Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.05.2017 - Design


Rechtes Bild: Ausstellungsansicht. Linkes Bild: Rechtes Bild: Raf Simons für Christian Dior, Mantel, Herbst/Winter 2014/15, haute Couture und John Galliano für Christian Dior, Ensemble, Frühjehr/Sommer 2003, Haute Couture, Fotos: Christian Wind / © Belvedere, Wien

Begeistert wandert Milos Vec für die FR durch die Mode-Ausstellung "Vulgär? Fashion Redefined" im Wiener Belvedere, deren Thema er als einen glücklichen perspektivischen Kniff der Kuratoren Adam Phillips und Judith Clark lobt: "Denn Urteile über Mode oszillieren zwischen Bestätigung und Verdikt. Und seit es keine gesetzlichen Kleiderordnungen mehr gibt, ist fast alles bloß Geschmackssache. Das Wertvolle und Prachtvolle (goldene Kleider, Brokat, Perlen), einst repressiv geschützt durch obrigkeitliche Gesetze, stehen nun allen Schichten offen. Umso mehr sind Verhandlungen über guten Stil auch Klassenfragen und besitzen ihre politische Sprengkraft. ... Phillips und Clark zeigen aber anhand fantastischer Stücke, wie fluide unsere Bewertungen sind. Sie beobachten Mode von der Grenzverletzung aus und überlassen es dem Auge des Betrachters, eine Haltung dazu zu finden."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.05.2017 - Design


Alberta Tiburzi in Cristóbal Balenciagas 'Briefumschlag'-Kleid. Foto von Hiro Wakabayashi für Harper's Bazaar, Juni 1967. © Hiro 1967

Der Guardian stellt - leider viel zu kurz - die Balenciaga-Ausstellung "Shaping Fashion" vor, die am 27. Mai im Londoner Victoria & Albert Museum eröffnet. Gleich am Eingang erwartet den Besucher ein "schreckliches" erbsengrünes Seidenkleid aus dem Jahr 1962, lesen wir: "Hot-air balloon puffs of volume render the figure beneath irrelevant, and the dress stands with its back turned haughtily on the viewer. 'We chose that dress to set the scene, precisely because it's so odd,' the curator Cassie Davies-Strodder explained during a preview of the exhibition in the final stages of installation. 'Balenciaga is about the kind of beauty which has a weirdness about it.'"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.05.2017 - Design


Bloom-LED-Leuchte von Nanoleaf

Die energie-effizienten LED-Leuchten emanzipieren sich seit geraumer Zeit von ihrem Image als stromsparende ästhetische Zumutungen, freut sich Bernd Graff in der SZ: Längst loten die Designer die Gestaltungsmöglichkeiten der flexiblen Lichtspender aus - was sich nicht nur auf die Gestalt der Lampen an sich beschränkt, sondern auch die variante Farbgebung in den Wohnstuben selbst, deren Stimmungen man nun munter wechseln könne: "Man muss darum wirklich von Lichtarchitekturen sprechen, die das ganze Heim verändern. Denn mit den unterschiedlichen Licht- und Farbstimmungen verwandelt sich die Räumlichkeit der Orte, die ja auch weniger erhellt als vielmehr skulpturiert und prononciert sein wollen. Man möchte von Sessel-Theater und Polster-Inszenierungen sprechen."
Stichwörter: LED, Lichtgestaltung, Lampen

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.05.2017 - Design

Patrick Guyton besucht für die taz die Ausstellung "Glanz und Grauen - Mode im 'Dritten Reich'" im Textil- und Industriemuseum Augsburg und lernt, "wie die Nazis Kleidung für die Ideologie der 'Volksgemeinschaft' instrumentalisierten".
Stichwörter: Kleidung, Volksgemeinschaft

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.05.2017 - Design

Sensationell findet Roberta Smith in der New York Times die große Schau im Metropolitan Museum zur japanischen Modemacherin Rei Kawakubo, die für Comme des Garçons allen herkömmlichen Formen von Körper und Kleidung trotzte: "Das schwarze Gewand wurde zum Running Gag in der Kunstwelt, doch für viele von uns waren die Kleider eine Offenbarung, aufregend und ermutigend in ihrer Intelligenz, unversteiften Leichtigkeit und Weltläufigkeit. Sie kombierte Formen der Männerkleidung, traditionelle japanische Gewände und die frühen modernen Designs von Madeleine Vionnet un Paul Poiret mit punkigen Löchern und manchmal auch mit einem dritten Ärmel. Sie waren ein mit jener Zeit des Feminismus, ästhetischer Aneignung und der wachsenden Sichtbarkeit weiblicher Kunst. Aber die Achtziger waren nur der Anfang. Wenige Designer haben seitdem Kleidung in solch soziale, skulpturale und sogar achitektonische Extreme getrieben." (Rei Kawakubo for Comme des Garçons: Body Meets Dress-Dress Meets Body, Frühjahr 1997. Foto: Paolo Roversi, Metropolitan Museum)

