Außer Atem: Das Berlinale Blog

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Hat es Dir gefallen? Es ist verboten!: Burhan Qurbanis 'Shahada' im Wettbewerb

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2010 Jetzt hat Dieter Kosslick mich also doch erwischt, es war wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Bisher hatte ich wenig Grund, mich über den diesjährigen Berlinale-Wettbewerb zu ärgern. Teilweise deshalb, weil ich einigem, vor allem den Alterswerken Polanskis und Scorseses, mehr abgewinnen konnte als meine Mitstreiter Thomas Groh und Ekkehard Knörer. Vor allem aber, weil ich dank unserer internen Arbeitsteilung verschont geblieben bin von dänischer Miserabilismuspornografie, norwegischer Zynik und ähnlichem. Burhan Qurbanis Debütfilm "Shahada" aber konnte ich leider nicht entgehen. Von Lukas Foerster

Führt in die Dunkelheit: Semih Kaplanoglus 'Bal'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2010 Ein Mann läuft durch den Wald und nähert sich der Kamera. An der Hand führt er einen Lastesel. Im Bildvordergrund angekommen, beginnt er, auf einen Baum zu klettern. Dort oben, auf dem Baum, möchte er, das wird man allerdings erst in der Mitte des Films erfahren, Bienenstöcke aufhängen. Als er schon einige Meter über dem Boden schwebt, beginnt der Ast, an dem er sein Kletterseil befestigt hat, verdächtig zu knacken. Bald hängt er frei in der Luft. Während er verzweifelt um sich blickt, kommt die erste von mehreren Bienen in den Film gesummt. Von Lukas Foerster

Post-Berlinale: Shimazu im Arsenal.

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2010

"Wer auf der diesjährigen Berlinale nur drei Filme sehen möchte: der sollte exakt diese drei auswählen", schreibt Perlentaucher-Kritiker Lukas Foerster in seiner einführenden Forumsschau. Gemeint sind die drei Filme von Yasujiro Shimazu, die im Forum als eine Art "Mini-Hommage" laufen. Fraglich bleibt dabei, ob ein Festival - mit seinem Stress, seinen blank liegenden Nerven, dem Geschubse an Eingängen und Transiträumen - wirklich die passende Umgebung für die kleinen Alltagsdramen (shomingeki) des japanischen Regisseurs darstellt (wenn man denn überhaupt Karten bekommen hat).
Von Thomas Groh

Gott auf zwei Rädern: Koji Wakamatsus 'Caterpillar'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2010

So abspannhaft nüchtern ist noch selten ein Vorspann über die Anfangsbilder eines Spielfilms getickert. Die Bilder, über die die Schriftzeichen laufen, sind Dokumentaraufnahmen von Kämpfen und Zerstörungen aus dem Zweiten Weltkrieg, allerdings nachträglich mit Kriegskampfkrach und Kriegsfeuerlärm synchronisiert. Vom Dokumentarfilmkriegsfeuerlärm schneidet in einer Art trockenem Match Cut Koji Wakamatsu dann hinüber ins Spielfilmbild. Man sieht: eine Vergewaltigung hinter mit billigem Digitaleffekt in die Bilder kopiertem Feuer. Der Effekt und das Geschehen gehen eine Verbindung ein, aber sie ist sichtlich künstlich. In diesem extrem sachlich dissoziierten Dokumentarbild-Spielfilmübergang setzt Koji Wakamatsu die Parameter, an die er sich fortan konsequent hält.
Von Ekkehard Knörer

Trash-Sex im Kellerloch: Hans Peter Mollands 'En Ganske Snill Mann'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2010 An obskurem Sex ist dieser Wettbewerb gewiss nicht arm. Im begähnenswerten "Greenberg" geht Ben Stiller Greta Garwig sehr unvermittelt an die Wäsche und bricht ebenso unvermittelt wieder ab. Im sehr großartigen "Caterpillar" gibt es mehrfach Amputiertensex. Dass in "En Ganske Snill Mann" dann eine Frau fortgeschrittenen Alters mit deutlich ins Bild gesetzten schwieligen Beinen plötzlich ihre ranzige Unterhose auszieht, sich flach aufs Bett legt und den in ihrem Kellerloch untergebrachten Ex-Knasti mit traurig-fahlem Altherrenhintern anfährt, ob er denn zum Beischlaf noch eine Einladung benötige, um anschließend, bei erfolgter mechanischer Bebeischlafung, auf wildes "Jesus Christus"-Schreien zu verfallen, hat dann aber doch eine sehr eigene Qualität. Die erstgenannten Filme verhalten sich in der Zwischenzone von Hinsehen und Distanzwahren. "En Ganske Snill Mann" verfolgt nur ein Projekt: Die konsequente Desavouierung jeder seiner Figuren. Dass dabei plump um die Komplizenschaft eines amüsierwilligen Publikums gebuhlt wird, ist das eigentlich Unappetitliche. Von Thomas Groh

Passport!

