Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.04.2025 - Architektur

Der deutsche Holzpavillon, den das Stuttgarter Architekturbüro LAVA für die Weltausstellung in Osaka entworfen hat, kann FAZ-Kritiker Ulf Meyer nicht beeindrucken. Besonders ökologisch will der Pavillon sein, so der Kritiker, "das Holz, das im Pavillon verbaut wurde, ist 'rezyklierbar', wie die Architekten betonen, aber eben nicht rezykliert". Wie "man das Thema Holzbau und Kreisformen souverän bewältigt, zeigt der japanische Star-Architekt Sou Fujimoto, der den Masterplan für die Expo 2025 entworfen hat. Sein kreisrunder Arkadengang aus Holz rahmt das Ausstellungsgelände und schafft Orientierung auf der aufgeschütteten Yumeshima ('Traum-Insel'). Fujimotos hoher Holzring mit einem Durchmesser von 700 Metern kennt nur Steckverbindungen und soll nach der Weltausstellung leicht rückbaubar sein. Raffinierte Zapfverbindungen hat das traditionelle japanische Zimmermannshandwerk schon im achten Jahrhundert beim Bau des Todaiji-Tempels im nahen Nara entwickelt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.04.2025 - Architektur

Auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ berichtet Mikhail Ilchenko davon, wie sich russische Aktivisten in Initiativen zum Erhalt architektonischen und kulturellen Erbes einen intellektuellen Freiraum schaffen, um subtile Kritik an der Regierung zu üben: "Die Arbeit mit dem Gedächtnis, den Familienarchiven und der persönlichen Geschichte ist zu einer Art Trend für russische Kulturaktivisten geworden. Sie gibt ihnen die Möglichkeit, frei über die Vergangenheit zu sprechen und versteckte Hinweise auf die Gegenwart zu geben. Zu Sowjetzeiten sah die gebildete Jugend in freiwilligen Initiativen rund um das kulturelle Erbe die Möglichkeit, einen Raum frei von aufgezwungener Ideologie zu finden. Folkloristische und architektonische Exkursionen ins Landesinnere trugen dazu bei, eine ganze Generation von Intellektuellen heranzuziehen, die lernten, in einer gleichnishaften, nur für Eingeweihte verständlichen Sprache zu sprechen und in einem Parallelraum zur sowjetischen Realität zu leben. 'Die Freiwilligenarbeit von heute ähnelt der der Sechziger- und Siebzigerjahre sehr. Es ist die gleiche Suche nach alternativen kleinen Geschichten im Gegensatz zu den großen Narrativen. Gleichzeitig ist sie äußerst populär und wächst weiter', bemerkt Alexej Izosimov."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.04.2025 - Architektur

Arbor Kitchen, Neue Kunst am Ried, Deutschland. Experimentelles baubotanisches Bauwerk, TU München,  Foto: Kristina Pujkilović 

Viele Besucher wünscht Hannes Hintermeier in der FAZ der Ausstellung "Trees, Time, Architecture! Design In Constant Transformation" im Münchner Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne, die ihm nicht nur die Geschichte von Bäumen erzählt, sondern auch in die Zukunft des botanischen Bauens blickt, und zwar ganz ohne mit dem "Klimawandel-Zeigefinger" zu fuchteln: "Der italienische Architekt Carlo Ratti hat 2022 einen aus tausend Bäumen bestehenden siebenhundert Meter langen Baumpfad entworfen, der das lombardische Casalmaggiore und das Weltkulturerbe-Städtchen Sabbioneta miteinander verbinden soll; Fußgänger und Radfahrer bewegen sich in bis zu sechs Meter Höhe. Der Nachbau taiwanischer Tempel zeigt, wie aus Feigenbäumen - die böse Geister abhalten sollen - eine hallenartige Gebäudestruktur heranwächst, für die man den Wind nutzt, der die Feigen in eine Richtung bürstet."

Weitere Artikel: In der NZZ porträtiert Laura Helena Wurth die deutsche Architektin Annabelle Selldorf, die weltweit Museen umbaut und erweitert.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.04.2025 - Architektur

Museum für moderne Kunst, Frankfurt. Architekt: Hans Hollein
© Eva K. Lizenz: CC BY-NC-ND 3.0


