Ferdinand Hodler, Die Nacht (1889-90). Foto: Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft / Wikipedia
Maria Becker (NZZ) betrachtet in der Ausstellung "Panorama Schweiz" im Kunstmuseum Bern die Pioniere der Schweizer Landschaftsmalerei zwischen Caspar Wolf und Arnold Böcklin. Dass auch die Beziehung des Menschen zur ihn umgebenden Natur im Fokus steht, hat zur Entstehungszeit nicht allen gefallen, lernt sie: "Die Schweizer Malerei am Ende des 19. Jahrhunderts brachte einen Symbolismus hervor, der realitätsnah und traumhaft zugleich anmutet. Genau diese eigentümliche Mischung war es, die das zentrale Werk von Hodlers internationalem Durchbruch zum Skandalbild machte. In den Jahren 1889 und 1890 entstanden, feierte 'Die Nacht' in Paris einen Triumph. In Genf wurde das Werk verboten. Dabei war es selbstverständlich nicht die geläufige Allegorie von Schlaf und Tod, die bei der ersten Präsentation der 'Nacht' Befremden erregte. Es war die explizit naturalistische Darstellung der Körper, die wie auf einer Bühne lagern. Für den Betrachter gab es keine Möglichkeit, sie nicht als real - das heisst, als Menschen der Gegenwart - zu sehen."
Dass Barbara Hepworth nicht nur eine der wichtigsten abstrakten Bildhauerinnen ist, sondern sich an ihren Skulpturen auch eine tiefe Naturverbundenheit erkennen lässt, siehtMonopol-Kritikerin Luisa Maitra in der Ausstellung "Barbara Hepworth: Art & Life", die in der Fondation Maeght in Saint-Paul-de-Vence gezeigt wird. Die Natur ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, aber: "Die Wahl der Materialien behält den Bezug zur Natur allerdings bei, und auch die künstlerische Praxis passt dazu - das direct carving. Die skulpturale Form entsteht durch das beherzte Herausarbeiten aus Holz oder Stein, anstatt sie zunächst in Ton zu modellieren. Hepworth selbst ist ein lebendiger Teil des Entstehungsprozesses. Sie sagt: 'Du kannst meiner Meinung nach keine Skulptur erschaffen, ohne deinen Körper einzubeziehen. Du bewegst dich und du fühlst und du atmest und berührst.'"
Weiteres: Florian Keisinger schreibt in der taz über die Diffamierung sogenannter "Entarteter Künstler" im Nationalsozialismus.
Sarah Schumann: Collages and Paintings from 1954 to 1982, 2025. Installation view, Meyer Riegger, Berlin Obwohl die Berliner Künstlerin Sarah Schumann lange in ihrer Heimat lebte und arbeitete, sind ihre Werke dort nur selten zu sehen, auch weil sie lange verschollen waren, weiß Antonia Wolff (taz), die sich umso mehr freut, dass die Berliner Galerie Meyer Riegger nun neben den abstrakten Gemälde auch jene rund sechzig Collagen zeigt, "für die sich heute auf dem Kunstmarkt der Begriff Schockcollagen etabliert hat. Ausschnitte aus Magazinen und Zeitungen verbindet sie zu surrealen, poetisch-dissonanten Kompositionen. Die Motive entstammen dem Zeitgeschehen: Autounfälle, Trümmerlandschaften, Soldaten, Erschießungskommandos. Der Vietnamkrieg taucht auf, auch der Zweite Weltkrieg, den die Gesellschaft der Adenauer-Ära so bemüht ist zu verdrängen. Dazwischen Pin-ups, Filmstars, antike Skulpturen. Immer wieder Marilyn Monroe ... Die Gleichzeitigkeit von Krieg und Gewalt, Konsum und Oberfläche machte die Pop Art ebenso zum Thema wie politische Künstler der Fluxus-Bewegung."
Roee Rosen, Maxim Komar-Myshkin, Vladimir's Night (2013/2025). Courtesy Roee Rosen Das Anliegen des Berliner Hauses der Kulturen in der Ausstellung "Global Facisms" sich der Frage zu stellen, was überhaupt "Faschismus" heißt, findet Jonathan Guggenberger in der FAS durchaus ehrenwert - nur wollen ihm die laut Ausstellungskatalog präsentierten "vielen Beispiele kleiner, weltweit unterschiedlich auftretender Faschismen" keine endgültige Antworten geben. Kunstwerke mit Klarheit und kritischem Witz sieht er dennoch, vor allem in "Werken, die ihre antifaschistische Widerstandskraft in der Satire auf bedrohlich reale Herrscher unter Beweis stellen. Der israelische Filmemacher Roee Rosen zum Beispiel zieht Russlands Diktator Putin mit seinem komplex chiffrierten Comicstrip 'Vladimirʼs Night' in den Abgrund einer pervers überzeichneten Verschwörung. Eine Rachephantasie, bei der Putin am Ende mit dornigen Dildos ermordet wird."
