9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

128 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 13

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.08.2019 - Wissenschaft

Ein Artikel in Nature letzten Monat ließ Guardian-Autor John Naughton sofort an Douglas Adams' "Hitchhiker's Guide to the Galaxy" denken: "Der Artikel handelt von der zeitgenössischen Suche nach dem Geheimnis des Lebens und der Rolle eines Supercomputers bei der Beantwortung dieses Problems. Die Frage ist, wie man die dreidimensionalen Strukturen von Proteinen aus ihren Aminosäuresequenzen vorhersagen kann. Der Computer ist eine Maschine namens AlphaFold. Und die Firma, die ihn geschaffen hat? Sie haben es erraten - DeepMind." Werden wir also bald wissen, was das Geheimnis des Lebens ist? So einfach ist das nicht, trotz Supercomputer, glaubt Naughton. "Es ist denkbar, dass ein maschinell lernender Ansatz es uns bald ermöglichen wird, genaue Vorhersagen darüber zu treffen, wie sich ein Protein falten wird, und das kann sehr nützlich sein zu wissen. Aber es wird kein wissenschaftliches Wissen sein. Schließlich weiß AlphaFold nichts über Biochemie. Wir begeben uns auf unbekanntes Terrain."

Ein schöner Anlass, diesen BBC-Film über das "Verborgene Leben unserer Zellen" einzubetten:

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.08.2019 - Wissenschaft

Jörg Baberowski, ein bei einigen linken Studenten an der Humboldt-Uni nicht so beliebter Historiker, wollte an der Uni ein Interdisziplinäres Zentrum für Diktaturforschung schaffen. Hannah Bethke schildert in der FAZ die komplizierten Intrigen, die bisher zur Verhinderung führten. Und die maue Reaktion der Universitätsleitung unter Sabine Kunst auf Anfragen der FAZ: "An keiner Stelle erwähnt die Universitätsleitung, welche inhaltlichen Erwägungen aus ihrer Sicht für oder gegen die Etablierung eines solchen Forschungszentrums sprechen - und nur darum sollte es eigentlich gehen. Von wissenschaftlichen Kriterien wie Erkenntnisinteresse, Forschungsstand, Thesen, Machbarkeit ist in den Verlautbarungen der Universität sehr wenig zu hören."

Stichwörter: Baberowski, Jörg

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.06.2019 - Wissenschaft

Alarmiert berichtet der Historiker Martin Schulze Wessel in der FAZ über die Gleichschaltung der ungarischen Akademie der Wissenschaften durch das Orban-Regime: "Hunderte Wissenschaftler der Ungarischen Akademie aus allen Fachrichtungen haben sich nun an den Fraktionsvorsitzenden der EVP im Europäischen Parlament, Manfred Weber, gewandt, um das Gesetz zur Zerschlagung der Akademie noch zu verhindern. Sie richten ihren 'Ruf um Hilfe' an eine europäische Instanz, nachdem sie alle Möglichkeiten, die ihnen innerhalb Ungarns zur Verfügung stehen, vergeblich erprobt haben. "
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.05.2019 - Wissenschaft

Natur- und Geisteswissenschaften haben sich angenähert - weil die Geisteswissenschaften begonnen haben, sich für die Naturwissenschaften zu interessieren. Ob das gut für sie war? Der Kulturtheoretiker Jan Söffner hat in der NZZ seine Zweifel. Schon die Angleichung an die Bewertung naturwissenschaftlicher Forschungsergebnisse treibt den Geisteswissenschaften den Geist aus, meint er etwa mit Blick auf die Peer Reviews, die in den Naturwissenschaften sicher sinnvoll seien: "Auch in den Geisteswissenschaften muss die Qualität gesichert werden - und dafür bieten sich Peer-Review-Verfahren durchaus an. Doch kann das in diesen Fächern kaum mehr als eine Erziehungsmaßnahme sein, die mit den Standards vertraut macht. Die höchste Stufe geisteswissenschaftlichen Denkens besteht hingegen darin, Standards auch bewusst brechen zu können, da nur die gewagte und dennoch treffende Reflexion das Denken in der notwendigen Bewegung hält und verhindert, dass man in lähmenden Konsens abgleitet. Hier aber sind Peer-Begutachtungen zum Teil eher schädlich."
Stichwörter: Söffner, Jan

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2019 - Wissenschaft

Gestern präsentierten die Forscher des Event Horizon Telecopes das erste Foto, das je von einem schwarzen Loch aufgenommen wurde. Foto von der Website der Einrichtung. 


