Die Erweiterung des Joslyn Art Museums durch Snøhetta. Foto: Nic Lehoux. Bernhard Schulz führt in der FAZ durch das Joslyn Art Museum in Omaha, das vom Architekturbüro Snøhetta eine "elegante Erweiterung" erhalten hat: "Das Joslyn Museum bekommt nun ein lichtdurchflutetes Foyer, mit einer weit schwingenden Treppe hinauf auf die Galerieebene und Ausblick auf die Eingangsfront des Altbaus von 1931 mit ihrem geradezu einschüchternden Treppenaufgang. Die Besucher kommen längst vom Museumsparkplatz durch den Hintereingang, und so hat Snøhetta dort einen großzügigeren Eingang geschaffen, unter dem weiß umkleideten Galerientrakt im Obergeschoss. Auf der dem Altbau zugewandten Seite hingegen steigt der Neubau sanft an und lässt an das Opernhaus in Oslo denken, das Snøhetta weltberühmt gemacht hat."
In der SZ mäandert Gerhard Matzig um die Frage herum, was er von dem geplanten Mukaab Tower in Riad halten soll. 400 Meter breit, 400 Meter tief und 400 Meter hoch wird der an einen an "krankhafter Fettsucht leidenden Legostein" erinnernde Würfel das größte Bauwerk der Welt, 100.000 neue Wohnungen sollen dort ebenso Platz finden wie Hotel, Shopping-Multiversen und eine ganze Universität. Nachhaltig ist das natürlich nicht, bauen werden überwiegend entrechtete Wanderarbeiter, weiß Matzig, aber irgendwie scheint ihn das Bauwerk auch zu faszinieren. So viel aber ist für ihn sicher: Schuld an solch gigantomanischen Bauprojekten ist - natürlich - der Westen. "Asiaten und Araber gucken sich die Baugeschichte des Westens an, sehen die längsten Brücken und tiefsten Tunnel, die höchsten Häuser und breitesten Straßen - und scheinen ihre Schlüsse daraus zu ziehen. (…) Man könnte den Wahnsinn abtun als nicht ganz zeitgemäßes Phänomen in einem delirierenden, fernen Übermorgenland. Doch der Utopismus dort, der auch die 170 Kilometer lange, alle bekannten Absurditäten hinter sich lassende, vorgebliche Öko-Megacity 'The Line' umfasst (auf 500 Milliarden Dollar taxiert und garantiert vieles, nur nicht umweltfreundlich), folgt letztlich unserer eigenen Spur."
Im Jahr 2005 wurde der norwegische Künstler Lars Ramberg mit seiner Installation "ZWEIFEL" auf dem Dach des damals noch stehenden Gerüsts des Palasts der Republik bekannt, nun schlägt er nicht nur vor, die Installation auf dem Stadtschloss anzubringen, sondern den Schlossplatz gleich in "Platz des Zweifels" umzubenennen, berichtet Nikolaus Bernau, der dieser Idee gegenüber im Tagesspiegel gar nicht so abgeneigt ist: "Tatsächlich ist der Name 'Schlossplatz' eine Erfindung der Nach-Wende-Zeit, als es darum ging, schnell den DDR-Namen 'Marx-Engels-Platz' abzulösen, der entstand, nachdem das Berliner Schloss 1950 gesprengt wurde. Historisch dagegen war dieser Monumentalbau umgeben vom Schlossplatz nach Süden, der Schlossfreiheit nach Westen und nach Norden vom Lustgarten sowie seit 1885 der Kaiser-Wilhelm-Straße, der heutigen Karl-Liebknecht-Straße. Straßenumbenennungen sind, da hat Ramberg völlig Recht, immer auch Bewusstseins-Marker."
Amazon-Turm aka Edge East Side Tower - Foto: ImmobilienProjekteBerlin, Lizenz: CC BY-SA 4.0 Hochhäuser in Berlin? Schwieriges Thema, findet Ulf Meyer in der NZZ. Auch zwei spektakuläre Neubauten, der Amazon-Turm in Friedrichshain und der Estrel Tower in Neuköln, werden daran wenig ändern. Über das Amazon-Gebäude schreibt Mayer: "Auch wenn sich der Bauherr und der Architekt des Turms alle Mühe geben, ihr Haus als 'grün, smart und gesund' anzupreisen, ist es doch unverkennbar ein Kind der Spätmoderne. Rem Koolhaas, der geistige Vater der zeitgenössischen dänischen Neomoderne, hat sich um elegante Details nie geschert und betrachtet Hochhausfassaden als generische Versatzstücke. (...) Allein aus der Funktion heraus versuchen Koolhaas und sein Eleve Ingels gestalterisch Funken zu schlagen: Die 'Nachbarschaft soll in einer vertikalen Struktur fortgesetzt werden', wie der projektleitende Architekt Kai-Uwe Bergmann fantasiert. Das hat jedoch noch in keinem Hochhaus der Welt funktioniert. Hochhäuser sind Sackgassen, meist streng zugangskontrolliert und keine urbanen Straßen in der Vertikale."