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2010

Rein publikumsmäßig gesehen ist die Berlinale auch in diesem Jahr ein voller Erfolg. Saal 8 im Cubix-Kino am Alexanderplatz ist fast ausverkauft, nur in den ersten zwei Reihen bleiben ein paar Plätze frei. Gezeigt wird ein russischer Film, und die russische Community ist gut sichtbar vertreten: viele pelzgefütterte Ledermäntel, in der Luft hängt mehr als nur ein Hauch Chanel. Anna Fenchenkos Film "Missing Man" ist ein sehr ruhiger Film über einen russischen Webdesigner - man sieht ihn in einer Szene kurz vor zwei großen Apple-Bildschirmen sitzen - der plötzlich aus seinem Leben gestoßen wird. Das Mietshaus, in dem er wohnt, wird abgerissen, seine Schwester verschwindet spurlos und seine Sachen ebenfalls. Er soll in eine andere Stadt ziehen und sich dort in der Behörde melden.
Von Anja Seeliger

Patrone für Patrone: Thomas Arslans 'Im Schatten'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2010 Die Titelsequenz liegt über einem Straßenzug in Berlin Mitte. Ampeln und Leuchtreklamen dominieren das Bild und werfen bunte Schlieren, die nahelegen, dass die Kamera hinter einer Glasscheibe positioniert ist. Danach, in kurzer Folge, drei Einstellungen von Trojan (großartig in seiner körperlichen Präsenz: Misel Maticevic, zuletzt unter anderem in den beiden tollen Dominik-Graf-Filmen "Eine Stadt wird erpresst" und "Das Gelübde" und auf der Berlinale außerdem in Grafs sehnsüchtig erwarteter Serie "Im Angesicht des Verbrechens" zu sehen). Er steht an einer Häuserfassade, blickt sich um und macht sich schließlich auf den Weg in einen Berliner Gangsterfilm. Trojan, gerade aus dem Gefängnis entlassen, betritt zunächst einen Hausflur, dann eine Wohnung, bald darauf eine weitere, er wartet in Straßencafes, er besorgt sich ein Auto, ist damit auf Berliner Straßen und in Berliner Parkhäusern unterwegs, bezieht ein Hotelzimmer mit denkbar unglamouröser Aussicht, funktionalisiert sein Leben wie der Film ihn und die Stadt funktionalisiert. Ziel der Funktionalisierung ist ein Geldtransporter, den Trojan mit einem alten Kollegen gemeinsam ausrauben will. Kriminalität als Handwerk, in Autowerkstätten, Straßencafes und unter Autobahnbrücken: Wie Can in Arslans erstem Genrefilm "Dealer" seine Drogenbriefchen verpackt hat, so lädt Trojan seine Waffe und die Kamera beobachtet ihn dabei: Patrone für Patrone. Und genau wie… Von Lukas Foerster

Der Ungeehrte

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2010

Nach der Vorführung des Films fragt eine Zuhörerin die Regisseurin Ilona Ziok sichtlich genervt, warum sie diese schrecklich dräuende Musik für ihren Film benutzt hat. Und für den Abspann dann auch noch Frank Sinatras "My way" herhalten musste. Ziok nimmt die Frage übel: "Das ist halt mein Stil. Das kann man mögen oder nicht", pampt sie zurück Als sich einige Zuschauer mit dieser Antwort nicht zufrieden geben, erklärt der Cutter Pawel Kocambasi: "Wir wollten unsere Sympathie für Fritz Bauer ausdrücken."
Von Anja Seeliger

Total kommensurabel: Banksys 'Exit Through the Gift Shop' im Wettbewerb

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2010 Banksy was here. Na, vielleicht auch nicht. Wer da ist, vor Start des Films, ist die Berlinale-Pressechefin Frauke Greiner. Sie kündigt eine kurze Filmbotschaft des englischen Künstlers an. Ton ab, Bild ab. Er sitzt da, mit Kapuzenjacke und schwarzem Gesicht und spricht mit technisch verzerrter Stimme zu uns. Macht Scherze und teilt mit, dass der nun folgende Film erstens durch und durch die Wahrheit erzählt und zweitens ganz gut sei, jedenfalls, wenn man die Erwartungen niedrig hält. Von Ekkehard Knörer

Innenleben einer Äffin: Nicolas Philiberts 'Nenette' im Forum

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2010 Angeblich reden Orang-Utans nur deshalb nicht, damit sie nicht arbeiten müssen. Ob sie nun nicht können oder nicht wollen - auf jeden Fall traut man den Menschenaffen eine gehörige Portion Klugheit zu. Umso mehr, wenn man Nenette, die Orang-Utan-Dame aus der Pariser Menagerie im Jardin des Plantes so betrachtet. Die Äffin verfügt durchaus über ein gewisses Maß an Lebenserfahrung, im Vergleich zu ihren Artgenossen hat sie schon ziemlich viele Jahre auf dem haarigen, rötlich-schimmernden Buckel. Nenettes 40. Geburtstag nahm der Dokumentarfilmer Nicolas Philibert zum Anlass, ihr Leben in dem Pariser Affenhaus zu porträtieren. Von Anna Steinbauer
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