Horst-Eberhard Richter

Des Ende der Egomanie

Die Krise des westlichen Bewusstseins
Cover: Des Ende der Egomanie
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2002
ISBN 9783462030877
Unbekannt, 200 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Nur die Bewährung in Gegenseitigkeit schützt das Leben. Keine noch so überlegenen Machtmittel mindern die eigene Verletzbarkeit. Horst-Eberhard Richter untersucht, wie sich das klassische individualistische Menschenbild seit der Renaissance entwickelt hat. Aus der ursprünglichen Glaubensgemeinschaft des "Wir" hat sich das "Ich" verselbständigt. Es ist eine am früheren göttlichen Vorbild orientierte Kultur eines egoistischen Allmachtswahns entstanden. Zum leitenden Antrieb wurde ein unbändiger Bemächtigungswille, der schließlich in einen rücksichtslosen Wettkampf um die Erringung einer absoluten ökonomisch-technischen Herrschaft eingemündet ist. Die künstliche Vorstellung von einem individuell abgeschlossenen seelischen Apparat ist Produkt eben jenes egoistischen Bemächtigungswillens. Hoffnung schöpft Richter aus dem Anwachsen der neuen Bewegung, die sich gegen die ungleiche Verteilung der Globalisierungs-Gewinne wendet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.12.2002

Rezensent Alexander Kissler hat nichts für das Buch des Pazifisten Horst-Eberhard Richter übrig. Deshalb vergleicht er es in seiner Einleitung auch recht ausführlich mit den Songs von Friedensaktivist und Liedermacher Pete Wyoming Bender, von dem er offensichtlich auch nicht viel hält. Besonders wütend macht den Rezensenten an diesem "selbstverliebten, schlampig formulierten Besinnungsbüchlein" die einseitige und pastorale Aburteilung des Westens als das machtbesessene Böse und des Mannes als inhumanes Wesen. Der "gesamte Westen", zitiert der Rezensent den Buchautor, leide an einer "phobisch paranoiden Störung". Gleichzeitig, so wird Richter weiter zitiert, wüssten allein die Frauen um die "menschliche Wertedimension". Die Unbill dieser Welt, resümiert der Rezensent, seien in "Richters monochromer Retro-Welt das Resultat eines unreifen männlichen Bemächtigungswillens". Der Rezensent hat aber keine Lust, als Mann die "Schuld seines Geschlechts abtragen" zu müssen, und wirft Richter stattdessen hermeneutische Fehler vor, weil er von Selbstaussagen der Terroristen des 9. September Aufschlüsse über ihre Motive erwarte. Verwundert ist der Rezensent, dass Richter, dem Bündnis attac als einziges "Realsymbol der vereinten Gegensätze" ansehe und den deutschen Bundeskanzler zu einem "nachdenklichen Mann" küre von dem bald "eine fortschreitende Humanisierung ausgehe".

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