Populisten reklamieren für sich, sie seien die einzige Stimme des wahren Volkes; gleichzeitig gelten sie vielen als Bedrohung der Demokratie. Angesichts dieser unübersichtlichen und oft von Alarmismus geprägten Debattenlage tritt Jan-Werner Müller einen Schritt zurück und fragt nach den leitenden Prinzipien dieser Regierungsform: Was bedeutet Freiheit, wenn wir das Regieren an andere delegieren? Wie viel ökonomische Ungleichheit ist noch mit der Grundanforderung politischer Gleichheit kompatibel? Wie kommen wir mit Verfahren zurecht, deren Ergebnisse notwendigerweise ungewiss sind? Demokratie ist, so Müller, nicht zuletzt auf funktionierende vermittelnde Institutionen angewiesen: auf unabhängige Medien, die Öffentlichkeit schaffen, auf Parteien, die politische Konflikte auf demokratische Weise strukturieren - und vor allem auf mobilisierte Bürgerinnen und Bürger, die bereit sind, unbequem, ja sogar ungehorsam zu sein, um demokratische Prinzipien zu verteidigen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2021
Rezensent Günther Nonnenmacher lobt die Fähigkeit des Politikwissenschaftlers Jan-Werner Müller, komplexe wissenschaftliche Inhalte auch für Nicht-Politologen verständlich zu machen. Wenn der Autor antritt, Demokratie und ihre Funktionsweise zu erläutern, kommt laut Nonnenmacher auch ein Widersacher der Demokratie in den Blick: der Populismus. Wie Orban, Trump und Erdogan sich demokratische Institutionen gefügig machen, erfährt der Rezensent von Müller ebenso wie er die Infrastruktur der Demokratie im Buch kennenlernt. Ganz vorn mit dabei: Parteien und ihre Organe.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.05.2021
Rezensent Jens Balzer schätzt die Hoffnung wider besseres Wissen, die aus Jan-Werner Müllers Verteidigung der Demokratie spricht. Wenn der Politikwissenschaftler die Grundlagen der Demokratie zunächst einmal feststellt, freie Wahlen, aber vor allem eine vitale "demokratische Infrastruktur", Justiz, Meinungsfreiheit, ist der Rezensent dankbar für diese Erinnerung. Dass Müller auch auf die Möglichkeit, Wahlen zu verlieren, als weiterer demokratischer Basisfunktion hinweist, findet Balzer richtig. Die Analysen des Autors scheinen Balzer genau, überzeugend und von "marxistischer Eindeutigkeit", seinen Aufruf zur Verteidigung der Demokratie legt er allen Lesern ans Herz.
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