Mit 26 Abbildungen. Maos Enkel sind konsumorientiert, surfen im Internet und treffen sich in Cafes. Gleichzeitig müssen sich viele als Wanderarbeiter verdingen, leiden unter korrupten Managern und Parteifunktionären. Widersprüchlichkeit ist das Kennzeichen des Landes. Während die Städte boomen, die Superreichen im Luxus schwelgen und die Mittelschichten bescheidenen Wohlstand anhäufen, sind die Bauern die Verlierer der Modernisierung. Die Wachstumsraten sind durch schwere Umweltschäden erkauft, die Ein-Kind-Politik stoppt die Bevölkerungsexplosion, führt aber auch zu einer zunehmenden Überalterung der Gesellschaft. Ansätzen einer Zivilgesellschaft stehen das ungebrochene Machtmonopol der kommunistischen Partei und zahlreiche Menschenrechtsverletzungen gegenüber. Wer sich nicht mit den gängigen Stereotypen über China zufrieden geben will, für den blickt Petra Kolonko in diesem Buch hinter die Kulissen und beschreibt die Lebensrealität des neuen China.
Angesichts des wachsenden Interesses an China als Global Player empfiehlt Rezensent Tilman Spengler vier neue Sachbücher. Petra Kolonko, langjährige China-Korrespondentin für die FAZ, würdigt der Rezensent als verlässliche China-Kennerin. Ihrem Buch "Maos Enkel", merkt man die Trauer um die "Verluste" der letzten Jahre um des Fortschritts willen deutlich an, stellt Spengler fest. Er hat facettenreiche und kluge Reportagen über das Elend der Wanderarbeiter, über verbrecherische Pharmaunternehmen oder das Schicksal von Dissidenten gelesen und findet es bewundernswert, wie die Autorin immer wieder erhellend Alltagsbeobachtungen mit der großen Politik in Beziehung setzt.
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