Pierre Guyotat

Grabmal für fünfhunderttausend Soldaten

Sieben Gesänge
Cover: Grabmal für fünfhunderttausend Soldaten
Diaphanes Verlag, Zürich 2014
ISBN 9783037342152
Gebunden, 654 Seiten, 34,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Holger Fock. Besatzer und Rebellen kämpfen um die Städte Inamenas und Ekbatana, Schauplatz: ein fiktives Land in Nordafrika. In einem Jahrhundert unvordenklicher Gräuel und Gewalt exzesse ist dieser Text das auf die Spitze des Grässlichen getriebene Sinnbild jedes Kriegs, markiert den point of no return jeder moralischen und literarischen Konzeption des Bösen. In abgerissenem Stakkato, in archaischem Singsang entfaltet Guyotat Szenen von Folter, Versklavung, unentwegter mörderischer und sexueller Gewalt. Sadismus ist gang und gäbe, absolut und ausweglos gilt das Gesetz des Siegers. Und er schildert die ungeheuerliche Menschlichkeit in all diesen Szenen: obszön und schön. Das radikale, ikonoklastische Epos eines der letzten Avantgardisten der Literatur.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.02.2015

Eine einzige Zumutung ist dieses Buch für Thomas Laux. Ob Pierre Guyotat darin seine Erfahrungen als Soldat im Algerienkrieg verarbeitet, spielt für den Rezensenten gar keine Rolle. Zu krude, zu sehr entfernt von jeglicher Gattung und Handlungstruktur scheint ihm, was der Autor hier aufschreibt. Gewaltexzesse einer Soldateska in Endlosschleife, die beim Rezensenten bald keinen Schrecken mehr generieren, nur noch Ratlosigkeit und Widerwillen. Ein komplett pervertierter Naturalismus des Grauens, meint Laux angewidert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2014

Klingt reichlich anstrengend, was Rezensent Niklas Bender da über Guyotats Roman erzählt: ein monströses Sammelsurium ohne Punkt und Komma, das nach Körpersekreten aller Art duftet und nur bei ausreichend Lust auf Assoziation und Transgression genießbar scheint. Eingebaut hat Guyotat neben all den päderastischen Kardinälen und anderen Perversionen auch noch den Zweiten Weltkrieg und den Algerienkonflikt. Bender fragt sich zwar, ob das alles nicht ein bisschen complaisant und démodé ist und diese Radikalgesten aus den Sixties nicht eher ermüden, er verweist auf den inzwischen papieren wirkenden Kontext von Phillip Sollers und seiner Zeitschrift "Tel Quel", aber am Ende gibt er doch eine klare Leseempfehlung wegen passagenweise zu verspürender "hypnotischer Wirkung".

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