Magazinrundschau

Seid ihr bereit dafür, Medien?

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
19.08.2025. Assad ist Geschichte, aber sein Vermächtnis setzt sich unter den neuen Machthabern in Syrien fort: der Sektarismus, erzählt die Drusin Sarah Hunaidi bei Qantara. Derweil kommt auch Assads innerer Zirkel ungeschoren davon, sekundiert die LRB. New Lines weiß, weshalb es der Vatikan ganz und gar nicht eilig hat mit der Exkommunikation von Mafia-Mitgliedern. Eurozine beobachtet, wie aufmerksam Trump von Erdogan lernt, wie man Journalisten und Wissenschaftler unterdrückt. Und das Comics Journal staunt, wie die libanesische Comicszene die Zensur umgeht.

Qantara (Deutschland), 12.08.2025

Der Sektarismus, also die Überbetonung ethnischer oder religiöser Unterschiede, die zu Ausgrenzung führen, "war Teil des von Assad gepflegten Systems, in dem säuberlich unterschieden wurde, wer leben durfte und wer ohne Konsequenz getötet wurde", schreibt Sarah Hunaidi, die als Drusin in Syrien lebte. Assad ist zwar Geschichte, aber sein Vermächtnis lebt unter der neuen Regierung weiter: "In den vergangenen Monaten kam es zu einer Welle identitätsbasierter Gewalt: die Angriffe auf alawitische Gebiete im März 2025, die Kämpfe mit der drusischen Gemeinschaft im April und Mai in Sahnaja im Südwesten von Damaskus und das Selbstmordattentat in der Mar-Elias Kirche im Juni. Diese Verbrechen könnten den Eindruck erwecken, dass der Sektarismus schlimmer ist als je zuvor - und dass Assad tatsächlich Minderheiten beschützt hat. Doch in Wahrheit erleben wir gerade, wie sich die jahrzehntelange Spaltung entlang konfessioneller Identitäten durch Assad offen zeigt. Was einst mit autoritärem Stillschweigens niedergehalten wurde, wird nun ausgesprochen. In den Massakern in meiner Heimatstadt Suwaida im Juli verlor ich Cousins, Freunde, Menschen, die ich liebte. In den darauffolgenden Tagen sah ich Ordner mit Bildern von bis zur Unkenntlichkeit entstellten Leichen durch und versuchte, die Vermissten zu identifizieren - so wie wir es einst mit den Bildern taten, die unter dem Decknamen 'Caesar' von Überläufern der syrischen Militärpolizei aufgenommen worden waren. Aber dieses Mal war es die Übergangsregierung, jene Leute, die ein neues Syrien versprochen hatten - und die jetzt dasselbe alte Spielbuch anwenden. Ihre offiziellen Medien hetzen gegen ganze Gemeinschaften, um an der Macht zu bleiben." 

Armin Messager zeichnet nach, wie iranische Monarchisten um Ex-Kronprinz Reza Pahlavi auf ein Comeback im Iran hinarbeiten. Über Satellitenkanäle wie Manoto, 2023 mit über 17 Millionen Followern auf Platz 9 der meistgefolgten persischsprachigen Seiten in den sozialen Medien, "verbreiten sie ein nostalgisches, royalistisches Narrativ und drängen andere demokratische Oppositionsbewegungen an den Rand", so Messager: "Die Pahlavi-Monarchie wird als Ära des Ruhms, des Fortschritts und des Nationalstolzes porträtiert, eine Darstellung, die durch Expert:innendiskussionen gestützt wird. Fast vollständig aus dem Narrativ gelöscht wird dagegen der Unterdrückungsapparat jener Zeit: der Geheimdienst SAVAK, die Folter und die Hinrichtungen von Dissident:innen sowie das Elend in den Slums zu einer Zeit, in der die Eliten in Luxus lebten. (…) Auf einer Linie mit Trump und Netanjahu haben sich Irans Monarchist:innen der neuen internationalen extremen Rechten angeschlossen. Paradoxerweise ähneln Irans Monarchist:innen mit ihrem Kurs aber gleichzeitig den Ultra-Konservativen innerhalb des iranischen Regimes, teilen sie doch deren Ablehnung von pro-demokratischen Kräften wie auch den Militarismus, die Fremdenfeindlichkeit gegenüber Afghan:innen und die Ausgrenzung von Minderheiten."
Archiv: Qantara