Weitere Artikel: Christiane Meixner berichtet im Tagesspiegel von der 20. Contemporary Istanbul, die sich als "Bastion gegen die Diktatur" behauptet, wie sie erlebt und wie ihr Messegründer Ali Güreli gegenüber betont: "Es gibt vielerorts Probleme mit der Demokratie und den Menschenrechten … Wir alle, und gerade die Künstler, müssen ganz ruhig bleiben, intelligent - und radikal." Ebenfalls im Tagesspiegel flaniert Nicola Kuhn durch die Kulturhauptstadt Chemnitz. In der NZZ blickt Lucien Scherrer auf Meret Oppenheimers Jahre im Tessiner Dorf Carona, wo sie auch Hermann Hesse kennenlernte, der eine dreijährige Ehe mit Oppenheimers Tante Ruth führte.
Besprochen werden außerdem die Ausstellung "An Opera Out of Time" mit Werken des kosovarischen Künstlers Petrit Halilaj im Hamburger Bahnhof (FAS), eine Ausstellung mit Werken der Stifterin in der Dorothea-Konwiarz-Stiftung (Tsp) und die große Carl-Schuch-Ausstellung im Frankfurter Städel (Welt, mehr hier).
Digitale Kunst hat auf dem Kunstmarkt einen schweren Stand, das Auktionshaus Christie schloss gerade erst seine Abteilung. In der dem französisch-mexikanischen Cyberpioner Miguel Chevalier gewidmeten Schau "Digital by Nature" in der Kunsthalle München ist davon aber nichts zu spüren, freut sich Andrian Kreye in der SZ, Chevalier holt seine Installationen aus dem virtuellen Raum der Rechner in die Wirklichkeit, staunt er: "Mit der künstlichen Intelligenz ... dreht sich Chevaliers Blick vom Inneren der Rechner ins Äußere. ... Er geht da von Benoît Mandelbrots Fraktalen aus, jenen Formgebilden, die mathematische Gleichungen in Geometrie übersetzten. Er findet sie zunächst in Blumen und Pflanzen, die er digitalisiert und dann wieder als Skulpturen zeigt. Immer tiefer steigt er in solche Formwandlungen aus der Natur. Das ist das Thema der Schau, die Parallele zwischen Natur und digitaler Welt, in der sich diese Formen immer wieder neu definieren. In Kristallen, Korallen und Schneckenhäusern, in den Brokkoliköpfen, Wurzelsystemen und Tannenzapfen. Da macht die KI das Unsichtbare sichtbar und verständlich."
Auf das inzwischen fünfzehnjährige Schaffen von Julius von Bismarck blickt Hannes Hintermeier (FAZ) indes im Kunsthaus Wien Museum Hundertwasser zurück. Immer wieder setzt sich der deutsche Künstler in seinen Videoarbeiten, Skulpturen und Installationen radikal mit den Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit auseinander, erklärt Hintermeier: "In der Videoarbeit 'Punishment' (2011) kämpft der schwarz gekleidete Künstler mit einer langen Peitsche am Strand von Rio de Janeiro in der Brandung mit den Wellen. Sechseinhalb quälend lange Minuten peitscht er sie aus, bis zur Erschöpfung. Ein sinnloses, großartiges Bild. Der Mensch, der Narr, in all seiner Vergeblichkeit."
In der FAZ verkündet Jürgen Kaube höchstpersönlich die Nominierten für den "Feuilleton-Preis der Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der mal Michael-Althen-Preis hieß. "Wie viel Zeit braucht die Kunst?" lautete die Preisfrage, nominiert sind: Ralph Dutli, Nora Gomringer, Torsten Körner, Bernhard Malkmus, Moritz Rinke, Natalia Roman und Klaus Rössler.
