Peter Richter (SZ) schwant nichts Gutes für die nächste Documenta: Naomi Beckwith, künstlerische Leiterin der kommenden Documenta, kuratiert im Pariser Palais de Tokyo derzeit die Ausstellung "Echo Delay Reverb", die sich mit dem Einfluss der "French Theory" von Foucault bis Derrida auf amerikanische Kunst befasst. In diesem Kontext war auch das Werk "Replacement" des amerikanischen Künstlers Cameron Rowland zu sehen, der die 2023 neu eingeführte Fahne von Martinique anstelle der französischen vor dem Gebäude hisste. Weil dies gegen das Gebot der Neutralität an öffentlichen Gebäuden in Frankreich verstoßen könnte, ließ Beckwith die Fahne entfernen, was Richter an den berühmten Marketingtrick jenes Berliner Galeristen erinnert, "der in den Sechzigern gleich selbst die Polizei alarmierte, dass in seinen Räumen womöglich Sittenwidriges gezeigt werde - und rechtzeitig zur Beschlagnahmung dann auch der Presse einen Tipp gab." Auch der Rest der Ausstellung kann ihn nicht überzeugen: "So vieles drängt hier mit aktivierendem Impetus von der Wurzel (dem Übel) stramm zur Krone (der Abschaffung des Übels) und ist damit das Gegenteil dessen, was Deleuze und Guattari mal als hierarchiefreies Wuchern des Rhizoms idealisiert hatten. Das eigentlich Eindrucksvolle ist am Ende eher, wie sehr sich die Kunst auf dem Weg ins Aktivistische von French Theory und Postmoderne wieder entfernt hat." Vor zwei Wochen hatte Ulrike Knöfel die Ausstellung für den Spiegel begutachtet.
Félix Vallotton: Cinq heures, 1898. Tempera auf Karton, 35,6×58,2 cm. Collection particulière Foto: Peter Schälchli, Zürich Uta Appel Tallone besucht für die NZZ die große, zum hundertsten Todestag des schweizer-französischen Malers stattfindende Felix-Vallotton-Retrospektive im Musée cantonal des Beaux-Arts in Lausanne und freut sich über die "messerscharfe Ironie", mit der Vallotton in seinen Interieurszenen die "heuchlerische" Bourgeosie vorführte. Weniger anfangen kann sie freilich mit der von der Kunstgeschichte gern übersehenen Abfälligkeit, mit der Vallotton Frauen behandelte: "Seine stilisierten Bilder weiblicher Blöße, in welchen er die Neue Sachlichkeit vorwegzunehmen schien, wirken oft auffällig unsinnlich. Allen voran das Gemälde, in dem der Maler auf ein Hinterteil mit Cellulite im Frühstadium zoomt ('Étude de fesses', 1884), als wäre es eine Landschaft. Man spürt in diesen Werken seine Distanz zu den Frauen. Ihre Emanzipation beobachtete er mit Skepsis und fürchtete, wie seinen Schriften zu entnehmen ist, ihre Vorherrschaft."
Weitere Artikel: Der Preis der Berliner Nationalgalerie 2026 geht an den italienischen Künstler Maurizio Cattelan, meldet die FR. Besprochen werden außerdem die Jacques-Louis-David-Ausstellung im Pariser Louvre (Welt) und die Robert-Grosvenor-Ausstellung im Museum Fridericianum in Kassel (taz).
Hili Perlson schaut sich in der taz in der Kunstszene von Kasachstan und Usbekistan um, wo derzeit allerhand in Bewegung ist. Kasachstan verdankt zahlreiche neue Kulturinstitutionen privaten Geldgebern, in Usbekistan setzt sich Präsident Shavkat Mirziyoyev höchstselbst für die kulturelle Transformation ein, etwa in dem die staatlichen Stiftung für Kunst- und Kultur (ACDF) ein gigantisches Staatliches Museum plant oder Biennalen ausrichtet. Da möchte Perlson schon wissen, woher das plötzliche Interesse an Kunst kommt. Soll die miserable Lage der Menschenrechte verdeckt werden? Das könnte klappen, immerhin ist "die Kunstwelt in dieser Frage nicht gerade für ihre Integrität bekannt ist, ohne Bedenken zieht jetzt die Kunstmesse Art Basel auch nach Katar. Laut einem jüngeren Bericht der NGO Freedom House wird Usbekistan als 'unfrei' eingestuft. Unter Präsident Shavkat Mirziyoyev sind Oppositionsparteien oder freie Versammlungen nicht geduldet, staatlich kontrollierte Medien, Justiz und Legislative fungieren weitgehend als Instrumente der Exekutive. Es herrscht keine Meinungsfreiheit, Folter in der Haft ist üblich."
