Ein Jahr nach der "Wiedervereinigung" begann im Herbst 1991 eine dramatische Eskalation rechter Gewalt. Attacken gegen Juden, Menschen mit anderer Hautfarbe, politischer Gesinnung oder sexueller Orientierung hatte es bereits zuvor in der Bundesrepublik und in der DDR gegeben. Ebenso Gewalt gegen Menschen mit Einwanderungsgeschichten, Wohnungslose, Gothic-Fans und Punks. Doch im September 1991 setzten in Hoyerswerda schwere Angriffe auf die Unterkünfte von Geflüchteten, Arbeitsmigrantinnen und -migranten eine dramatische Gewaltspirale in Gang, die allein in den folgenden zwei Jahren mehr als 4 000 schwere Gewalttaten nach sich zog, darunter über 1200 Brandanschläge.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.07.2023
Rezensent Dietmar Süß erinnert sich bei der Lektüre des von Till Kössler und Janosch Steuwer herausgegebenen Sammelbandes über rechte Gewalt in den Jahren nach der Wiedervereinigung an die sogenannten Baseballschlägerjahre, in denen Berichte über Hetzjagden von Neonazis auf Migranten an der Tagesordnung waren. Allerdings zeichnet sich der Band laut Dietmar Süß gerade dadurch aus, dass er auch weniger gut erinnerte Aspekte des Themas in den Blick rückt, wie etwa die Tatsache, dass auch die Bonner Republik keineswegs frei von rechter Gewalt war. Der Rezensent umreist die behandelten Themengebiete, ein wenig ausführlicher geht er auf einen Beitrag Stefan Zeppelfelds ein, der sich mit den lange äußerst mühsamen Versuchen von Migranten beschäftigt, die deutsche Öffentlichkeit für ihre Anliegen zu interessieren.
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