Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.07.2017 - Design

Bei der Fashion Week in Berlin erwies sich der Modedesigner Wladimir Karaleev einmal mehr als "Meister des nachhaltigen Fetzens", berichtet Marina Razumovskaya in der taz und erläutert dabei auch "Karaleevs unverwechselbare Handschrift: ohne Konzept, drapierend, intuitiv, stückweise, offen für ex prompts und schnelle Umsetzung von abstrakten Ideen. Seine analytische Mode ohne Logik fand diesmal auch in einer ungewöhnlichen Präsentation ihr Echo: ohne Choreografie laufen Models überkreuz, nach eigener Intuition aus dem Augenblick heraus, ein wenig wie bei Sasha Walz oder Pina Bausch."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.07.2017 - Design

In einem sehr schönen Essay beschäftigt sich Elisabeth Wagner in der taz mit der Frage nach der Eleganz in der Mode und kommt nach vielen Exkursen in die Kulturgeschichte zu dem Schluss: "Elegant ist man eben nie, wenn man es soll. Nie auf Kommando und nicht vor dem Spiegel der Mode, der einem sowieso nur helfen kann, wenn man nichts, aber auch gar nichts, was man darin sieht, mit der Eleganz selbst verwechselt. Ein Trend, ein sogenanntes Must-have, kann also gar nicht elegant sein. Ebenso wenig wie Desinteresse und Verachtung es sein können oder schlicht jede Art der Selbstgerechtigkeit. Mut und Großzügigkeit dagegen sind äußerst elegant. Diese Lücken der Lässigkeit. Vermutlich sind sie das Eleganteste überhaupt."

Außerdem bespricht Tania Martini den von Olga Blumhardt und Antje Drinkuth herausgegebenen Band "Traces, Fashion & Migration".
Stichwörter: Eleganz, Mode, Fashion

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.06.2017 - Design


Szene aus Reiner Holzemers Film "Dries" (Bild: Prokino)

Reiner Holzemer
hat ein Filmporträt über den Modedesigner Dries van Noten gedreht - und das ist offenbar ziemlich sinnlich, ziemlich reich geraten. "Jeder Blick delektiert sich an feinsinnigen Details", schreibt Carmen Böker im ZeitMagazin. Und Brigitte Werneburg wundert sich in der taz darüber, "wie hässlich die Welt einem nach der Vorführung von 'Dries' erscheint. ... Wie andere Modemacher auch findet van Noten Inspiration in Kunst, Literatur, Musik, Popkultur und Film. Absolut fasziniert beobachtet man bei Holzemer, wie es Dries van Noten gelingt, seine Quellen dabei vollkommen zu verwandeln. Ein berühmtes Motiv wie Marilyn Monroe als Playboy-Centerfold druckt er so auf seine Männerhemden, dass man den nackten weißen Wurm im Manierismus des 17. und nicht der Popkultur des 20. Jahrhunderts verorten möchte." Für die Welt hat sich Katharina Dippold mit dem Regisseur unterhalten.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.06.2017 - Design

Paul Andreas erinnert in der NZZ an die niederländische Avantgarde-Bewegung de Stijl, die vor hundert Jahren gegründet wurde: "Der abstrakte Maler Piet Mondrian und mit ihm die niederländische De-Stijl-Bewegung hatten vor ziemlich genau einem Jahrhundert erstmals vorgemacht, wie sich Kunst und Gestaltung im weitesten Sinne zu einem Vokabular elementarer Formen und reiner Farben systematisieren ließen, um daraus eine vermeintlich bessere, harmonischere Welt zu konstruieren."

Weiteres: Italiens Männermode steckt gerade in der Krise: einfallslos, zu teuer und dann auch noch in Rumänien gefertigt, berichtet Dennis Braatz in der SZ.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.06.2017 - Design



Schreckliche neue Welt! Auf der Vienna Biennale denkt man über "Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft" nach, notiert Roman Gerold im Standard: "Integriert ist auch eine Arbeit Jeremy Shaws, der die zuckenden Gesichter von Freunden bei Trips mit einem Halluzinogen filmte. Worauf Kuratorin Wirth mit einer Arbeit wie dieser hinauswill, ist die Widersetzlichkeit des Körpers, seine 'poetische Ineffizienz' gegenüber der Technologie. Behälter, auf denen 'Blut', 'Tränen' oder 'Samen' steht, präsentiert indes Kiki Smith. Ein Gefühl des Ekels beim Betrachter ist dabei durchaus vorgesehen, wenn es nach Wirth geht, denn: 'Wollen wir wirklich eine Zukunft, in der wir uns nicht mehr ekeln können?'"

