9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.04.2020 - Wissenschaft

Mit Bewunderung blickt die New York Times auf die deutsche Bekämpfung der Corona-Krise. Dass die Zahl der Gestorbenen relativ niedrig sei, habe zwar auch mit statistischen Verzerrungen und dem relativ jungen Alter der meisten Infizierten zu tun, es gebe aber auch ganz klar medizinische Gründe, schreibt Katrin Bennhold: "Schon Mitte Januar, lange bevor die meisten Deutschen auch nur einen Gedanken an das Virus verschwendet hatten, entwickelte die Charité in Berlin einen Test und stellte die Formel online. Als Deutschland Mitte Februar seinen ersten Covid-19-Fall verzeichnete, hatten Laboratorien im Land bereits einen Vorrat an Test Kits."
Stichwörter: Corona-Krise

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.04.2020 - Wissenschaft

Der Zürcher Psychoanalytiker Peter Schneider räumt in einem sehr erfrischen taz-Interview mit Tania Martini eine ganze Reihe von Weisheiten vom Tisch, die gerade gern verbreitet werden: Das Bemühen der "Urängste" sei "ahistorischer Quark", das Boccaccio-Landhaus-Seuchen-Story-Telling geht ihm auch gegen den Strich. Überhaupt könne man gar nicht sagen, wie der Mensch auf Krisen reagiere: "Ich kann nichts über den Menschen sagen. Manche lernen etwas, manche nicht. Es ist außerdem sehr unterschiedlich, was man lernt, sogar widersprüchlich. Krisen richten Gesellschaften nicht in eine Richtung aus wie ein Magnetfeld. Es ist nicht hilfreich, die Zeiten 'danach' in der Fantasie mit zu viel Optimismus oder Pessimismus aufzuladen."

In der FR zieht der Medizinhistoriker Harald Salfellner im Interview mit Joachim Frank den Vergleich mit der Spanischen Grippe, die es 1918 auf kaum mehr als kurze Zeitungsmeldungen brachte: "Die Spanische Grippe fiel in eine Zeit der politischen Auflösung und Anarchie. Noch während der ersten Hauptwelle endete der Erste Weltkrieg, in Deutschland und in Österreich-Ungarn kam es zu einem Umsturz der politischen Verhältnisse. So bildete die Spanische Grippe eine Art Puffer zwischen den Zeiten. Eine irgendwie nennenswerte Regierungsgewalt gab es nicht mehr, die sich als Bändiger der Katastrophe hätte betätigen können. Die Menschen mussten sehen, dass sie irgendwie allein klarkommen. Man hat die Grippe - hart gesagt - einfach wüten lassen. Im Wissen, irgendwann ist es vorbei."

Weiteres: Der Strafrechtler und Rechtsethiker Reinhard Merkel antwortet in der FAZ auf einen Artikel der Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert zum ethischen Dilemma der Triage, also der Frage, wann ein Mediziner einen Patienten sterben lassen kann oder muss, um einen anderen zu behandeln: "Die behandelnden Ärzte in ihrer Gewissensnot alleinzulassen ist jedoch nicht akzeptabel. Und ihre Entscheidungen undeutlichen oder zweifelhaften Richtlinien anheimzugeben ist, um das Mindeste zu sagen, ein Problem. Auch deshalb mag sich der Gesetzgeber des Notstands demnächst mit der Forderung nach rechtlichen Regeln konfrontiert sehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.04.2020 - Wissenschaft

Heute ist der Tag, an dem die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen auf über eine Million gestiegen ist (hier die berühmte Weltkarte der Johns-Hopkins-Universität). Für Deutschland werden 84.000 Fälle gemeldet. Die Maßnahmen gegen die Krise nähern sich noch keineswegs dem Ende, mahnt Gereon Asmuth in der taz: "Es stimmt, das große Ziel, die Kurve flachzuhalten, wurde erreicht. Doch weil sie anfangs extrem steil war, ist sie trotz aller Fortschritte bei Weitem noch nicht flach genug. Es stimmt auch, dass niemand genau sagen kann, wie viele Infizierte es tatsächlich gibt. Das Problem ist nur: Experten gehen davon aus, dass die reale Fallzahl sogar drei- bis zehnmal höher ist."