London Review of Books (UK), 14.08.2025

Mit der Lage der Alawiten in Syrien vor und nach Assads Sturz setzt sich Loubna Mrie auseinander. Die Volksgruppe, der der Diktator selbst angehörte, hatte das Assad-Regime zwar lange unterstützt, aber zu den tatsächlichen Profiteuren der das gesamte politische System durchsetzenden Korruption zählten nur wenige. Ausgerechnet dieser innere Zirkel Assads kommt nun, da Islamisten die Regierung führen, ungeschoren davon: "Hochrangige Beamte des Assad-Regimes - Männer, die für unzählige Festnahmen und Todesfälle verantwortlich waren - bleiben unangetastet. Einer von ihnen ist Muhammad Hamsho, in ganz Syrien bekannt als der 'Schuttkönig'. Er hatte sein Vermögen aufgebaut, indem er aus zerbombten Stadtvierteln Schrott barg. In Qaboun, einst eine Hochburg der Opposition, sammelten seine Trupps Stahlstangen aus zerstörten Häusern. Der Stahl speiste seine Fabriken. Hamsho finanzierte zudem einige der brutalsten Milizen des Regimes. Dennoch bleibt er geschützt - offenbar aufgrund von Verbindungen nach Katar durch die Ehe seiner Schwester. Vielen anderen geht es wie ihm. Fadi Saqr, der Milizenkommandeur, dem vorgeworfen wird, das Massaker von Tadamon 2013 beaufsichtigt zu haben - bei dem 41 Menschen in einer Grube im Osten von Damaskus exekutiert wurden -, wurde bei Treffen mit der neuen Regierung gesehen. Während die Architekten der Gewalt abgeschirmt werden, richtet sich die Wut gegen diejenigen, die greifbar sind: Nachbarn, die im Verdacht standen, Informanten des Assad-Regimes gewesen zu sein. In einem Video wird ein angeblicher Informant an die Motorhaube eines Autos gefesselt. Ein Hammer wird ihm in den Schädel geschlagen."

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Ferdinand Mount ordnet Donald Trumps Vorliebe für Zölle in die Wirtschaftsgeschichte der USA ein. Es zeigt sich: Trumps Protektionismus hat durchaus jede Menge historische Vorläufer - ausgerechnet die Boomphase der amerikanischen Wirtschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fällt aber mit einer konsequenten Freihhandelspolitik zusammen. Dennoch wirbt der amerikanische Anwalt Robert Lighthizer, der die US-Zollpolitik während der ersten Amtszeit Trumps maßgeblich mitprägte, in seinem 2023 erschienenen Buch "No Trade is Free" weiterhin für eine protektionistische Wende in der Handelspolitik. Aber "Lighthizer bleibt die Antwort darauf schuldig, warum er Zölle für das einzig wirksame Mittel hält, um die Schwachstellen der amerikanischen Wirtschaft zu schützen. Ebenso wenig kann er belegen, dass Trumps erste Zollrunde irgendeinen Nutzen brachte - oder erklären, welche zusätzlichen Belastungen sie für Konsumenten und für Hersteller verursachte, die sich plötzlich mit steigenden Preisen für Stahl, Seltene Erden und andere Rohstoffe konfrontiert sahen. Die 2018 verhängten Trump-Zölle führten jedenfalls nicht zu mehr Arbeitsplätzen in der heimischen Stahlindustrie. Im Gegenteil: Nach Berechnungen der unabhängigen Tax Foundation drückten ihre Folgewirkungen das langfristige Wirtschaftswachstum, die Löhne und die Beschäftigung - umgerechnet um rund 166.000 Vollzeitstellen. Schon die Stahlzölle unter Carter, Reagan und George W. Bush hatten sich als ebenso wirkungslos wie teuer erwiesen. Auch Trumps jüngstes Hin und Her zwischen Drohungen und vagen Ankündigungen von Deals dürfte kaum jemandem nützen - außer dem US-Finanzministerium. Dort sprudeln die Einnahmen kräftig: Laut einem Bericht für BBC Verify vom Juli nimmt es inzwischen 28 Milliarden Dollar monatlich an Einfuhrzöllen ein, dreimal so viel wie im Vorjahr. Den Amerikanern dämmert inzwischen, dass sie am Ende dieser zähen Zollgefechte wohl rund 15 Prozent mehr für ihre Importe zahlen werden."

