Richard Overy

Warum Krieg?

Cover: Warum Krieg?
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783737102087
Gebunden, 368 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Henning Thies. Warum führen Menschen Krieg? Die Antworten auf diese Frage sind so vielfältig wie die Formen kriegerischer Konflikte selbst. Gehört Krieg zur menschlichen Natur, ist er Ausdruck eines aggressiven menschlichen Triebs? Wie hängt Krieg mit dem Wettbewerb um ökonomische Vorteile zusammen, wie verhält er sich zur Frage staatlicher Sicherheit? Was hat Krieg mit Religion und Ideologie zu tun, was mit dem Streben nach Macht oder mit den Veränderungen des Klimas? Richard Overy erkundet die Jahrtausende, von den Anfängen der Menschheit bis heute. Er rekonstruiert längst vergangene Konflikte zwischen Jägern und Sammlern, blickt zurück auf das Römische Imperium und seinen unersättlichen Hunger nach Ressourcen, führt uns mit Alexander dem Großen, Napoleon und Hitler die Auswirkungen politischen Machtwillens vor Augen und zeigt etwa anhand des aktuellen Konflikts in der Ukraine, wie sich verschiedene Ursachen für Krieg überlagern und gegenseitig befeuern.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.10.2024

Rezensent Michael Kuhlmann findet das Buch des britischen Historikers Richard Overy lesenswert. Die Frage, warum es Krieg gibt, beantwortet der belesene Wissenschaftler laut Kuhlmann überzeugend, indem er humanwissenschaftliche Erkenntnisse und Erkenntnisse der Geschichts-, Sozial- und Politikwissenschaften genauer unter die Lupe nimmt. Besser schneiden bei Overy letztere ab, da sie immer auch auf die Verhinderung von Kriegen abzielen, erklärt Kuhlmann. Wie Hybris und Machtgier wirken, untersucht Overy an den Fallbeispielen Alexander der Große, Napoleon und Hitler und kommt mit neorealistischen Ansätzen schließlich zur Frage, wie mit Kriegsrisiken umzugehen ist. Dass Overy sich aber vor allem auf die Ursachenforschung beschränkt, ist für den Rezensenten kein Makel. Das Buch erklärt, wo Gefahr lauert und wer für den Frieden die Verantwortung trägt, meint Kuhlmann: wir alle.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2024

Ziemlich verhoben hat sich Richard Overy mit diesem Buch, findet Rezensent Stephan Speicher. Overy, Historiker und anerkannter Spezialist für den Zweiten Weltkrieg, beschäftigt sich darin, lernen wir, mit der Frage, wie es dazu kommt, dass Menschen einfach nicht aufhören, Kriege zu führen. Overy beschäftigt sich laut Speicher zunächst mit von ihm so benannten deterministischen Faktoren, die er in Disziplinen wie Biologie, Psychologie und Anthropologie ausfindig macht. Hier wird unter anderem die Frage erörtert, ob Menschen die Neigung zum Krieg aus dem Tierreich übernommen haben, oder ob auch schon in der menschlichen Frühgeschichte Kriege existierten, referiert der Rezensent. Inzwischen, rekonstruiert Speicher das Argument, geht man davon aus, dass kriegerische Gewalt nicht nur eine Erfindung des modernen Menschen ist, sondern auch genetische und andere Faktoren eine Rolle spielen. Freilich ist der Rezensent von der Lektüre keineswegs überzeugt, freilich nicht aufgrund inhaltlicher Differenzen, sondern weil Overy schlicht nicht gut argumentiert und sich das Wissen in den ihm fremden Disziplinen nur oberflächlich angelesen hat. Selbst wenn der Autor sich schließlich im engeren Sinne historischen Fragen und damit seinem eigenen Feld zuwendet, wird Speicher mit dem Buch nicht glücklich, weil Overy zum Theoretiker schlicht das intellektuelle Format fehlt. Schuster, bleib' bei Deinen Leisten, so das Fazit.

Buch in der Debatte

9punkt 18.12.2024
Warum gibt es Kriege? Der Historiker Richard Overy, der auch ein Buch zum Thema geschrieben hat, erklärt im FR-Interview, dass die "Frage der Unsicherheit" eine der Hauptursachen für kriegerische Konflikte ist. Wie sollte Europa mit Agressoren wie Russland umgehen? Unser Resümee

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