Mit nostalgischer Inbrunst erinnert sich NZZ-Autor Roman Bucheli daran, wie es war, als vor fünfzig Jahren das italienische Mofa Ciao auf den Markt kam und in die Welt der jugendlichen Mobilität eine ganz eigene Form von "dolce vita" brachte: "Das Ciao war kein Mittel zum Zweck, sondern es war sich selbst Zweck und Sinn genug. Sein Daseinsgrund erfüllte sich in ihm selbst. Darin offenbarte sich das Paradoxe dieser Mobilität all'italiana: Man fuhr, wenn man denn überhaupt fuhr, um des Fahrens und der Schönheit dieser schwebenden Bewegung willen. ... Die Revolution der Mobilität kam als deren vergnügliche Parodie aus dem Süden und versprach nicht Beschleunigung, aber ihr Gegenteil. Reine Muße. Für einen kurzen historischen Augenblick hielt die Welt noch einmal inne, ehe der Rausch der Geschwindigkeit sie ergriff."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.05.2017 - Design

In der taz schwärmt Marina Razumovskaya von Nobi Talais Modeentwürfen, die traditionelle Beduinengewänder mit Bauhaus-Ästhetik kreuzt. Aber "auch mittelalterliche, gotische Elemente drängen sich in den Vordergrund. Man sieht rüstungsartige Capes und kurze Jacken, oft aus Nappaleder oder Plüsch-Pelz, über schmalen, eng anliegenden Lederhosen. Wo die Oberteile nomadisch weit sind und tiefe Falten haben, liegen in der Körpermitte riesige Schnallen. Sie sind nicht nur optischer Akzent, sondern halten funktional die ganze Form zusammen."

Außerdem: Die New York Times bringt in einer Slideshow die ausgefallensten Kostüme der gestrigen Met Gala.
Stichwörter: Mode, Talai, Nobi, Pelz, Bauhaus, Met-Gala, Met

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.04.2017 - Design

Die jüngste Smartphone-Generation hebt sich im Design durch ein nahezu randloses Display von den Vorgängern ab. Fotografiert man damit, fühlt man sich so "als halte man ein Stück Glas in die Luft", schreibt Oliver Herwig dazu in der NZZ. Für ihn spitzt sich darin ein Trend zu, der sich seit geraumer Zeit entwickelt: Design soll die Produkte zum Verschwinden bringen, deren Funktionen sollen unmittelbar und ohne materiellen Widerstand zuhanden sein. "Seit Erfindung des Schreibgriffels gibt es offenbar nur eine Richtung: Kommunikation entledigt sich ihrer physischen Grenzen. Auch das Smartphone verwandelt sich langsam in eine platonische Idee: reiner Dialog, reine Teilhabe, reine Übertragung - ohne störende Materie. Augenblicklich wischen wir zwar noch auf etwas Glas, aber auch das könnte bald verschwinden - zugunsten einer Steuerung über Gesten oder Sprache. ... Unser Verhältnis zu den Dingen des Alltags wird sich damit ändern."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.04.2017 - Design

Samt, Art Déco, Ornamentik und sogar Gold als (fein dosiertes) Prunk-Kolorit sind wieder da, berichtet Andrea Eschbach in der NZZ nach dem Besuch diverser Möbelmessen: "Ohne Zweifel: Der Minimalismus und der skandinavische Stil haben glamouröse Konkurrenz bekommen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.04.2017 - Design

Mit größtem Vergnügen liest die Schriftstellerin Annett Gröschner im "10 nach 8"-Blog auf ZeitOnline den Katalog zur Rostocker Ausstellung über die legendäre und zuletzt wieder vielgerühmte DDR-Modezeitschrift Sibylle (mehr dazu hier und hier): "Die Zeitschrift hielt, was ihr Name versprach: Sie orakelte doppeldeutig und konnte in Rätseln sprechen. Das kam Leserinnen und Lesern (ja, die Sibylle hatte auch Leser), die das Doppeldeutige zum geistigen Überleben brauchten, entgegen. ... Dass die Sibylle als Modezeitschrift für die Funktionäre auch in der DDR unter 'Gedöns' fiel, kam den Redakteurinnen entgegen, die Kontrolle war laxer als bei politischeren Zeitschriften." Was sich sehr konkret in der Zeitschrift niederschlug: "Im Schatten der Macht ließ sich eine Ästhetik des doppelten Blicks entwickeln, in die Welt und nach innen." (Bild: Ausstellungskatalog, Hartmann Books)


Ausschnitt aus der Sibylle. 1962/4, Seite 38-39, Foto: Arno Fischer

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.04.2017 - Design

Bei der Möbelmesse in Mailand machten vor allem die Lampendesigner mit wagemutigen Entwürfen auf sich aufmerksam, berichtet Max Scharnigg in der SZ. Möglich macht dies die LED-Leuchttechnik, die die Gestalter von der Glühbirne als Determinante befreit. "Bei Avantgardisten wie dem niederländischen Label Formafantasma sind filigrane Messinggeometrien entstanden, die an den Wänden ein Spiel aus Licht und Schatten veranstalten. LEDs werden zu winzigen schwebenden Lichtpunkten am Himmel oder pizzagroßen Wandtellern, viele Hersteller (Vorreiter war Marset) haben dieses Jahr auch ein niedliches Lämpchen 'to go' im Angebot, meist in drolliger Pilzform und aufladbar über USB. ... Wie diese technopoetische Spielerei jenseits von Hotellobbys und Schaufenstern eigentlich einzusetzen ist", bleibt in den Augen des Messsebesuchers aufgrund der niedrigen Strahlkraft vieler Entwürfe allerdings fraglich. "Raumlicht ist im Jahr 2017 jedenfalls sehr inspiriert, aber weit weg vom Nutzlicht."