
Die Soziolinguistin
Ágnes Huszár analysiert in
Elet es Irodalom die Kommunikationsstrategien der Regierungspartei Fidesz sowie des Ministerpräsidenten Viktor Orbán: "Das Hauptziel von Orbáns Rede am 7. September beim jährlichen "bürgerlichen Picknick" im West-Ungarischen Kötcse (Kötsching) war es, sich neben
Russland, das er zum Sieger erklärte, dem neuen Präsidenten der
Vereinigten Staaten, der die Welt verändert, und der Weltmacht
China zu positionieren und, wenn auch nur vage, auf
die Beute hinzuweisen, die einem treuen Gefolgsmann zusteht: die ehemals ungarischen Gebiete in der Karpatenregion. Damit hat er seine Regierung und seine Partei endgültig auf eine postfaktische Politik festgelegt. Die Wahrheit - die Übereinstimmung mit den Tatsachen - spielt dabei keine Rolle mehr. Der Wahlkampf ist post-truth-, oder, um es unverblümter zu sagen:
lügenzentriert (...) Diese Politik richtet sich an das Inland und zielt darauf ab, die Wahlen im nächsten Jahr zu gewinnen. Orbán möchte sich als globalpolitischer Faktor präsentieren, als wichtiger Mann, auf den die Führer der Großmächte hören und der selbst globalpolitische Wendepunkte herbeiführen kann, beispielsweise den Untergang oder den Fortbestand der Europäischen Union. Er, der in die Zukunft blickt und die Weltpolitik gestaltet, wird sich nicht mit irgendwelchen Kleinigkeiten - dem ungarischen Gesundheitswesen, dem Bildungswesen - beschäftigen, diese
Probleme lösen sich von selbst. Oppositionsmitglieder nimmt er nicht einmal als Menschen wahr - sie sind für ihn Wanzen, kleine Hähne, haarlose Füchse vom Lande. (…) Was Orbán als 'Kunst der Politik' darzustellen versucht, ist in Wirklichkeit Betrug, Wortbruch, Täuschung eines gutgläubigen Partners. Früher oder später wird dies auffliegen. Bei den europäischen Partnern ist dies bereits geschehen, so wird er zu wichtigen Beratungen nicht mehr eingeladen."