
Vergangene Woche hat die
ungarische Fußballnationalmannschaft die Teilnahme an den kommenden Weltmeisterschaften durch ein Gegentor von Irland verpasst. Es entbrannte eine lebhafte (und lange nicht gesehene) Diskussion über die Verwendung der enormen Summen, die in den vergangenen 15 Jahren in den Fußball flossen, was wohl als getreuer Abdruck des "System Orbán" gelten darf. Die Äußerungen des Ministerpräsidenten über einen "
Lungenschuss, den das ganze Land erlitten habe" befeuerten die Diskussionen zumal in den eigenen, regierungsnahen Reihen. ES-Chefredakteur Zoltán Kovács
fasst sich an den Kopf: "Ich weiß nicht, ob ein Land einen Lungenschuss erleiden kann, aber ich vermute, dass es nicht der Fall ist. Das Bild ist Ausdruck eines in seiner eigenen Machtgier verstrickten, zunehmend verwirrten Geistes, der nur noch in
Bildern der Kriegsführung denken kann und daher auch das Land in ständiger Kampfbereitschaft sehen möchte. Das Land ist zu seinem willkürlichen Spielfeld geworden, über dem er als Befehlshaber steht und Krieg führt. Er schafft sich auch selbst seine Feinde, mal sind es die Liberalen, mal George Soros, mal die Brüsseler Elite, mal die Migranten, neuerdings die Ukrainer und zuletzt alle, die nicht seiner Meinung sind. (...) Vor dem Spiel zwischen Ungarn und Irland zeigte das Fernsehen Viktor Orbán, wie er in der Tür der Loge stand, seinen Blick über das Publikum schweifen ließ und zufrieden lächelte. Um den Hals trug er einen Schal, offensichtlich für die Pressekonferenz nach dem Spiel. Orbán weiß es sicher nicht, aber er hat dem Sport bereits viel Schaden zugefügt. So unüberlegt Gelder in den Fußball zu gießen führt nur dazu, dass der
Eigenaufbau des Sports zunichte gemacht wird: Aus dem Ausland strömen
dickbäuchige alternde Profis und Halbtalente. Obendrein erinnert die Besetzung der größten Vereinsführungen mit Parteikadern an die schlimmsten Zeiten. Vom Fraktionsvorsitzenden der Regierungspartei im EP über den Generalsekretär der Partei bis hin zum Außenminister - was ist das für eine Liga?"