In der
Zeit verabschieden der Philosoph
Markus Gabriel und der Kunsthistoriker
Wolfgang Ullrich ohne viel Federlesens die
Autonomie der Kunst, mit der es vorbei sei, gerade weil Kunst immer wichtiger werde: "Je mächtiger die Kunst wird, desto mehr muss sie sich anpassen" und "den jeweiligen
Höflichkeitsregeln folgen", verkündet Ullrich. "Denn sie will ja ein Teil der Gesellschaft sein und
keine Außenseiterposition einnehmen. Und anders als im Museum oder im Konzertsaal geht es jetzt nicht mehr darum, das Werk andächtig zu rezipieren. Viel wichtiger wird die
Teilhabe, und es geht, wie gesagt, um
Identifikation. Besonders ausgeprägt ist das etwa bei aktivistischer Kunst: Da stehe ich nicht als Betrachter am Rand, sondern bringe mich ein, weil die Kunst einem politischen Zweck folgt, den ich richtig und gut finde." Gabriel findet hingegen, die Kunst sei eigentlich immer noch frei, nur "
moralisch verwerflich" dürfe sie nicht sein.
Mit einer
Sonderausstellung, die mehr als hundert
Quadrate von Josef Albers zeigt, feiert das gleichnamige Museum in Bottrop die Eröffnung seines
Erweiterungsbaus und treibt Patrick Bahners (
FAZ) fast ins Delirium: "Die optischen Effekte sind oft beschrieben worden, und bei jeder Begegnung mit einem Gemälde aus der Serie können sie von Neuem begeistern. Die Flächen drängen hinaus über die Umrisskonstruktion, überschwemmen oder
unterlaufen die Linien, verschmelzen mit den Nachbarflächen, um wieder auseinanderzutreten, aber nicht fein säuberlich, sondern in Bewegungen eines Vor und Zurück wie Auf und Ab, die
instabile Übergangszonen des Aufleuchtens und Abklingens von Mischtönen erzeugen und im Auge Flecken hinterlassen. Das sind Wirkungen der Farbe".
Weitere Artikel: Felix Lill
erzählt in der
Berliner Zeitung von seiner Führung durch das
Nationale Palastmuseum in
Taipeh. In der
SZ berichtet Isabel Pfaff von zwei
Dauerleihgaben, die aus dem Kunsthaus in Zürich
verschwunden sind.
Besprochen werden eine Ausstellung der "exakten Malerei"
Michael Bettes in der Berliner Galerie Luzán (
Tsp), die Ausstellung zum
Ukrainekrieg "Früchte des Zorns" im Berliner
Haus am Lützowplatz (
taz) sowie die Ausstellungen "Wonderwalls" im
NRW-Forum Düsseldorf und "Susanna" im
Wallraf-Richartz-Museum Köln (die
SZ-Kritiker Alexander Menden für ihre
Niedrigschwelligkeit lobt).