Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.03.2015 - Design

Es tut sich was in der Männermode, die schmale, jungenhafte Silhouette, die Hedi Slimane 2001 für Dior Homme geschaffen hatte, wird langsam verabschiedet, notiert Carl Tillessen bei den Schauen in Paris. Statt dessen Layering, weite Hosen, Schmuck, Federn und prächtig bestickte Mäntel, kurz: der Pfau ist zurück. Mit am besten gelang das Dries van Noten, schreibt Tillessen in der FAZ: "Zu den ersten Takten eines alten Liebeslieds öffnet sich ein Tor, und dann läuft alles über den Laufsteg, was an Männerkleidung einmal schön und prächtig war, und was wir den Frauen überlassen haben: phantasievolle Seide der Krawatten und Halstücher, leuchtende Farben und goldene Posamenten der Husarenuniformen, exotisch bedruckte wattierte Hausjacken und -mäntel. Selbst der elfenbeinfarbene Smoking, den Marlene uns gestohlen hat. Dries stiehlt ihn für uns zurück."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.03.2015 - Design

Die Karl-Lagerfeld-Schau "Modemethode" in der Bundeskunsthalle in Bonn konzentriert sich ganz auf die Arbeiten des Modedesigners, berichtet Anne Burgmer in der FR. Dass dessen Person dabei in den Hintergrund rückt, sei durchaus erfrischend: "Manchem wird das vielleicht zu einfach sein. Interpretationsspielraum gibt es kaum. Prêt-à-Porter, das ist Beton und Straße, Haute Couture eine luftige Traumwelt. Bezüge zu der Zeit der Entstehung der Modelle werden nicht hergestellt. Lagerfelds Inspirationen bleiben außen vor. Doch die Reduktion lohnt sich: Im Mittelpunkt steht die Mode. Das ist eine gute Nachricht." (Bild: Haute Couture für Chanel, Frühling/Sommer 2009. Foto © Karl Lagerfeld)

Was mal eine visionäre Idee war, ist heute bei Ikea und Konsorten denkbar auf den Hund gekommen, ärgert sich Gerhard Matzig in der SZ: Das vor 90 Jahren gegründete Bauhaus ist "auf groteske Weise gescheitert", meint er. "Aus dem Sparprogramm, denn das Bauhaus war auch eine sozialistische Idee, wurde so ein Wettrüsten der heute konservativen Stil-Elite. Aus dem neuen Menschen wurde: ein Design-Konsument, der dem Neuen zugeneigt wäre - wäre das Neue nicht in Wahrheit alt. ... Bauhaus ist wie Apple (...) vor allem ein Fetisch. Für ein esoterisch angehauchtes, politisch irrlichterndes Konstrukt, das es eigentlich nur 14 Jahre gegeben hat."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.03.2015 - Design


Sweatshirt mit Foto von dem Einsturz einer Kleiderfabrik in Bangladesch: Manu Washaus, SWEATER, study of the possible II, 2013, © Manu Washaus

Bemerkenswert findet es Petra Schellen in der taz, dass sich die Ausstellung "Fast Fashion - Die Schattenseiten der Mode" im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, "ein Museum, das selbst eine beachtliche Modesammlung hat und lange als eher affirmativ galt", kritisch mit den negativen Folgen globalisiert hergestellter Billigmode befasst: "Obendrein eröffnet die Hamburger Schau eine kluge Diskussion über einen erweiterten Schönheitsbegriff: Demnach wäre wahrhaft ästhetische Mode nicht nur äußerlich schön, sondern auch nachhaltig."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.03.2015 - Design

Besprochen wird die Ausstellung italienischer Mode der Nachkriegszeit im Maxxi in Rom (NZZ)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.03.2015 - Design

Nachdem Phoebe Philo sie für Celine auf den Laufsteg geschickt hat (Bild), wird es pelzige Birkenstocks demnächst vielleicht auch in Ihrem Birkenstock-Laden geben. Und Socken, erzählt eine begeisterte, Birkenstock in Neustadt und Görlitz besuchende Rebecca Mead im New Yorker: "Für den Winter plant die Firma außerdem eine Socken-Kollektion, hergestellt von einem Partner in Deutschland, zusammen mit einer Marketingkampagne, die "socks and Stocks" als modische Alternative für die Amerikaner präsentiert. Der Erfolg mag ausbleiben, aber die Socken sind charmant. Nachdem ich einen Prototyp haferfarbene Kniestrümpfe begutachtete hatte, zeigte man mir einen Schlauch aus vierfädigem, cremefarbenen Kaschmir, wie ein luxuriöser Sweater für einen verhätschelten Dackel. Er hatte einen eingearbeiteten Fuß mit einem abgespreizten Zeh, wie eine japanische Tabisocke. Er war so lang, dass er bis zum Oberschenkel reichte und wurde mit einem Kaschmir-Strumpfband überreicht. Es war der ungewöhnlichste Strumpf, den ich je gesehen habe. Und obwohl man sich kaum vorstellen kann, wer außer einer Braut in Lappland in tragen könnte, wäre Meret Oppenheimer sicherlich begeistert."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.03.2015 - Design


Omar Victor Diop, Fotografie aus der Serie "The Studio of Vanities", 2013 © Victor Omar Diop, 2014, Courtesy Magnin-A Gallery, Paris