Faszinierende Licht-und-Schatten-Reflexionen bemerktFR-Autorin Hannah Čada in der Frankfurter Galerie Peter Sillem. Dort sind Fotografien des ungarischen SchriftstellersPéter Nádas' ausgestellt. Sie bestechen vor allem durch ihre Gegenwärtigkeit: "Es sind die Fragmente eines Moments, die erfasst werden, wo hauptsächlich die Begegnung des Lichts mit dem Raum beschrieben wird. Bei längerer Betrachtung sieht man fast, wie die Schatten, die die Blätter werfen, zu tanzen beginnen. So ruhig - oder beruhigend - die Fotografien wirken können, zeigen sie auch auf, dass nichts jemals ruht." Čada zufolge sind die Arbeiten außerdem von einer Nahtoderfahrung des Künstlers geprägt: "Er kann dadurch aus einer ganz anderen Perspektive erzählen, dass alles immer in Bewegung ist und ein Moment stets den nächsten jagt."
Außerdem: Katharina Rustler beschreibt im Standard die aktuelle Verkleidung des Eisernen Vorhangs der Wiener Staatsoper, die dieses Jahr von dem ghanaischen Künstler El Anatsui gestaltet wird. Besprochen werden die Schau "Show yourDarling" im Berliner ep.contemporary (taz) und Isabel Kittlers Fotoausstellung "Vergiss mein nicht! - Die letzten Ostfrauen" im ebenfalls Berliner Dock 11 (BlZ).
Weiteres: In der SZ berichtet Till Briegleb von der 18. Istanbuler Biennale. Besprochen werden die Ausstellungen "Fra Angelico" im Palazzo Strozzi und Museo di San Marco in Florenz (NZZ), "Jitka Hanzlová: Identities." in der Albertina in Wien (taz) und "Bis es wehtut - Eine Gruppenausstellung zum Werk von Sascha Weidner" im Kunstverein Wolfenbüttel (taz).
Georges de la Tour: La Madeleine pénitente. Credit: National Gallery of Art, Washington.
Die Georges de la Tour-Ausstellung im Pariser Musée Jacquemart André regt Hans-Joachim Müller in der Welt an, ein wenig über das Leben des Künstlers nachzudenken, über das kaum etwas bekannt ist. Die Bilder, die mit neuer "virtuoser Lichtregie" überzeugen, brauchen aber vielleicht auch wenig biografisches Beiwerk, auch wenn das "unserer Zeit, die die schillernde Künstlerperformance braucht, um an der Kunst Gefallen zu finden, fast unverständlich" ist. "Und doch kann man es ganz gut aushalten, dass der Maler sein Lebensgeheimnis ins Geschichtsgrab mitgenommen hat. Seine Bilder sind Geheimnis genug." Ob er, der vor rund 400 Jahren malte, wohl in Italien war, um von den Meistern dieser Zeit zu lernen? "Woher sollte der Lothringer sein Faible für die flackernde Beleuchtungsmagie haben, wenn er solche Effekte nicht bei italienischen Meistern wie Guido Reni oder Carlo Saraceni gelernt hat, die um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert aus Caravaggios Hell-Dunkel-Theatralik populäre Barockformeln gemacht haben? Heute neigen die Kunstwissenschaftler eher zur Skepsis."
Für Hanno Rauterberg in der Zeit entwickeln die Bilder einen "grundstürzenden" Sog: "Nie sieht man auf seinen Bildern ein Fenster, eine Tür, nichts öffnet sich dem Außen und lässt den Tag herein. Es gibt da nur ein schwarz umhülltes Jetzt, einen oft rätselhaften Moment der Verhaltenheit. Und doch ist die Dunkelheit dieses Künstlers nie düster. Im Gegenteil, er malte sich immer weiter hinein ins Unmalbare, in jene Sphären, die sich dem Auge entziehen. Und hoffte innig darauf, dass sich im Unsichtbaren ein neuer Anfang zeige."
Besprochen werden: Die Ausstellungen "Die Möglichkeit der Unvernunft" von Jan Böhmermann & Gruppe Royale im HKW Berlin (Welt, SZ, Tagesspiegel, Monopolinterviewt Böhmermann), "John Singer Sargent - Éblouir Paris" im Pariser Musée d'Orsay (NZZ) und "Göttlich! Meisterwerke der italienischen Renaissance" im Diözesanmuseum Freising (FAZ).