New Lines Magazine (USA), 18.08.2025

Floriana Bulfon zeichnet die Verquickungen zwischen dem Vatikan und der italienischen Mafia nach, die jahrelang rege Geschäfte miteinander betrieben. Ein Wendepunkt trat 1992 ein, erinnert Bulfon, als Giovanni Falcone und Paolo Borsellino ermordet wurden, zwei in Italien sehr populäre Richter, die mit viel Medienaufmerksamkeit gegen die Mafiosi vorgingen. In Folge schlug Papst Johannes Paul II. während einer Messe im sizilianischen Agrigent andere Töne an. Er forderte "eine 'klare Missachtung der Kultur der Mafia, die eine Kultur des Todes, zutiefst unmenschlich und antireligiös ist'." Später ging Papst Franziskus noch weiter, so Bulfon. Er wollte das "drastischste Mittel" anwenden, dass der katholischen Kirche zur Verfügung steht, die Exkommunion und damit den lebenslangen Ausschluss aus der katholischen Gemeinschaft. Bis heute konnte dieses Mittel allerdings nicht durchgesetzt werden: "Es gab mehrere Gründe dafür, dass Franziskus es nicht schaffte, eine vom Vatikan angeführte Verurteilung der Mafia durchzusetzen. Es gab rechtliche Probleme bei der Definition, wer oder was die Mafia ist: Nur das italienische Strafgesetzbuch sieht den Straftatbestand der Mafia-Verbindung vor. Einige in der Kirche befürchteten, dass Pfarreien und Priester in von der Mafia kontrollierten Gebieten angegriffen würden. Und es gab die unausgesprochene Angst, dass Skandale über die Zusammenarbeit von Priestern oder kirchlichen Strukturen auftauchen könnten. Es gab in der Kirche Stimmen, die befürchteten, dass eine so drastische Entscheidung wie die Exkommunikation eine Welle von Enthüllungen über die Beziehungen zwischen Mafiosi und Narcos nicht nur zum italienischen Klerus, sondern auch zu dem in Mittel- und Südamerika oder Afrika auslösen würde. Die Eifersüchteleien und Rivalitäten zwischen den verschiedenen Dikasterien spielte eine zusätzliche Rolle. Das Ergebnis war eine Mauer der Ablehnung, die noch massiver war als die, die errichtet wurde, um den Papst daran zu hindern, Pädophilie im Klerus anzuprangern."

