Mit Abbildungen. Mit einem Nachwort von Monika Beer. In 33 Annäherungen zeichnet die Autorin Sabine Zurmühl ein differenzierteres Bild der heute vorwiegend mit Antisemitismus und künstlerischem Starrsinn assoziierten Cosima Wagner. Deren langes, sich Skandalen aussetzendes Leben ist mit vielen Brüchen und dem Wechsel der Aufenthalte und Sprachen durchzogen. Die mit dem Dirigenten Hans von Bülow verheiratete Tochter des Starpianisten Franz Liszt und der französischen Hochadeligen Marie d'Agoult entscheidet sich frei und mutig zum skandalisierten Liebesverhältnis mit Richard Wagner, schützt und stützt den Komponisten bei seinem Weg zur Anerkennung. Nach Wagners Tod etabliert sie die Bayreuther Festspiele und schreibt damit Theatergeschichte. Mit ihrer Leidenschaft, ihrer Selbständigkeit, ihrer Hartnäckigkeit und ihrer unbeirrbaren Klarheit als Person des öffentlichen Interesses lebte Cosima Wagner ein provokantes und auf ihre Weise selbstbestimmtes Leben jenseits vorgegebener Regeln und Normen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2022
Rezensent Stephan Speicher liest Sabine Zurmühls Biografie über Cosima Wagner mit einigem Unverständnis. Dass die Autorin Wagner in 33 Kapiteln eher unkritisch als "innerlich unabhängige" Persönlichkeit darstellt, dabei aber vor allem die Ehe mit Wagner in den Blick nimmt, während sie die Ära nach Wagners Tod nur anreißt, findet Speicher bedauerlich. Immerhin fehlen so fast 50 Jahre, in denen Cosima einen starken Nationalismus entwickelte, für Speicher ein wichtiges Thema, das die Autorin weitgehend ausspart. Wer sich für Cosimas Seelenleben und nicht für ihre (künstlerischen) Taten interessiert, ist bei Zurmühl richtig, so Speicher etwas zerknirscht.
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