Cité du Lignon. Quelle: Wikipedia. Foto: Port(u*o)s - Eigenes Werk - unter CC-Lizenz.Wie ein überdimensionales Werk von Mondrian erscheint dem NZZ-Kritiker Werner Huber die über einen Kilometer lange Satellitenstadt Le Lignon, die in den Sechzigern erbaut, 2780 Wohnungen beherbergt. Daran, wie hier Effizienz und Eleganz in eins gehen, könnte sich manche Großstadt heute ein Beispiel nehmen, findet Huber: "Sämtliche Wohnungen sind nach zwei Seiten ausgerichtet. In den oberen Etagen geht der Blick Richtung Jura und den Flughafen oder zum Jet d'Eau und zum Montblanc. (...) Jedes vierte Geschoss ist allseitig eingeschnürt. Laubengänge verbinden die einzelnen Häuser miteinander. Diese 'coursives' erschließen die Wasch- und Trockenräume, die hier angesiedelt sind, und sie dienen als Fluchtwege. ... Die Wände sind mit Marmor belegt, die Haustüren aus Mahagoni und Glas konstruiert. Für jeden der 84 Hauseingänge hat Hans Erni aus einer eloxierten Kupferplatte ein Bild zum Thema 'Candide' von Voltaire entworfen. Massenwohnungsbau kann auch hochwertig gestaltet sein. Angesichts der schieren Masse an Wohnungen denkt man unweigerlich an Plattenbau - und liegt damit falsch: Die Betonkonstruktion von Le Lignon wurde an Ort gegossen. Die Effizienz erreichte man durch eine Standardisierung des Bauprozesses: Wohnungsgroße Eisenschalungen ermöglichten es, Wände und Decken in einem Arbeitsgang zu betonieren."
Nicht deutsch genug für die AfD? Vom Bauhaus-Schüler Fritz Ertl entworfene Baracke für Kriegsgefangene in Auschwitz-Birkenau. Foto: Pimke, unter CC-Lizenz
Ist das eher dumm oder bösartig? Der - inzwischen abgelehnte - Landtagsantrag der AfD in Magdeburg zu einer "differenzierten Betrachtung" der "abgrundtief hässlichen" Architektur des Bauhauses lässt die Kritiker in den Feuilletons leicht fassungslos zurück: In der FAZ empfiehlt Stefan Trinks den besorgten AfDlern einen Besuch der Ausstellung "Bauhaus und Nationalsozialismus" in Weimar: "Die eruierte: Immerhin 15 Prozent der Bauhaus-Studierenden traten der NSDAP bei, 29 Absolventen gar der SA und SS. Der Bauhaus-Schüler und SSler Fritz Ertl baute als Teil der 'Neubauleitung Auschwitz' Baracken des Konzentrationslagers. Und mit Bauhaus-Professoren wie Johannes Itten" und Mies van der Rohe "setzte sich die Forschung allemal kritisch auseinander". Timo Feldhaus ärgert sich in der Berliner Zeitung: "Keine Worte möchte man eigentlich in der Sache verlieren, wie 1. ultradeutsch das in der Welt berühmte UNESCO-Weltkulturerbe Bauhaus ist und wie tief die rationale Formensprache und der Funktionalismus in unser Bild von uns selbst eingesickert ist und 2. wie kritisch das Bauhaus und die Moderne in den letzten Jahren hierzulande praktisch allerorten hinterfragt wurden - die sich ahnungslos gebende Bösartigkeit der AfD ist bestürzend."