Weitere Artikel: Nachdem die Bührle-Stiftung die rechtlichen Grundlagen geschaffen hat, um ihre Kunstsammlung aus der Stadt Zürich abziehen zu können (unsere Resümees), macht sie sich nun in einem öffentlichen Dokument doch Luft, meldet Marius Huber auf Seite 1 der NZZ: "Die Sammlung sei mit der pauschalen Behauptung diskreditiert worden, sie sei 'letztlich das Ergebnis des Holocaust'. Und: 'Die negativen finanziellen, personellen und reputationsmäßigen Auswirkungen auf die Stiftung (...) waren enorm.'" Im Tagesspiegel fragt sich Birgit Rieger, was die Erhöhung von zwei Euro bei den Eintrittspreisen der Berliner Museen genau bringen sollen. Ebenfalls im Tagesspiegel stellt Birgit Rieger den Ukrainer Vasyl Cherepanyn vor, der die nächste Berlin Biennale kuratieren wird. Georg Imdahl porträtiert für die FAZ die Berliner Künstlerin Taslima Ahmed, die digitale Gemälde schafft.
Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Klangwelten" auf der Art Basel, die Einblick in die Kunstsammlung der Landesbank Baden-Württemberg gibt (Welt) und die Ausstellung der Scharf Collection in der Alten Nationalgalerie in Berlin (Tsp, mehr hier).
Dario di Giovanni, zugeschr.: Jungfrau mit Einhorn (Portrait der Caterina Corner als Allegorie der Keuschheit), um 1467/68, Keresztény Múzeum / Christliches Museum, Esztergom Viele verschiedene Formen durfte das Einhorn in den vergangenen 4.000 Jahren annehmen, lernt Andreas Kilb (FAZ) im Museum Barberini, das derzeit die Geschichte des Fabelwesens erzählt. Auf Gemälden, Tapisserien, Altarbildern, Stichen und Skulpturen eröffnet sich Kilb ein "Panoptikum der Pracht". Mitunter trat das Einhorn wild und böse auf, im christlichen "Physiologus" wurde es wiederum mit Jesus gleichgesetzt: "Auf einem Bildteppich zu dem höfischen Versroman 'Der Busant' treibt es sich mit den 'wilden Leuten', den Waldmenschen, im Dickicht herum, auf einer Zeichnung aus Florenz meuchelt es ein Reh. Es steht für Reinheit, aber auch für ungebändigte Natur, für Eros und Tod. Erst wenn die Jungfrau sein Horn packt, wird es zahm."
Dass der Ursprung von Alberto Giacomettis kubistisch-existenzialistischem Werk nicht in Paris, seiner Wirkungsstätte, sondern in seinem Geburtstort, dem schweizerischen Bergell liegt, erfährt Bernhard Schulz (Tagesspiegel) in der Ausstellung "Das Maß der Welt", für die die Kunsthalle Bremen über einhundert Plastiken, Gemälde und Zeichnungen zusammengetragen hat. So bezieht sich etwa die Figurengruppe "'Lichtung', neun überschlanke Figuren auf einer annähernd quadratischen Grundplatte und eines der Hauptwerke des Künstlers, ... unmittelbar auf eine Lichtung oberhalb von Borgonovo, dem Geburtsort des Künstlers. Diese Lichtung gibt es unverändert, als ob der junge Giacometti gerade hier gewesen wäre - die hochragenden Tannen, welche die weite Lichtung umstehen, lassen die späteren Figuren erahnen."
Es ist schon beachtlich, mit welcher Chuzpe deutsche Zeitungen und Magazine jeden kritischen Ton vermissen lassen, wenn sie über kulturelle Ereignisse in Saudi-Arabien berichten. Aktuelles Beispiel ist das Gespräch, das Elke Buhr für monopol mit Nora Razian und Sabih Ahmed führt, die die kommende Diriyah Biennale in Riad kuratieren werden. Gefragt, was Saudi-Arabien sich von den Investitionen in die Kultur erhoffe, antwortet Ahmed: "Wir sehen den Wert dieser Biennale darin, dass sie eine kritische Plattform ist, die zeigt, welche Fragen weltweit gestellt werden - und wie die Welt durch die Praktiken zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler wahrgenommen wird. Das bietet eine andere Perspektive als beispielsweise eine Kunstmesse oder ein Museum. Eine Biennale in Saudi-Arabien zu veranstalten, ist an sich schon ein Statement." Wir fragen uns, was für ein Statement gemeint ist.
