Enrico Deaglio

Eine wahrhaft schreckliche Geschichte zwischen Sizilien und Amerika

Ein Essay
Cover: Eine wahrhaft schreckliche Geschichte zwischen Sizilien und Amerika
Edition Converso, Bad Herrenalb 2019
ISBN 9783981976311
Gebunden, 232 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Klaudia Ruschkowski. Mit zahlreichen Abbildungen. Enrico Deaglio rekonstruiert einen Fall von Lynchjustiz, der sich 1899 einige hundert Kilometer nördlich von New Orleans zutrug.In einer heißen Nacht im Juli 1899 war das unbekannte Städtchen Tallulah - ein winziger Fleck auf der Landkarte der Neuen Welt Schauplatz einer kollektiven, grundlosen und grausamen Lynchjustiz. Der Auslöser? Eine Ziege, die sich am Gras des Nachbargartens gütlich hielt, machte den weißen Gartenbesitzer so wütend, dass er das Tier erschoss. Daraufhin kam es zu einer größeren Schießerei. Unmittelbar fand sich eine weiße Menschenmenge zusammen und lynchte in einer Kollektivvergeltung fünf Menschen, sizilianische Bauern, alle aus ein und derselben Familie, ausgewandert aus der sizilianischen Stadt Cefalù. Armutsflüchtlinge.
In Wahrheit hatte die Geschichte wesentlich größere Ausmaße, war noch viel grauenvoller, infamer, mysteriöser, aber auch abenteuerlicher und beinahe wie im Märchen.Hier war eine Wirtschaftsmacht am Werk, die eine neue "verfluchte Rasse" brauchte und eine solche in den schlechtbeleumundeten sizilianischen Arbeitern ("Dagos") fand, eine Rasse, die die Stelle der befreiten Sklaven auf den Pflanzungen und Feldern einnehmen sollte. Eine transozeanische Deportation, die zu Zeiten Garibaldis konzipiert und von rassistisch gesinnten Wissenschaftlern, Landbesitzern, Regierenden während des Risorgimento befeuert wurde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.07.2019

Nachdrücklich empfiehlt Rezensentin Maike Albath diesen im Jahr 2015 im Original erschienenen Essay des italienischen Journalisten und Schriftstellers Enrico Deaglio: Basierend auf einem wahren Fall erzählt ihr der Autor die Geschichte von fünf italienischen Einwanderern, die von den Bewohnern Tallulahs im amerikanischen Louisiana im Jahre 1899 ermordet und geschändet wurden. Die Kritikerin bewundert nicht nur die enorme Rechercheleistung Deaglios, der in Archiven forschte und Artikel in der amerikanischen sowie in der italienischen Tagespresse sichtete, sondern lobt auch den erzählerischen Ton des Autors, der immer wieder "überraschende" Querverweise zu Kunst, Literatur, Wissenschaft und Zeitgeschichte einfügt. Vor allem aber lernt sie hier das Schicksal sizilianischer Einwanderer kennen, denen, nach dem Ende der Sklaverei in Louisiana als billige Arbeitskräfte für die Zuckerrohrernte angeworben, Rassismus und Ausbeutung begegnete. Die "irrationalen Ängste", die Minderheiten auslösen, kann der Autor Albath "zeitlos" - auch mit Blick auf das heutige Italien - eindringlich veranschaulichen.

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