In der SZ nimmt Peter Laudenbach den Vorstoß der AfD noch ernster: "Die attackierten Kunstwerke und Kulturinstitutionen haben im rechten Kulturkampf eine Stellvertreterfunktion. Gemeint ist mit der Polemik gegen sie immer auch die offene, liberale Gesellschaft als solche, die diese Kunst zulässt, fördert und als Reflexionsraum zu schätzen weiß. Solange die AfD in den Parlamenten isoliert ist, haben ihre Anträge keinen Einfluss auf das Regierungshandeln. Folgenlos sind diese Feindbildmarkierungen deshalb nicht. Nachdem die AfD in Sachsen-Anhalt gegen ein Festival für Neue Musik polemisiert und in Berlin Anträge auf Mittelkürzungen für das Maxim-Gorki-Theater und den Friedrichstadtpalast gestellt hatte, erhielten die jeweiligen Intendanzen Morddrohungen."
Weitere Artikel: Stefan Rebenich schreibt in "Bilder und Zeiten" (FAZ) über den LandschaftsarchitektenPiet Oudolf. In der FRerklärt Robert Kaltenbrunner, was traditionelles Bauen zum globalen Wandel beitragen kann. Eva Neukirchner dokumentiert in der FAZ mit Fotos von Issei Kato die Versuche in Tokio, sich gegen die durch den Klimawandel häufenden Überschwemmungen mit einem riesigen unterirdischen Tunnelsystem zu wappnen (mehr hier). Besprochen wird eine Retrospektive des Architekturbüros sauerbruch hutton in der Berliner Akademie der Künste (BlZ).
Die Möbeldesignerin Eileen Gray hat 1929 mit der Villa E.1027 ein aufsehenerregendes Haus an der Côte d'Azur gebaut, das später von Le Corbusier verschandelt worden ist, wie Peter Praschl in der Welt zu berichten weiß: "Für Gray waren Häuser Organismen. Die Menschen, die in ihnen wohnten, hatten sich nicht den rigiden utopischen Vorstellungen ihrer Erbauer anzupassen, sondern das unverbrüchliche Recht, ihre Bedürfnisse nach Privatsphäre und Komfort erfüllt zu bekommen: 'Ein Haus ist keine Wohnmaschine. Es ist das Schneckenhaus des Menschen, seine Erweiterung, seine Entlastung, seine spirituelle Ausstrahlung." Lange hat es gedauert, doch jetzt ist das Haus wieder annäherungweise in seinen Ausgangszustand versetzt worden und man kommt "beim Besuch aus dem Staunen über die sinnigen Einfälle Grays nicht mehr heraus (...) die menschenfreundlichen Ideen hören gar nicht mehr auf. Es ist, als hätte Eileen Gray zeigen wollen, dass man von Häusern auch geliebt werden kann." Die Geschichte des Hauses zeigt jetzt auch der Film "E.1027 - Eileen Gray und das Haus am Meer", der gestern in den Kinos angelaufen ist.
Weiteres: Claudia Roth ärgert sich über die Attacken der AfD auf das Bauhaus (unser Resümee), die FR berichtet. Die SZ stellt das neue Warschauer Museum für Moderne Kunst vor.
Budynek Muzeum Sztuki Nowoczesnej in Warschau. Foto: Marta Ejsmont
Florian Heilmeyer besucht für die taz in Warschau den Neubau für das Museum für Gegenwartskunst, das 20 Jahre lang heimatlos war, und ist beeindruckt: "Als habe jemand einen monumentalen weißen Betonrohling mit dem groben Schnitzmesser verarbeitet und mitten auf den Platz gestellt. Das denkt man beim Anblick des neuen Museums für Gegenwartskunst in Warschau. Der Neubau, der wie eine Skulptur aussieht, steht direkt neben dem Kulturpalast aus den 1950ern, einem seit Jahrzehnten umstrittenen Geschenk der stalinistischen Sowjetunion. Rings um das "vergiftete Geschenk" gähnt urbane Leere. Näher als der weiße Rohling hat sich noch kein Gebäude an den reich verzierten Kulturpalast gewagt - und das ist auch ein Auftrag dieses Neubaus. Mit dem Muzeum Sztuki Nowoczesnej, kurz MSN, soll der städtische Leerraum in Warschaus Zentrum zurückerobert werden. Deswegen entsteht gleich neben dem Museum ein weiterer Neubau für das renommierte Teatr Rozmaitości. Entworfen hat beide Gebäude der US-amerikanische Architekt Thomas Phifer, der 2014 einen internationalen Architekturwettbewerb dafür gewann." Zur Zeit "ist alles um das Museum eine große Baustelle, denn auch der autofreie Platz zwischen Museum, Theater und Kulturpalast wird neu gestaltet. Es könnte tatsächlich ein großer Wurf werden für Warschau."