Weiteres: Nicolas Freund resümiert ebenfalls in der SZ das Hin und Her um das Werk "Saint or Sinner" des britischen Künstler Mason Storm, das einen gekreuzigten Donald Trump auf einer Hinrichtungspritsche zeigt und nach Kritik katholischer Geistlicher zunächst nicht auf der Art Basel gezeigt werden sollte. In der NZZschreibt Renato Schatz zum Thema. Nun ist es zwei Wochen lang in der Innenstadt zu sehen. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Global Fascisms" im Berliner Haus der Kulturen der Welt (taz, mehr hier)
Ausstellungsansicht Solastalgie Asad Raza: Root sequence. Mother tongue, 2017, Foto: Jens Gerber "Solastalgie" bezeichnet das Gefühl der Trauer über eine Umwelt, die sich durch den Klimawandel rasch verändert: Für Monopolwandert Katharina Cichosch durch die gleichnamige Ausstellung im Museum Giersch in Frankfurt, wo der Künstler Asad Raza einen Interieur-Forst angelegt hat: "Etwas Lebendiges ist in den Ausstellungsraum eingezogen. Olivenbaum und Fächerahorn haben ihre Blätter auf den roten Teppich geworfen; Nadelbäume bleiben auch im White Cube immergrün (...) Mitten in den künstlich angelegten Interieur-Forst wurden weitere Landschaften gehängt: Der Stadtwald, das Mainufer an der Gerbermühle, der Garten des benachbarten Liebieghauses, den Jakob Nussbaum 1922 im Winter festgehalten hat. Schnee, Blüten, Obstbaumwiesen."
Für Aufregung sorgte eine in der Galerie Gleis 4 in Basel ausgestellte Skulptur mit dem Titel "Saint or Sinner", meldet der Tagesspiegel mit dpa: Es ist eine recht lebensecht wirkende Figur von Donald Trump - in orangenem Häftlingsanzug, auf eine kreuzförmige Bahre geschnallt, die an die Liegen denken lässt, die bei Hinrichtungen mit Giftspritze verwendet werden. Sie stammt vom Künstler Mason Storm.
Besprochen wird Isaac Juliens Installation "All That Changes You. Metamorphosis" im Palazzo del Te in Mantua (FAZ).
FAZ-Kritiker Stefan Trinks fühlt sich in der Marina Abramović-Retrospektive in der Wiener Albertina Modern geläutert durch den Schmerz und die extremen Situationen, in die sich die Performance-Künstlerin mit ihrem Körper begibt: "Wie sehr dies alles innere Ausgleichsprozesse sind, die damit auch jeder Betrachter unmittelbar nachvollziehen kann, erweist sich in der Arbeit 'Artist Portrait with a Candle' von 2012. Vor pechschwarzem Hintergrund sitzt Abramović allein mit einer Kerze in der Hand wie die Lesende auf dem meditativen Bild Gerhard Richters. Die absolute Stille ist ohrenbetäubend. Dieses spürbare In-sich-Hineinhorchen und die Selbstbesinnung markieren ebenso wie Abramovićs meditativer großer Marsch auf der chinesischen Mauer nach der Trennung vom Partner Ulay einen Stilwechsel, hin zu mehr Ruhe und Innerlichkeit. Totale körperliche Verausgabung wird seither durch psychische Intensivierung ersetzt."
Weiteres: Die Louvre-Diebe sind offenbar Kleinkriminelle aus der Pariser Umgebung und nicht Teil organisierter Verbindungen, meldet die Zeit. Dass die diversen Sicherheitslücken des Museums geradezu zum Überfall einluden, darüber macht sich Annika Joeres ebenfalls in der Zeit Gedanken. Das Grand Egyptian Museum in Gizeh feiert die Wiedereröffnung, weiß die FAZ. Besprochen wird die Ausstellung "O Mensch! Wilhelm Lehmbruck - Die letzten Jahre. Dialog mit Yves Netzhammer" im Kunsthaus Zürich (NZZ).