Von wegen Elend und Korruption: Bei der Ausstellung "Making Africa" im Vitra Design Museum in Weil am Rhein lernt man Afrika als zukunftshungrigen und -gewissen Kontinent kennen, berichtet Jonathan Fischer in der SZ: "Dieser neue Blick auf Afrika präsentiert ein global vernetztes Experimentierfeld ... Gerade die Flexibilität afrikanischer Designer, ihre an informellen Strukturen wie dem Minibus-Netz afrikanischer Großstädte geschulte Denkweise nimmt schon jetzt viele der Herausforderungen an, mit denen in Zukunft auch der Rest der Welt konfrontiert sein wird." (Mehr zur Ausstellung von Johannes Halder bei DRadio Kultur.)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.03.2015 - Design


Alexander McQueen, Jellyfish ensemble and Armadillo shoes, Plato"s Atlantis, S/S 2010, Model: Polina Kasina, © Lauren Greenfield/Institute

Sie glauben, Sie kennen den Modedesiger Alexander McQueen? Dann muss Brigitte Werneburg (taz), die kürzlich noch dasselbe dachte, von der großen Retrospektive in London nun aber eines Besseren belehrt wurde, Sie leider enttäuschen: "Erst vis-à-vis der Stücke, wenn man noch ein Fädchen aus der Vordernaht hängen sieht, also ganz genau sieht, wie eine Vielzahl kugeliger Erhebungen aus dunkelbraunem harten Leder einen hellbraunen Lederbody überzieht, auf dessen Schultern anstelle von Epauletten kleine präparierte Krokodilsköpfe überraschen, erklärt sich einem in bestürzender Deutlichkeit der Einfallsreichtum McQueens." Vor allem aber spürt Werneburg hier "noch einmal die Lust (...) am fantastischen bis dämonischen Umbau unseres Körpers."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.03.2015 - Design

Rose-Maria Gropp (FAZ) besucht die große Ausstellung im Maxxi Rom über italienische Mode der Jahre 1945 bis 1968. Auch die Architektur des Gebäudes wird gewinnbringend eingesetzt, meint sie: Es "schlängelt sich ein Laufsteg, wie ein Loop, in der oberen Etage des Gebäudes. Gesichtslose weiße Puppen paradieren dort, die schönsten Erzeugnisse italienischer Schneiderkunst sind ihnen übergezogen - auch eine Form von Demokratisierung. Also muss die Phantasie mitflanieren, samt ein wenig Adoration. Denn die Puppen auf dem imaginären Catwalk sind aus leichter Untersicht zu betrachten." (Foto: Germana Marucelli. Abito da sera, Linea Alluminio, autunno/inverno 1968-69. Paillettes su seta con motivi ideati con la collaborazione di Paolo Scheggi di cui si scorge sullo sfondo una parete dell"opera Intercamera Plastica. Archivio Germana Marucelli, Milano. Fotografia di Marcello Gobbi)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.03.2015 - Design


Tintenfisch von Giacomo Cappellin

Entzückt berichtet Thomas Steinfeld (SZ) von seinem Besuch des nach beträchtlichen Umbauarbeiten neu eröffneten Glasmuseums im italienischen Murano: "Von allen Materialien, aus denen sich Gegenstände des Gebrauchs fertigen lassen, ist Glas der eine Stoff, aus dem man Metaphysik machen kann. ... Die Pracht dieser Gegenstände wird begleitet von dem Trotz, dass es sie überhaupt gibt, und wenn es sich um zeitgenössische Objekte handelt, so gesellt sich dem "überhaupt" ein "noch" hinzu. Das Museum ist ein Akt der vergeblichen Auflehnung gegen die Industrialisierung, und diesem "noch" liegt das Wissen zugrunde, dass sich das Glas von seiner Verbilligung nicht wieder erholen wird.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.03.2015 - Design


Links: Alexander Wang für Alexander Wang. Rechts: Alexander Wang für Balenciaga. Beide RTW Sommer 2015

Für die 20-Jährigen ist Alexander Wang der neue Superstar unter den Modedesignern. 1983 in San Francisco als Sohn taiwanesischer Einwanderer geboren, gründete Wang 2005 sein eigenes Modelabel, 2012 wurde er Nachfolger von Nicolas Ghesquière bei Balenciaga. Zwei Jahre später kannten und liebten ihn auch die H&M-Kunden, für die er eine erschwingliche Kollektion entwarf. Mode ist für ihn vor allem "eine Art zu kommunizieren, eine Unterhaltung darüber, wer wir sind und wie wir leben möchten", erklärt Wang im Gespräch mit Jess Cartner-Morley vom Guardian. Das klingt naiv, doch der 31-Jährige hat einen ungewöhnlich scharfen Blick auf seinen Riesenerfolg, lernt Cartner-Morley. "Er versteht genau, dass seine Vision nur ein Teil dessen ist, was auf dem Laufsteg geschieht. Die Interpretation des Publikums trägt ebenfalls dazu bei. Über seine erste Kollektion für Balenciaga zum Beispiel, eine Umgestaltung klassischer Formen mit den technologisch neuesten Stoffen, die von den Kritikern als Wangs Versprechen gelesen wurde, das Haus zu modernisieren, sagt er: "Die Leute denken sie wissen, worum es dir geht, sie machen sich im Voraus eine Vorstellung von dir. Ich glaube, dass die Kollektion völlig anders interpretiert worden wäre, wenn ein Designteam aus dem Haus sich am Schluss verbeugt hätte. Das Publikum hatte vorgefertigte Erwartungen und es las in mich hinein, was es sah.""