015 - Religion

Im Interview mit der Berliner Zeitung betont die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer, dass sich der Koran für alles mögliche heranziehen lässt, nur nicht zur Klärung brennender Fragen: "Meine wichtigste Botschaft lautet, dass der Koran, wie die heiligen Schriften anderer Religionen, kein einheitlicher, glatter Text ist, sondern zu einzelnen Themen durchaus unterschiedliche und gelegentlich sogar widersprüchliche Aussagen macht... Jede Behauptung, im Koran findet sich ausschließlich dies oder das, geht in die Irre. Der Koran ist kein Handbuch des Völkerrechts."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.02.2015 - Religion

Mohamed Abdel Azim belegt in der französischen Huffpo, dass Mohammed-Abbildungen über Jahrhunderte in der arabischen und muslimischen Welt üblich waren: "Die Brüder Kouachi hätten vor ihrem barbarischen Akt nur einen Ausflug in den Louvre machen müssen. Dort hätten sie drei herrliche Seiten eines Manuskripts aus dem 9. Jahrhundert gefunden, die Mohammed zeigen, wie er durch Gabriel die Offenbarung erhält, deren erstes Wort lautet: "Lies"."
Stichwörter: Louvre, Mohammed-Abbildungen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.02.2015 - Religion

"Die Präventionsangebote müssen verstärkt werden. Sonst geht ein Extremist ins Gefängnis, und mehrere kommen raus", wirbt Thomas Mücke, Sozialpädagoge und Geschäftsführer des Violence Prevention Network, im Gespräch mit Sabine am Orde in der taz um Deradikalisierungstrainings für Dschihadisten. Ebenfalls in der taz meldet Rudolf Balmer, dass in Frankreich bereits daran gearbeitet wird, die Zahl der muslimischen Seelsorger in den Gefängnissen zu erhöhen, was das laizistische Land allerdings vor Probleme stellt: "Da die weltliche Republik keine religiösen Aktivitäten finanzieren darf, erhalten sie keinen Lohn, sondern nur eine pauschale Kostenentschädigung von 900 Euro pro Monat. Freiwillige Kandidaten sind Mangelware. Zudem stellt aus staatlicher Sicht ihre Ausbildung ein Problem dar. Die Gewerkschaften der Gefängnisaufseher haben in der Vergangenheit vor "Seelsorgern", die selber sehr radikale Thesen hätten oder vereinzelt sogar den Dschihad propagiert hätten, gewarnt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.01.2015 - Religion

Die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer fordert im Gespräch mit Michael Hesse (FR) eine historisch-kritische Lektüre des Korans, um ihn an die Gegenwart anzupassen und der Instrumentalisierung durch Islamisten zu entziehen: "Wenn im Koran steht, dass Muslime bis zu vier Frauen nehmen können und dazu das, "was ihre Rechte besitzt", so sind damit Sklavinnen gemeint. Ich kenne keinen Muslim, der fordern würde, die Sklaverei wieder einzuführen, um dem Koran-Text im Wortsinn gerecht zu werden. Vielmehr wird Rücksicht auf veränderte Lebensverhältnisse genommen, und ähnlich müsste es in einigen anderen Fällen auch sein. Eine solche Lektüre ist allerdings ein schwieriges Unterfangen, und viele Muslime schrecken vor ihr zurück, zumal wenn eine Islamwissenschaftlerin zu ihr rät. Aber ich glaube, dass nichts an einer solchen kritischen Sichtung vorbeiführt."