Am Londoner Central Saint Martins ist man da schon weiter. Die schwedisch-mexikanische Designerin Nicole Pérez hat eine ganze Reihe Roboter entworfen, die nerven, berichtet Ali Morris in Dezeen. Denn wenn Roboter uns schon ersetzen, dann bitte in allem: "'Their purpose is not to be efficient but unnecessary, fulfilling the non-practical, useless actions that we feel in a relationship,' explained Pérez. 'After all, being in an intimate relationship is not only about dealing with pleasure and fun - it is also about dealing with the rest.'"

Außerdem: Bei Domus berichtet Maria Cristina Didero über die Design Miami/ Basel.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.06.2017 - Design

Der FC Bayern München gönnt sich ein neues, von Daniel Nyaris gestaltetes Logo. Die Unterschiede zum alten muss Gerhard Matzig freilich mit der Lupe suchen: "Erstens wurde die Anzahl der nun auch um exakt fünf Grad veränderten Rauten verringert", schreibt er in der SZ. "Zweitens wurde die Vereinsfarbe Rot sozusagen aufgewärmt - indem der magentaartige, kalte Mischanteil am Rot des breiten Innenrings um eine Nuance reduziert wurde, während das Blau des schmäleren Außenrings um einen Tick intensiviert erscheint. ... Drittens wurden die Proportionen der Buchstaben M (Abstriche zur Mitte hin: kürzer) und C (länger) verändert."

Außerdem: In der New York Times schreibt Elisabeth Paton den Nachruf auf die Modepionierin Carla Fendi.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.06.2017 - Design

Ettore Sottsass: "Tahiti Lampe, 1981
Andrea Eschbach führt in der NZZ durch das Angebot der Messe Design Miami Basel. Dabei fällt ihr auf: Im Möbeldesign verabschiedet man sich vom kühlen Funktionalismus, der postmoderne Stil der 70er ist wieder im Kommen. Insbesondere Ettore Sottsass, "Leitfigur des Radical Design", wird gerade wiederentdeckt: Dessen "bunte oder pastellfarbene Möbel und Leuchten der Memphis-Ära schienen aus einer Traumwelt zu stammen, sie waren poetisch, sinnlich, bizarr. Respektlos mixten Sottsass und seine Mitstreiter Holz, Kunststofflaminat und Metall, zitierten historische Elemente und verwendeten üppige Ornamente."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.06.2017 - Design

Im ZeitMagazin führt Christoph Amend im Schnelldurchlauf durch die Geschichte der Mode deutscher Politiker - von Joschka Fischers berühmtem Auftritt in Nikes bis zu Merkel heute. Politiker wie Helmut Kohl und Gerhard Schröder haben mit ihrem Modestil noch Marken gesetzt, sagt er. Allerdings sei Mode in diesem Zusammenhang oft auch nur ein "platter Gag" - siehe die "18" damals auf Guido Westerwelles Sohlen. "Heute regiert wieder das Prinzip Unauffälligkeit - bei deutschen Politikerinnen wie bei Politikern, wenn man von Claudia Roth absieht. Das muss nichts Schlechtes bedeuten, aber manchmal wünsche ich für die 11-Jährigen von heute, dass auch sie einen Moment mit der deutschen Politik erleben wie ich damals, als ich das Foto von Joschka Fischer in den Nikes sah."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.06.2017 - Design

Für die SZ hat Gerhard Matzig die Ausstellung besucht, die die Villa Stuck in München dem Designer und Blattmacher Willy Fleckhaus widmet. Der hatte seinerzeit nicht nur die Zeitschrift Twen auf Vordermann gebracht und damit den Look des Zeitgeists geprägt, sondern auch die Edition Suhrkamp gestaltet. Die ist längst ein Klassiker geworden - was so aber nie intendiert war, wie wir erfahren: "Als Fleckhaus, der vielleicht deshalb so genial die Regeln seines Gewerbes brach, weil er sie nicht kannte, der klugen Edition Suhrkamp ihr unfassbar simples und doch komplexes Regenbogen-Aussehen verlieh, waren die Verlagsmanager zunächst entsetzt. Das Wissen ist ja grau in Deutschland. Auf keinen Fall farbig. Farbig ist billig. Die popbunten Schutzumschläge, die Fleckhaus vorschlug, sollten daher nur ein Versuch sein. Darunter waren die grauen Bindungen. Das bunte Zeug sollte man wegwerfen können. Es hielt sich dann Jahrzehnte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.05.2017 - Design

Im Freitext-Blog von ZeitOnline präsentiert der Schriftsteller Jochen Schmidt seine schönsten Fundstücke von "selbstreferenziellem, mimetischem Design", darunter unter anderem ein "Informationskasten eines Tennisclubs in Form eines Tennisschlägers. Das war zwar dämliches Design, aber semiotisch hochinteressant."
Stichwörter: Schmidt, Jochen