Das Pariser Centre Pompidou widmet dem österreichischen Architekten Hans Hollein eine Werkschau. Ulf Meyer hat sie sich für die NZZ angeschaut und entdeckt ein Werk, das immer schon zwischen Baukunst und bildender Kunst situiert war: "Hollein plädierte für eine Architektur, die frei ist von den 'Zwängen des Funktionalismus', wie er es nannte. Er pfropfte in seinen Entwürfen, ohne zu zögern, das Archaische auf das Hochtechnologische. Seine 'reine und absolute' Architektur oszilliert zwischen Kunst und Skulptur. (...) In seinem Manifest 'Alles ist Architektur' (1968) erweiterte er den Architekturbegriff so entscheidend wie sein Freund Joseph Beuys es in der bildenden Kunst propagiert hatte. So entwarf Hollein eine aufblasbare Kapsel als 'mobiles Ein-Mann-Büro', die dem modernen Nomaden an jedem Ort der Welt einen nur symbolisch abgeschiedenen Ort beschert. Heute sind Plastik und Klimatisierung in der Architektur verpönt, aber das Thema der ortlosen, vorgefertigten Minigebäude treibt Architekten immer noch um." In der Schweiz durfte Hollein allerdings nicht bauen, seufzt Meyer. Dafür war dessen Architektur wohl zu eigenwillig.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.04.2025 - Architektur

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Kommende Woche werden die ersten Stipendiaten in die ehemalige Villa von Albaniens Ex-Diktator Enver Hoxha ziehen, die vergangenes Jahr zur Künstlerresidenz umgebaut wurde. Seit dem Sturz des Regimes 1991 blieb die Villa weitgehend unangetastet, weiß Matthias Meisner (taz), der dafür auch in dem Bildband "A Dictator's Home. Inside Enver Hoxha's Vila 31" des Berliner Architekturfotografen Philipp Funke geblättert hat. Die Bilder werden derzeit auch im Rahmen des EMOPs ausgestellt: "Funke hatte 2019 ausverhandelt, dass er das von der albanischen Regierung gepflegte Gebäude einschließlich der Inneneinrichtung fotografieren durfte. Alles stand damals noch an seinem Platz, wie in einem Mausoleum. (…) Dass aus der Vila 31 kein Museum wurde, hat einen Preis: Die Geschichte lässt sich nun vor Ort nur noch eingeschränkt nachvollziehen. Möbel wurden verrückt oder entfernt, neue Wände eingezogen."
Stichwörter: Hoxha, Enver, Funke, Philipp

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.03.2025 - Architektur

Trump hat irre Pläne für seine Staatsarchitektur, berichtet Ingeborg Ruthe in der FR. Ans antike Rom und an Albert Speers Entwürfe für "Germania" erinnert das: "Nun soll alles, was mit Trumps Staatswesen zu tun hat, im neoklassizistischen Stile leuchten. Bloß nicht als Moderne, gar im Stil von Bauhaus oder Brutalismus oder den liberaler Architekten der Gegenwart! Mit Bundesmitteln finanzierte Bauten, so verfügt Trump, hätten sich ab sofort an 'regionale, traditionelle und klassische architektonische Traditionen zu halten.' Gebaut werden soll auch so wie die der Herrenhäuser, klassizistisch oder im 'Georgian' bzw. 'Federal Style.' Alles, was Trump in seinem Machtbereich wähnt, was sich in seinem Dunstkreis befindet, soll also gleich 'großartig' aussehen, reich, repräsentabel. (…) Es war eben schon immer etwas teurer, einen schlechten Geschmack zu haben."

Weiteres: Gerhard Matzig spricht für die SZ mit dem Architekten Rudolf Hierl über die Möglichkeiten, leerstehende Bürogebäude zu Wohnungen umzufunktionieren.
Stichwörter: Staatsarchitektur, Bauhaus

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.03.2025 - Architektur

Der Architekt Carlo Ratti leitet die 19. Architekturbiennale in Venedig. Im Welt-Gespräch mit Marcus Woeller erklärt er, wie er Venedig zum "Labor für Experimente" machen will, weshalb er von der Idee des Autors in Bezug auf Architekten nicht viel hält und wie "intelligente Architekur" auf das Bevölkerungswachstum reagieren kann: "Wir wissen, dass wir kurz vor dem Höchststand der Bevölkerung stehen. Das hat einen großen Einfluss darauf, was wir bauen müssen. Hier in Europa wollen einige Bürgermeister immer noch mehr und mehr bauen. Für wen, frage ich? Was wir unternehmen müssen, ist zu reparieren, was wir bereits haben. Auf der Biennale zeigen wir das Projekt 'The Other Side of the Hill' von dem Physiker Geoffrey West, dem Biologen Roberto Kolter und den Architekturtheoretikern Beatriz Colomina und Mark Wigley. Sie befassen sich mit demografischen Fragen - und sie untersuchen Gemeinschaften von Bakterien, die ihren Ressourcenverbrauch ausgleichen. Das fordert uns auf, die Grundlagen des Lebens auf der Erdeneu zu überdenken."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.03.2025 - Architektur