New Yorker (USA), 18.08.2025

Das größte Problem mit Trumps Justizministerin Pam Bondi ist ihre absolute Hörigkeit, konstatiert Ruth Marcus: "Auch andere Justizminister haben enge - manchmal beunruhigend enge - Beziehungen zu den Präsidenten gepflegt, die sie ernannt haben. Robert F. Kennedy war mit 35 der bescheiden qualifizierte Attorney General und Berater seines Bruders. Eric Holder hat sich einmal als Barack Obamas 'Wingman' bezeichnet und den Präsidenten als 'mein Junge'. Aber, selbst in einem Team voller Trump-Höflinge, sticht Bondi durch ihre anhimmelnde Bewunderung hervor. In einer frühen Kabinettssitzung, die vor allem dazu diente, die Regierung zu preisen, drehte sich Bondi zu Trump und sagte: 'Präsident, ihre hundert ersten Tage haben die jeder anderen Präsidentschaft jemals weit übertroffen, jemals, jemals.' Sie fuhr fort mit der fantasiereichen Behauptung, die Beschlagnahmung von 22 Millionen Fentanylpillen in diesem Zeitraum 'rettete - seid ihr bereit dafür, Medien? - 258 Millionen Leben.' (Die gesamte US-Bevölkerung umfasst weniger als 350 Millionen Menschen, die Nummer an Fentanyltoten jedes Jahr ist weniger als 74 000. Bondies Folgsamkeit für den Präsidenten umfasst auch so unwichtige Dinge wie das Ende der Papierstrohhalm-Käufe im Department. Eine Exekutivverordnung Trumps erkannte, dass Papierstrohhalme 'nichtfunktional, teurer und potentiell gefährlich' seien, schrieb sie im März an die Belegschaft. 'Das Department steht an der Seite des Präsidenten, diese fehlgeleiteten Bestrebungen zurückzuweisen.'" Marcus fürchtet, was da noch kommen mag: "Es stellt sich die beunruhigende Frage, was passiert, wenn wieder ein Demokrat zum Präsidenten gewählt wird. Folgt eine Säuberungsaktion auf die nächste? Wenn das Justizsystem einmal gegen den politischen Gegner eingesetzt wird, kann der Kreislauf dann noch gebrochen werden?"
Archiv: New Yorker

Eurozine (Österreich), 13.08.2025

"Die autoritären Taktiken der türkischen und der US-Regierung ähneln sich zunehmend", konstatiert Kaya Genç. Seit dem Putsch 2016 unterdrückt Erdogans Regierung zunehmend Journalisten und Wissenschaftler. Und Trump, so Genc, spiele nach dem Erdogan-"Playbook". Während Erdogan allerdings normalerweise keine Gelegenheit auslässt, den Westen der "Heuchelei" oder der Islamfeindlichkeit zu bezichtigen, bleibt er erstaunlich ruhig, wenn es um den Umgang der US-Regierung mit israelkritischen Stimmen geht: "Die Harvard University entließ im März Cemal Kafadar, den türkischen Direktor ihres Zentrums für Nahoststudien, nachdem das Zentrum Kritik dafür erhalten hatte, dass einige seiner Programme die israelische Perspektive nicht ausreichend berücksichtigt hätten. Daraufhin warf ein Sprecher der türkischen Regierung Harvard vor, 'das wissenschaftliche Denken offen anzugreifen'. Der Angriff auf Harvard spiegelte den Angriff auf die akademische Freiheit in der Türkei wider.'" Der türkische Präsident selbst äußerte sich zu dieser Causa nicht - sicherlich aus taktischen Gründen, meint Genç, und weil er mit Trump sonst ideologisch auf einer Wellenlänge ist: "Seit 2021 kommt es an der Boğaziçi-Universität in Istanbul, einer der renommiertesten Hochschulen des Landes, zu weit verbreiteten Protesten gegen den von der Regierung ernannten Rektor, der den progressiven LGBTQ+-Club geschlossen, Erdoğan-kritische Wissenschaftler entlassen und die Polizei auf dem Campus zugelassen hat, um alle Studenten festzunehmen, die er als Gefahr für die Sicherheit ansieht. Studenten sagen, dass sogar Küssen auf dem Campus zu einem Problem geworden ist. Auf einer Konferenz im Jahr 2021 wies Kafadar darauf hin, wie seine Kollegen an der Boğaziçi unter diesen Umständen leiden, und bezeichnete die Ereignisse als 'ständigen Zustand der Unterdrückung, einen Zustand der Qual, der mit einem Gefühl der Rache allmählich an Intensität zunimmt'. Er berichtete, wie seine Kollegen in Harvard ihm erzählt hatten, dass Trump derzeit Erdoğan, Modi und Orbán in Bezug auf den Umgang mit Universitäten und Medien studiere, um zu lernen, wie er schnell gegen sie vorgehen kann, wenn er die Wahl 2024 gewinnt'."
Archiv: Eurozine

