Herausgegeben von Gerhard Schuster und Hans Zimmermann. Das Berlin von der Novemberrevolution 1918 bis zur Inflation, später die italienischen Villendomizile bilden die Kulissen dieser Briefe, zuerst des Vierzigjährigen an die junge Bremerin, später an die Mutter von vier Kindern. Ausführliche Schilderungen gelten dem täglichen Schreibtischgeschäft, dem Gärtnern, den Begegnungen mit Freunden in Italien. Durchmischt mit leidenschaftlichen Liebesgedichten an Marel dokumentieren die drei Bände durch die Kriegsjahre und bis zu Borchardts Tod im Januar 1945 eine Liebesbeziehung, die trotz aller Zerreißproben niemals ernsthaft infrage steht - getragen allein von Marie Luise Borchardts Lebensklugheit und Lebensenergie, der in diesen Briefen das schönste Denkmal gesetzt wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.01.2015
Für Jens Malte Fischer stehen die 1200 Seiten mit den Liebesbriefen Rudolf Borchardts an seine Frau Marie-Luise Borchardt in einer Reihe mit den großen Liebesbriefkonvoluten des 20. Jahrhunderts, denen Kafkas oder denen von Karl Kraus, prall mit Innigkeit, Überspannungen und schönstem Schmelz, aber auch mit der Historie um 1933, wie Fischer anmerkt. Zum Glück hinzu kommt für den Rezensenten die mustergültige Ausgabe mit einem Herausgeber-Kommentar und einem Essay, der Fischer diesem Autor gemäß erscheint.
Dass Briefe Kunst sind, ein Sprachfest, weiß Martin Walser spätestens seit der Lektüre von Rudolf Borchardts in drei Bändern edierten Liebesbriefen an seine Frau Marie Luise Voigt. Mitunter sind sie Gedichte voller Kraft und Sprachreichtum außer jeder Kategorie, findet Walser. Über das Nichtnachlassen dieser Kraft in 298 Briefen kann er nur staunen. Ebenso darüber, wie dieses Texte immer die ganze Welt produzieren in den höchsten Sätzen, aber ohne es darauf abzusehen, wie Walser erklärt. Ihn betören "Sinnlichkeitsmomente" und Reflexion, "Metaphern-Gewitter" und eine Sprachgewalt, der die Adressatin, wie Walser einräumt, nicht genügen kann. Macht aber nichts, meint der Rezensent, schon angesichts des 79-seitigen Hauptbriefs, dieser Biografie in Briefen, dieses wichtigsten Textes über den Dichter Borchardt, wie Walser findet.
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