"Wir schaffen das!" - Der Satz der deutschen Kanzlerin aus dem Sommer 2015 ist sprichwörtlich geworden, aber die in ihm steckende Prognose wurde auch belächelt: Stand er für eine Selbstüberschätzung der Deutschen oder hat er eine Wendung der europäischen Asylpolitik in die Wege geleitet? Die Analyse der nationalen und globalen Entwicklungen auf dem Feld der Flüchtlingspolitik zeigt, dass politische Slogans nicht ausreichen. Es bedarf der Auseinandersetzung mit den rechtlichen und bürokratischen Realitäten, um zu verstehen, wie problematisch die Situation von Flüchtlingen nach wie vor ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.01.2023
Dass die Politik in Deutschland beim Umgang mit Geflüchteten auch nach Jahrzehnten noch auf Sicht fährt, anstatt eine tragende Strategie entwickelt zu haben: Das ist für Rezensent Werner Weidenfeld die maßgebliche Aussage der gesammelten Aufsätze seines Kollegen, des emeritierten Politikwissenschaftlers Alfons Söllner. Dieser begleitete die Aushöhlung des Asylrechts genauso kritisch, schreibt Weidenfeld, wie er Merkels "Willkommenskultur" begrüßte - um dann doch feststellen zu müssen, dass es noch immer an vernünftigen Integrationsmaßnahmen mangelt. So sei das Buch, das vorbildlich das Für und Wider der bundesdeutschen Asylpolitik darstelle, eine wichtige Grundlage zur Erklärung der gesellschaftlichen Gräben, die sich über die Jahre entwickelt haben und damit ein Spiegel der politischen Versäumnisse, schreibt der Rezensent.
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