Elet es Irodalom (Ungarn), 15.08.2025

Der Verfassungsrechtler Gábor Gadó diskutiert die erneut auf der Tagesordnung stehende Gesetzänderung zur ausländischen Finanzierung von ungarischen Organisationen, NGOs, Presseorganen und Parteien, nach der solche als "ausländische Agenten" verboten werden können: "Die Unterstützung einer Vereinigung aus dem Ausland, die sich für eine aus ihrer Sicht wichtige öffentliche Angelegenheit einsetzt, gilt - im Gegensatz zu einer Spende an eine Partei - nicht als Einmischung in die Parlamentswahlen. Die finanzielle Unterstützung privater Akteure der Gesellschaft und die im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung gewonnenen EU-Mittel machen die aus Wahlsiegern gebildete Regierung nicht zu einem Agenten einer fremden Macht. Die Argumentation der Regierungsparteien ist daher unbegründet. Es ist natürlich nicht verwunderlich, dass die autoritäre Führung es nicht gerne sieht, wenn Akteure (die 'Zivilgesellschaft'), die die zur 'Staatsreligion' erhobenen Ideologie hinterfragen wollen, sich 'lautstark' in der Öffentlichkeit zu Wort melden. Und es ist für sie besonders besorgniserregend, wenn die EU dies aus Gründen des Schutzes der Menschenrechte und der Demokratie sogar noch fördert. Seit anderthalb Jahrzehnten baut der Regierungschef eine geschlossene Gesellschaft auf, in der Andersdenkende keinen Platz haben. Solange das System Bestand hat, dienen die Begriffe 'verfassungsmäßige Identität' und 'christliche Kultur' der Unterdrückung. Die Frage ist, ob wir die Welt so verändern können, dass diese Begriffe schließlich mit Freiheit in Verbindung gebracht werden."
Stichwörter: Gado, Gabor, Ungarn, Verfassung

HVG (Ungarn), 14.08.2025

Yvette Szabó berichtet derweil über das Stocken der staatlichen Förderung von ausländischen Filmproduktionen in Ungarn, was auf die angespannte Haushaltslage zurückzuführen ist, wobei die meisten betroffenen Produktionsfirmen mittlerweile als regierungsnah gelten: "In den letzten Jahren hat Ungarn Filmzentren wie Tschechien hinter sich gelassen. Berichten zufolge wurde im Frühjahr nur ein einziger ausländischer Film in Prag gedreht, während in Ungarn die Branche boomte. In den letzten Jahren haben amerikanische und andere Produzenten zwar auch die Nachbarländer ausprobiert, sie waren in Rumänien und Bulgarien, haben das serbische und kroatische Know-how getestet, aber im Vergleich gehen meist die ungarischen Drehorte und Fachleute als Sieger hervor. Die Popularität wird dadurch verstärkt, dass man in Budapest praktisch jeden europäischen Drehort von Paris über Berlin bis Moskau drehen kann, die Fachleute als sehr gut und die Ausrüstung als professionell angesehen werden, die übrigens teilweise gerade von den genannten regierungsnahen Akteuren angeschafft wurde, sodass deren Vermietung in ihrem elementaren Interesse liegt. Zu den Erfolgen Ungarns trägt auch bei, dass es einige Produktionsfirmen gibt, die ein hohes Maß an fachlicher Anerkennung genießen. Dazu gehört beispielsweise Mid Atlantic Films, das unter amerikanischer, englischer und ungarischer Leitung steht und an den Netflix-Serien 'Dune' und 'The Last Kingdom' mitgewirkt hat. Zahlreiche Produktionen werden von der tschechisch-ungarischen Pioneer Stillking Films nach Ungarn gebracht, die ebenfalls an 'Dune', dem in Budapest gedrehten Spionagefilm 'The Billion Dollar Spy' mit Russel Crowe und dem neuen historischen Drama vom Oscar-Preisträger László Nemes Jeles (Sauls Sohn) mitwirkt."
Archiv: HVG
Stichwörter: Film, Ungarn, Rumänien, Tschechien