(Via turi2) Einen interessanten Blick auf die Statistiken zu Corona wirft der Daten-Analytiker und Medienjournalist Jens Schröder in seinem Blog. Die bestätigten Infektionszahlen in den einzelnen Ländern lassen sich kaum vergleichen, so Schröder, weil in den Ländern unterschiedlich intensiv getestet wird (so liegen in Portugal 8,8 Prozent der Getesteten im Krankenhaus, in Spanien fast 50 Prozent, was heißt, dass in Portugal wesentlich mehr getestet wird). Schröder schlägt vor, für ein objektiveres Bild der Lage die Patienten auf Intensivstationen zu zählen: "hier gibt es keine Dunkelziffer. Wenn jemand so krank ist, dass er auf eine Intensivstation muss, dann wird er auch dort landen. Zumindest so lang, wie die Stationen nicht überlastet sind. Die Dunkelziffer von schwer Erkrankten wird also klein oder sehr klein sein." In Deutschland werden diese Zahlen hier gepflegt - und geben laut Schröder immer noch ein sehr beruhigendes Bild.
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.04.2020 - Wissenschaft

Sowohl in Frankreich, als auch in Italien sind die Statistiken über Corona-Todesfälle wohl eher noch untertrieben, zeigt Pauline Moullot  in einem sehr gut recherchierten Artikel für ein Factchecking-Blog bei Libération auf. In Frankreich werden zur Zeit nur Todefälle in Krankenhäusern gezählt, nicht aber in Pflegeheimen, die zum Teil stark betroffen sind. Und in Italien leben ältere Menschen häufig zu Hause: "Das Problem der Zählung stellt sich also vor allem bei Menschen, die zu Hause sterben. Allerdings, so Alessandro Solipaca, wissenschaftlicher Direktor des Gesundheitsobservatoriums der Katholischen Universität Rom, werden Todesfälle zu Hause nur selten gezählt, da die Menschen im Allgemeinen nicht getestet wurden."
Stichwörter: Corona-Krise

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.04.2020 - Wissenschaft

Die Zahlen, mit denen allüberall in der Corona-Krise operiert wird, sind total unzuverlässig, sagt der Medizinstatistiker Gerd Antes im Interview mit Julia Merlot von Spiegel online. Darum wird man erst im nächsten Jahr in der jährlichen Todesstatistik sehen, wieviele Menschen tatsächlich durch das Virus gestorben seien: "Derzeit gilt im Prinzip jeder Tote, der mit dem Virus in Verbindung steht, als Corona-Todesfall. Die Wahrheit ist deutlich komplexer, denn viele von denen, die jetzt am Coronavirus sterben, wären möglicherweise auch ohne das Virus gestorben, aber später. Nehmen wir etwa eine Person, die schwer herzkrank ist. Wenn sie sich nun mit dem Coronavirus infiziert und stirbt, war dann das Herzleiden entscheidend oder das Virus? Stirbt jemand am oder mit dem Virus?"

Das Virus ist offenbar ursprünglich von Fledermäusen auf andere Arten und schließlich den Menschen übergesprungen. Auf die Frage des taz-Interviewers Andrew Müller, ob auch Tierzucht eine Rolle bei solchen Epidemien spielt, sagt die Biologin Simone Sommer: "Es gibt im Zusammenhang mit der Massentierhaltung immer wieder Probleme mit Schweine- und Vogelgrippe. Bei Covid-19 aber ist es anders - selbst Pangoline, die als mögliche Zwischenwirte diskutiert werden, lassen sich meines Wissens kaum züchten, das sind alles Wildfänge. Die meisten zoonotischen, also zwischen Mensch und Tier übertragbaren Viruserkrankungen wie Ebola, Sars und Mers kommen von Wildtieren. Aber Menschen können auch Wildtiere infizieren, zum Beispiel mit Masern, die bei Menschenaffen meist tödlich verlaufen." Dass das Pangolin eine Rolle bei der Ausbreitung des Virus spielte, werde inzwischen allerdings eher bezweifelt, berichtet James Gorman in der New York Times.

