Außer Atem: Das Berlinale Blog

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Big in Berlin: Shah Ruhk Khan in 'Don - The King is Back' (Berlinale Special)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2012 Es ist eine Szene wie aus einem alten Serial: Der Held steht inmitten in einer ausweglosen Situation, diverse Gewehrläufe sind auf ihn gerichtet, zwei, drei coole Sprüche - "Wo finde ich hier eigentlich ein gutes italienisches Restaurant, wenn ich mit euch fertig bin?" - sowie einen spektakulären Kampf einer gegen alle unter allerlei Verrenkungen und Zweckentfremdungen später bleibt dem Held nur noch, sich den Staub von der Kleidung zu klopfen und das Feld, auf dem sich die zuvor noch aufrechten Bösewichte nun in der Horizontalen stapeln, mit einem schelmischen Grinsen zu verlassen. Von Thomas Groh

Fehlt alles Familiäre: Rodrigo Plas Familienfilm 'La demora' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2012

Nichts Spektakuläres passiert in diesem Film. Es geht um eine Frau in Montevideo, eine Mutter, die mit ihrem Leiharbeitergehalt mit Mühe ihre drei Kinder ernähren kann, die dann auch noch ihren Vater versorgen muss (gleich am Anfang wäscht sie ihn, in der Dusche, das ist eine schöne Szene, wie es überhaupt schön ist, wenn sich das Kino dafür interessiert, wie ein Mensch einen anderen pflegt, schon, weil das Berührungen sind, die weniger "gespielt" erscheinen als zum Beispiel in Sex- oder Prügelszenen), die versucht, wenigstens diesen einen Teil des Terrors, der der Alltag für sie ist, von sich weg zu halten, die vom staatlichen Altersheim abgewiesen wird und auch von ihrer Schwester und die den alten, geistig verwirrten Mann dann einfach auf einer Bank neben einem Mietshaus sitzen lässt, ohne jeden Identitätsnachweis, in der Hoffnung, dass sich die offiziellen Stellen nun doch um ihn kümmern werden.
Von Lukas Foerster

Risse im Mädchentraum: Benoit Jacquots 'Les Adieux à la Reine' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2012 So nahe wie die junge Dienerin Sidonie (Léa Seydoux) kommt an Marie Antoinette (Diane Kruger) im Hofstaat von Versailles sonst nur Gabrielle de Polignac (Virginie Ledoyen), die lesbische Maitresse der Königin. Wohl jeden Morgen, darf man mutmaßen, findet dieses intime, zärtlich alberne Spiel zwischen der Vorleserin Sidonie und der Monarchin statt: Die Dienerin um Form und Haltung bemüht, wie alles steif und zugerichtet ist an diesem Hof, Marie Antoinette, als erste und - beinahe - einzige in diesem Film, körperlich ausgelassen, verspielt, fast kindisch herumtollend, wenn Sidonie ausgesucht Frivoles aus der Königlichen Bibliothek vorliest. Von Thomas Groh

Berlinalewettbewerb ohne Helden: Der sonnengebräunte Hintern des Klaus Lemke.

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2012 Gerade war Doris Dörrie unter viel Blitzlichtgewitter über den Roten Teppich gelaufen: Galavorführung zur Berlinale-Eröffnung. Ein bisschen hatte sie vor dem Festival geschimpft, wie avantgardistisch und unkommerziell doch die Berlinale sei und wie froh sie deshalb sei, dass ihr neuer Film nicht im Wettbewerb, sondern in der Resterampe-Sektion "Berlinale Special" zu sehen ist. Auf den Roten Teppich verzichtet sie dann aber doch nicht, den empfindlichen Minusgraden zum Trotz. Von Thomas Groh

Filmische Kartierung des Nachkriegsjapans: Kawashima Yuzo (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2012 Es ist fast schon Tradition geworden: seit ein paar Jahren präsentiert das Forum regelmäßig eine kleine Mini-Retro zu einem japanischen Regisseur. 2007 konnte man auf diese Weise Okamoto Kihachis formvollendete Gangster- und Schwertfilme wiederentdecken, im Jahr darauf die "pinku eiga" eines Wakamatsu Koji. 2012 ist die kleine Retrospektive einem fast Vergessenen gewidmet, der im Westen ohnehin nie wirklich bekannt war: Kawashima Yuzo. Kawashima wurde 1918 geboren und begann 1938 als Assistent in den Shochiku-Studios zu arbeiten; ab 1944 drehte er eigene Filme, und zwar genau 51, bevor er 1963 starb. Einen Platz in der japanischen Filmgeschichte hat Kawashima immerhin noch als Mentor von Imamura Shohei, zweifacher Palme-d'Or-Preisträger, der Kawashima als seinen wichtigsten Lehrer bezeichnet. Von Elena Meilicke
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