Die 6. Kyiv Biennale findet aktuell unter dem Motto "Near East, Far West" in Warschau statt und der FAZ-Kritiker Bernhard Schulz findet den Titel klug gewählt, zeigt die Schau doch, wie sehr die gegenwärtigen Weltkonflikte miteinander verwoben sind: "So sind die Ruinenfragmente von der ukrainischen Frontlinie, die der in Kiew gebürtige Nikita Kadan unter dem Titel 'Ruhe im Klassenzimmer' auf schlanke Gestelle platziert und zu einem bildhauerischen Ensemble von hohem ästhetischen Reiz arrangiert hat, die Zeugnisse der fürchterlichen Zerstörungskraft heutiger Waffen, gleich wo sie eingesetzt werden. Die Schwarz-Weiß-Fotografien, die Documenta-Teilnehmer Artur Żmijewski vom Denkmal auf dem Sowjetischen Soldatenfriedhof seiner Vaterstadt Warschau gemacht und dann zu der Arbeit 'Recomposition 2024-2025' überblendet hat, lassen dessen konkrete Aussage als Erinnerung an eben die Armee der Sowjetunion verschwinden. Was bleibt, ist die latente Gewalt, die jedem Kriegsdenkmal eigen ist, gelte es den Siegern oder den Opfern."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Farbprächtige Fantasiewesen und -landschaften strahlen Sylvia Staude (FR) von den Wänden des Weltkulturenmuseums in Frankfurt entgegen - und doch geht es auch immer politisch zu in der Schau "Sheroes", die sich Comic-Kunst aus Afrika widmet. Etwa im Sachbuch-Comic "Crossroads", "mit dem trotzigen Untertitel 'I Live Where I Like'. Crossroads hieß eine Siedlung in Kapstadt, dort lebende Frauen organisierten sich in den 1970ern, also im Apartheidsregime, mit Erfolg gegen die Zerstörung der Siedlung, die Vertreibung und für bessere Bildung und guten Wohnraum. Die südafrikanische Historikerin Koni Benson hat über Crossroads und den mutigen Aufstand der Frauen geforscht, sich dann mit Zeichnern zusammengetan, um dieses historische Ereignis so munter zu erzählen, dass es jeder und jede anschauen und lesen möchte."
In der FAS läutet der Schriftsteller Alexander Schimmelbusch ein "neues Zeitalter der Worte" ein, denn dank Künstlicher Intelligenz reiche es künftig, nur noch die Idee zu einem Kunstwerk zu formulieren: "Schon bald wird auf dem Campus einer jeden Kunsthochschule ein prachtvoller Universal-Generator stehen, der auf Sprachbefehle der Studentinnen hin Resultate in Wachs, Fiberglas, Stahl, Bronze, Gummi, Ton und Porzellan wird liefern können und natürlich in Marmor, das geht schon heute, da Jeff Koons mit seinen Technikern den Prototyp einer Maschine entwickelt hat, die mit seinen Ideen gefüttert werden und dann meterhohe Skulpturen aus tonnenschweren Steinblöcken fräsen kann, mit einer Präzision im Detail, die jenseits der Fertigkeit eines jeden menschlichen Bildhauers liegt - man siehe nur die Wogen aus bauschigen Tüllfalten im Tutu seiner 'Pink Ballerina'."
Weitere Artikel: Für die Bilder-und-Zeiten-Seiten der FAZ besucht Leander Berger die Comic-Zeichnerin Anna Haifisch in Leipzig. Ebenfalls auf den Bilder-und-Zeiten-Seiten der FAZ erzählt Georg Imdahl, wie er versuchte Bruce Nauman in Berlin zu treffen. Die Choreografin Florentina Holzinger wird Österreich bei der Kunst-Biennale in Venedig vertreten, meldet der Tagesspiegel.
Besprochen werden außerdem die Ausstellung Mario Schneiders Bildband "New York Short Stories" (FAZ), die Biennale in Istanbul (Welt, mehr hier) und und die große Gerhard-Richter-Ausstellung in der Fondation Louis Vuitton in Paris (NZZ, mehr hier).