Pünktlich zum 250. Bauhaus-Jubiläum beschimpft die Afd das Bauhaus als "Irrweg der Moderne", berichtet Marcus Woeller in der Welt und fordert eine Neubewertung: "Den Ton hatte im Sommer bereits der kulturpolitische Sprecher der AfD Hans-Thomas Tillschneider gesetzt, der auf der Sitzung mit der Einschätzung zitiert wurde, das Bauhaus sei 'von einer abgrundtiefen Hässlichkeit und hat Bausünden verbrochen; es ist unerträglich anzuschauen'. Der Landtag möge jetzt beschließen, die 'einseitige Glorifizierung des Bauhaus-Erbes" abzulehnen und stattdessen 'ein seriöses und kulturgeschichtliches Gesamtbild aufzustellen'. Zur Begründung kritisiert die AfD die 'Nüchternheit', die zu 'unpersönlicher Architektur' geführt habe, zu einem Wohnungsbau, der 'menschenfeindlich' sei." Seltsamer Zeitpunkt für rechte Kritik am Bauhaus, "das Bauhaus-Museum in Weimar hat gerade die Nähe mancher Lehrer und Schüler zum Nationalsozialismus aufgezeigt", informiert Woeller die Herrschaften von der AfD. Und auch sonst werde "über die vermeintlich 'einseitige Verklärung' längst debattiert, mittlerweile auch in den Institutionen, die es verwalten".
Sophie Jung ist von den 21 Entwürfen für eine Umgestaltung des viel kritisierten Wiederaufbaus des Berliner Stadtschlosses, die die Initiative "Schlossaneignung" vorgestellt hat (siehe auch hier) eher mäßig begeistert. Vielen Entwürfen haftet, findet sie in der taz, etwas "Belehrendes, moralisch Überlegenes" an. Doch es gibt Ausnahmen: So "fallen die Schiffscontainertürme von Christoph Balzar und Fabian Ferrari positiv auf. Sie wollen die großen Portale des Preußenschlosses mit einer Funktionsarchitektur verrammeln und den neubarocken Sandsteinornamenten eine bunt rostende Symbolik des weltweiten Warenhandels gegenüberstellen - da ist selbst Kritik am Kolonialismus dabei. Oder die großen Solarpaneele von Michael Birn: Sie würden das Humboldt Forum zu einem städtischen Kraftwerk umfunktionieren. Beide Vorschläge erinnern an das Centre Pompidou von Renzo Piano und Richard Rogers in Paris."
In der Welt fasst sich Dankwart Guratzsch an den Kopf: Statt weiter Dämmung von Gebäuden zu fordern, würde der Erhalt von bestehenden Immobilien deutlich mehr Energie einsparen, meint er. Aber in der Baubranche herrscht Forschungsstau: "Das Riesenaufgebot von Fachinstituten schafft es nicht, den tatsächlichen Energieverbrauch einzelner Gebäude- und Städtebautypen zu ermitteln und die daraus resultierenden Nachrüstungsbedarfe hieb- und stichfest zu dokumentieren. Warum greift das Ministerium nicht nach der ausgestreckten Hand der Verbände, Unternehmen und Institutionen des Bauwesens, die ein Abrissmoratorium fordern? Abrissmoratorium heißt, dass vor Inangriffnahme eines jeden Bauprojekts geprüft werden muss, ob sich der Verwendungszweck des geplanten Neubaus nicht durch die Sanierung, Umbau und Weiterentwicklung von Bestandsgebäuden ebenso gut (und ressourcenschonender) erreichen lassen würde."
BuchLink: Aktuelle Leseproben.
In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Alice Schwarzer: Feminismus pur. 99 Worte. Ihre Welt in 99 Worten - Alice Schwarzer zieht Bilanz. Anhand von 99 Begriffen - von A wie Arbeit und Alter, I wie Influencer, K wie Krieg und Frieden, M wie MeToo, O wie…
Colleen Hoover: Woman Down Aus dem Amerikanischen von Anja Galic und Katarina Ganslandt. Der Shitstorm um die Verfilmung ihres Romans stürzte Bestsellerautorin Petra Rose in eine Schreibkrise. Sie…
Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes…
Dirk Baecker: Digitalisierung Es ist die Gesellschaft, die einen Strich durch die Digitalisierung macht. Aber was bedeutet dieser Strich? Man kann ihn sehen, aber nicht lesen. Er verweist auf die bei…
Alle aktuellen BuchLink-Leseproben finden Sie
hier