Bernhard Schulz spaziert für die FAZ durch Portlandis, das neu errichtete Besucherzentrum des Rotterdamer Hafens. Gestaltet hat es das umtriebige Architekturbüro MVRDV. Nicht nur die in Portlandis präsentierten Ausstellungen, auch die Gestaltung des Gebäudes soll dabei helfen, das zunehmend unübersichtliche Hafengelände doch wieder überblickbar zu machen: "Im Portlantis ist jede Etage an einer Seite durchgängig befenstert, jedoch in eine jeweils andere Richtung, sodass die Ausstellungskapitel mit den entsprechenden Ausblicken korrespondieren, sei es etwa auf die Kräne des nächstgelegenen Container-Kais oder auf die Reihe der Windräder, die sich auf dem Deich entlangzieht. Ein kleines Exemplar steht nahe dem Gebäude und versorgt es mit grünem Strom. Die Terrasse, durchgehend knallrot gehalten, bietet einen Rundblick über das Areal, das so gar nichts mehr gemein hat mit dem einstigen innerstädtischen Hafen."
Stichwörter: Portlandis, Rotterdam

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.03.2025 - Architektur

"Kommt die Architektur an ihr Ende?", fragt sich Marcus Woeller in der Welt, nicht nur, weil selbst die jüngere Generation der Stararchitekten bereits auf die 80 zugeht. Woeller zitiert unter anderem Patrik Schumacher, Architekt, Prinzipal von Zaha Hadids Büro ZHA  - und den radikalen Libertären nahestehender Philosoph: "'Die Selbstzerstörung der Architektur als akademische Disziplin, als eigenständiger Diskurs und als theoriegeleiteter Beruf ist bereits eine vollendete Tatsache', schreibt er in einem aktuellen Aufsatz, der seine Zunft aufrütteln soll. Architektur habe aufgehört zu existieren, es entstünden nur 'bloße Gebäude', deren Gestaltung 'nicht mehr von einem lebendigen, kritischen Diskurs geprägt und gesteuert wird'. Architektur verleugne die Autorschaft, 'verkomme' wieder zum Handwerk. Statt 'Innovation an der Grenze unserer sich schnell entwickelnden technologischen Zivilisation' zu fördern, beschäftige man sich an der Universität wie in Ausstellungen und der Fachpresse lieber mit 'Klimawandel, Rassismus, Eurozentrismus, Dekolonisierung, De-growth'."

Über die Empörung über den kahlen Gendarmenmarkt (unser Resümee) kann sich Peter Richter in der SZ nur wundern, denn den Planern kam vermutlich nicht in den Sinn, "Bäume und Büsche hinzustellen, wo im Normalbetrieb des Platzes Besucher ins oder aus dem Konzert strömen und im Winter einer von Berlins beliebtesten Weihnachtsmärkten aufgebaut wird. Der Gendarmenmarkt heißt schließlich Gendarmenmarkt und nicht Gendarmenpark." Aber Richter hätte ein andere Idee: Bäume auf Dächern. "Das wären eigentlich die idealen Flächen für öffentliche Parklandschaften. Sie waren das früher auch schon mal. Gerade in den Altbauquartieren Ostberlins, in Prenzlauer Berg vor allem, galten die flachen Dächer der Mietshäuser gewissermaßen als Naherholungsgebiete. (…) Das alles galt Bausachverständigen und Immobilienmenschen selbstverständlich als Unding, und so verschwand bei den Sanierungen im Verlauf der Neunziger- und Nullerjahre leider gleich beides, die Bäume auf den Dächern und die Dächer generell als frei zugängliche Allmende der Bewohner eines Straßenblocks."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.03.2025 - Architektur

Gendarmenmarkt: die Baustelle von 2023. Jetzt ist alles zugepflastert.
Foto: Leonhard Lenz, Lizenz: CC0 1.0 Universal

Niklas Maak (FAZ) schaut sich verdutzt auf dem neugestalteten Berliner Gendarmenmarkt um. Das stadteigene Unternehmen "Grün Berlin" war für die Generalüberholung zuständig und hat, seinem Namen zum Trotz, eine Pflastersteinfläche ohne jede Begrünung geschaffen. Den Forderungen, alle städtischen Plätze mit Bäumen und Gebüsch vollzupflanzen, will sich Maak zwar nicht anschließen. Dennoch fühlt er sich auf dem renovierten Gendarmenmarkt nicht allzu wohl: "Im Zentrum von Berlin herrscht jetzt also: nichts. Das als Konzerthaus genutzte Schauspielhaus, der Deutsche sowie der Französische Dom stehen etwas verloren auf der neuen Rasterplatte, wie Architekturmodelle, die ein Riese auf dem Fliesenboden seines Badezimmers aufgebaut hat. Der Berliner Bürgermeister ist von der leeren Fläche dennoch begeistert und spricht vom 'schönsten Platz Europas', und man wäre trotz des Hauptstadtsparprogramms fast versucht, die Bereitstellung eines Reiseetats zu fordern, damit er sich einmal die Piazza del Popolo in Rom oder die Plaza Mayor in Madrid anschauen und dann noch einmal vergleichend begutachten kann, was ihm Grün Berlin in seine Stadtmitte hineingerastert hat."
Stichwörter: Gendarmenmarkt, Berlin