Martin Holland stellt bei heise.de ein "smartes" Fieberthermometer der Firma Kinsa vor, das der Hersteller, an die amerikanische Bevölkerung verteilt: "Nehmen die Anwender mit dem Thermometer ihre Temperatur, werden die Daten 'aggregiert und anonymisiert' an den Hersteller übertragen, der damit wohl am frühesten erfährt, wo beispielsweise Grippewellen auftreten. Diese Information wurde bislang an Hersteller von Haushaltswaren für gezielte Werbung lizenziert, könnte nun aber der öffentlichen Gesundheit zugutekommen." Die Daten besagen übrigens, dass sich die Lage in den USA zu entspannen scheint.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.03.2020 - Wissenschaft

Heute ist der Tag, an dem die Corona-Fallzahlen in den USA die Hunderttausender-Marke überschritten haben (amerikanisches Blut klebe an den Händen Donald Trumps, schreibt Jonathan Freedland im Guardian) und an dem Angela Merkels Kanzleramtschef laut Tagesspiegel ankündigt, dass alle geltenden Coronavirus-Maßnahmen bis zum 20. April bestehen bleiben.

Um zu beurteilen, ob die Regierung mit ihren Maßnahmen richtig gehandelt hat, brauchen wir begleitende Forschung, die die Regierung nur langsam (unser Resümee) zu akzeptieren scheint, schreibt Heike Haarhoff in der taz: "Diese Daten werden nicht nur benötigt, um festzustellen, wie wirksam etwa Schulschließungen überhaupt sind, sondern auch, wann ein guter Zeitpunkt wäre, sie zu beenden. Ähnlich zaghaft setzt sich die Einsicht durch, die Bewertung der Konsequenzen des öffentlichen Handelns im Kampf gegen Corona nicht ausschließlich der (unbestritten! ungeheuer! klugen!) virologischen Expertenwelt zu überlassen, sondern die Perspektive zu weiten und hieran auch Sozial- und Geisteswissenschaftler, Ökonomen und Juristen zu beteiligen."

Der Virologe Alexander Kekulé, der sich in der NZZ, moderiert von Hansjörg Müller, mit dem Wirtschaftswissenschafter Jens Südekum unterhält, kritisiert, dass sich die Politik zu stark von der Wissenschaft abhängig mache: "Wir agieren in Deutschland eigentlich gar nicht mehr politisch, sondern hängen am Faden der Wissenschaft. Ich glaube, es ist falsch, dass dieses sehr komplexe, vielschichtige Problem beinahe ausschließlich aus der Perspektive der Virologie betrachtet wird. Die Sicht der Virologen kann immer nur ein Aspekt von vielen sein." (Ist es nicht ein bisschen zu früh, die medizinischen Experten zur Seite zu schieben?)

Einen Schnelltest für das Coronavirus zu entwickeln, ist alles andere als banal, wie man in einem Heise-Artikel von Andreas Stiller nachlesen kann, eine lohnende Lektüre, auch wenn man als Laie immer mal wieder aussteigt. Ein Auszug: "Da mit dem PCR-Verfahren nur DNA vervielfältigt werden kann, ist für den Nachweis von Viren mit RNA-basiertem Erbgut (dazu gehört auch SARS-CoV-2) zuvor eine Umwandlung von RNA in die entsprechende DNA notwendig. Das wird durch ein Enzym namens Reverse Transkriptase (RT) bewerkstelligt. Das Verfahren, kurz RT-PCR genannt, ist sehr anspruchsvoll."
Stichwörter: Corona-Krise, Coronavirus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.03.2020 - Wissenschaft

Deutschland ergreift drastische Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise. Aber weder das Bundesgesundheitsministerium (BMG), noch das Bundesforschungsministerium (BMBF) begleiten diese Maßnahmen mit Forschungsprogrammen, die sie auf ihre Wirksamkeit untersuchen, berichtet Heike Haarhoff in der taz: "Wie kann das sein? Auf welcher Grundlage werden Millionen Kinder vom Schulunterricht ausgeschlossen, werden weitere Millionen arbeitende Menschen ins Homeoffice verbannt oder in die Arbeitslosigkeit geschickt, wenn diese Maßnahmen - zeitnah ihre Durchführung begleitend- nicht auch wissenschaftlich überprüft und hinterfragt werden?" Immerhin, nach Impfstoffen und Medikamenten gibt es inzwischen laut Manfred Ronzheimer auch in Deutschland intensive Forschung.

