Das große A
Roman

Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783803133694
Gebunden, 272 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner. Die Lombardei im Zweiten Weltkrieg: Die Menschen suchen Zuflucht vor ständigen Bombenangriffen, deutsche Besatzer jagen Partisanen, das Essen wird rationiert. Die 13-jährige Giada wohnt bei ihrer Tante, einer gläubigen Faschistin, Gewalt und Entbehrung prägen den Alltag. Also träumt sich Giada fort, träumt vom "Großen A": Afrika, wo ihre Mutter Adele in den italienischen Kolonien angeblich ein abenteuerliches, unabhängiges Leben führt. Und wirklich: Nach Kriegsende holt die Mutter sie zu sich nach Eritrea. Doch die großen Erwartungen werden enttäuscht: Dauerhitze und die Arbeit in Adeles Bar am Rand der Wüste haben so gar nichts Märchenhaftes an sich. Und sogar der Kaffee schmeckt nach Salzwasser. Eritrea ist auf dem Weg in die Unabhängigkeit, die verbliebenen Kolonisten ringen um eine Zukunft unter den neuen Machtverhältnissen. Und die schillernde Mutter erstickt jeden Freiheitsdrang, bis Giada den charmanten, aber undurchsichtigen Giacomo kennenlernt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.10.2024
Giulia Caminito legt eine meisterhafte Erzählung über das Leben italienischer Kolonialheeren in Eritrea vor, lobt Rezensent Jörg Häntzschel. Caminito erzähle die Geschichte einer Mutter, die sich während des Krieges in Eritrea in einem abgelegenen Dorf niederlässt und nach dem Krieg ihre Tochter aus Italien nachholt. Dort kommt sie mit den reichen Siedlern in Kontakt, findet aber nie ihren Platz in der Stadt am Roten Meer. Italien ist gerade besiegt worden, die Kolonisten müssen einsehen, dass sie bald ihre Sachen packen müssen, so der Kritiker. Caminito malt das Bild einer Welt, in der niemand weiß, wohin, und Häntzschel lässt sich von Caminitos eleganter Prosa mitreißen. Problematisch findet er nur, dass das Buch über Afrika geschrieben wurde, ohne die Afrikaner zu Wort kommen zu lassen - heute würde das Buch sicher anders aussehen, gibt der Rezensent zu denken. Trotzdem: für den Kritiker ist das "brillantes Arthousekino auf Papier".
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 12.10.2024
Dass Kolonialismus für das allgemeine Lesepublikum mehr und mehr von Interesse ist, sieht Rezensentin Nina Apin als einen Glücksfall, denn nun kann der Debütroman der Römerin Guilia Caminito auch auf Deutsch gelesen werden. Es geht um die 13-jährige Giada, die im faschistischen Italien aufwächst, ihre Mutter hat eine Bar in Eritrea, wohin sie die Tochter im Laufe des Romans auch mitnimmt. Vor Apins Augen entsteht ein "geschichtenpralles Panoptikum des Lebens in Italienisch-Ostafrika", in dem Caminito mit großer Kraft und literarischer Geschichtlichkeit von Misogynie, Kolonialismus und auch ihrer eigenen Familiengeschichte erzählt. Ein äußerst überzeugendes Buch, resümiert Apin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.08.2024
Eine ungewohnte Perspektive auf Italien erlebt Rezensentin Maike Albath mit Giulia Caminitos Roman "Das große A": Er behandelt die noch immer literarisch nahezu unbeleuchtete Kolonialgeschichte des Landes in Ostafrika. Die Protagonistin Giada hat während des Zweiten Weltkrieges in Norditalien bei ihrer Tante ausgeharrt, jetzt darf sie zu ihrer Mutter ausreisen, die in Eritrea, inzwischen englisches Mandatsgebiet, eine Bar führt, erzählt Albath. Dort macht Giada die Entwicklung zur Erwachsenen durch, bis die Italiener "in Eritrea keine Zukunft" mehr haben - ein spannendes, widersprüchliches Bild von Italien als Kolonialmacht, das sich hier für Albath abzeichnet.