Taschenbücherbrief

Taschenbücherbrief September 2025

Die besten Taschenbücher des Monats Von Arnim Eisenhut
21.09.2025. Eine Taschenbücherliste, wie sie der Perlentaucher für seinen Buchladen eichendorff21 macht, gibt es in Deutschland sonst nicht: Wir filtern die neu erscheinenden Taschenbücher nach Rezensionen der Originalausgaben. In unserer Taschenbücherliste befinden sich also nur Qualitätstitel. Und das beste: Einmal im Monat kommt die Liste jetzt als "Taschenbücherbrief"! Mit einer persönlichen Empfehlung von Perlentaucher Arnim Eisenhut.
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Wir läuten den Taschenbücher-Herbst ein mit einer exzellenten Auswahl: Giulia Caminitos Roman "Das große A" etwa, in dem uns die italienische Autorin die noch immer literarisch nahezu unbeleuchtete Kolonialgeschichte Italiens in Ostafrika erzählt: Wir folgen der 13-jährigen Giada, die von ihrer Mutter nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem faschistischen Italien nach Eritrea geholt wird und sich dort zunehmend fremd fühlt. Die taz lobte den Roman als "geschichtenpralles Panoptikum des Lebens in Italienisch-Ostafrika", die SZ nannte den elegant geschriebenen Roman "brillantes Arthousekino auf Papier".

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So erhitzt wie über Gabriel Garcia Marquez' posthum veröffentlichten Roman "Wir sehen uns im August" wird in den Feuilletons selten gestritten: In dem Fragment, das Marquez mit beginnender Demenz schrieb und das er nie veröffentlichen wollte, erzählt er die Geschichte einer älteren Frau, die alljährlich Blumen auf dem Grab ihrer Mutter auf einer karibischen Insel niederlegt und dort regelmäßig mit einem Mann schläft. Ein "poetisches Kammerstück über das Verkümmern der Liebe" nannte die FAZ den Roman, komponiert wie ein Rondo erschien er der FR und als würdigen Schlusspunkt von Marquez' Werk wertete die NZZ das Buch. Die Zeit schimpfte allerdings: "Seicht, konventionell und läppisch", die FAS sah es ähnlich. Wir werden uns selbst überzeugen müssen.

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Ronya Othmanns "Vierundsiebzig" wurde vom SWR zum Buch des Jahres 2024 gewählt - und das zurecht: Wenn uns die Tochter eines Jesiden hier von Reisen nach Kurdistan, von Ermordung, Vertreibungs- und Fluchtgeschichte ihrer Familie, überhaupt vom Genozid an den Jesiden nach dem 74. Ferman durch den "Islamischen Staat" erzählt, folgen die KritikerInnen so atemlos wie bewegt: Eine "großangelegte Schmerzensdarstellung" las die FAS, während der taz gerade die "kleinen Alltagsschilderungen" imponierten. "Bedeutsamer" war autobiografisches Schreiben "hierzulande lange nicht mehr", konstatierte die FAZ.

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Preisgekrönt, nämlich zum Sachbuch des Jahres 2024, wurde auch Christina Morinas "Tausend Aufbrüche". Gerade als die Ost-West-Debatte wieder einmal besonders hitzig geführt wurde, überraschte die Historikerin mit ihrer These: Sie legte dar, dass es sich bei der DDR um eine "partizipatorische Diktatur" handelte, die die Bürger nach dem Motto "Plane mit, arbeite mit, regiere mit!" zur Mitwirkung aufforderte. Die SZ begrüßte, wie Morina anhand zahlreicher Bürgerbriefe so ein ganz DDR-spezifisches Bild von direkter Demokratie zeichnete. Ein "erhellendes, vielschichtiges Zeitbild" las die FAS.










Persönliche Empfehlung von Arnim Eisenhut zu Valery Tscheplanowas Roman "Das Pferd im Brunnen"

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Mit das "Pferd im Brunnen" legte die in Kasan in der ehemaligen Sowjetunion geborene Schauspielerin Valery Tscheplanowa im vergangenen Jahr ihren autobiografisch geprägten Debütroman vor. Aber dieser feine, schmale Roman hat nichts gemein mit der Vielzahl an SchauspielerInnen-Bekenntnissen. Im Gegenteil: Das Dramatische ist Tscheplanowa hier so fremd wie den vier resoluten Frauen, die wir über vier Generationen hinweg begleiten dürfen. Auf Chronologie verzichtend und zwischen Russland und Norddeutschland springend skizziert Ich-Erzählerin Walja in Fragmenten die Lebensgeschichten von Urgroßmutter Tanja, Großmutter Nina und Mutter Lena. Dabei gelingt Tscheplanowa das Kunststück, mit wenigen, präzisen Strichen derart lebendige, eigensinnige Figuren zu zeichnen, dass wir meinen, die Frauen persönlich gekannt zu haben. Wer könnte die kühle, eiserne Urgroßmutter Tanja vergessen, die so gut lügen konnte und die Menschen, die sie interessant fand, solange verfolgte, bis sie mit ihnen ins Gespräch kam? Oder Großmutter Nina ("unglücklich, aber gelassen"), die ihre über ihren Körper klagende pubertäre Tochter Lena im Prothesenwerk arbeiten lässt? In Fragmenten setzen sich die harten Schicksale der Frauen zusammen - dabei führt Tscheplanowa ihre Figuren weder vor, noch verliert sie ein sentimentales Wort. Vielmehr nähert sie sich ihnen in einer unmittelbaren, klaren und doch sanften und intensiven Sprache.

Die Liste der Taschenbücher des Monats September finden sie bei unserem Buchladen eichendorff21.

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