Aus dem Französischen von Sabine Herting. Ein junger Mann stößt in Vilnius zufällig auf das Geburtshaus von Romain Gary. Dessen Roman "Frühes Versprechen" und der rätselhaften Gestalt des unscheinbaren Monsieur Piekielny verdankt er eigentlich sein Abitur. Denn Garys Roman war der einzige auf seiner Liste, den er überhaupt gelesen hatte, und über Monsieur Piekielny konnte er tatsächlich ein paar Sätze sagen. Wer war dieser Mann?
Der vaterlose Gary, damals noch Roman Kacew, lebte in den 1920er Jahren mit seiner Mutter in Vilnius. Während der Ehrgeiz der Mutter, die in ihrem Sohn das zukünftige Genie sah, eher für Belustigung sorgte, lud Monsieur Piekielny den jungen Romain zum Tee ein und bat ihn, sollte er einst berühmt werden, sich seiner zu erinnern und ab und zu seinen Namen zu erwähnen - was Gary später tatsächlich immer wieder tat. Er hat Monsieur Piekielny niemals vergessen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.07.2018
Rezensent Alex Rühle hat seinen Spaß mit François-Henri Désérables Buch. Teils Roman, teils Biografie, teils Geschichtsbuch und teils raffinierter Text über die Fallen der Fiktion, erscheint ihm das Ganze als eines der originellsten Bücher der Saison. Vom Autor über die haarsträubende Lebensgeschichte Romain Garys und die Fragwürdigkeit des Erzählens belehrt, schwirrt Rühle bald der Kopf, weil der Autor den nahtlosen Übergang von den Fakten zur Fiktion so gut beherrscht und er Garys anhand von akribischen Recherchen zusammengestellte Geschichte mit der Vernichtung der litauischen Juden und Überlegungen zum Verbleib eines gewissen Monsieur Piekielny gekonnt erzählerisch verbindet.
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