Daniel Laufer untersucht in einem instruktiven Artikel für Netzpolitik, wie die Daten über Neuerkrankungen im föderalen Deutschland mit seinen Dutzenden von Gesundheitsämtern überhaupt zustande kommen. Nicht immer ist die neueste Technologie im Einsatz: "Das Infektionsschutzgesetz schreibt vor, wie Meldungen abzulaufen haben. Stellt ein Labor anhand einer Probe fest, dass sich ein Patient mit dem Coronavirus infiziert hat, teilt es das Ergebnis dem örtlichen Gesundheitsamt mit. Dazu nutzt es ein vorgefertigtes Meldeformular, das es üblicherweise per Fax verschickt. Zudem informiert das Labor die für den Patienten zuständige Ärztin. Sie soll die Meldung etwa durch Kontaktdaten des Betroffenen ergänzen und sie ebenfalls an das Gesundheitsamt übermitteln. Recherchen zeigen, dass auch dies meist per Fax passiert."

Wir wissen genug über die Pandemie, um uns aus dem "Lockdown zu befreien", schreibt der Arzt Alexander Kekulé auf Zeit Online. Er rät ebenfall zum Tragen von Masken, zu "Smart Distancing", also vor allem dem Schutz von Risikogruppen und zu "individueller Vigilanz": "An Covid-19 Erkrankte sind in der Regel nur wenige Tage ansteckend. Durch das vorgeschlagene Smart Distancing können die meisten Infektionen, insbesondere von Risikopersonen, vermieden werden. Zusätzlich muss jeder Einzelne bei einem Verdacht auf Covid-19 konsequent und verantwortungsvoll reagieren - wer hustet oder Fieber hat, bleibt zu Hause, bis ein Testergebnis vorliegt. Für diesen Fall sollten Hotlines eingerichtet werden, die die Testung auf Covid-19 und erforderlichenfalls auch die Versorgung mit Lebensmitteln organisieren (hierfür und für die Versorgung der Risikopersonen wäre übrigens eine Smartphone-App nützlich - das Geo-Tracking infizierter Personen ist dagegen Unsinn)."

Außerdem: Das Tragen von Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit sei sehr wohl sinnvoll, und auch Hauptorakel Christian Drosten hätte seine Position dazu verändert, berichten Malte Kreutzfeldt und Mareike Andert in der taz. "Das Virus wird nicht schwächer, es mutiert nicht", sagt Elisa Vicenzi, Forschungsleiterin am Krankenhaus San Raffaele in Mailand laut Linkiesta - und annonciert einen schwierigen April und möglicherweise ein Ende der Krise im Mai. Die Bundesregierung will Tests massiv ausweiten, berichtet die SZ. Und bei heise.de stellen Sebastian Müller und Guido Burger einige "Maker" vor, die qua 3D-Drucker einfach nachzubauende Beatmungsgeräte entwickeln - sie haben sich bei dem  #WirVsVirus-Hackathon (unser Resümee) kennengelernt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.03.2020 - Wissenschaft

(Via Julia Reda) Die costaricanische Regierung hat die WHO aufgefordert, einen Rechte-Pool für mögliche Patente bei phamazeutischen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu schaffen, berichtet Ed Silverman im Pharma-Informationsdienst Statnews. Es geht darum zu verhindern, dass spätere mögliche Medikamente nicht zu teuer werden für arme Länder. Die Beamten "fügten hinzu, dass der Pool freien Zugang oder die Erteilung von Lizenzen zu 'vernünftigen und erschwinglichen Bedingungen in jedem Mitgliedsland' ermöglichen sollte, dass aber über Kosten und Gewinne später entschieden werden soll. Die Beamten forderten die WHO auch auf, eine Datenbank der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Zusammenhang mit Covid-19-Produkten zu erstellen, einschließlich Schätzungen der Kosten für klinische Studien und aller von Regierungen und Wohltätigkeitsorganisationen bereitgestellten Subventionen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.03.2020 - Wissenschaft