Ein schwarzes Loch grinst uns an! Erstmals gibt ein Foto Aufschluss über unser aller Ereignishorizont. Sibylle Anderl erläutert in der FAZ nochmal, worum es sich handelt: "Nach Einstein krümmen Massen die Raumzeit. Bei extrem kompakten Massen kann die Krümmung so groß werden, dass eine Region entsteht, aus der nichts, nicht einmal Licht, entkommen kann. Unsere Erde würde so zu einem Schwarzen Loch, wenn man sie auf eine Kugel zusammenpresste, deren Radius dem einer Zwei-Cent-Münze entspricht." Hier der Link zum Event Horizon Telescope.
Stichwörter: Schwarze Löcher

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.04.2019 - Wissenschaft

Die SZ hat aus der edge.org-Reihe zur Künstlichen Intelligenz einen Text des Kognitionswissenschaftlers Daniel C. Dennett übersetzt (hier das englische Original). Dennett hat nichts gegen KI, aber sehr viel gegen die Camouflage, mit der sie daherkommt: Weizenbaums Eliza-Test und die Turing-Tests des Loebner-Preises haben uns gezeigt, wie leicht auch gebildete Menschen auf die Vorstellung hereinfallen, KI könne irgendwie menschlich sein. "Und eine Erkenntnis, die wir daraus ziehen sollten ist, dass menschenähnliche Verzierungen eines Computerprogramms Mogelpackungen sind, die wir verdammen und nicht feiern sollten. Spätestens wenn Menschen anfangen, aufgrund von KI-Empfehlungen Entscheidungen über Leben und Tod zu treffen, sollten wir Leute, die andere dazu bringen, solchen Systemen zu vertrauen, moralisch und rechtlich zur Verantwortung ziehen. Wir sollten sie mit Lizenzen und Genehmigungen in die Pflicht nehmen, genauso wie Apotheker, Kranführer oder andere Experten, deren Fehler und Fehleinschätzungen gravierende Folgen haben können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.02.2019 - Wissenschaft

Sarah Pines besucht für die NZZ in New York das von dem amerikanischen Mathematiker und Hedge Fund Manager Jim Simons gegründete Flatiron Institute, wo man an perfekten Algorithmen bastelt: "Dahinter steht die Logik, dass es keine neuen Experimente braucht, Wissen, Fakten, Daten bereits vorhanden sind. Im Flatiron Institute will man sie decodieren und verbessern, indem dank Algorithmen und Computertechnologien mehr Informationen schneller als je zuvor gesammelt, verarbeitet, in neues Wissen übersetzt werden können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.02.2019 - Wissenschaft

Im Interview mit der FR erklärt der von seiner Arbeit sichtlich begeisterte Systembiologe Nikolaus Rajewsky, wie man ein Mini-Hirn entwickelt und welche Möglichkeiten sich für Patienten durch die neue Einzelzellanalyse auftun: "Die uns heute noch sehr ähnlich vorkommenden Krankheiten können sehr unterschiedlicher Natur sein. Jeder Mensch ist ein ganzes Universum. Wir werden dem Einzelnen nicht wirklich helfen können, wenn wir uns mit statistischen Durchschnitten zufriedengeben. ... Wir können endlich den Zellen bei der molekularen Arbeit zuschauen. Dabei entstehen riesige Datenmengen - Daten, die essentiell sind, um zu verstehen wie Entscheidungen in der Zelle gefällt werden. Wir sind dabei, Techniken zu entwickeln, um mit so hochkomplexen Daten umzugehen. Inzwischen wird auch nicht mehr nur korreliert. Wir sind auf dem Wege, auch Kausalzusammenhänge zu erkennen. Dann könnte man sagen: Wenn A zu sehen ist, dann müssen wir mit B rechnen. Irgendwann wird es auch Maschinen möglich sein, mit solchen Kausalitäten zu rechnen. Wir leben in spannenden Zeiten."

Außerdem: Im Interview mit der NZZ spricht der Zoologe Josef Reichholf über Charles Darwin, dessen "Ursprung der Arten" Eike Schönfeld mit Reichholfs Unterstützung neu übersetzt hat.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.02.2019 - Wissenschaft

Jochen Zenthöfer melkt die fast schon denunziatorische Erbsenzählerei von "VroniPlag Wiki" zur Doktorarbeit von Familienministerin Franziska Giffey für einen FAZ-Artikel: Danach hat Giffey wohl "nur" zu 90 Prozent korrekt gearbeitet, ihre "aufwendige Fallstudie, die den Kern ihrer Leistung ausmacht", sei zwar "annähernd fehlerfrei", doch ob das ausreicht, ihre Doktorarbeit nicht als Plagiat zu werten, weiß er auch nicht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.02.2019 - Wissenschaft

Die deutschen Universitäten werden im internationalen Vergleich immer stärker abgehängt, warnt Otfried Höffe in der FR: "Ohne Zweifel ist die erhebliche Steigerung der Abiturienten- und Studentenquote eine sozialpolitische Leistung. Sie geht aber nicht mit einer proportional verbesserten Hochschulfinanzierung einher. Stattdessen wurden die Pro-Kopf-Kosten gesenkt, was eine Folge hat, die so gut wie niemand für einen Skandal hält: eine kräftige Unterfinanzierung der Universitäten. Ohnehin sind selbst die reichsten deutschen Bundesländer nicht dazu bereit, die für eine veritable Weltspitze erforderlichen Kosten aufzubringen. Man muss sich daher fragen, warum ein Land mit wenigen natürlichen Ressourcen und vollmundigen Reden von einer 'Wissensgesellschaft' weder fähig noch willens ist, das zustande zu bringen, was zahlreichen Mittelständlern gelingt: zur Weltspitze zu gehören, vielfach sogar der Weltmarktführer zu sein."