Wolfgang Huber ist einer der prominentesten Protestanten in Deutschland. Ob als Wissenschaftler, erster "Nach-Wende"-Bischof in Berlin oder EKD-Ratsvorsitzender - sein Wirken hatte und hat eine weit reichende Strahlkraft. Wo schlägt das Herz Wolfgang Hubers?
Alexander Cammann preist die Biografie, die Philipp Gessler jetzt über den ehemaligen Bischof und EDK-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber vorgelegt hat, als überaus erhellend. Der taz-Redakteur Gessler kann darin nicht nur mit interessanten privaten Einblicken in Hubers Leben aufwarten, er hat zudem auch viele Wegbegleiter und Gesprächspartner des bis heute politisch aktiven Theologen für sein Buch interviewt, würdigt Cammann. So wird Huber dem Rezensenten nicht nur in vielen Facetten sichtbar. Gessler erklärt auch überzeugend, woraus sich Hubers Leidenschaftlichkeit und sein politisches Engagement speist, indem er einerseits seine Herkunft aus einem "bildungsbürgerlichen Intellektuellenhaushalt", andererseits die Auseinandersetzung mit der fragwürdige Rolle des Vaters in der NS-Zeit beleuchtet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2012
Reinhard Bingener interessiert vor allem die Kontinuität der Wandelbarkeit in der Biografie des Theologen und Sozialethikers Wolfgang Huber. Betreffend die Wandlungen selbst im Lebenslauf Hubers, die der Historiker und taz-Redakteur Philipp Gessler in seinem Buch getreulich anhand von Hubers Zeit als Bischof in Berlin und als Vorsitzender der EKD, anhand seiner Haltung zur Ökumene, zum Islam, zur Bioethik abhandelt, hebt Bingener vor allem die Vielschichtigkeit von Hubers Kirchenpolitik hervor. Wie der differenziert Hubers Bild zeichnende Autor findet er den Begriff der Wendigkeit im Zusammenhang mit Huber eher unpassend. Über die Umstände des Scheiterns von Hubers Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten hätte er von Gessler gern mehr erfahren. Ebenso über die weitreichenden Vernetzungen des prostestantischen Milieus, dem Huber entstammt und innerhalb dessen die besagte Kontinuität der Wandelbarkeit besteht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.06.2012
Viel erfahren hat Rezensent Joachim Frank in dieser Biografie seines Kollegen Philipp Gesslers über den früheren Bischof Wolfgang Huber. Vor allem Gesslers Ausführungen zum familiären Hintergrund haben dem Rezensenten erklärt, woher der politische Führungsanspruch des protestantischen Bischofs rührte, der nicht ungern Bundespräsident geworden wäre: Sein Großvater war Reichsgerichtspräsident, sein Vater unter den Nationalsozialisten ein maßgeblicher Staatsrechtler. Aber auch dass Huber schneidende Intellektualität ihm nicht immer nur Sympathien eingebracht hat, erfährt Frank in diesem Buch, der sich weitergehender Urteile zu dem Buch enthält, das er aber offenbar mit Gewinn gelesen hat.
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