Museum Kunstpalast. Foto: Melanie Zanin SZ-Kritikerin Marie Schmidt kann gar nicht fassen, dass der Duft nicht längst zur Kunst erhoben worden ist. Umso dankbarer ist sie, dass das Düsseldorfer Museum Kunstpalast nun mit dem Duftdesigner RobertMüller-Grünow die Ausstellung "Die geheime Macht der Düfte" umgesetzt hat. Ein mit Regenbogenfarben markierter Pfad führt in achtzig Düften durch die Sammlung: "So lernt man, wie im 18. Jahrhundert Lavendel, Orangenblüte und Veilchen zusammen den Gestank am absolutistischen Hof von Versailles überdecken halfen und was im 19. Jahrhundert die Segnungen der Chemieindustrie brachten, Vanillin, Zimtaldehyd und das Zuckeraroma von Cumarin. Duftstoffe, die in der Parfümindustrie heute vorkommen, wenn etwas Hautnahes, Menschelndes künstlich geschaffen werden soll, Hedion und Galaxolide kann man hier einmal isoliert wahrnehmen. (…) Sogar wo etwas Unangenehmes, Stinkendes gemeint ist: Straßen von Paris im 18. Jahrhundert, 'symbolisch nachempfunden' in einer synthetischen Molekülkomposition, riechen wie ein gefegter Heuschober, an dem vielleicht ein müder Gaul vorbeimarschiert ist." Ein schöner Anlass, um an die Duft-Kolumne "Essenzen" zu erinnern, die Claus Brunner für den Perlentaucher geschrieben hat.
Weitere Artikel: Im Tagesspiegel begrüßt auch Rolf Brockschmidt die Wiedereröffnung des Staatlichen Museums Schwerin (unser Resümee). Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Die Scharf Collection: Goya - Monet - Cezanne - Bonnard" in der Alten Nationalgalerie (FR, mehr hier), die immersive Ausstellung "Nightcrawlers" in der Malzfabrik in Schöneberg (taz), die Ausstellung "Asta Gröting: Ein Wolf, Primaten und eine Atemkurve" im Frankfurter Städel (SZ) und das von Olafur Eliasson kuratierte "Festival of Future Nows" in der Neuen Nationalgalerie (Tsp).
Ausstellungsansicht: "Minimal". Bourse de Commerce - Pinault Collection, Paris. Foto: Florent Michel / 11h45 / Pinault Collection Ein wenig verloren und zusammenhanglos wirken die minimalistischen Werke von Künstlern aus Amerika, Europa und Asien aus den 1950er- bis 2010er-Jahren in der riesigen Pariser Bource de Commerce, die seit einigen Jahren die Sammlung Pinault beherbergt, schon, findet Adrian Searle im Guardian. Die einzelnen Positionen faszinieren ihn dennoch - etwa die Gemälde des Amerikaners Robert Ryman, "deren weiße Pigmentfelder aneinanderstoßen, sich aneinander schmiegen und an den Rändern ihrer farbigen Leinwandträger entlanggleiten. Weiß singt gegen Rostrot, ein schmutziges Khaki, ein gedämpftes Grün. Ryman hat mit so wenig so viel erreicht. In seiner Kunst dreht sich alles um Oberfläche und Volumen, Nuancen und Berührung und das Wissen, wann man aufhören muss."
Weitere Artikel: Nun also doch: Lucas Cranachs Marienaltar, der von dem Künstler Michael Triegel neu geschaffen wurde (unser Resümee), musste den Naumburger Dom nach heftigen Protesten deutscher Denkmalschützer verlassen, berichtet Evelyn Finger auf den Glauben-und-Zweifeln-Seiten der Zeit.: Asyl findet er zwei Jahre lang in Rom, in der Kirche des Campo Santo Teutonico, einer deutschsprachigen Enklave an der Südseite des Petersdoms. In der tazgratuliert Tom Mustroph der staatlich finanzierten "Anti-Institution" Savvy Contemporary, einem Berliner Kunstort, der sich vor allem dem Thema "Dekolonialisierung" widmet, zum fünfzehnjährigen Bestehen. Für die NZZtrifft sich Mark von Huisseling mit dem Lichtkünstler Christian Herdeg, dessen 1995 im Verwaltungsbau des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ) errichtetes Kunstwerk "Lichtsegel" und seine 1986 für den Zürcher Flughafen gestaltete Lichtröhren-Installation "So near - so far" spurlos verschwunden sind. Das EWZ teilte immerhin auf Nachfrage mit, man habe das Werk "entsorgen" müssen.
Besprochen werden außerdem die große Gerhard-Richter-Retrospektive in der Fondation Louis Vuitton in Paris ("So schön, so umfassend wurde sein Werk noch nie gezeigt", findet Zeit-Kritiker Hanno Rauterberg, mehr hier), die Ausstellung "Italien in Linien. Meisterzeichnungen von Christoph Heinrich Kniep" im Museum Casa di Goethe in Rom (FAZ) und die Ausstellung "David Weiss. Der Traum von Casa Aprile" im MASI Lugano (taz).