The Comics Journal (USA), 13.08.2025

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J.D. Harlock wirft einen Blick in die libanesische Comicszene, die überhaupt erst entstehen konnte, nachdem in den Nullerjahren erstmals digitale Raubkopien westlicher Comics über das Internet zugänglich wurden. Was allerdings nicht heißt, dass lokale Comicverlage, die sich seitdem im Zuge gründeten, freies Geleit hätten: Der Indie-Anbieter Samandal Comics etwa wurde nach wenigen Jahren seitens der Behörden in Grund und Boden geklagt - naheliegenderweise aufgrund von Blasphemievorwürfen. Umso mutiger, woran sich die dort veröffentlichende Zeichnerin Nour Hifaoui wagt: In ihrem lose auf eigenen Erfahrungen (und denen anderer junger Menschen) basierenden Comic "Titties" erzählt sie in One-Pagern von sexuellen Abenteuern und Experimenten. "Indem sie diese Begegnungen sehr freizügig präsentiert, untersucht Hifaoui, wie Frauen ihrer Herkunft Vergnügen aus Sex ziehen und zwar bis in trivialste Aspekten in all ihrer Absurdität hinein. Damit bezweckt sie, den Leser mit den unbequemen Wirklichkeiten unserer körperlichen Erfahrungen zu konfrontieren: Prohibition, Repression und Mariginalisierung, wie es im Nahen Osten schmerzhaft üblich ist. ... Letzten Endes dient dieser furchtlose Akt der Transgression dem Zweck, die Grenzen der Selbstdarstellungen in einem gescheiterten Staat zu verschieben, wo die plumpe Zensur in den letzten Jahren Orwell'sche Ausmaße angenommen hat und nur wenige Optionen lässt, um diesem verwirrenden Status Quo sinnstiften Widerstand zu leisten. ... 'Ich wollte, dass meine Geschichte im Libanon veröffentlicht wird und von Libanesen gelesen wird'", sagt sie über ihre Veröffentlichung. "'Als es allerdings darum ging, den Comic zu drucken, hatte die Druckerei angesichts des Inhalts Bedenken. Meine zweite Option bestand darin, ihn bei unserem Kollektiv in Frankreich zu drucken und ihn dann in Libanon zu vertreiben, wie es am Ende dann auch geschah.' Angesichts der Empfindlichkeit des Inhalts hatte sie in einem Land, das so konservativ ist wie das Paris des Nahen Ostens, nachvollziehbarerweise Sorge vor einem möglichen Backlash. Daher achtete sie darauf, dass 'Titties' nur an sicheren Orten vertrieben wird."