Tobias Pils, Sleepers (2), 2022. Rachovsky Collection, Dallas. Foto: Jorit Aust, Copyright: Tobias Pils Im Standardschreibt Michael Wurmitzer mit großer Sympathie über den österreichischen Künstler Tobias Pils, dem das Mumok sozusagen Mid-Career eine große Ausstellung widmet: Er ist in dieser Zeit "von der Abstraktion aufs Figurative gekommen und vom Schwarz-Weiß-Grau auf die Farbe." Oft spielte der Zufall mit, lernt Wurmitzer von dem Künstler. "Nehmen wir seinen 'Blindensturz' von 2024, das Vorbild von Pieter Bruegel kennt er seit der Kindheit. Eines Tages habe er sich gefragt, wie es sich anfühlen würde, es zu malen. Er begann, und als er am nächsten Tag wieder ins Atelier kam, beschloss er, es bei nur drei der taumelnden Figuren und ohne den Hintergrund zu belassen. 'Wozu Hintergrund? Sie sehen ja nichts.' Es ist, in Grün gehalten, auch eines seiner frühesten bunten Bilder. Die Farbe habe sich in sein Werk 'eingeschlichen', sagt Pils. Nämlich indem er einmal die falschen Tubengekauft habe, blaue statt schwarze. So kam es zu blauen Bildern, mit Ocker gemischt ergab das Blau einen Grünton. In der Folge ging er ins Geschäft, machte die Augen zu, griff sich ein paar Tuben."
In der FAS berichtet Karen Krüger von der Istanbul Biennale, die "Zukunftsfähigkeit durch Widerstand, Solidarität und Resilienz" feiert. Besonders Resilienz hat die Kunstszene in der Türkei bitter nötig: "Eine Zäsur bedeutete 2017 die Inhaftierung des Kunstmäzens Osman Kavala auf Grundlage hanebüchener Anschuldigungen. Er ist weiterhin im Gefängnis, obwohl der Europäische Gerichtshof schon 2019 urteilte, dass er freigelassen werden muss. Was Europas Gerichte sagen, ist Ankara mittlerweile egal und die Sittenwächter der Regierungspartei gehen gegen alles vor, was nicht in das Bild ihrer religiös-konservativen Türkei passt." Die Istanbuler Kunstszene erinnert immer wieder mit Kunstaktionen an Osman Kavala, erzählt der Künstler Halil Altındere. "'Das Problem ist, dass die Künstler politisch sind, aber dass die Museen und Institutionen stumm bleiben, obwohl Kavala mit sehr vielen von ihnen zusammenarbeitete. Ich empfinde das als großes Problem.'"
In monopol stellt Simon Elson in einem ausführlichen Artikel die Künstlerin Schirin Kretschmann vor, die gerade eine Ausstellung im Freiburger PEAC Museum hat: "Kretschmann führt auf zwei Metern Höhe ein dunkelgraues, gut hundert Meter langes Gurtband durch die - inklusive Vorzimmer - zehn Museumsräume, setzt es mit einer riesigen Ratsche unter Spannung, verschnürt oder umarmt damit die gesamte Institution. 'Ten By One', so heißt diese Arbeit und auch die Ausstellung. Weil in diesem Museum 'alles Malerei ist', so formuliert es Kretschmann, funktioniert ihr vorsichtiger und doch kompromissloser Eingriff exzellent. Mit kleinen Mitteln erzeugt sie große Wirkung, eben auch, weil sich alles auf die Geschichte des hier gesammelten radical painting bezieht. Dieses hat der Malerei längst ihre einst durch klassische Verfahren, Farbpalette, Pinsel und Bilderrahmen gesetzten Grenzen eingerissen. Und Kretschmann findet den aus dem Bildlichen gelösten ästhetischen Kern im gesamten Bewegungsraum. So können die farbigen Schaumstoffpolster, die den Druck des Gurts auf die Türrahmen abfangen, ebenso malerische Impulse sein wie die grauschwarzen, zerschnittenen Schmutzfangmatten von 'Exit'."
Stephanie Comilang, Still von Search for Life II, 2025. Video, Farbe, Ton, 18:22. Min. Courtesy of the Artist ChertLüdde, Berlin, and Daniel Faria Gallery, Toronto. Search for Life is a work in the form of a diptych commissioned by TBA21, Sharjah Art Foundation, and The Vega Foundation. Collection of The Vega Foundation Für die FR kann Sylvia Staude in der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt die philippinische Künstlerin Stephanie Comilang und deren Videoarbeiten entdecken, die im Ausstellungsraum "prachtvoll eingerichtet sind. Das beginnt mit der jüngsten, 'Search for Life II' von 2025, die auf einen Vorhang aus Kunststoff-Perlen projiziert wird. Denn es geht um Perlenhandel, Perlenzucht, Perlentaucher der indigenen Sama-Bajau, die früher von ihrer gefährlichen Arbeit gut leben konnten. Ein Mann zählt auf, was mit dem Erlös für eine Perle alles gekauft werden konnte, 'die Dinge waren so günstig', sagt er. Man sieht Männer, die ohne jede Ausrüstung tauchen. Man hört, dass es Tote gab. Aber dann wurde die Perlenzucht lukrativer. Kurz sind die Blicke auf Berge von Muschelschalen, auf einen chinesischen Perlenmarkt - die Videoarbeit ist 18 Minuten lang."