Klaus Rössler macht sich in der FAZ Sorgen um das Überleben digitaler Kunst. Gar nicht so sehr in technischer Hinsicht: Ansätze zu einer Archivkultur auch für Online-Kunstwerke gibt es durchaus. Aber "was fehlt, ist oft die emotionale, soziale Pflege. Wie bei einer Skulptur, die restauriert werden muss, verlangt auch digitale Kunst Zuwendung, nicht nur technischen Erhalt. (…) Die Kunst der Renaissance liebte die Ruine. Sie war Zeichen vergangener Größe, aber auch Projektionsfläche für neue Ordnung. In der Romantik wurde sie zum Inbegriff des Erhabenen, als Symbol des Vergehens und der Ewigkeit zugleich. Vielleicht braucht auch die digitale Kunst eine solche Perspektive."
Außerdem: Till Fellrath und Sam Bardaouil unterhalten sich mit monopol-ler Felix von Boehm über die von ihnen kuratierte Taipeh-Biennale. Ebenfalls bei monopolporträtiert Elke Buhr Ken Nwadiogbu, der für den hauseigenen Young Generation Art Award 2026 nominiert ist.
Besprochen werden die Schau "Die Pazzi-Verschwörung. Macht, Gewalt und Kunst im Florenz der Renaissance" im Berliner Bodemuseum (FAZ), "Mensch Maschine: Return to Earth" im E-Werk Luckenwalde (taz), "Diane Arbus: Konstellationen" im Gropius Bau, Berlin (Welt) und die Ausstellung "Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst" im Potsdamer Museum Barberini (monopol).
"Ein unvergleichliches Panorama der surrealistischen Bewegung von den 1920ern bis in die Nachkriegszeit" wirdFR-Kritikerin Judith von Sternburg in der Ausstellung "Netzwerke des Surrealismus" in der Neuen Nationalgalerie in Berlin präsentiert. Die Schau zeige eine exquisite Auswahl von Werken aus der Sammlung von Ulla und Heiner Pietzsch und legt den Fokus auf die Provenienz der Kunstwerke - und so kann man hier den ein oder anderen "Kunstkrimi" verfolgen, so Sternburg: "Einer der Glücksfälle betrifft Massons aus Farbe und Sand gemaltes abstraktes Motiv 'Jäger': Es war in Paris beschlagnahmt worden, Hitlers Kunstagenten hatten es mit der Registriernummer KA 108 und einem Kreuz markiert, was 'Vernichten!' bedeutete. Aber es fand sich nach dem Krieg im Sammellager des Museums Jeu de Paume, wurde 1947 an die emigrierte jüdische Sammlerfamilie Kann zurückgegeben. Die brachte das Bild in den Kunstmarkt, wo Ulla und Heiner Pietzsch es Jahre später erwarben."
Auch FAZ-Kritiker Andreas Kilb begeistert sich für die Geschichte(n) hinter den Werken: "Am Eingang der Schau hängt Joan Mirós Gemälde 'Der Pfeil durchstößt den Rauch' von 1926, auf dem eine käferartige rote Figur auf tiefblauem Grund neben einem Gebilde aus schwarzen Punkten, Strichen und Flächen schwebt. Miró schenkte das Bild dem Choreographen Serge Lifar, der ab 1930 das Ballett der Pariser Oper leitete und auch dem Einmarsch der Wehrmacht im Amt blieb. 1945 erhielt er als Kollaborateur ein Jahr Berufsverbot. Nach dem Krieg kam 'Der Pfeil . . .' in die Sammlung des Galeristen Paul Pétridès, der ebenfalls wegen Kollaboration angeklagt worden war und sich nur durch umfangreiche Rückgaben entlasten konnte. Ulla und Heiner Pietzsch kauften das Bild in den Achtzigerjahren, es gehört zu ihren frühesten Erwerbungen."
Weiteres: Brigitte Werneburg führt uns für die taz durch die Sammlung der Fondation Cartier in Paris. In der NZZ fragt Philipp Meier, warum sich Taylor-Swift-Fans für den Ophelia-Mythos begeistern und in der Folge dem Museum in Wiesbaden die Türen einrennen, wo die "Ophelia" des kaum erinnerten Künstlers Friedrich Wilhelm TheodorHeyser hängt.
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