Außerdem befasst sich Kaoru Kumi mit einer Tragödie in Japan: Die Mangazeichnerin Hinako Ashihara hatte sich im Januar 2024 suizidiert. Dem vorausgegangen waren Auseinandersetzungen um ihren Manga "Sexy Tanaka-san", der von einer unscheinbaren Büroangestellten im Alter von 40 Jahren handelt, die sich nachts in eine glamouröse Bauchtänzerin verwandelt. Bei einer TV-Adaption gab es immer wieder Zerwürfnisse mit der Produktion, sodass Ashihara von ihrem vertraglich zugesicherten Recht Gebrauch machte und weitreichend in die Drehbücher eingriff - was offenbar zu einem größeren Shistorm im Netz und schließlich zu ihrem Suizid führte. Westliche Beobachter mag dies an die legendären Kontroversen erinnern, die der Comicautor Alan Moore einst vom Zaun brach, als Hollywood seine Arbeiten adaptierte, doch liegen die Details rein kulturell anders: "Während Moore sich dafür entschied, öffentlich Abstand zu nehmen, um seine Würde zu bewahren, hatte Ashihara den Eindruck, dass sie dies nicht tun sollte. In Japan wird es nicht immer als ethisch neutraler Akt gesehen, sich der Mitwirkung zu entziehen, um die eigene kreative Würde zu schützen. Für die Fans und den Autor kann sich dies wie Verrat anfühlen. ... Im Herzen dieser Abweichung liegt eine kulturelle und komerzielle Differenz, wie Kreative zu ihren Figuren stehen. In der Comictradition des amerikanischen Mainstreams existieren die Figuren oft unabhängig von einem einzelnen Autor. Es geht gerade darum, dass sie weitergereicht und von neuen Generationen an Schreibern und Zeichnern neu imaginiert und neu geformt werden. ... Im Japan betrachtet man die Figuren ganz im Gegensatz dazu häufiger als untrennbar von den Autoren, die sie hervorgebracht haben. Manga-Künstlers sprechen von ihren Protagonisten oft als Erweiterungen ihrer eigenen Gefühle, Identitäten und Lebenserfahrungen. Es ist nicht ungewöhnlich, einen Kreativen sagen zu hören, dass 'er oder sie Teil meiner Persönlichkeit' sei. Dieses Band ist nicht bloß metaphorisch. Es ist viszeral und wurzelt in einem kreativen Prozess, in dem der Autor über mehrere Jahre und oft in Einsamkeit seine Figuren schreibt, sie zeichnet, ja mit ihnen lebt."

Republik (Schweiz), 15.08.2025

Wer es diesen Sommer nach Sizilien geschafft hat, hat die brütende Hitze erlebt, von der Wasserknappheit, von der die Journalistin Franziska Grillmeier, die letztes Jahr ein lesenswertes Buch über die Flüchtlingslager an den Rändern Europas geschrieben hat, berichtet, war zumindest in den Touristengebieten nichts zu spüren. Dabei erlebte Sizilien schon letztes Jahr die schlimmste Dürre der vergangenen zwanzig Jahre: "Ganze Dörfer mussten mit mobilen Wassertanks versorgt werden. Immer mehr Landwirte entschieden sich, ihre Kühe oder Ziegen zu schlachten, weil ihre künstlich angelegten Tränken ausgetrocknet waren und sie es schlicht nicht mehr schafften, genügend Wasser heranzubringen, um Tiere und Felder zu versorgen. Die Rechnungen der Wasserbetriebe aber, die kamen weiterhin. Zwei der knapp fünf Millionen Einwohnerinnen Siziliens hatten nur noch Zugang zu einer rationierten Menge Wasser, viele über Monate. ... Auch jetzt ist es wieder glühend heiß: Im Juli 2025 kamen die Temperaturen nahe an den Rekord vom Sommer 2021 heran: Damals war auf Sizilien mit 48,8 Grad die bislang höchste Temperatur in Kontinentaleuropa gemessen worden. Diesen Juli mussten die Feuerwehren auf der Insel an manchen Tagen zu über 80 Bränden ausrücken. Die Feuer tragen zur fortschreitenden Verwüstung der Insel bei - wie der ausbleibende Regen, wie die mangelhafte Wasserwirtschaft, wie der zunehmend versiegelte Boden, wie die gesunkenen Baumbestände aufgrund früherer Rodungen. Bis 2030, sagen Experten, könnte die Insel zu einem Drittel aus Wüste bestehen."
Archiv: Republik
Stichwörter: Sizilien, Wasserknappheit