Weiteres: Im Tagesspiegelberichtet Hanno Rehlinger, dass der einzige Studiengang zur Kunst Afrikas an der FU Berlin, Sparplänen zum Opfer fallen könnte. Im taz-Gespräch unterhält sich die Philosophin Dorothea Winter mit Marc Tawadrous über KI, Kitsch und Kunst. Besprochen wird die Ausstellung "Georges de la Tour - Entre ombre et lumière" im Musée Jacquemart-André in Paris (Zeit) und die Ausstellung "Wotruba International" im Belvedere 21 in Wien (FAZ).
Carl Schuch - Waldinneres beim Saut du Doubs. Belvedere, Wien. Quelle: Städel Die große Carl-Schuch-Ausstellung im Frankfurter Städel, die siebzig Bilder des österreichischen Malers (1846-1903), der vor allem für seine Stillleben und Landschaftsmalerei bekannt ist, mit Werken französischer Meister von Cezanne bis Manet kombiniert, sorgt in den Feuilletons für Furore. Stefan Trinks feiert in der FAZ in erster Linie Schuchs Arbeit mit Farben: "Der Begriff Tonalität klingt nicht ohne Grund nach Musik; für jedes seiner Stillleben legt Schuch mit den Farben von Neuem eine eigene Rhythmik über die Farbtonwerte fest. Häufig wie die alten Niederländer und Rembrandt vor tiefem Schwarz, lässt er das flammende Orange seiner herbstlichen Kürbisse leuchten, nicht ohne sie wie Vermeer mit dem Pinsel zu akupunktieren (oder wie Trübner zu stricheln), indem er scheinbar abstrakt punktartige Tupfer auf die Oberflächen der Dinge setzt, die eben keine Lichtreflexe sind."
Auch Judith von Sternburg setzt sich in der FR mit Schuchs Arbeitsweise auseinander: "Man muss sich, das ist das Wichtigste und prägt die Schau, Schuch als experimentierfreudigen, akribischen Tüftler an der Leinwand vorstellen, skeptisch gegen andere, aber vor allem gegen sich selbst. Er überarbeitete die eigenen Bilder manisch, wie es scheint, legte Schicht über Schicht, umkreiste dieselben Motive immer wieder in diversen Varianten. Machte sich Notizen über die Bilder anderer, skizzierte Anordnungen, ging den Farbwerten nach."
Michael Wurmitzer unterhält sich im Standard mit Erik Berger von der Wiener LIK Akademie für Fotografie darüber, was es bedeutet, wenn KI-generierte Bilder Preise erhalten wie gerade dieses Foto Roberto Corinaldesis. Berger hält nicht viel von der These, dass die neue Technik künstlerische Leistung entwertet. Vielmehr fange die Kreativität "dann halt beim Prompten an. Ich habe auch bereits hunderte Porträts KI-generiert, aber keines davon würde auch nur irgendwie annähernd in einem Wettbewerb etwas reißen. Auf die Idee, das zu prompten, muss man erst einmal kommen, wie der Mann ausschaut, dass die Katze mit dabei ist. Allein das ist für mich bereits ein kreativer Prozess. Man macht nicht ein Prompt, und das Bild ist da, da geht sehr viel geistige Leistung hinein."
Weitere Artikel: Stephanie Buhmann besucht für monopolCalder Gardens, einen Kunstgarten in Philadelphia. Sebastian Frenzel beschäftigt sich ebenfalls auf monopol mit der Studie "Von der Kunst leben", die die finanzielle Lage von Künstlern evaluiert und sieht Licht und Schatten.
Besprochen werden die an verschiedenen Orten in der Metropolregion Hamburg präsentierte, unkuratierte Schau "Kunstgriff Dithmarschen" (taz), Tabita Rezaires Ausstellung "Calabash Nebula: Cosmological Tales of Connection) im Weltmuseum Wien (Standard), Clara Bahlsens Solo-Schau "Magical Rage" in der Berliner Galerie Villa Heike (taz), "Für Kinder. Kunstgeschichten nach 1968" im Münchner Haus der Kunst (Tagesspiegel), die Plattenbauten-in-der-Kunst-Ausstellung "Wohnkomplex" im Potsdamer Das Minsk (Welt) und "In touch. Encounters in the Collection" in der Hilti Art Foundation, Vaduz (monopol).
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