Als Ende der 1980er-Jahre die Sowjetunion zusammenbrach, ahnte niemand, dass ein ehemaliger KGB-Agent sich über Jahrzehnte als russischer Präsident behaupten würde. Doch ein Alleinherrscher ist Wladimir Putin nicht. Seine Macht stützt sich vor allem auf ein Netzwerk früherer KGB-Agenten, dessen Einflussnahme weit über Russland hinausreicht.Catherine Belton, ehemalige Moskaukorrespondentin der Financial Times, hat mit zahlreichen ehemaligen Kreml-Insidern gesprochen. Etwas, das bisher einmalig sein dürfte. Es sind Männer, deren Macht Putin zu groß wurde und die nun selbst vom Kreml "gejagt" werden.Erbarmungslos beleuchtet sie ein mafiöses Geflecht aus Kontrolle, Korruption und Machtbesessenheit, und das gefällt nicht allen Protagonisten.Ihr Buch liest sich in all seiner Komplexität so spannend wie ein Agententhriller, doch vor allem enthüllt es, wie das System Putin uns alle mehr betrifft, als uns lieb ist.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 16.03.2022
Rezensent Jens Uthoff empfiehlt Catherine Beltons "investigatives Recherchebuch" über Putins Aufstieg vom KGBler zum Kremlchef, über Schwarzgelder, Kontakte zu Rechts- wie Linksterror, eine gesteuerte russische Justiz und Putins Großreichfantasien. Deutlich werden für Uthoff die Konsequenz, mit der Putin seine Ziele verfolgt, sowie die Mittel, die er dabei anwendet. Die genau recherchierte Arbeit zeigt laut Uthoff auch die globalen wirtschaftlichen Verbindungen Putins auf und stellt Putins "Vordenker" vor. Mitunter verliert der Rezensent vor lauter Personal und akribischer Detailarbeit der ehemaligen Moskau-Korrespondentin den Überblick, aber spannend ist es immer, versichert er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.03.2022
Der Osteuropahistorikerin Franziska Davies wird mit Catherine Beltons Buch noch einmal sehr eindringlich die Verflechtung westlicher Politik und Geschäftemacher mit dem System Putin vor Augen geführt. Die Moskau-Kennerin Belton erzählt laut Davies sozusagen die ganze Geschichte von Putin Aufstieg, von den Geheimdienst-Netzwerken über den zweiten Tschetschenienkrieg und die Erosion demokratischer Strukturen in Russland bis zur Kleptokratie und der "imperialen Mission" des Kremlchefs. Davies lobt die Rechercheleistung der Autorin, ächzt über die vielen Akteure und Details im Text und erkennt schließlich mit Schrecken das "strukturelle Problem" in einer Geschichte, die eben nicht nur in Moskau spielt, sondern ebenso in London, Berlin und New York.
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