9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2019 - Wissenschaft

Gestern präsentierten die Forscher des Event Horizon Telecopes das erste Foto, das je von einem schwarzen Loch aufgenommen wurde. Foto von der Website der Einrichtung. 


Ein schwarzes Loch grinst uns an! Erstmals gibt ein Foto Aufschluss über unser aller Ereignishorizont. Sibylle Anderl erläutert in der FAZ nochmal, worum es sich handelt: "Nach Einstein krümmen Massen die Raumzeit. Bei extrem kompakten Massen kann die Krümmung so groß werden, dass eine Region entsteht, aus der nichts, nicht einmal Licht, entkommen kann. Unsere Erde würde so zu einem Schwarzen Loch, wenn man sie auf eine Kugel zusammenpresste, deren Radius dem einer Zwei-Cent-Münze entspricht." Hier der Link zum Event Horizon Telescope.
Stichwörter: Schwarze Löcher

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.04.2019 - Wissenschaft

Die SZ hat aus der edge.org-Reihe zur Künstlichen Intelligenz einen Text des Kognitionswissenschaftlers Daniel C. Dennett übersetzt (hier das englische Original). Dennett hat nichts gegen KI, aber sehr viel gegen die Camouflage, mit der sie daherkommt: Weizenbaums Eliza-Test und die Turing-Tests des Loebner-Preises haben uns gezeigt, wie leicht auch gebildete Menschen auf die Vorstellung hereinfallen, KI könne irgendwie menschlich sein. "Und eine Erkenntnis, die wir daraus ziehen sollten ist, dass menschenähnliche Verzierungen eines Computerprogramms Mogelpackungen sind, die wir verdammen und nicht feiern sollten. Spätestens wenn Menschen anfangen, aufgrund von KI-Empfehlungen Entscheidungen über Leben und Tod zu treffen, sollten wir Leute, die andere dazu bringen, solchen Systemen zu vertrauen, moralisch und rechtlich zur Verantwortung ziehen. Wir sollten sie mit Lizenzen und Genehmigungen in die Pflicht nehmen, genauso wie Apotheker, Kranführer oder andere Experten, deren Fehler und Fehleinschätzungen gravierende Folgen haben können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.02.2019 - Wissenschaft

Sarah Pines besucht für die NZZ in New York das von dem amerikanischen Mathematiker und Hedge Fund Manager Jim Simons gegründete Flatiron Institute, wo man an perfekten Algorithmen bastelt: "Dahinter steht die Logik, dass es keine neuen Experimente braucht, Wissen, Fakten, Daten bereits vorhanden sind. Im Flatiron Institute will man sie decodieren und verbessern, indem dank Algorithmen und Computertechnologien mehr Informationen schneller als je zuvor gesammelt, verarbeitet, in neues Wissen übersetzt werden können."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.02.2019 - Wissenschaft

Im Interview mit der FR erklärt der von seiner Arbeit sichtlich begeisterte Systembiologe Nikolaus Rajewsky, wie man ein Mini-Hirn entwickelt und welche Möglichkeiten sich für Patienten durch die neue Einzelzellanalyse auftun: "Die uns heute noch sehr ähnlich vorkommenden Krankheiten können sehr unterschiedlicher Natur sein. Jeder Mensch ist ein ganzes Universum. Wir werden dem Einzelnen nicht wirklich helfen können, wenn wir uns mit statistischen Durchschnitten zufriedengeben. ... Wir können endlich den Zellen bei der molekularen Arbeit zuschauen. Dabei entstehen riesige Datenmengen - Daten, die essentiell sind, um zu verstehen wie Entscheidungen in der Zelle gefällt werden. Wir sind dabei, Techniken zu entwickeln, um mit so hochkomplexen Daten umzugehen. Inzwischen wird auch nicht mehr nur korreliert. Wir sind auf dem Wege, auch Kausalzusammenhänge zu erkennen. Dann könnte man sagen: Wenn A zu sehen ist, dann müssen wir mit B rechnen. Irgendwann wird es auch Maschinen möglich sein, mit solchen Kausalitäten zu rechnen. Wir leben in spannenden Zeiten."

Außerdem: Im Interview mit der NZZ spricht der Zoologe Josef Reichholf über Charles Darwin, dessen "Ursprung der Arten" Eike Schönfeld mit Reichholfs Unterstützung neu übersetzt hat.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.02.2019 - Wissenschaft

Jochen Zenthöfer melkt die fast schon denunziatorische Erbsenzählerei von "VroniPlag Wiki" zur Doktorarbeit von Familienministerin Franziska Giffey für einen FAZ-Artikel: Danach hat Giffey wohl "nur" zu 90 Prozent korrekt gearbeitet, ihre "aufwendige Fallstudie, die den Kern ihrer Leistung ausmacht", sei zwar "annähernd fehlerfrei", doch ob das ausreicht, ihre Doktorarbeit nicht als Plagiat zu werten, weiß er auch nicht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.02.2019 - Wissenschaft

