Aus dem Französischen von Eugen Helmle. In der winzigen Pariser Mansarde klingelt wie jeden Morgen der Wecker. Heute gälte es, das Examen anzutreten doch der junge Mann steht nicht auf. Er beschließt, an diesem Leben, das ihm nichts mehr zu geben hat, keinen Anteil mehr zu nehmen. Während über den Dächern von Paris die Sommerhitze brütet, überlässt er sich einem gefährlichen Selbstexperiment.Georges Perecs drittes Buch ist die Geschichte einer radikalen Verweigerung. Noch vor der Oulipo-Zeit entstanden, ist dieser ganz in der Du-Perspektive geschriebene Roman eine Meditation über den Stillstand, eine Etüde über die Leere. Die brüchige Schönheit, die Perec der Selbstisolation verleiht, und die außergewöhnliche literarische Qualität machen "Ein Mann der schläft" (1967) zu einem modernen Urtext der Melancholie, der eine ganze Schriftstellergeneration inspirierte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2012
Dieser Held darf Traumwandler sein, freut sich Katharina Teutsch. Realismus ist Georges Perec eher fremd. In dem 1967 erschienenen Roman, der laut Teutsch lange vergriffen war, schickt der Autor einen Weltflüchtigen auf Erkenntnistour. Teutsch bezeichnet das Buch als Fingerübung für Späteres. Eine Frühform des Schreibens unter formalen Vorgaben, wie es die von Perec geschätzte Gruppe um Raymond Queneau propagierte. Für Teutsch bietet sich dem Autor so die Möglichkeit, schärfer zu formulieren. Den schlafwandelnden Helden des Buches sieht Teutsch als experimentelle Figur eines Autors, der an den Möglichkeiten seiner Fantasie zweifelt.
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