Foto: verdammelt. CC BY-SA 2.0. Über Flickr und Wikimedia.
Als möglicher Ursprung des Virus wird neben einer Fledermausart das Schuppentier Pangolin gehandelt, das wegen der angeblichen Heilkraft seiner Schuppen auf Märkten wie in Wuhan gehandelt wird, schreibt Heiko Werning in der taz: "Eine am 17. März veröffentlichte Studie im Fachmagazin Nature Medicine bestätigt die schon früher geäußerte Mutmaßung, dass das Virus vom Malaiischen Pangolin die Artgrenze zum Menschen übersprungen haben könnte... Kein Grund für antiasiatische Ressentiments übrigens: Andere gefährliche Krankheiten wie BSE, Scrapie, Schweinepest oder Vogelgrippe haben auch mit dem letztlich nicht besseren Umgang westlicher Länder mit Tieren zu tun."

In der SZ fordern der Evolutionsbiologe Jared Diamond und der Virologe Nathan Wolfe ein Ende des Handels mit Wildtieren (hier das englische Original in der Washington Post). Sonst haben wir bald die nächste Epidemie, fürchten sie. Denn Krankheiten wie Covid-19, Sars, Aids, Ebola oder Marburgfieber würden von anderen Säugetieren auf Menschen übertragen. Die chinesische Regierung hat nach viel zu langem Zaudern endlich die Wildtiermärkte in China geschlossen. Jedoch "die zweite große Kontaktstelle zwischen Menschen und Wildtieren hat die Regierung keineswegs unterbunden: den Handel mit lebenden Tieren für die traditionelle Medizin. Auch dieser Handelssektor ist enorm groß und umfasst viele Tierarten. ... Allen kulturellen Unterschieden zum Trotz müssen China und andere Regierungen jetzt schnell und bestimmt handeln und den Wildtierhandel beenden. Passiert das nicht, können wir mit einiger Sicherheit vorhersagen, dass Sars und Covid-19 nicht die letzten Epidemien gewesen sein werden, die sich global ausbreiten."

Die New York Times bringt eines jener fantastischen interaktiven Online-Dossiers um zu dokumentieren, wie sich das Virus ausbreitete: "Die weitreichendsten Reisebeschränkungen zur Verhinderung eines Ausbruchs in der Geschichte der Menschheit waren nicht genug. Wir haben die Bewegungen von Hunderten von Millionen Menschen analysiert, um zu zeigen, warum." Die Journalisten kommen zu dem Ergebnis, dass eine Pandemie möglicherweise nicht mal bei einer rechtzeitigen Reaktion hätte verhindert werden können.

Foto: Scressnehot von nytimes.com.



Außerdem: Heise.de meldet, dass die Firma Qiagen einen Schnelltest für den Virus entwickelt hat, der innerhalb einer Stunde ein Ergebnis liefern soll.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.03.2020 - Wissenschaft

In der NZZ stellt Frank Rühli evolutionsgeschichtliche Überlegungen zum Coronavirus an: "Wir sollten keine 'Panik' vor der drohenden 'Panik' haben. Die Frage ist eher: Wie geht man mit menschlichen Reaktionen am sinnvollsten um? Das Handlungsrepertoire des Menschen ist bestens auf Egoismus, Sicherheit und lineares Denken eingestellt. Der rationale Umgang mit der Dynamik einer Epidemie (oder gar einer Pandemie), mit explodierenden Fallzahlen und diffusen Prognosen dagegen ist für uns schwierig."

Ebenfalls in der NZZ erinnert Corey Anderson Dansereau daran, dass LSD am Anfang aller Ideen von Silicon Valley stand.