Die deutschen Universitäten werden im internationalen Vergleich immer stärker abgehängt, warnt Otfried Höffe in der FR: "Ohne Zweifel ist die erhebliche Steigerung der Abiturienten- und Studentenquote eine sozialpolitische Leistung. Sie geht aber nicht mit einer proportional verbesserten Hochschulfinanzierung einher. Stattdessen wurden die Pro-Kopf-Kosten gesenkt, was eine Folge hat, die so gut wie niemand für einen Skandal hält: eine kräftige Unterfinanzierung der Universitäten. Ohnehin sind selbst die reichsten deutschen Bundesländer nicht dazu bereit, die für eine veritable Weltspitze erforderlichen Kosten aufzubringen. Man muss sich daher fragen, warum ein Land mit wenigen natürlichen Ressourcen und vollmundigen Reden von einer 'Wissensgesellschaft' weder fähig noch willens ist, das zustande zu bringen, was zahlreichen Mittelständlern gelingt: zur Weltspitze zu gehören, vielfach sogar der Weltmarktführer zu sein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.01.2019 - Wissenschaft

Die FAZ druckt die Stavanger-Erklärung zur Zukunft des Lesens im Zeitalter der Digitalisierung ab. Pädagogen und Wissenschaftler plädieren hier für das Lesen von langen Texten, auf Papier oder in neuen, geeigneten digitalen Formen: "Man sollte bei Lehrern und anderen Erziehern ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der rasche und wahllose Ersatz von Druckwerken, Papier und Stift durch digitale Technologien im Primarbereich nicht folgenlos bleibt. Falls dieser Übergang nicht von sorgsam entwickelten digitalen Lerntools und Lerntechnologien begleitet ist, kann er zu einer Verzögerung in der Entwicklung des kindlichen Leseverständnisses und der Entwicklung kritischen Denkens führen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.01.2019 - Wissenschaft

Ein großes Bündnis deutscher Wissenschaftseinrichtungen und Wiley, einer der großen Wissenschaftsverlage, haben einen Vertrag abgeschlossen, der offenbar die Koexistenz dieser Verlage und einen Open-Access-Zugang auch online und für alle möglich macht, berichtet Lenohard Dobusch bei Netzpolitik: "Nicht nur die Einigung selbst, auch die Vertrags- und Kostentransparenz ist wegweisend. So soll der Vertrag im Volltext online zugänglich gemacht werden. Transparenz über die Zahlungen ist wiederum Voraussetzung für die Verrechnung innerhalb der an 'Projekt DEAL' beteiligten Einrichtungen. Vor allem aber ist ein doppelt verbesserter Zugang die Folge: die von Projekt DEAL erfassten Einrichtungen bekommen in der Regel Zugang zu einem viel größeren Teil des digitalen Wiley-Archivs und die Beiträge ihrer Wissenschaftler stehen sofort und für alle frei im Netz." Dieser Vertrag erhöhe nun den Druck auf andere Wissenschaftverlage, unter deren exorbitanten Preisen die Bibliotheken und Universitäten leiden, so Dobusch.
Stichwörter: Projekt DEAL, Open Access

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.12.2018 - Wissenschaft

Egal, wie man dazu steht, der chinesische Arzt He Jiankui hat mit dem Eingriff in die Keimbahn zweier Zwillings-Mädchen Fakten geschaffen, meint der Mediziner Alois Gratwohl in der NZZ. Da nützen Verbote nichts mehr. Zeit für eine Diskussion, was für eine Art von Gentherapie wir künftig wollen: "Die gegenwärtige Diskussion betont einseitig die Verurteilung des Geschehenen. Sie riskiert eine Polarisierung der Gentherapie in eine 'gute somatische' und eine 'böse Keimbahn'-Gentherapie. Sie verdrängt, dass beide Therapieformen die gleiche Technik anwenden, mit der Gefahr unbekannter Nebenwirkungen und Spätfolgen bei beiden. ... Die Zeit drängt. Dr. He hat einen irreversiblen Prozess ausgelöst. Er ist vergleichbar mit der ersten Herztransplantation von Christian Barnaard im Jahr 1967. Auch damals wurden viele medizinische und gesellschaftliche Fragen aufgeworfen, wurde Neuland betreten. Über die Zeit hat es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dabei geschafft, international anerkannte 'guiding principles' für die Organ-, Zell- und Gewebetransplantation aufzustellen." Warum sollte das für die Gentherapie nicht wieder gelingen?
Stichwörter: Gentherapie, Crispr

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.12.2018 - Wissenschaft

In der Zeit hat Thomas Assheuer Alpträume, China könne seinen Überwachungswahn mit Gentechnik kombinieren: "Durch gezieltes Gen-Dressing ließe sich auch eine Elite hochwertiger Leistungsträger herstellen, denen eine Klasse naturbelassener Standardarbeiter gegenüberstünde. Das allerdings wäre der letzte Schritt in eine autoritäre Eugenik: Crispr würde nicht mehr nur negativ, also beim Kampf gegen schwere Leiden, eingesetzt, sondern zur positiven Merkmalsveränderung. Der Staat bastelt sich seine Wunschkinder und synchronisiert System und Subjekt. Für Eltern, die ihre Nachkommen freiwillig einem gentechnischen Upgrade unterziehen, gibt es Bonuspunkte." Dem entkommen wir seiner Meinung nach nur, wenn wir jedes Human-Genome-Editing verbieten.